„txtr-Reader wird geliefert, wenn er fertig ist“ – Berliner Startup kämpft mit Problemen bei Serienfertigung

txtr e-reader start verzoegert sich probleme bei serienfertigung.pngKein txtr weit und breit: Unter deutschen Christbäumen war das „Berliner Kindle“ rar gesät. Denn das Startup txtr kämpft mit technischen Problemen bei der Serienfertigung des E-Readers. Die Auslieferung wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Kleiner Trost: die iPhone-App funktioniert – auch bei DRM geschützten Titeln, die nicht im txtr-Store gekauft wurden.

„Wir haben mögliche Chaos-Szenarios unterschätzt“


Eins ist sicher: der txtr-Reader wird kommen. Nur mit dem Datum ist man sich beim gleichnamigen Berliner Startup nicht mehr so sicher. Eigentlich hatten die Macher um Ronnie Vuine auf das Weihnachtsgeschäft gepokert. Vorbestellungen waren angenommen worden, seit Anfang Dezember sollte geliefert werden. Doch am Ende kamen nur wenige Lesegeräte bei den Kunden an. Der Übergang zur Massenproduktion bereitet offenbar Schwierigkeiten: „Was in der Kleinserie funktioniert, sieht in der Großserie oft ganz anders aus“, heißt es dazu auf dem txtr-Blog. Mit dem Einsatz neuer Maschinen und veränderten Produktionsabläufen wuchs die Ausschuss-Quote: „Vor allem beim Verlöten des größten Bauteils, der Mobilfunkkomponente, gab es regelmäßig Probleme, die manuelle Nacharbeit verlangen“. Auch die Schulung der Fabrikarbeiter läuft offenbar nicht optimal. „Wir haben das Chaos-Szenario unterschätzt“, entschuldigt sich txtr bei seinen Kunden. Manche machten ihrem Ärger gleich per Kommentarfunktion Luft („Was für ein Laden!“), andere gaben sich eher verständnisvoll („Wird schon!“)

Das Vorführgerät auf der CES war nach einem halben Tag plötzlich verschwunden…


Die Verzögerung ist jedenfalls ein weiterer Dämpfer für die txtr-Community. Kurz vor dem anvisierten Start im Dezember hatte txtr bekanntgegeben, den E-Reader ohne WLAN-Karte zu produzieren, um den Schwellenpreis von 299 Euro erreichen zu können. Auch das hatte bereits für deutliche Verstimmungen gesorgt. Zu wilden Spekulationen gab auch die txtr-Präsentation Anfang Januar auf der CES einigen Raum: denn in Las Vegas war das Startup mit nur einem Gerät präsent, das dann nach einem halben Tag plötzlich wieder verschwand – es soll gestohlen worden sein.

Mysteriöse Videos & gute Nachrichten über txtrs iPhone-App


Aufgetaucht ist dafür ein mysteriöses Video aus China: es zeigt den „Head of Hardware“ Milosch Meriac bei einen Gerätetest im Rahmen der txtr-Produktion. Bei Youtube wurde es von einem Benutzer namens „DerGastAusDerZukunft“ eingestellt. Das Video wurde dann aber von txtr als authentisch bestätigt – und fand kurz darauf für ein Posting im offiziellen txtr-Blog Verwendung. Dort ist inzwischen auch mal wieder eine gute Nachricht zu lesen: die neueste Version der txtr-app für das iPhone ist da. Sie ermöglicht nun endlich auch die Lektüre von DRM-geschützten E-Books, die nicht im txtr-Store gekauft wurden. Bisher erfolgte die Authentifizierung beim ersten Bezahlvorgang. Über die Option “DRM verwenden” kann man jetzt auch unabhängig davon AdobeID und Paßwort bei Bedarf eingeben – die App dürfte damit für alle Anwender attraktiv sein, die ihre E-Books nicht nur auf dem E-Reader, sondern auch auf dem iPhone oder iPod Touch lesen möchten. Und für alle, die speziell auf den txtr-Reader warten, ist die App zumindest ein kleines Trostpflaster.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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