Deutscher Kindle-Store startet: Was sich für Leser & Autoren ändert

deutscher-kindle-store-startet„Deutschland liest jetzt auf dem Kindle“: Ein dickes Osterei hat Jeff Bezos dem Leseland ins Nest gelegt – auf einen Schlag sind 25.000 deutschsprachige Kindle-Books auf Amazon.de erhältlich. Ganz zu schweigen von mehr als 650.000 englischsprachigen Titeln. Insgesamt bietet Amazon damit hierzulande das größte E-Book-Angebot für Gutenbergs Erben. Im deutschen Kindle-Shop kann man nun natürlich auch den Kindle-Reader selbst kaufen. Freuen dürfen sich aber auch Autoren: über das Kindle-Direct-Publishing-Programm winken ihnen 70 Prozent Tantiemen.

Buchpreisbindung verhindert Billig-Bestseller

Dass der Kindle-Shop 2011 nach Deutschland kommen würde, schien längst klar. Doch der Starttermin blieb bis zu letzt ein streng gehütetes Geheimnis. Entscheidend war wohl letztlich der Content: Man habe mit dem Start des deutschen Angebots gewartet, bis man Kunden „ein umfassendes Angebot an deutschsprachigen E-Books“ bieten konnte, so Amazon.de-Geschäftsführer Ralf Kleber gegenüber Spiegel Online. Immerhin sollen 71 Titel aus den Top 100 der SPIEGEL-Bestsellerliste nun auch via Amazon erhältlich sein. Bei deutschen E-Books unterscheidet sich das Angebotsspektrum allerdings nicht von anderen Anbietern: so hat etwa auch Libreka knapp 25.000 Titel im Programm. Dank Buchpreisbindung sind die Preise aktueller Bestseller ohnehin identisch – egal, ob man bei Libri, Thalia oder Amazon einkauft. Darauf weist Amazon auch deutlich hin: „Der Verkaufspreis wurde vom Verlag festgesetzt“ steht jeweils neben dem virtuellen Preisschild.

Kindle-Basismodell mit 139 Euro so günstig wie nie

Günstiger wird das Kindle-Basismodell: die WiFi-Version gibt es jetzt für 139 Euroinklusive Versandkosten. Die Bestellung bei Amazon.com schlug dagegen bisher mit knapp 150 Euro zu Buche. Allein das dürfte den deutschen Markt in Bewegung bringen. Preislich liegt das Kindle 3 nun nämlich gleichauf mit Thalias Oyo-Reader – dank kontraststarkem Pearl-E-Ink ist es der deutschen Konkurrenz vom Lesekomfort her allerdings weit voraus. Etwas teurer wird dagegen mit 189 Euro die UMTS/3G-Version. Von der Menüführung her heißt es beim „deutschen Kindle“ vorerst noch „english only“. Die neuesten Versionen der Kindle-Apps auf iPad & Co. dagegen sprechen jetzt ab sofort deutsch.

kindle-account-uebertragen-deutschland-usa

“Please transfer your Kindle account to Amazon.de“

Vor dem ersten Kauf im Kindle-Shop auf Amazon.de müssen deutsche Kunden sich zunächst einmal entscheiden, ob sie ihr Account von Amazon.com in Richtung Germany übertragen wollen. Wer den Transfer ablehnt, kann allerdings auf Amazon.de dann auch keine deutschen Kindle-Books kaufen. Stimmt man zu, werden alle im US-Shop getätigten Einkäufeautomatisch auf das neue Kindle-Account transferiert, inklusive Anmerkungen und Anstreichungen. Im deutschen Kindle-Store sind alle Preise in Euros ausgewiesen, und was deutsche Kunden besonders freuen dürfte: bezahlt werden kann etwa der neue Kindle-Reader auch per Lastschrift.

Zeitungen für 14 Tage kostenlos Probe lesen

Interessant ist neben E-Books im Kindle-Shop auch das Angebot an Zeitungen- und Zeitschriften. Für 29,99 Euro kann man FAZ, Handelsblatt oder NZZ für einen Monat abonnieren, einzelne Ausgaben kosten 99 Cent. Internationale Blätter wie Le Monde, Daily Telegraph oder El Pais gibt’s schon ab 14,99 pro Monat. Wer das Angebot einfach nur testen will, kann ein kostenloses Probeabos für 14 Tage auswählen. Insgesamt ist das Spektrum an deutschsprachiger E-Ink-Presse aber noch vergleichweise klein, die einzige elektronische Zeitschrift ist die Wirtschaftswoche.

Kindle Direct Publishing für deutsche Autoren

Bei englischer Lektüre punktet Amazon alleine schon mit der bloßen Masse: 650.000 E-Books sind eine beeindruckende Zahl. Dabei sicherte sich Amazon die tatkräftige Unterstützung von Autoren, die das firmeneigene Direkt-Publishing-Programm nutzen. Diese Möglichkeit gibt es nun auch in Deutschland. Zeitgleich mit der Eröffnung des Kindle-Shops auf Amazon.de ist unter kdp.amazon.de die deutsche Kindle Direct Publishing-Plattform an den Start gegangen. Dort eingestellte E-Books aus deutscher Feder werden weltweit angeboten – besonders attraktiv dürfte diese Veröffentlichungsmöglichkeit wohl wegen der Tantiemenregelung sein: 70 Prozent der Einnahmen gehen an den Autor. Sie werden in dieser Hinsicht genauso behandelt wie große deutsche Verlage – denn auch die müssen im Kindle-Store 30 Prozent des Umsatzes an Amazon abtreten.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".