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“Die Buchbranche braucht Tools, die gehackt werden können” – Interview mit Hugh McGuire (PressBooks)

26 Apr 2013 Ansgar Warner 0 Kommentare

Von wegen Krise der Gutenberg-Galaxis: Die Zahl der weltweit produzierten Bücher hat sich zwischen 1995 und 2011 fast verdoppelt, so der von Techdirt herausgegebene Report “The Sky is rising”. Ähnlich wie die Film-, Games- und Musikbranche profitiert also auch die Buchbranche von Internet und Digitalisierung. Allerdings gehören zu den Gewinnern oft nicht die traditionellen Martteilnehmer, sondern Newcomer mit zeitgemäßen Geschäftsmodellen für den E-Publishing-Bereich. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist PressBooks, ein Online-Tool zur Produktion von E-Books, das auf der Open-Source-Software WordPress basiert – und selbst ebenfalls frei verfügbar ist. E-Book-News sprach am Rande eines Berliner Events zum digitalen Wandel der Kreativindustrie mit PressBooks-Gründer Hugh McGuire. (Mehr zur Nutzung von PressBooks erfahrt ihr in unserem HowTo “E-Books online erstellen”)

E-Book-News: PressBooks und WordPress klingen nicht zufällig sehr ähnlich. Welches Konzept steckt hinter diesem Tool?

Hugh McGuire: Am Anfang stand die Idee, ein neues Tool zur Produktion von Büchern zu entwerfen, und nachdem wir verschiedene Mögichkeiten ausprobiert hatten, entschieden wir uns, mit WordPress ein bereits bestehendes Content Management System aus dem Open Source-Bereich zu nehmen und darauf aufzubauen.

WordPress eignet sich hervorragend dafür, Text einzugeben, zu editieren und dann zu veröffentlichen. Wir haben es dann komplett umgebaut und uns auf das Produzieren von Büchern konzentriert. Mit PressBooks erstellt man epubs, mobis oder druckfertige PDFs, alles basiert auf CSS-Formatvorlagen. Wer sich also mit WordPress auskennt und ein Buch herstellen möchte, dem steht mit PressBooks ein fantastisches Werkzeug zur Verfügung.

PressBooks ist selbst Open Source, so dass man es in Form einer WordPress-Multisite-Installation auf dem eigenen Server einrichten kann. Genausogut lässt sich unser Service aber auch via pressbooks.com nutzen, zum Ausprobieren ist das auf jeden Fall der einfachste Weg. Eine bestimmte Anzahl von E-Books kann man kostenlos erstellen, wieviele das auf Dauer sein werden, und ab wann man bezahlen muss, das testen wir gerade noch aus.

Der aktuelle Trend geht ja eindeutig in Richtung Self-Publishing. Wen habt ihr mit PressBooks als Zielpublikum im Auge?

HMG: Wir sind natürlich offen für Self-Publisher, also individuelle Autoren, aber der Bereich der mich am meisten interessiert, das sind ganz neue Formen von Verlagen und Publishing-Startups, die gerade entstehen, ohne den Ballast und die Notwendigkeiten traditioneller Modelle. Natürlich sehe ich auch den starken Aufwärtstend beim Self-Publishing, aber das wirklich spannende Wachstum findet für mich bei den neuen Geschäftsmodellen im Verlagsbereich statt.

PressBooks ist erklärtermaßen offen für alle, was ist denn mit traditionellen Verlagen, interessieren die sich auch für euer Angebot?

HMG: Wir haben einige traditionelle Verlage, die PressBooks als ihr Produktionstool nutzen, und auf diesem Wege ihre Kosten reduzieren und die Geschwindigkeit und Effizienz des Workflows verbessern. Das ist insofern schon mal ein gutes Anwendungsbeispiel für PressBooks. Aber ganz so groß ist das Interesse der alteingesessenen Verlage nicht, solche neuen Geschäftsmodelle auszuprobieren. Ich denke, das ist auch in Ordnung so, unser Ziel bestand ja von Anfang an darin, ein Profi-Tool für jedermann anzubieten, und damit die Entwicklung von Publishing-Ansätzen zu erleichtern, die es bisher so noch nicht gab.

Nach einiger Zeit der Entwicklungsarbeit habt ihr euch entschieden, die PressBooks-Software als Open-Source-Plugin zu veröffentlichen. Wie fügt sich das in euer Geschäftsmodell ein?

HMG: Da kommen verschiedene Dinge ins Spiel. Wir glauben fest daran, dass die Buchbranche sich nur weiterentwickeln kann, wenn es offene Tools gibt, die von den Leuten gehackt werden können, und mit denen man dann ganz neue Dinge mit Büchern machen kann. Das geht nur mit Open Source. Auf der anderen Seite wollen die meisten Nutzer von PressBooks aber keinen eigenen Server betreiben, und sich nicht um Updates und Bugfixes kümmern. Deswegen gibt’s parallel dazu unser Freemium-Modell auf pressbooks.com, wo man erst ab einem bestimmten kommerziellen Level bezahlen muss. Außerdem gehören zu unserem Business-Modell verschiedene Serviceleistungen rund um Print-On-Demand und die Distribution, da arbeiten wir mit verschiedenen Partnern zusammen.

Und wie hat die Community das Pressbooks-Plugin für WordPress aufgenommen?

HMG: Bisher gab’s vielleicht ein bisschen weniger Hacking als wir uns erhofft hätten, aber immerhin sehen wir schon, dass einige sehr spannende neue Nutzungsarten am Entstehen sind, die werden gerade entwickelt, es gibt also noch nicht Millionen von neuen PressBooks-Varianten da draußen, aber schon einige interessante Dinge, Leute, die einen völlig neuen Weg suchen, um Bücher zu produzieren, es bleibt also für uns sehr aufregend.

Abb.: hughmcguire.net (c)

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