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Digital First, & dann Papier – mit epub2print dreht Readbox den Workflow um

12 Mrz 2014

„Digital First“ lautet für viele Verlage mittlerweile die Devise – denn mit E-Book-Versionen lässt sich kostengünstig & zeitnah ausloten, ob ein Titel genügend Leser anspricht, um auch eine Print-Auflage zu wagen. Es gibt nur ein Problem: Der klassische Workflow läuft genau umgekehrt, zumeist werden epubs aus DTP-Programmen wie Indesign heraus exportiert, deren Hauptaufgabe das Gestalten von aufwändigen Print-Layouts ist. Dabei wird aus einer sehr komplexen Satzdatei ein relativ einfaches epub – denn fix gesetzte Seiten gibt es ja bei E-Books nicht, nur ein paar generelle Angaben zu Schriftart oder Kapitelgestaltung.

Der Schritt vom epub zum gedruckten Buch bedeutet deswegen zusätzlichen Aufwand – und kostet neben Geld auch Zeit. Mit „epub2print“ will der Dortmunder E-Publishing-Dienstleister Readbox nun dabei helfen, die Verdopplung des Workflows bei ‚Digital First‘ zu vermeiden: die mit dieser Technologie erstellten epubs sind bereits optimal zur späteren Konvertierung in ein Print-Layout vorbereitet, d.h. sie enthalten schon wichtige Informationen, mit denen sich automatisch ein richtig formatiertes XML-Dokument erstellen lässt, das dann wiederum als Vorlage für ein Indesign-Layout fungieren kann.

Für Verlage lohnt sich dieser umgekehrte Workflow vor allem bei Reihen, die nach einem festgelegten Stylesheet gelayoutet werden – alles, was benötigt wird, sind Metadaten, ein Cover und eine Manuskript-Datei z.B. im Word-Format. Ein schönes Anwendungsbeispiel ist die „Rockstar-Reihe“ des vom Carlsen Verlag gestarteten Labels „Impress“ – blättert man sich zum Impressum von Band 1 (Teresa Sporrer, „Verliebe dich nie in einen Rockstar“), findet man dort nicht zufällig die Angabe „Satz und Umsetzung: readbox Publishing, Dortmund“. Interessant finde ich aber auch die anschließende Information: „Druck und Bindung: BoD Hamburg“. Denn durch die Kooperation mit Books on Demand kann Readbox sozusagen „from scratch“ den gesamten Herstellungsprozess vom Manuskript bis zum Endprodukt übernehmen.

Letzlich, so Readbox-Geschäftsführer Ralf Biesemeier, könnte dank epub2print die Risikominimierung durch ‚Digital First’ plus Print-Option zukünftig nicht mehr nur für Indie-Autoren, sondern auch für Verlage zum Standard-Verfahren werden: „Verlage können damit den Vorteil, den die Self-Publisher nutzen, auch für sich selbst ausspielen.“ Auch vor dem Hintergrund reduzierter Verkaufsflächen und sinkender Druckauflagen sei die neue Form des weitgehend automatisierten Workflows vom E-Book zur Druckauflage ein vielversprechender Ansatz für das gesamte Buch- und Verlagswesen.

Abb.: Blick in Bd. 1 der Rockstar-Reihe (Carlsen Verlag), produziert mit epub2print (Readbox)