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Der Geruch der Bücher: Thalia wechselt den Besitzer — von Douglas zu Herder

12 Jul 2016

thalia-von-herder-uebernommenPaukenschlag im eher ruhigen Lesesommer: Thalia wird vom Herder Verlag übernommen, bisher gehörte Deutschlands größte Buchhandelskette zur Douglas-Holding. Der Besitzerwechsel dürfte nach der Verkündung der Tolino-Allianz und der Aufspaltung des Weltbild-Konzerns die wichtigste Richtungsentscheidung im deutschen Buchhandel seit Beginn des E-Book-Booms sein. Mit einem Umsatz von fast einer Milliarde Euro und neben 280 Filialen auch starker Online- & E-Reading-Reichweite gilt Thalia als stärkster nationaler Gegenspieler von Amazon, Kindle & Co.

Digital-Entrepreneur Göritz als Ko-Investor

Die Geschicke von Thalia lenkt in Zukunft ein Konsortium, das neben Manuel Herder (seit 1999 an der Spitze des Verlagshauses) auch aus Investor & Digital-Entrepreneuer Leif Göritz (Smart Mobile Factory) sowie Thalia-Chefmanager Michael Busch besteht. Der bisherige Thalia-Eigentümer, ein US-Private Equity Fonds namens „Advent International“, erhält für die Buchhandelskette laut FAZ eine Kaufsumme „im niedrigen dreistelligen Millionen Euro-Bereich“.

Thalia erfolgreich mit Digital-Strategie

Thalia galt schon seit längerem als Verkaufskandidat, da sich die Parfümerie-Kette auf’s Kerngeschäft konzentrieren wollte. Parallel zu den Verkaufsaktivitäten wurde Thalia ein harter Sanierungskurs verordnet, der dem Unternehmen selbst zufolge seit 2015 abgeschlossen sein soll. Tatsächlich verzeichnete Thalia zuletzt wieder leichtes Wachstum — nicht zuletzt scheinen sich auch die zahlreiche Digitalaktivitäten auszuzahlen.

Schon frühzeitig hatte die Kette mit dem Oyo-Reader auf ein eigenes Lesegerät gesetzt, bietet ihren Kunden nach der Übernahme von textunes eine viel gelobte E-Lese-App für Tablet & Smartphone und gehörte nicht zufällig auch zu den Gründungsmitgliedern der Tolino-Allianz. Iim Bereich Discoverability gehört Thalia ebenfalls zu den Vorreitern – 2015 startete die Buchempfehlungsplattform „Thalia Next“.

Inhabergeführte Ketten kontra anonymes Amazon

Die Position des „traditionellen“ stationären Buchhandels dürfte durch Herders Griff nach Thalia deutlich gestärkt werden — dem anonymen Shareholder-Riesen Amazon stehen nun überwiegend von den jeweiligen Inhaberfamilien geführte Ketten gegenüber, neben Thalia gehören dazu Hugendubel, Osiander und die Mayersche. Alle vier sind zugleich Mitglieder der Tolino-Allianz, ziehen also in Sachen E-Reading an einem Strang.

Mittelfristig hängt der Erfolg all dieser Unternehmen aber natürlich auch davon ab, wie gut stationäres und Online-Geschäft miteinander verzahnt werden können. Thalias „Multichannel“-Strategie ist da sicher ein gutes Vorbild…

(via Buchreport & FAZ)