Der Preis ist (zu) heiß: Digital holt auf, doch E-Book-Pricing bleibt Wachstumsbremse

Global Entertainment and Media Outlook E-Book Pricing.gifPrint bleibt wichtig, Digital holt langsam auf, aber nicht überall gleich schnell – so lässt sich der aktuelle „Global Entertainment and Media Outlook“ von PricewaterhouseCoopers (PwC) zusammenfassen. Digitale Medien können dem Beratungsunternehmen zufolge zwar die höchsten Wachstumsraten vorweisen, den größten Umsatz generiert aber bis auf weiteres die Gutenberg-Galaxis. Die Investitionen im Printsektor dürften in den nächsten Jahren sogar wieder leicht ansteigen. E-Books werden in Europa bis 2014 nur einen geringen Marktanteil erreichen – vor allem hohe Preise dämpfen das Wachstum.

In Europa rotiert die Gutenberg-Galaxis: Zeitungsmarkt stabilisiert sich, Buchmarkt leicht im Plus

Besondere Dynamik verspricht der Medien- und Unterhaltungssektor in Asien und Südamerika – PwC prognostiziert für diese Regionen bis 2014 jährliche Wachstumsraten von 6 bis 8 Prozent. In Japan gehört beispielsweise das mobile Internet längst zum Alltag – dort surft nicht nur jeder zweite bereits unterwegs, im Land der aufgehenden Sonne wird überhaupt die Hälfte der weltweiten Mobilfunkumsätze getätigt. Europa liegt mit vier Prozent Zuwachs im M&U-Sektor dagegen eher im Halbschatten, während die USA zwar mit mehr als 500 Mrd. auch weiterhin den größten Markt darstellen, aber nur ein sehr geringes Wachstum vorweisen können. Zu den bremsenden Faktoren zählt etwa die Zeitungskrise: im Jahr 2014 werden laut PwC zwischen Ost- und Westküste nur noch 35 Millionen Zeitungen täglich verkauft, gegenüber 53 Millionen im Jahr 2005. Erstaunlich stabil entwickelt sich der Markt für Printprodukte offenbar in Europa. Die Auflagen gehen in den nächsten Jahren zwar leicht zurück, die Erlöse steigen jedoch dank höherer Verkaufspreise an. Deutschland bleibt PwC zufolge vor Großbritannien und Frankreich mit Umsätzen von knapp 12 Mrd. Dollar jährlich der größte europäische Zeitungsmarkt.

E-Book-Pricing in Deutschland bleibt zentrale Wachstumsbremse

Als besonders krisenfest hat sich auch der Buchmarkt erwiesen. Für Deutschland erwartet PwC bis 2014 bei Belletristik & Sachbuch ein Umsatzplus von 1,9 Prozent pro Jahr. Damit würde das Leseland weiterhin deutlich vor Großbritannien und Frankreich liegen. Elektronische Lektüre hat daran allerdings kaum Anteil. Während E-Books sich etwa in den USA als echter Umsatztreiber erweisen, sagt PwC für die nächsten Jahren nur ein langsames Wachstum voraus. Der Gesamtumsatz mit belletristischen E-Books lag 2009 in Europa, Nahost und Afrika lediglich bei 25 Millionen US-Dollar. Bis 2014 dürfte dieser Wert zwar um durchschnittlich über 50 Prozent pro Jahr steigen, in absoluten Zahlen bleibt der Erlös mit 199 Millionen US-Dollar aber gegenüber 47 Mrd. Dollar Gesamtumsatz in der Buchbranche vergleichsweise gering. Voraussichtlich werde in Deutschland „auch in fünf Jahren wohl nur vergleichsweise wenig Umsatz mit elektronischen Büchern gemacht“. Zu den Gründen zählt PwC unterschiedliche Preiserwartungen von Konsumenten und Verlagen. Sprich: E-Books sind zu teuer.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".