Deutsche Bahn will Fahrscheine aus Papier endgültig aufs Abstellgleis schieben

bahn-ticket-papierlosOb Geldscheine, Briefmarken, Fahrkarten: wenn’s um „Wertzeichen“ geht, vertrauen die Deutschen immer noch gerne auf bedrucktes Papier. Gerade erst versprach Bundesbankpräsident Jens Weidmann, auch in zehn Jahren werde es noch Bargeld geben, inklusive 500 Euro Scheine. Ob es 2026 bei der ehemaligen Bundebahn noch Billets zum Anfassen gibt, ist dagegen nicht mehr so ganz sicher: wie das Branchenmagazin fvw berichtet, will die DB AG die letzten Papiertickets loswerden.

Treibende Kraft dabei ist Mathias Hüske, in der Bahn-Geschäftsführung zuständig für das digitale Business — der Marketing- und Vertriebsexperte plädiert dafür, nicht-maschinenlesbare Fahrscheine ohne Barcode endgültig auf’s Abstellgleis zu schieben. Wachstum gibt’s beim Fahrscheinverkauf ohnehin nur noch Online-Bereich, wobei dort bisher noch die Bestellung via PC kombiniert mit dem Ausdrucken von Belegen mit QR-Code dominiert. Mobile Buchungen via Smartphone oder Tablet starten dagegen erst so richtig durch, sie tragen derzeit gerade mal drei Prozent zum Umsatz bei.

Geht’s nach den digital ambitionierten Bahnstrategen, soll das aber in Zukunft der Königsweg sein –– kommt der Schaffner durch’s Abteil, werden die Fahrgäste in der Regel also ihr Handy oder Tablet zücken (soweit sie es nicht eh gerade nutzen, weil sie ein spannendes E-Book lesen…) und via Navigator-App den digitalen Fahrschein mit dem selben Gerät vorzeigen, mit dem sie ihn zuvor auch gekauft haben.

Vorher muss man aber noch eine Menge Smartphone-Muffel zum Umsteigen motivieren: Die Kundenzufriedenheit ist bei den Verkaufskanälen Internet und Automaten nämlich bisher am niedrigsten, bei Ticket verkaufenden Reisebüros und den langsam aussterbenden Fahrkartenschaltern an Bahnhöfen („DB-Reisezentren“) am höchsten.

(via mobilbranche.de & fvw.de)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

3 Gedanken zu „Deutsche Bahn will Fahrscheine aus Papier endgültig aufs Abstellgleis schieben“

  1. Aus eigener Erfahrung heraus, das ist Mist.
    Mir ging es im Nahverkehr mal so das das Mobiltelefon gerade bei einer Kontrolle nicht mal mehr mipp machte.
    Dumme Sache, es hatte zur Folge das ich am nächsten Tag zu den Verkehrsbetrieben dackeln konnte und dort mein Handyticket vorzeigen durfte.
    Die Spitze war, das die noch eine Bearbeitungsgebühr wollten, obwohl ich mich ja korrekt verhalten hatte und nichts dafür konnte das die Technik versagt hatte.

  2. Im Normalfall nutze ich mittlerweile auch die Handytickets, habe aber immer noch ein ausgedrucktes Exemplar in der Tasche, falls das Handy kurzfristig streiken sollte. Bevor dafür nicht nicht eine kulante Regelung gefunden ist, bleibt das Papier als Backup (leider) unverzichtbar…

Kommentare sind geschlossen.