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Der “Neue Buchpreis”? Oder nur Werbung für ePubli?

5 Jul 2012 Stefan Holzhauer 5 Kommentare

Ta­ges­spie­gel, Zeit On­line, die »Stif­tung Le­sen« und ePu­bli ha­ben ei­nen Buch­preis für Selbst­ver­le­ger aus­ge­lobt, zu dem man noch bis zum 5. September Werke ein­rei­chen kann. Der Preis ist mit ins­ge­samt 20000 Euro do­tiert, De­tails fin­det man auf der zu­ge­hö­ri­gen Web­adresse derneuebuchpreis.de (die auf eine ePubli-Seite um­lei­tet). Ge­för­dert wer­den sol­len Selbst­ver­le­ger, in ver­schie­de­nen Ka­te­go­rien (Bel­le­tris­tik, Sach­buch, Wis­sen­schaft, Kunst und Fo­to­gra­fie so­wie Kin­der– und Ju­gend­buch) kön­nen Bü­cher ein­ge­reicht wer­den, die dann zu­erst duch die Le­ser und da­nach von ei­ner Jury aus Jour­na­lis­ten, Li­te­ra­tur­ex­per­ten und Wis­sen­schaft­lern ge­sich­tet und be­wer­tet wer­den. Ziel ist laut Web­seite die “Wür­di­gung der bes­ten Selfpublishing-Autoren”.

Ich halte das ehr­lich ge­sagt für ein we­nig ei­gen­ar­tig, denn die Teil­nahme ist aus­schließ­lich mit Wer­ken mög­lich, die bei ePu­bli zur Ver­öf­fent­li­chung ein­ge­reicht wer­den. Wenn es hier tat­säch­lich um Self­publis­hing und des­sen Ver­brei­tung geht, soll­ten Bü­cher über alle Ver­triebs­mög­lich­kei­ten in die Be­wer­tung mit ein­ge­hen und nicht nur sol­che, die über die Holtzbrinck-Tochter ePu­bli ver­öf­fent­licht wer­den. Um teil­neh­men zu kön­nen, muss man zu­dem ei­nen Au­to­ren­ver­trag mit ePu­bli ab­schlie­ßen, das be­deu­tet: wer das frag­li­che Werk be­reits bei Ama­zon (oder ei­ner der an­de­ren Platt­for­men, die ePu­bli be­schickt) ver­öf­fent­licht hat, ist raus.

Man möge mir ver­ge­ben, aber das Ganze er­scheint mir eher wie eine groß an­ge­legte Wer­be­ak­tion für die Platt­form ePu­bli, de­ren Preise im Be­reich Print an­ge­sichts Crea­teSpace in­zwi­schen deut­lich über­höht er­schei­nen (ins­be­son­dere an­ge­sichts der an­ge­bo­te­nen Tan­tie­men). Was wir brau­chen ist ein Plattform-unabhängiger Preis für Selbst­ver­le­ger, um das Kon­zept und auch Au­to­ren beim Pu­bli­kum be­kann­ter zu ma­chen. Für sol­che Au­to­ren, die noch ein un­ver­öf­fent­lich­tes Werk in der vir­tu­el­len Schub­lade ha­ben, ist die Ak­tion aber mög­li­cher­weise in­ter­es­sant.

Autor & cc-Lizenz: Stefan Holzhauer
Crossposting via phantanews.de

Abb.: Logo DNBP Co­py­right ePubli.de, aus dem Pres­se­ma­te­ri­al­ar­chiv von ePu­bli

5 Kommentare »

  • Peter Hellinger schrieb:

    Die Sponosoren – bis auf die Stiftung Lesen – gehören ja auch zum Holtzbrink-Universum. Ein Schelm, wer da böses dabei denkt …

  • Max Franke (epubli) schrieb:

    Lieber Stefan Holzhauer,

    zur Teilnahme schließen Autoren zumindest für die Dauer des Wettbewerbs einen Autorenvertrag ab, der immer innerhalb von fünf Tagen gekündigt werden kann.

    Jedoch behält sich epubli nur das nicht-exklusive Vertriebsrecht vor, d.h. Autoren, die bereits auf einer anderen Plattform veröffentlicht haben, sind keinesfalls „raus“, sondern können ganz im Gegenteil zusätzlich an dem Wettbewerb teilnehmen. Die Veröffentlichung ist zudem nur während des Wettbewerbs nötig.

    Der Wettbewerb wurde letztes Jahr ins Leben gerufen, um Self-Publishing und Self-Publishing-Autoren ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu bringen. Damals waren die Zweifel über die Möglichkeiten von Self-Publishing inner- und außerhalb der Buchbranche noch sehr groß. Die Tatsache, dass eine sehr hochkarätige Jury und starke Kooperationspartner den Preis unterstützen, hat Vielen – wie auch die Teilnahme von knapp 1.000 Autoren – das Gegenteil bewiesen.

  • Uta schrieb:

    Aber ich find es schon komisch, dass sich die Stiftung Lesen dafür hergibt … es wird sich wohl lohnen! Danke für den Beitrag!

  • Sascha schrieb:

    Die Anzahl der Teilnahmer sagt nichts über Unabhängigkeit oder die Seriosität eines Wettbewerbs aus.
    Auch mich beschleicht immer ein komische Gefühl, wenn 5/6, 3/4, 7/8…. der Sponsoren oder Initiatoren einem Verlagshaus entspringen.
    Unabhängigkeit im Selfpublishing-Bereich sollte belohnt werden. Aber nicht um jeden Preis.

  • Stefan schrieb:

    Lieber Max Franke,

    ich nehme Ihre Anmerkung zur Kenntnis.

    Dennoch werden Sie mir sicher erläutern können, wie sich das Konzept “Selfpublishing” damit vereinbaren lässt, dass die Teilnehmer zwingend einen Autorenvertrag mit der Holtzbrinck-Tochter ePubli abschließen müssen? Widerspricht ein Autorenvertrag mit einer großen Verlagsgruppe nicht der hinter Selfpublishing stehenden Idee grundlegend?

    Weiterhin muss man feststellen, dass alle “Sponsoren” außer der “Stiftung Lesen” ebenfalls zur Holtzbrinck-Gruppe gehören. Man sponsert sich demnach selbst?

    Wenn die Grundidee an sich auch löblich ist: warum bietet man im Rahmen des Wettbewerbs nicht einfach die Möglichkeit, jegliche selbstpublizierte Werke einzureichen, ohne dass es einen “epubli-Zwang” gibt? Die (positive) Werbewirkung für die Plattform epubli wäre mit Sicherheit deutlich größer und Kritik nahezu nonexistent.

    Abschließend sei mir noch die Frage an einen epubli-Insider erlaubt, wann epubli angesichts der deutlich attraktiveren neuen Konkurrenz durch CreateSpace/Amazon seine Preise und insbesondere die Versandkosten nach unten korrigiert, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

    Für Ihre Antworten bedanke ich mich im voraus.

    Stefan Holzhauer