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Deutscher Buchpreis unter Strom: Hälfte der Shortlist-Titel ist elektronisch lieferbar

9 Sep 2010

shortlist-buchpreis-e-book-bestsellerDie Shortlist ist da – damit gibt es noch sechs AnwärterInnen auf den deutschen Buchpreis. Die Liste birgt einige Überraschungen, so sind etwa Favoriten des Feuilletons wie Thomas Hettche („Die Liebe der Väter“) oder Kristof Magnusson („Das war ich nicht“) nicht in die engere Auswahl gekommen. Der E-Book-Anteil hat sich zudem deutlich erhöht. Mit den Romanen von Jan Faktor, Peter Wawerzinek und Thomas Lehr ist immerhin die Hälfte der nominierten Titel in elektronischer Form lieferbar. Der Name des endgültigen Preisträgers wird im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse verkündet.

“Welthaltigkeit“ der Literatur – von 1968 bis Nine Eleven

„Poetisch, komisch und experimentell“ seien die Romane auf der Shortlist, so Jurysprecherin Julia Encke zur Auswahl der Finalisten. Das Gemeinsame an den sechs nominierten Titeln sei „in ihrer Welthaltigkeit zu finden“, fügte die FAS-Literaturkritikerin hinzu. In besonderem Maße dürfte das wohl für Thomas Lehrs Post-Nine-Eleven-Roman „September.Fata Morgana“ gelten (siehe unsere E-Book-Review). Skurrile Rückblicke in das Prag der Sechziger Jahre bietet dagegen Jan Faktors eigenwilliger Entwicklungsroman „Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag“. „Ein Buch wie ein Erdbeben“ ist laut Verlagsprospekt Peter Wawerzineks „Rabenliebe“ – der autobiographische Roman kreist um das Kindheitstrauma des Autors, der bei der Republikflucht seiner Mutter als Waise in der DDR zurückblieb.

Wird der Buchpreis 2010 auch ein E-Book-Preis sein?

Die drei Romane von Lehr, Faktor und Wawerzinek bilden zugleich die elektronische Hälfte der Shortlist – sie sind sämtlich als E-Book im epub-Format lieferbar. Damit steigen zugleich die Chancen, dass der deutsche Buchpreis am Ende auch ein E-Book-Preis ist. Für die Popularisierung qualitativ hochwertiger Gegenwartsliteratur ist das eine wichtige Voraussetzung – gerade Nachwuchsleser nutzen E-Reader oder Smartphones für die Lektüre genauso selbstverständlich wie Hardcover oder Taschenbuch. Leider wurden sie bisher in den meisten Fällen von den Verlagen nicht einmal nachträglich bedient. Von den bisherigen Preisträgern der seit 2005 verliehenen Auszeichnung „Deutscher Buchpreis“ sind bisher nur zwei Titel auf dem E-Reader lesbar – Julia Francks „Mittagsfrau“ (2007) und Kathrin Schmidts „Du stirbst nicht“ (2009). Immerhin gibt es in diesem Jahr bei Libreka eine eigene Buchpreis-Seite mit elektronischen Leseproben aller Titel, die auf die Longlist gelangt sind. In Zukunft sollte sich elektronisches Lesen allerdings nicht nur auf kurze Appetizer beschränken – schließlich enden Taschenbücher ja auch nicht auf Seite 20.


Die Shortlist in alphabetischer Reihenfolge:

  • Jan Faktor,
    Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag
  • Thomas Lehr,
    September. Fata Morgana
  • Melinda Nadj Abonji,
    Tauben fliegen auf
  • Doron Rabinovici,
    Andernorts
  • Peter Wawerzinek,
    Rabenliebe
  • Judith Zander,
    Dinge, die wir heute sagten

(Hier findet man zum Vergleich die E-Books auf der Longlist)