„Die Unterschiede zwischen Laien- und Profi-Indies wachsen“ – Leonie Langer (epubli) im Interview

leonie-langer-epubliQuo vadis, Self-Publishing – welche Fähigkeiten muss man mittlerweile als erfolgreicher Autor mitbringen? Wie wichtig ist Marketing? Welche Dienstleistungen überlässt man besser Profis? Diese und weitere Fragen stellen wir im Vorfeld des Self-Publishing Days 2015 den dort präsenten Ausstellern. Heute im Interview: Leonie Langer, bei epubli zuständig für den Bereich Kommunikation. In diesem Rahmen schreibt sie auch für den epubli-Blog und gibt Seminare zu verschiedenen Themen im Bereich Self-Publishing. Die Berliner Self-Publishing Plattform epubli ermöglicht Autoren seit 2008, ihr Buch unabhängig zu veröffentlichen und weltweit zu verkaufen. Gedruckt und als eBook, im Buchhandel sowie bei Amazon, Apple, Google & Co.

E-Book-News: Self-Publisher müssen viele Dinge beherrschen, die über das bloße Schreiben hinausgehen. Was sind die wichtigsten Qualifikationen, die man im Jahr 2015 mitbringen sollte?

Leonie Langer: Am allerwichtigsten ist nicht eine Qualifikation, sondern die richtige Einstellung: und zwar, professionell und diszipliniert zu arbeiten. Die Grenzen zwischen Verlags- und Indie-Büchern schwinden, dafür werden die Unterschiede zwischen Laien- und Profi-Indie-Autoren immer größer. Wer da als Self-Publisher mithalten will, muss ein gewisses Maß an Disziplin und den unbedingten Anspruch der Professionalität mitbringen. Wer außerdem noch eine Prise unternehmerisches Denken, Lust an der Kommunikation mit seinen Fans und Affinität zu Social Media hat, der hat 2015 die besten Aussichten, ein erfolgreicher Self-Publishing-Autor zu werden.

Self-Publisher machen nicht alles selbst, sie brauchen bei manchen Dingen externen Sachverstand. In welchen Bereichen sind solche Dienstleistungen besonders wichtig?

Beim Lektorat und Korrektorat. Auch Germanistik-Professoren und Deutschlehrer sollten noch einen Profi drüberschauen lassen, denn grundsätzlich ist man bei seinen eigenen Texten blind – sowohl was Stilblüten als auch Rechtschreibfehler betrifft. In anderen Bereichen kommt es natürlich darauf an, wo der Autor selbst ein Profi ist. Wer hauptberuflich als Grafikdesigner arbeitet, kann selbst ein professionelles Buchcover erstellen. Allen anderen würde ich dringend empfehlen, hier ebenfalls einen Experten zurate zu ziehen. Zum Glück kann im Netz jeder schnell den richtigen externen Dienstleister finden, z.B. auf der von epubli ins Leben gerufenen Plattform buchprofis.

Mit der Produktion eines Buches ist es nicht getan, es muss sich ja auch verkaufen. Welche Rolle spielt das Marketing im Self-Publishing-Sektor?

Eine sehr zentrale, vor allem das Online Marketing. Das Gute ist, dass teures Online Marketing mit Anzeigenkauf und Bannerwerbung nicht unbedingt nötig ist. Eine gut gestaltete und organisierte Präsenz in den sozialen Netzwerken ist Gold Wert. Dort sollte man als Autor auf keinen Fall plumpe Werbung für sein Buch machen, sondern Kontakt zu seinen Lesern, anderen Autoren, Bloggern und Menschen aus der Buchbranche aufnehmen. Wer seine Social Media Kanäle nicht als reines Marketing-Tool, sondern als Plattformen zum Austausch mit anderen und als Informationskanäle begreift, für den ist Marketing auch nicht unbedingt Arbeit, sondern macht Spaß! Oder wie die Autorin Annie Stone kürzlich schrieb: Durch den Kontakt übers Internet werden aus Lesern schnell Freunde.

Der klassische Buchhandel ist für viele Self-Publisher noch ein unentdecktes Land. Wie lässt sich das zukünftig ändern?

Mit der stetigen Professionalisierung selbstverlegter Titel befinden wir uns schon auf einem guten Weg in Richtung Buchhandel. Und je erfolgreicher Indie-Autoren mit E-Books werden, desto eher werden Buchhändler an diesen Erfolgen teilhaben und sich dem Self-Publishing öffnen wollen. Als Self-Publisher sollte man die Offensive ergreifen und Buchhändler direkt ansprechen. Dabei sollte man durchaus eine gewisse Hartnäckigkeit an den Tag legen, aber auf keinen Fall penetrant sein! Mehr zur richtigen Ansprache von Buchhändlern können Autoren in unserem Workshop am 25.4. erfahren.

Momentan geht der Trend in Richtung Flatrate-Lektüre und E-Book-Abo. Welche Herausforderungen bringt das für die Autoren, aber auch für die Selfpublishing-Dienstleister?

Abo- und Flatrate-Modelle werden vor allem von Viellesern genutzt. Self-Publisher sollten die Gelegenheit unbedingt nutzen, ihre E-Books dieser sehr wichtigen Zielgruppe zugänglich zu machen. Flatrates und Abos sind vor allem eine Chance für unbekannte Autoren, entdeckt zu werden. Denn durch ein Abo kann man auch einfach mal ein Buch lesen, das man sich nicht gleich kaufen würde. So sorgen diese Modelle für ein bunteres und abwechslungsreicheres Leseverhalten. Außerdem zeigen Statistiken, dass Abonutzer im Schnitt beinahe doppelt so viele Bücher lesen wie Nicht-Abonnenten und nicht weniger Geld für Bücher ausgeben als vor dem Abschluss des Abos. Viele Abo- und Flatrate-Nutzer haben früher sogar ihre eBooks auf Piratenseiten bezogen. Deshalb sind diese Modelle eher eine Chance als eine Herausforderung.
Jemand, der ein Buch ausleiht anstatt es zu kaufen, neigt eher als ein Buchkäufer dazu, es nicht zu Ende zu lesen. Deshalb sind Cliffhanger und Spannungsbögen umso wichtiger.

Welche Themen werden Sie den Teilnehmern des SPDay15 in Münster näherbringen?

Wie bereits erwähnt wird es bei uns ganz intensiv um das Thema „Indie-Autoren in den Buchhandel“ gehen. Viele Autoren möchten, dass ihre Bücher auch über den stationären Handel verkauft werden. Eine Umfrage unter Buchhändlern ergab, dass viele Buchhändler sich besonders über eine unprofessionelle Ansprache von Indie-Autoren ärgern. Wie man Buchhändler richtig anspricht und sie von seinen Büchern überzeugt, was es im Vorfeld zu beachten gibt und wie man die Kooperation mit einer Buchhandlung aufrecht erhält, dafür geben wir den Autoren am SPDay viele nützliche Tipps.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

3 Gedanken zu „„Die Unterschiede zwischen Laien- und Profi-Indies wachsen“ – Leonie Langer (epubli) im Interview“

  1. Ja, dem kann ich alles nur zustimmen.
    Wer aber wirklich „nur“ schreiben will, der ist mit einem klassischen Verlag, der sich auch auf aktuelles Marketing besser bedient.
    Die Schwemme an Selbst-Verlegern, die ihr Online-Tagebuch „mal eben“ online stellen wollen, macht (witzigerweise) klassische Verlagsarbeit für den Leser noch viel wichtiger als früher.

  2. jepp ganz sicher treffende hinweise auf die Professionalität.

    Als Neukunde bei epubli fehlt mir aber dort ein ganzes Stück die aftersales Betreuung. Epubli wäre gut aufgestellt, wenn durch mehr Transparenz und entsprechende tools für die publisher größere Unterstützung käme. Hier ist Autor/publisher doch schon sehr auf eigene Inspiration und Recherche angewiesen.

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