Der Leser als Location-Scout: Warum gibt’s auf dem Kindle keine Seitenzahlen?

kindle-location-statt-seitenzahlWer seine E-Books auf Amazons Kindle liest, kommt sich ein bisschen vor wie beim Bibel-Studium, oder wie bei Caesars Bellum Gallicum – denn es gibt keine Seitenzahlen, sondern nur sogenannten „Locations“, wobei es sich um fest nummerierte Textstellen handelt. Die Locations sollen dem Kindle-Nutzer die Orientierung erleichtern, denn sie bleiben immer gleich, egal wie stark der Text gezoomt wird.

Seit dem Kindle 1 gibt’s bei Amazon nur „Locations“

Tatsächlich machen vorgegebene Seitenzahlen auch bei E-Readern keinen Sinn mehr, denn je nach Schriftgröße passt eben mehr oder weniger Text auf das Display. Sobald der Leser die Zoom-Einstellung ändert, verändet sich also auch die Seitenzahl. Vielen Lesern mag das egal sein, für die Perfektionisten bei Amazon war das offenbar nicht akzeptabel. So kam es schon beim Kindle 1 zu der Lösung mit den Locations – doch wirklich befriedigen ist es offenbar für die Kindle-Gemeinde auch nicht, wenn am Fuß der Seite „Location 8233-8261“ steht.

Befürworter der Locations sind in der Minderheit

In vielen Kindle-Foren wird das Thema heiß diskutiert, wobei die Befürworter der technokratischen Lösung eher in der Minderheit zu sein scheinen. Das liegt wohl auch an der etwas spleenigen Locations-Zählweise – auf eine normale Textseite kommen etwa 10 bis 20 dieser fest markierten Textstellen, so dass man sich grundsätzlich immer zwischen irgendwelchen drei, vier, oder fünfstelligen Locations befindet. Für viele ist es auch kaum zu verstehen, dass normale Seitenzahlen auf dem Nook von Barnes&Noble selbstverständlich sind, während Amazon sie nicht einmal als Option zulässt. Eins ist wohl klar: Falls sie die traditionelle Paginierung den Kindle-Nutzern doch noch einmal beschert werden sollte, dann bestimmt als revolutionäres neues Feature…

(via cnet)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".