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Die DNA des Erfolgs: Big Data & die Suche nach dem perfekten E-Book

30 Aug 2012

Wenn 16 Graustufen und 50 Shades of Grey zusammentreffen, kann so einiges passieren. E-Books haben der Buchbranche eine bisher ungekannte Markt-Dynamik beschert – plötzlich gibt es nur noch zwei Größen, den Content und die LeserInnen, und dazwischen das Internet. Umso wichtiger wird es natürlich zu wissen, welche Lektüre beim Publikum besonders gut ankommt. Hier kommt Big Data ins Spiel – denn dank vernetzter Lektüre auf E-Readern, Tablets und Smartphones lässt sich das Leseverhalten immer besser analysieren. Zu den besonders innovativen Akteuren auf diesem Gebiet gehört Hiptype. Das US-Startup bietet ein Plugin für E-Books an, mit dem Verlage dem Durchschnitts-Leser quasi über die Schulter schauen können. Welche Kapitel werden besonders häufig gelesen, welche Gruppen lesen überhaupt welche Bücher? Aus den (anonymisierten) Daten lassen sich dann natürlich Rückschlüsse ziehen, wie ein erfolgreiches Verlagsprogramm aussehen muss.

Großes Vorbild beim Publizieren 2.0 ist für Hiptype-Mitgründer James Levy die Online-Postille Huffington Post: „Dort hat man das daten-gestützte Publishing in voller Breite eingesetzt. Das HuffPo-Team hat mit unterschiedlichen Überschriften oder Abbildungen experimentiert, und eigene Analysetools entwickelt, um Zugriffsquellen, Lesedauer oder Absprungraten zu messen. Mit der Quantifizierung des Leserverhaltens konnte der Wert jeden einzelnen Seitenbesuchers bestimmt werden.“ Am Ende habe die HuffPo sozusagen den genetischen Code für eine erfolgreiche News-Website besessen, und darauf ihr Geschäftsmodell aufgebaut.

In einer aktuellen Infografik hat Hiptype einige Eckdaten für die perfekte E-Book-DNA zusammengestellt. Die Erkenntnisse dürften sich gerade auch für Self-Publishing-Autoren lohnen, die ein neues Buchprojekt planen. So haben etwa Bestseller mit weiblichem Protagonisten eine insgesamt 40 Prozent höhere Erfolgschance. Zielt man jedoch vor allem auf männliche Leser, garantiert unter ihnen ein männlicher Hauptdarsteller immerhin zehnmal mehr Interesse. Eine ebenso wichtige Rolle spielt jedoch das Thema. Frauen lesen laut Hiptype vor allem Herzschmerz-Stories, erotische Romane und Kochbücher, Männer bevorzugen historische Sujets, Science-Fiction sowie Do-it-yourself-Ratgeber.

Aber vorsicht: man kann letztlich über alles schreiben, aber besser nicht über 375 Seiten. Überhaupt steigt den Daten des US-Startups zufolge bereits ein Drittel aller Leser bis Seite 50 aus. Wie schnell gelesen wird, ist übrigens auch eine Altersfrage. Die unter Vierzigjährigen schmökern im Durchschnitt 48 Seiten pro Stunde weg, ältere Semester dagegen nur 33 Seiten pro Stunde. Dafür lesen die Senioren aber auch doppelt so viele Bücher zu Ende, und schaffen insgesamt auch fast doppelt so viele Seiten. Zentrales Kaufargument bleibt am Ende auch der Preis – E-Books für 99 Cent werden 12 mal so häufig gekauft wie teurere Titel. Das meiste Geld verdient wird jedoch mit E-Books zum ebenfalls erstaunlich niedrigen Preis von 3,99 Dollar. (Ob das weltfremde E-Book-Pricing in Deutschland am Ende mit schadhafter DNA der Verleger zusammenhängt?)

Abb.: Hiptype