Die Lizenz zum Lesen – E-Books aus der virtuellen Bibliothek VoeBB24

Lizenz-zum-Lesen---E-Books-.gifVoeBB24 – unter diesem Namen bieten die Berliner Öffentlichen Bibliotheken fast 9000 E-Books online im PDF-Format an. Den Löwenanteil stellen Sachbücher mit über 6000 Büchern sowie Schule und Lernen mit 2500 E-Books. Die Belletristik ist dagegen fast ein unbeschriebenes Blatt: kaum mehr als 300 Titel sind bisher im Angebot. Daneben gibt es E-Paper, E-Audio und sogar E-Video.

VoeBB24 hält, was der Name verspricht: Online-Ausleihe rund um die Uhr

Das Angebotsspektrum entspricht der Nachfrage: Während Ratgeber oder wissenschaftliche Publikationen inzwischen häufig in digitaler Form am Bildschirm gelesen werden, bleiben Krimi oder Urlaubsroman nach wie vor auf das Medium Papier beschränkt. Das liegt natürlich auch daran, dass viele aktuelle Romane in Deutschland meist ohnehin noch nicht als E-Book verfügbar sind. Bei VoeBB24 können die LeserInnen – wie der Name verdeutlicht – rund um die Uhr von jedem beliebigen Internetanschluss aus auf die Dateien zugreifen. Die Suche erfolgt per Online-Katalog. Als E-Book zählen bei Voebb24 übrigens auch E-Paper, E-Audio und sogar E-Video. Bis zu 60 Titel auf einmal können im virtuellen Benutzerkorb gespeichert werden, wo sie 30 Minuten zum Download bereit bleiben. Hat der Nutzer das Buch erfolgreich „ausgeliehen“, kann er entweder direkt über den Server darauf zugreifen oder es auf seiner Festplatte speichern. Eine frühere Rückgabe ist dabei übrigens ebenso wenig möglich wie eine Verlängerung: Nach Ablauf der Leihfrist wird die Datei automatisch deaktiviert und muss gegebenenfalls neu geliehen werden.

„Leihen“ und „Zurückgeben“ in den Zeiten von Digital Rights Management

Die Rede von „leihen“ und „zurückgeben“ klingt im Kontext digitaler Bibliotheken merkwürdig altmodisch. Aber ähnlich wie die Wälzer zum Anfassen stehen auch die elektronischen Buchbestände nicht allzeit frei zur Verfügung. Das Digital Rights Management (DRM) imitiert nämlich das herkömmliche System der Ausleihe. So gibt es eine gewisse Anzahl an „Exemplaren“, von denen jedes nur von einer Person „ausgeliehen“ werden kann. Liest das gewünschte Buch grade ein Anderer, muss man, wiederum ganz konventionell, vorbestellen. E-Books in der Bibliothek sind also ähnlich knapp wie in der Realität. Der schnelle und unbegrenzte Zugriff, den viele Nutzer aus anderen Bereichen des Internets gewohnt sind, beschränkt sich hier darauf, dass einem der Gang in die Bücherei erspart bleibt. Auch die erweiterten Nutzungsbedingungen, etwa ob und bis zu welchem Ausmaß ein E-Book auf mehrere Endgeräte kopiert oder auf Papier ausgedruckt werden darf, legen die Anbieter genau fest.

„Open Access“ hat auch im wissenschaftlichen Bereich seine Grenzen

Solche Nutzungseinschränkungen bereiten überigens auch wissenschaftlichen Bibliotheken und ihren Lesern Kopfzerbrechen. Also von wegen: Open Access. Bestes Beispiel ist die FU Berlin: Die digitalen Medien ihrer Universitätsbibliothek sind zum großen Teil rigide lizensiert und DRM-geschützt. Bestenfalls Online-Dissertationen und sehr alte Bücher können unlimitiert als PDF-Dateien abgerufen werden. Zahlreiche neuere Medien liegen selbst der Bibliothek nur noch virtuell vor. Mit dem Kauf elektronischer Nachschlagewerke zum Beispiel erwirbt sie nur noch die zahlenmäßig limitierten Zugriffslizenzen. Abgesehen von den Schwierigkeiten der Unibibliothek, solche „Bücher“ zu verwalten, sind bis heute wichtige rechtliche Fragen ungeklärt – wie zum Beispiel das virtuelle Eigentum geltend gemacht werden soll, wenn der Anbieter eines solchen Werks pleite geht. Doch selbst wenn die Daten ausnahmsweise mal in Berlin liegen, ändert sich ingesamt nicht viel. Ebooks auf CD-Rom etwa wie die kürzlich von der FU-Bibliothek erworbene „Bibel in gerechter Sprache“ erlauben aufgrund der Nutzungsbedingungen wiederum nur einen einzigen Zugriff zum gleichen Zeitpunkt. Wollen sich zwei Leser im gleichen Moment durchs Alte oder Neue Testament klicken, gerät der Langsamere automatisch so lange in eine Warteschleife, bis sein Vorgänger fertig ist. Da hilft wirklich nur noch ein stilles Gebet.

Veröffentlicht von

Gisela Eberhardt

Gisela Eberhardt ist promovierte Archäologin und Autorin von "Spurensuche in der Vergangenheit: Eine Geschichte der frühen Archäologie", erschienen bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft.

Ein Gedanke zu „Die Lizenz zum Lesen – E-Books aus der virtuellen Bibliothek VoeBB24“

Kommentare sind geschlossen.