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Dichte Pixel, dünne Hülle: Aktuelle Marktübersicht Lese-Tablets (7-8 Zoll)

5 Dez 2013 Ansgar Warner 2 Kommentare

Tablets in der 7 bis 8 Zoll-Klasse gibt es viele – doch wann kann man ein solches Gerät mit Fug und Recht als “Lese-Tablet” bezeichnen? Bei unserer Marktübersicht haben wir es uns einfach gemacht: die Hersteller mussten im E-Reading-Business aktiv sein – was das Feld auf ein knappes Dutzend beschränkte. Viele der Mini-Tablets sind nicht nur äußerlich verschlankt, sondern technisch durch hohe Display-Auflösung und lange Akkulaufzeiten für die E-Lektüre optimiert, das gilt insbesondere für das neue iPad Mini mit Retina-Display, Amazons brandaktuelles Kindle Fire und Kobos Arc-Tablet.

Zugleich sind die Spitzenreiter mit Preisen von 200 Euro an aufwärts deutlich teurer als aktuelle Glowlight-Reader. Dafür erhält man aber auch voll multimedia-taugliche mobile Begleiter. Wer den Preis senken möchte, verzichtet ganz einfach auf maximalen Speicherplatz und die Kombination von WLAN und 3G. Denn Tablets wie Tolino Tab, SurfPad 2 oder CAT Firefly zeigen, dass es durchaus günstiger geht. Wenn man auf die maximale Display-Auflösung verzichtet, ist man sogar schon ab 110 Euro dabei.

Auf dem Display wird man mit drei großen Content-Philosophien konfrontiert: Apple (iPad Mini mit iBooks/iTunes/App Store), Amazon (Kindle-Fire mit Kindle-Store & Amazon App Store), sowie Google (diverse Android-Tablets mit Google Play Store). Wobei grundsätzlich gilt: (fast) alles ist möglich, denn man kann ja “fremde” Apps nachinstallieren, etwa die Kindle-App auf dem iPad oder die Kobo-App auf dem Tolino-Tab. Außerdem setzen die Tablet-Hersteller natürlich darauf, dass man die vorinstallierten E-Reading-Apps nutzt, und oft macht das auch durchaus Sinn, etwa bei so perfektionierten Lese-Umgebungen wie auf iPad, Kobo Arc oder Kindle Fire.

Amazons stark überarbeitete Android-Oberfläche macht es dem Nutzer aber etwas schwerer, Alternativen auf den Touch-Screen zu bringen. Zugleich bietet das Kindle Fire HDX 7 im Reigen der hier vorgestellten sieben Tablets das beste Preis-Leistungsverhältnis bei Pixeldichte wie auch Akkulaufzeit. Dafür muss man dann mindestens 229 Euro anlegen, ohne Sponsoring durch eingeblendete Werbebanner sogar 244 Euro. Wer ohnehin in der epub-Welt zu Hause ist, mag da eher mit Kobos Arc-Tablet liebäugeln, das mit identischer Display-Auflösung, dafür geringerer Akkulauzeit schon ab 200 Euro zu haben ist. Sogar den darbenden deutschen Buchhandel kann man guten Gewissens unterstützen, ohne sich die Augen zu verderben – das Tolino Tablet 7 bietet für 180 Euro bei der Display-Auflösung gesundes Mittelmaß.

iPad Mini mit Retina Display (7,9 Zoll, ab 320 Euro)

  • Display: 2048 x 1536 Pixel (326ppi)
  • Speicher: 1 GB RAM, 16 GB Anwendungsspeicher intern
  • Gewicht: 331 Gramm
  • Anschlüsse: Kopfhörer 3,5 MM, Lightning
  • Drahtlos: WLAN, Bluetooth
  • Zus. Features: Front- und Rückseiten-Kamera, Digitaler Kompass, Ext. Kopfhörer
  • Das iPad mini der zweiten Generation wird unter der Bezeichnung “iPad mini mit Retina Display” vermarktet – es hat nämlich jetzt dieselbe Pixelzahl wie der große Bruder, und wird vom selben Chip angetrieben. Bei kleinerer Fläche sorgt das 8-Zoll-Retina-Display in gleicher Auflösung für eine Pixeldichte von sage und shreibe 326 ppi. Da kommt nicht mal die Mini-Version von Amazons neuem Kindle Fire HDX 7 heran (der 7-Zoller schafft bei 1920×1200 Pixeln nämlich “nur” 323 ppi). Grundsätzlich darf ja gelten: je höher die Auflösung, desto schärfer das Bild, und je schärfer das Bild, desto besser für die Augen. Insofern dürfte sich das neue iPad Mini also hervorragend als Lese-Tablet eignen, auch wenn sich bei der Akkulaufzeit nichts getan hat, und das Gewicht sogar leicht (nämlich um 30 Gramm) über dem der Vorgängerversion liegt. Ganz vorn liegt Apple immer noch beim Preis – denn erst ab 320 Euro ist man in Sachen iPad mini dabei, ein konkurrenzlos hohes Pricing.

    Kindle Fire HDX 7 (7 Zoll, ab 229 Euro)

  • Display: 1920×1200 Pixel (323 ppi)
  • Prozessor: Quad-Core 1,5 GHz
  • Speicher: 2GB RAM, Anwendungsspeicher: 16, 32, 64 GB intern
  • Anschlüsse: Drahtlos: WiFi/4G LTE (optional)
  • Zus. Features: Frontkamera
  • Gewicht: 303/311 Gramm (WLAN/WLAN+3G)
  • Amazons neuer 7-Zoller Kindle Fire HDX 7 glänzt mit erstaunlich hoher Auflösung (1920×1200) und besonderer Farbtreue (gesamter RGB-Raum), ein leistungsstarker 2,2 Gigahertz- Prozessor sorgt laut Amazon für “Grafik in Konsolen-Qualität”. Neben Fun&Games ist das Kindle Fire HDX auch für das elektronische Lesen optimiert – im Lesemodus schaltet das Tablet einen Gang herunter, was für bis zu 17 Stunden Lektüre mit einer Akkuladung sorgen soll. Mit 303 Gramm ist das Gerät zudem ein bisschen leichter als das iPad Mini. Allerdings muss man auch etwas tiefer in die Tasche greifen als beim Kindle Fire HD – die Basisversion des HDX mit 16 GB Speicher und WiFi gibt’s mit Werbebannern für 229 Euro, ohne Werbebanner für 244 Euro. Am oberen Ende (64 GB Speicher, WLAN plus 4G LTE) muss man 389 Euro bzw. 404 Euro anlegen. Alle neuen Kindle Fire-Modelle laufen übrigens mit “Fire OS 3.0″, der neuesten Version von Amazons hauseigener Android-Oberfläche.

    Google Nexus 7 (7 Zoll, ab 229 Euro)

  • Display: 1920×1200 Pixel (323 ppi)
  • Betriebssystem: Android 4.3
  • Prozessor: Quad-Core 1,5 GHz
  • Speicher: 2 GB RAM, intern: 16, 32, 63 GB
  • Gewicht: 290/299 Gramm (WLAN/WLAN+3G)
  • Anschlüsse: Drahtlos: WiFi/4G LTE (optional), Bluetooth, Android Beam (NFC)
  • Zus. Features: Front- und Rückseitenkamera, ext. Lautsprecher, GPS
  • Das Nexus 7 ist sozusagen die Mutter aller Android-Tablets – schließlich wird es von Google selbst konzipiert. Bei manchen Tests rangiert es sogar vor dem neuen iPad Mini. Die gute Performance und hohe Display-Qualität sorgen dafür, dass Zeitungen wie die taz dieses Tablet den Lesern in Kombination mit einem Digital-Abo anbieten. Als Betriebssystem kommt das brandneue Android 4.3 zum Einsatz – Google sitzt ja auch an der Quelle. Der Akku reicht für bis zu 10 Stunden Leseleistung, aufladen kann man das Gerät demnächst sogar kabellos, wenn man sich das angekündigte spezielle Ladepad anschafft. Dank NFC-Chip kann man auch spezielle Kopfhörer, Sound-Anlagen oder Smartphones unkompliziert mit dem Tablet koppeln.

    Kobo Arc 7 HD (7 Zoll, ab 199 Euro)

  • Display: 1920×1200 (323 ppi)
  • Betriebssystem: offenes Android 4.2.2 (inkl. Google Play Store)
  • Prozessor: Quad-Core 1,7 GHz
  • Speicher: 1 GB RAM, Anwendungsspeicher 16/32 GB
  • Gewicht: 341 Gramm
  • Anschlüsse: Micro-USB-Anschluss, Micro-HDMI-Ausgang und 3,5 mm
  • Drahtlos: WLAN, Bluetooth
  • Zus. Features: Frontkamera, Kopfhörerbuchse mit Inline-Mikrofon-Unterstützung
  • Kobo ist nicht Amazon, das sieht man beim neuen Kobo Arc sehr deutlich: denn anders als das Kindle Fire bietet das Android-Tablet der kanadischen Konkurrenz “uncompromised access” zum Google Play Store. Technisch bewegt sich das Kobo Arc auf Augenhöhe mit Amazon und Apple, die leicht angepasste Oberfläche ist aber typisch Kobo – es gibt neben dem Haupt-Desktop einen eigenen Desktop für die persönliche E-Bibliothek und einen zweiten Extra-Desktop, der die Zusammenstellung von multimedialen Sammlungen ermöglicht. Mit an Bord ist natürlich auch die bewährte Kobo-Reader-App, inklusive Zugang zur Cloud-Bibliothek.

    Tolino Tab 7 (7 Zoll Multitouch, 179 Euro)

  • Display: 1440×900 Pixel
  • Speicher: 1 GB RAM, 16 GB intern, 64 GB extern
  • Prozessor: 1,6 GHz Quadcore
  • Gewicht: 319 Gramm
  • Anschlüsse: Micro-HDMI, Micro-USB, 3,5 mm Kopfhörer, Mikro-SD-Kartenslot
  • Zus. Features: Front- und Rückkamera, Ext. Lautsprecher, GPS
  • Die Tolino-Allianz verkürzt den Abstand zur Konkurenz – und bietet wie Kobo, Amazon & Co. neben E-Ink-Readern nun auch Tolino-Tablets an, die technisch durchaus mithalten können. Die 7-Zoll-Version Tolino Tab 7 glänzt mit einer Display-Auflösung von 1440×900 Pixel, und wiegt mit 319 Gramm ungefähr so viel wie das iPad Mini. Auf dem Desktop erleichtert ein Tolino-Widget den Einstieg in den Content-Konsum – die Schaltfläche Lesen führt in den E-Book-Store des Anbieters, bei dem das Tablet erworben wurde, die Schaltfläche “Hören” führt zum MP3-Store, ein Fingertipp auf “Sehen” bringt den Nutzer zu Youtube. Über die Telekom-Cloud lassen sich E-Books unterschiedlicher Provenienz in die Tolino-App laden: mit der neuen Funktion „Bibliothek verknüpfen“ werden nämlich bei verschiedenen Tolino-Partnern gekaufte eBooks zusammengeführt. Die großzügige Hardware-Ausstattung sollte nicht nur elektronisches Lesen flüssig von der Hand gehen lassen, sondern auch Multimedia von Web über Games und Video bis hin zu (dank Frontkamera) Video-Telefonie. Im speziellen Lesemodus soll der Akku bis zu 12 Stunden durchhalten.

    CAT Firefly (7,9 Zoll, ab 149 Euro)

  • Display: 1024×768 Pixel
  • Betriebssystem: Android 4.2.2
  • Prozessor: QuadCore 1,5 GHz
  • Gewicht: 310 Gramm
  • Speicher: 2 GB RAM, 16 GB intern, 32 GB extern
  • Anschlüsse: Mini-HDMI, Mikro-USB, 3,5 mm Kopfhörer, SD-Kartenslot
  • Drahtlos: WLAN & Bluetooth
  • Zus. Features: Front- und Rückseiten-Kamera, Mikrofon, ext. Lautsprecher
  • Der Potsdamer Tablet-Spezialist CAT hat sich schon 2012 mit dem Weltbild-Tablet “PC 4″ einen Namen gemacht, und legt zur Weihnachtsaison 2013 nun wieder ein interessantes Tablet zum niedrigen Preis vor: das CAT Firefly macht mit dem schlanken Aluminium-Case und blickwinkelstabilem IPS-Display schon optisch einen guten Eindruck, unter der Haube sorgen Quadcore-Chip und massig Speicher für gute Performance. Die Display-Auflösung ist allerdings höchstens mittelmäßig. Das CAT Firefly läuft mit einer angepassten Android Version (“CAT Droid”), die eine Reihe von speziellen Features mitbringt, etwa CAT Multiview: CAT-Multiview: bis zu vier Programmfenster werden auf dem Display nebeneinader angeordnet. Vorinstalliert ist die CAT E-Book-App. Gegen Aufpreis bekommt man besondere Service-Pakete angeboten.

    Pocketbook Surfpad 2 (7 Zoll, ab 110 Euro )

  • Display: 1280×800 Pixel
  • Betriebssystem: offenes Android 4.1 (inkl. Google Play Store)
  • Prozessor: DualCore 1,5 GHz
  • Gewicht: 300 Gramm
  • Speicher: 1 GB RAM, 8 GB intern, 32 GB extern
  • Anschlüsse: 3,5 mm-Audioausgang, Mikrofon, Mini-HDMI, Micro-USB (USB 3G Modem-Support), microSD-Slot
  • Drahtlos: WLAN & Bluetooth
  • Zus. Features: Frontkamera, ext. Lautsprecher
  • Im Low-Price-Bereich bietet derzeit wohl kein Anbieter aus E-Lese-Perspektive mehr als Pocketbook mit dem SurfPad 2 – das 300 Gramm leichte Android-Tablet toppt mit einer Display-Auflösung von 1280×800 Pixeln sogar noch das CAT Firefly, und kostet zugleich weniger als Glowlight-Reader wie das Kindle Paperwhite. Durch direkten Zugang zum Google Play Store stehen dem Nutzer alle Möglichkeiten offen – die mitgelieferte Lese-App von Pocketbook selbst kann man aber aufgrund von Funktionsumfang und Bedienkomfort ebenfalls empfehlen. Der Akku reicht bei reiner Lektüre sechs bis acht Stunden.

  • Display: 1280×800 Pixel
  • Betriebssystem: offenes Android 4.1 (inkl. Google Play Store)
  • Prozessor: DualCore 1,5 GHz
  • Gewicht: 300 Gramm
  • Speicher: 1 GB RAM, 8 GB intern, 32 GB extern
  • Anschlüsse: 3,5 mm-Audioausgang, Mikrofon, Mini-HDMI, Micro-USB, microSD-Slot
  • Drahtlos: WLAN & Bluetooth
  • Zus. Features: Frontkamera, ext. Lautsprecher
  • Abb.: Intro — Flickr/L’imaGiraphe (en travaux) (cc)
    Tablets: Hersteller

    2 Kommentare »

    • Ralf H. schrieb:

      Warum wurden keine 8-Zoller mit Windows getestet? Acer, Dell, Lenovo und Toshiba bieten solche doch an.

    • Ansgar Warner (author) schrieb:

      Das stimmt, da tut sich mittlerweile auch einiges, nachdem MS das Feld lange vernächlässigt hatte. Werde ich vielleicht beim nächsten Mal berücksichtigen. Der Kern des E-Reading-Geschäfts läuft ja bisher noch über iOS & Android…