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Deutschlands heimlicher E-Book-Bestseller: „Letale Dosis“ von Krimi-Autor Andreas Franz

4 Aug 2010

letale-dosis-e-book-bestseller-andreas-franz-krimi„Letale Dosis“ heißt Deutschlands heimlicher E-Book-Bestseller. Denn als Mediacontrol jetzt erstmals ein repräsentatives Top 5-Ranking für elektronische Bücher vorstellte, stand Andreas Franz‘ bereits 2002 im Print erschiener Krimi überraschenderweise auf Platz eins. Laut Klappentext geht es um „rätselhafte Mordfälle mit exotischen Giften“ innerhalb einer Frankfurter Kirchengemeinde. Das Mordmotiv lässt allerdings aufhorchen – ausgelöst wurden die Taten offenbar durch einen Fall von sexuellem Missbrauch. Die neu gewonne Aktualität des Themas und ein strategisch niedriger E-Book-Preis von 4,99 Euro katapultierten „Letale Dosis“ in kurzer Zeit an die Spitze der deutschen E-Book-Charts.

Vom Serienmord zur Krimiserie: Mit „Jung, blond, tot“ fing alles an

Serienmörder und Krimiserien passen offenbar gut zusammen. Bestseller-Autor Andreas Franz hat in den letzten fünfzehn Jahren jedenfalls zwei Dutzend Titel in drei verschiedenen Reihen produziert. Mit „Jung, blond, tot“ (1996) fing alles an – Franz schuf für sein bei Droemer Knaur erschienenes Debut die Figur der Frankfurter Kommissarin Julia Durant. Dazu kamen im Laufe der Zeit das Offenbacher Ermittler-Duo Peter Brandt & Elvira Klein, und schließlich die Kieler Kollegen Sören Henning und Lisa Santos. Interessant sind aber nicht nur die Ermittler, sondern auch die Täter. Bereits „Jung, blond, tot“ zählte das Lexikon der Kriminalliteratur „zu den besten deutschen Psychopathenkrimis des Jahres“. Doch auch der folgende Julia Durant-Band mit dem Titel „Das 8. Opfer“ sparte nicht an Serienkiller-Ästhetik – in diesem Fall biblische Motive, etwa das Zeichen „666“ auf der Stirn der Toten. In „Letale Dosis“ geht’s, wie der Titel ja schon nahe legt, um Giftmorde. Schauplatz ist eine hessische Gemeinde namens „Kirche der Elohim“. Die gibt es natürlich nicht wirklich: „Ich habe für diesen Roman bewusst eine fiktive Kirchengemeinschaft gewählt“, so Franz zu dieser Konstruktion, „denn es wäre unfair, eine einzelne Kirche hervorzuheben.“

Auch in der Krimi-Realität behindern kirchliche Hierarchien die Aufklärung des Verbrechens

Das Bedürfnis nach Distanz zur Realität ist verständlich. Denn bereits auf den ersten Seiten erfährt man etwas über das Motiv, das hinter der Mordserie stecken könnte: es geht um sexuellen Mißbrauch von Kindern. Damit verbunden sind zugleich auch die langfristigen Folgen, die das Vertuschen und Leugnen solcher Übergriffe am Ende haben kann. Wie oft auch in der Realität verhindern zunächst aber einmal Verflechtungen von kirchlichen und staatlichen Hierarchien, Vetternwirtschaft und Korruption die Aufklärung des Falles. „Wir leben nun mal in einer Gesellschaft, die gerade in den oberen Schichten zunehmend krimineller wird“, so Andreas Franz selbst über seine zwischen Realismus und Pessimismus schwankende Perspektive. „Letale Dosis“ erschien gedruckt erstmals 2002 und war in den Auslagen schon etwas weiter nach hinten gerückt. Angesichts der gegenwärtigen Missbrauchsdebatte innerhalb der katholischen Kirche hat das Thema offenbar neue Aktualität gewonnen – worauf wohl auch der Verlag Droemer Knaur spekuliert hat. Denn als E-Book gibt’s „Letale Dosis“ seit Mai 2010 für günstige 4,99 Euro, während die übrigen Krimis von Andreas Franz nicht unter 8,99 Euro auf das E-Reader-Display kommen. Die Kombination zeigte Wirkung: im ersten Mediacontrol-Ranking für den deutschen E-Book-Markt stieß „Letale Dosis“ sogar Stieg Larssons „Millenium-Trilogie“ von der Siegertreppe.

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Andreas Franz,
Letale Dosis (2002/2010)
E-Book (Droemer Knaur) 4,99 Euro
Paperback (Droemer Knaur) 9,95 Euro