DIE ZEIT am Facebook-Kiosk: Auf dem Weg zur „Social Publishing Plattform“

Eine Facebook-Buchhandlung gibt’s schon, jetzt folgt endlich auch der Facebook-Kiosk. Die ePaper-Version der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT kann man bereits direkt im Facebook-Profil der Fanpage von ZEIT online lesen. Möglich macht das ein neues „Social Publishing“-Tool namens Copyclick, welches neben der Online-Lektüre im Browser auch den PDF-Download erlaubt. Es reicht allerdings nicht, ein Fan von ZEIT online zu sein – man muss pro Ausgabe 3,99 Euro zahlen.

„Wiegt bei gutem Wetter ein Kilo, bei Regen zwei Kilo“

Kennen Sie noch die ZEIT? Sie wissen schon: das großformatige Wochenblatt aus Hamburg, (mit-)herausgegeben von Altkanzler Helmut Schmidt, über das ein Satiriker mal recht treffend schrieb: wiegt bei gutem Wetter ein Kilogramm, bei Regen zwei Kilogramm!? Auch im Pressehaus am Speersort 1 geht man allerdings mit der Zeit (kleingeschrieben), und setzt entschieden auf die neuen Medien. Das Web-Portal ZEIT online darf sich zur Zeit sogar die „am schnellsten wachsende Plattform des deutschen Online-Journalismus“ nennen. Es gibt die ZEIT als bunte App für’s iPhone, als graue Textwüste auf Amazons Kindle, und überhaupt als E-Paper im epub- und PDF-Format an digitalen Kiosken wie Pubbles oder Telekoms Pageplace. Die jungen Leser muss man natürlich dort abholen, wo sie schon sind. Und das ist auch in Deutschland immer öfter Facebook. Mehr als 18 Millionen Nutzer sind dort selbst hierzulande schon unterwegs, rund die Hälfte davon Tag für Tag.

„Innovatives Tool zur Zweitverwertung“

Wenn sie denn wollen, können sie dort nun en passant das E-Paper der ZEIT erwerben – und barrierefrei direkt im Facebook-Fanprofil von ZEIT online lesen. Möglich macht das die Facebook-Anwendung „Copyclick“, entwickelt von der Hamburger picturesafe GmbH. „Verlage können Einzelseiten, Strecken, komplette Artikel oder ganze Ausgaben bepreisen und sogar echten Mehrwert durch weitergehende Informationen online anbieten“, so das Unternehmen selbst über diese neue Form des „Social Publishings“. Eingebettet werden können neben PDF-Dokumenten nämlich auch HTML, Video oder MPP3. Zumindest theoretisch. Wirklichen Mehrwert bietet die ZEIT auf Facebook zum Einzelpreis von 3,99 Euro allerdings nicht (Zum Vergleich: das text-only-Abo auf dem Kindle gibt’s für 4,99 Euro pro Monat). Es ist eben ganz einfach die statische ePaper-Version der gedruckten Ausgabe. Am besten trifft es so vielleicht das auf der Copyclick-Website zu findende Testimonial von Alexander von Reibnitz (Verband dt. Zeitungsverleger): „Ein innovatives Tool zur Zweitverwertung von bestehendem Content“.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".