Der Self-Publisher als Objekt der Begierde: ein Buchmesse-Bericht

Selfpublisher werden immer begehrter. Ich war mit den „Lieblingsautoren“ auf der Leipziger Buchmesse unterwegs und konnte den neuen Trend hautnah erleben. Unter dem Logo „Lieblingsautoren“ haben sich herausragende Selfpublisher zu einem Messeauftritt zusammengeschlossen. Gemeinsam haben sie schon sechs Millionen Bücher und E-Books verkauft – und nicht wenige der Leser waren gekommen, um ihre Lieblingsautoren zu treffen. Zeitweise war eine der größten Herausforderungen, überhaupt bis zum Stand vorzudringen, wenn man dort etwas zu tun hatte. Wenn dann noch Poppy J. Anderson mit ihrem „Team Poppy“ (teilweise verkleidet als Football-Spieler und Cheerleader) ihre Standzeiten hatte, gab es in der ganzen Umgebung kein Durchkommen mehr.

Gedränge am Stand

Tolino, Kobo & Co. umwerben die Indies

Das blieb nicht unbemerkt und zog weiteren Besuch an. Die Frankfurter Buchmesse ließ durch einen Vertreter anfragen, ob wir nicht auch zu ihnen kommen wollen, in die begehrte Halle 3.0. Tolino-Media kam ebenfalls und warb um Autoren. Der Grund für ihre neue Plattform wurde dann auch ausdrücklich benannt: ein stetig steigender Strom von Lesern, die sich beklagten, warum sie auf ihrem Reader nicht die Bücher aller Selfpublisher lesen können. Jetzt hat Tolino reagiert und man darf gespannt sein, was ihnen einfällt, um die Autoren zu ihnen zu locken. Die anderen schlafen nämlich auch nicht, die Europamanagerin von Kobo machte persönliche Termine und ganz besonders engagiert zeigte sich Amazon.

Reichhaltige Buchauswahl

„Lieblingsautoren“ zu Gast in Amazons heiligen Hallen

Amazon hatte bereits das Buchexperiment „24 Stunden – 24 Autoren“ großzügig unterstützt und lud am Samstagabend zur Lesung ein. Dazu ging es mit Bussen hinaus aus dem Messetrubel und der Unruhe, die dort oft bei den Lesungen herrscht, hinein in die „heiligen Hallen“ des Fullfilment-Centers am Rand von Leipzig. Dort werden neben dem Versandgeschäft auch die Bücher gedruckt, die man von Selfpublishern bei Amazon bestellen kann. Ein Service, den interessanterweise auch Verlage zunehmend nutzen. (Eine Kuriosität am Rande: Während bei der Besichtigungstour der Autoren hauptsächlich Verlagsbücher gedruckt wurden, durften die Verlagsvertreter einige Tage zuvor erleben, wie unentwegt Bücher von Selfpublishern aus den Maschinen kamen.)

in-amazon-heiligen-hallen

Self-Publisher erobern Feuilleton der „WELT“

Zur Lesung war in einer Halle ein großer Bereich abgetrennt und eine Bühne aufgebaut, die im Stil eines Hotelzimmers gestaltet war, passend zu dem Buch, dessen Geschichte in einem Berliner Grandhotel spielt. Die Atmosphäre war freundschaftlich locker, und ein üppiges Buffet für alle Besucher zeigte eindrücklich, wie sich auch Amazon um Autoren und Leser bemüht. Dass es Selfpublisher nach diesem Abend sogar bis ins Feuilleton der „WELT“ brachten, ist ein weiteres Zeichen, dass sich die Zeiten geändert haben.

Veröffentlicht von

Klaus Seibel

Klaus Seibel (Jahrgang 1959) studierte Theologie, arbeitete als Pastor, bildete sich in BWL weiter & ist Manager Professional Services eines Softwarehauses. Viele Leser kennen ihn als Autor von Bestseller-Romanen, die zum Teil via Self-Publishing erscheinen. (Siehe: www.kseibel.de) Für die Indie-Lounge auf E-Book-News präsentiert Klaus Seibel erfolgreiche, bekannte und besondere Autoren-Kollegen.