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Die (Back-)List der Vernunft: Wenn junge Autoren Jein zum E-Book sagen

18 Sep 2018

wells-ebook-jeinManchmal ist eine Nachricht schon deswegen eine Nachricht, weil sie überhaupt (noch) zur Nachricht wird. So auch in diesem Fall: „Benedict Wells sagt Jein zum E-Book“, titelt das Börsenblatt diese Woche — da hat also ein Bestseller-Autor „teilweise“ seine Meinung zum Thema E-Book geändert, und lässt nun auch digitale Ausgaben zu. Aber nicht grundsätzlich, sondern nur bei Backlisttiteln — und das soll im Jahr 2018 berichtenswert sein? Vielleicht ja deshalb, weil es sich um einen vergleichsweise jungen Autor handelt: als Wells — Jahrgang 1984 — im Jahr 2009 seinen Roman „Becks letzter Sommer“ bei Diogenes erschien, war der Débutautor gerade mal 23 Jahre alt.

„Statement für den Stationären Buchhandel“

Dieses Buch wird nun nach fast zehn Jahren E-Reading-Boom auch elektronisch zu haben sein, ebenso der Titel „Vom Ende der Einsamkeit“ — weil er nämlich ohnehin Ende September auch als Taschenbuch erscheint. Der aktuell nur als Hardcover lieferbare Erzählband „Die Wahrheit über das Lügen“ jedoch bleibt vorerst „Print only“. Soviel zum Thema Jein: „Es ist ein Statement für den stationären, unabhängigen Buchhandel. Man kauft ein E-Book einfach so gut wie nie dort, sondern bequem im Netz“, begründet Wells seine Anti-Digital-Haltung. Er habe auf seinen Lesereisen „so viele enthusiastische und kompetent geführte Buchhandlungen kennengelernt, und doch mussten immer wieder einige von ihnen schließen“.

Ältere Leser wünschen E-Book-Ausgaben

Zugleich hätten aber immer wieder Leser bei solchen Terminen berichtet, dass “ ihre Eltern oder Großeltern das Buch nicht lesen könnten, da die Schrift zu klein sei oder dass sie es gern mit in den Urlaub nehmen würden, es aber in der gedruckten Form zu schwer wäre“. Was also wiederum für eine parallele E-Book-Veröffentlichung der Paperback-Ausgaben spreche. Zudem — und das ist mal eine interessante Begründung — seien E-Books ja gar keine echte Konkurrenz für Print, da ihr Marktanteil immer noch auf niedrigem Niveau stagnieren würde (Aha! Siehe da! möchte man da rufen, sterben die Buchhandlungen vielleicht auch, weil zu viele Leute ihre Hardcover per Fingertipp bei Amazon ordern?).

E-Books als Paperback zweiter Ordnung?

Letzlich werden E-Books hier also lediglich als eine Art digitales Taschenbuch-Format für Backlist-Titel (miss-)verstanden, deren einziger Unterschied zum gedruckten Taschenbuch darin besteht, dass sie nicht im klassischen Buchhandel verkauft werden, sondern online. Eine das Potential von elektronischen Büchern weit unterschätzende Position, an die eher so vor zehn Jahren im Buchhandel geglaubt wurde, also just zu jenem Zeitpunkt, als Wells sich entschloss, E-Books vorerst komplett zu ignorieren. Aber gut, der Autor hat ja nach eigenen Angaben am Manuskript von „Vom Ende der Einsamkeit“ auch sieben Jahre lang herumgeschrieben.

(via boersenblatt.net)