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Tausche Content gegen Reichweite: Deutsche HuffPo startet am 10. Oktober

12 Sep 2013

Prophetische Worte zum Medienwandel liest man heute auf ungedruckt.net, dem privaten Blog von Sebastian Matthes, bisher Redakteur bei der Wirtschaftswoche: „Wahrscheinlich werden wir erst in zehn Jahren klarer sehen. Erst im Rückblick werden wir begreifen, wie gewaltig der Wandel der Medienwelt ist, den wir gerade erleben und wie grundlegend in diesen Tagen neu definiert wird, wie Menschen in Zukunft Medien konsumieren.“ Matthes selbst darf bei diesem Wandel an vorderster Front dabeisein – als Chefredakteur der deutschen HuffPo. Am 10. Oktober wird nämlich der hiesige Ableger von Arianna Huffingtons Online-Gazette an den Start gehen – mit einer 15 Mann starken Kernredaktion, vor allem aber einer noch aufzubauenden Leser-, Kommentatoren- und Blogger-Community.

„Journalisten sind nur noch Teil eines Netzes von Menschen, die sich für ähnliche Themen interessieren – und die sich über das Internet längst austauschen“, beschreibt Matthes die veränderte Rolle des (Online-)Journalismus. Die HuffPo habe das Prinzip „Kommunikation auf Augenhöhe“ in den USA und anderswo bereits erfolgreich praktiziert: „Journalisten schreiben, aber sie debattieren auch mit ihren Lesern und diese Debatten fließen wieder in neue Artikel ein. Die Leser … können auch als thematische Experten selbst Beiträge veröffentlichen.“ Auf der US-Seite sorgen mehr als 30.000 Blogger täglich für etwa 1.500 Beiträge, knapp 40 Millionen Unique Visitors pro Monat hinterlassen zudem 8 Millionen Kommentare. Doch warum tun sie das eigentlich – und warum sollten deutsche Blogger es ihnen gleichtun? „Ganz einfach“, meint Matthes: „Weil sie bei der Huffington Post die nötige Reichweite bekommen.“

Umgekehrt erhofft sich natürlich die HuffPo und ihr deutscher Kooperationspartner Tomorrow Focus Media GmbH durch den Gratis-Content aus der Blogosphäre genau diese Reichweite, um über Werbeeinnahmen das Projekt profitabel zu machen. Die Erwartungen sind hochgesteckt – Vorstandsmitglied Christoph Schuh verkündet auf Focus.de: „Spätestens 2016 wollen wir mit der ‚Huffington Post‘ profitabel sein und nach fünf Jahren die mediale Flughöhe von ‚Focus Online‘ erreichen – zudem 10-15 Millionen Euro Nettoumsatz, eine zweistellige Umsatzrendite und ca. 9 Millionen Unique User.“ Wenn die deutsche HuffPo tatsächlich genügend „Filmemacher, Buchautoren, Professoren, Ökonomen, Politikberater, Schauspieler, Psychologen, Finanzberater“ (O-Ton Matthes) zum Mitmachen motiviert, könnte das am Ende sogar klappen.

Abb.: New York City News Service der Huffington Post (flickr/drewgeraets)