Der Feind von morgen, das sind wir selbst – Christian Schuetz, „Temporales Dilemma“ [Leseprobe]

temporales-dilemma-introEin Zufallsfund stellt die Welt des Frankfurter Physik-Professors Arno Brugger auf den Kopf: Sind Zeitreisen doch möglich? Merkwürdige Datenreihen, die sein verstorbener Kollege Thorwald Magnussen erhoben hat, scheinen das zu belegen. Brugger reist nach Norwegen, begleitet von Erik, einem Patienten seiner als Neurochirurgin tätigen Tochter Emma. Eine Gehirnanomalie verleiht dem technikaffinen Wunderkind außergewöhnliche Fähigkeiten. Zusammen entdecken sie in Magnussens Nachlass einen Gegenstand aus der Zukunft, deponiert von einem Zeitreisenden aus dem 25. Jahrhundert – für Erik! Langsam wird klar: ihr Schicksal wird von Wissenschaftlern aus der Zukunft manipuliert. Erik ist auserkoren worden, Korrekturen an der Zeitlinie vorzunehmen, was auch beinhaltet, Menschen zu eliminieren. Die Agenda der Zukunft wird offenbar nicht mehr nur von Wissenschaftlern bestimmt, sondern vom Militär. Was tun? Christian Schuetz lässt im Sci-Fi-Thriller „Temporales Dilemma“ das Ad-Hoc-Team aus Physiker, Hacker und Neurochirurgin kurzentschlossen den Kampf mit einem scheinbar übermächtigen Gegner aufnehmen – und damit zugleich den Kampf gegen die Zeit selbst. Unsere Leseprobe führt an den Beginn der Handlung, noch etwas mehr verrät die Blick ins Buch-Option im Kindle-Shop. (Übrigens, im gerade erschienenen zweiten Teilgeht der Kampf noch weiter…)

Christian Schuetz, Temporales Dilemma

Prolog

Marit Magnussen stand auf dem Holzbalkon ihres Hauses am Ufer des Vestvannet, eines Sees circa vierzig Kilometer östlich von Oslo gelegen, und wartete auf die Ankunft ihrer Gäste. Es waren für sie seltsame vier Tage gewesen, seit die Assistentin dieses Professors aus Deutschland angerufen hatte. Anfangs dachte Marit, es sei das Normalste auf der Welt, einem Kollegen ihres verstorbenen Mannes Einblick in dessen Unterlagen und damit Zugang zu seinem Arbeitszimmer zu gewähren.
Erst nach dem Gespräch war ihr so richtig bewusst geworden, wie selten sie diesen Raum seit dem tragischen Unfall betreten hatte. Für Ordnung sorgte dort zwar regelmäßig die Putzfrau, aber Marit konnte die Zahl ihrer eigenen Besuche in diesem Zimmer an beiden Händen abzählen. Monatelang hatte sie mit dem Schicksal gehadert und sich selbst die Schuld für Thorwalds Tod gegeben. Natürlich war das unbegründet, aber dies einzusehen hatte sie viele Sitzungen bei einer Psychologin gekostet.
Zumal das nicht ihr erster Verlust war. Ihr Sohn Leif war gestorben, als er gerade mal drei Jahre alt war. Das war eigentlich ein viel schlimmerer Schicksalsschlag für Marit gewesen, aber damals war sie noch jünger und sie hatte einen Mann, mit dem sie den Schmerz teilen konnte.
Es war für Marit leicht, sich einzureden, dass das Schicksal es für sie nicht vorgesehen hatte, ein glückliches Leben zu führen, da sie zunächst den Sohn und dann auch noch den Ehemann verloren hatte. Über ihre Depressionen war sie mittlerweile aber hinweg.
Durch diesen angekündigten Besuch kam das alles aber wieder hoch und sie musste auf ihr Leben und ihre Verluste zurückblicken. Dieser Professor konnte natürlich nichts dafür, aber sie wünschte sich doch, er hätte Thorwalds Studie ruhen lassen. Die letzte Arbeit ihres Mannes war sowieso für alle seine Kollegen rätselhaft geblieben.
Marit hatte sich zwar stets für die Arbeit ihres Mannes interessiert, aber ihr reichten oberflächliche Erklärungen, wie „Polarforschung“ oder „Neue Energien“ oder „Magnetfeldphysik“. Thorwald hatte ihr trotzdem immer alles genauer erklärt, was er gerade erforschte und er hatte ein feines Gespür dafür, wie detailliert er in seinen Ausführungen werden konnte.
Aber seine letzte Studie wollte oder konnte er ihr nicht näherbringen. Nahezu beunruhigend war seine Erklärung: „Ich mache das für Leif! Irgendwann wirst du es verstehen!“ Sie hatte es danach vermieden, ihn nochmal darauf anzusprechen.
Auch an seiner Uni schien man ihm ungeahnte Freiheiten zu gewähren, obwohl keiner dort wirklich wusste, was er vorhatte. Dann, etwa zwei Monate vor dem Unfall, begann er eigenartig, ja gar schwermütig, zu werden. Aus heiterem Himmel fing er an, von seinem Lebenswerk zu sprechen, obwohl sich dies noch im Entstehungsprozess befand. Wenn sie ihn fragte, ob ihm etwas fehlte, sagte er stets, dass alles in Ordnung sei. Ihm ginge nur Vieles im Kopf herum.
Und dieser Ausflug zum Ski-Trekking war auch etwas, das er bis zu diesem Zeitpunkt noch nie gemacht hatte. Marit hatte gehofft, dass der Trip sein Gemüt erhellen und seinen Akku auffüllen würde. Thorwald war schon immer ein geborener Naturmensch, aber er hatte vor dieser Trekking-Tour nur wenig frische Luft schnuppern können, weil er sehr viel Zeit an der Uni oder in seinem Arbeitszimmer verbracht hatte.
Sie machte sich zwar Sorgen, als er aufbrach, aber sie hoffte einfach, einen erholten Mann zurückzubekommen, der wieder mehr Freude am Leben zeigte. Vielleicht sogar ein wenig von dem Mann, den sie mit gerade einmal zwanzig Jahren kennengelernt hatte…

Er war damals Gast in einer Fernsehshow, bei der sie als Assistentin fungierte. Mit sechzehn hatte sie von einer Karriere als Model geträumt. Der Traum blieb nicht völlig unerfüllt. Sie posierte in Sommerkleidern für Kataloge und durfte sogar eine hübsche Leiche in einem Fernsehkrimi spielen. Später folgten Werbe-Spots für Zahncreme und Tampons, aber die großen Laufstege der Welt blieben ihr verwehrt. Ein Agent sagte ihr, sie wäre zwar sehr hübsch, aber einfach nicht markant genug.
Zu dem Zeitpunkt, als Professor Thorwald Magnussen seinen Auftritt als Experte für Polarlichter und die arktische Flora und Fauna in einer Samstag-Abend-Quiz-Show hatte, war Marit am Tiefpunkt ihrer Karriere. Sie hatte den Job nur über die Besetzungscouch bekommen können und hatte sich bereits entschlossen, dem Showbusiness den Rücken zu kehren.
Da lief ihr bei den Proben dieser Mann über den Weg. Für ältere Männer hatte sie schon immer ein besonderes Faible, was vielleicht der Tatsache zu schulden war, dass sie ohne Vater aufgewachsen war. Klischee oder nicht, es hatte sofort gefunkt.
Natürlich war sie nicht die Einzige, die begeistert von ihm war. Das Publikum liebte ihn, wie er mit einfachen Worten die Entstehung von Polarlichtern erklären konnte. Oder wie er Filmaufnahmen von spielenden Polarfuchswelpen kommentierte und von einer Begegnung mit einem ausgewachsenen Eisbären berichtete.
Thorwald hatte den Zuschauer im Sturm erobert und man wollte von ihm mehr sehen. Es folgten Einladungen zu einer Late-Night-Show und einer Experten-Diskussion, und Marit gelang es zumindest immer, als Hostess an den Produktionen beteiligt zu sein.
Sie flirteten hinter den Kulissen, aber er schien, vielleicht aufgrund des Altersunterschieds von dreiundzwanzig Jahren, etwas zurückhaltend zu sein. Doch dann wurde sie eines Tages in das Büro eines der Produzenten gerufen. Ihr Vertrag lief aus und sie befürchtete erneute Avancen, auf die sie nicht eingehen wollte.
Sie dachte, der Abschied vom Showbusiness wäre nun gekommen, doch dann sagte ihr dieser Produzent, er bereite eine dreiteilige Serie vor und sie wäre explizit als Moderatorin angefordert worden.
„Vom wem?“, platzte es aus ihr heraus und die Antwort machte sie einfach nur glücklich.
„Dieser Professor Magnussen, Polarforscher! Sie haben doch schon mit ihm gearbeitet. Sie scheinen einen gewissen Eindruck bei ihm hinterlassen zu haben.“
Das Konzept war Thorwalds Idee und er hatte sich damit durchgesetzt, weil der Sender ihn schlichtweg haben musste. Koste es, was es wolle! Sie reisten fast drei Monate mit einer Aufnahmecrew durchs winterliche, nördlichste Norwegen und die Sendungen waren so aufgebaut, als würde der Professor der netten, jungen Moderatorin die Welt erklären. Oder zumindest diesen kleinen Teil der Welt.
Prinzipiell war es auch genau das. Manchmal musste sie eben nur so tun, als hätte sie etwas Spezielles noch nie gesehen, auch nicht bei den Proben. Die Sendungen waren jedes Mal soziales Gesprächsthema und selbst die kühlen norwegischen Klatschblätter hatten schnell ihren Aufmacher: „Das Model und der Professor! Wie heiß wurde es in der Arktis?“
Marit hätte ihnen schon sagen können, dass es sehr heiß geworden war, aber die beiden ließen den Rummel an sich abprallen. Das ruhige Gemüt der Skandinavier sorgte wohl dafür, dass das öffentliche Interesse auch nie zu groß wurde.
Als sie mit einem Fernsehpreis ausgezeichnet wurden, waren sie bereits verheiratet und Marit im dritten Monat schwanger. Ihre Karriere hatte sie an den Nagel gehängt und wollte einfach nur Ehefrau und Mutter sein. Für dreieinhalb Jahre waren beide so glücklich wie man nur sein konnte.

Dann kam die Nacht, die alles veränderte. Ein Geräusch hatte sie geweckt. Alles war dunkel. Ihre Hand suchte auf der anderen Seite des Betts nach ihrem Mann, aber der war nicht dort. Sie blickte zum Babyphone. Das Lämpchen flackerte leicht, aber es war nichts zu hören.
Sie drehte sich gerade wieder zurück und wollte weiterschlafen, als sie aus dem Gerät einen Schrei hörte: „Nein!“
Sie fuhr herum. Das Adrenalin schoss durch ihren Körper und sie saß bereits aufrecht, als sie Thorwald zum zweiten Mal schreien hörte. Sie sprang auf und rannte zum Kinderzimmer, ohne sich vorher anzuziehen.
Als sie an die Tür kam, sah sie als erstes ihren Mann über Leif gebeugt, wie er zweimal mit der Faust auf den Brustkorb des Jungen schlug. Völlig schockiert dachte Marit, ihr Mann würde dem Kind etwas antun.
„Was machst du da?“, rief sie entsetzt, aber Thorwald antwortete nicht, weil er zu konzentriert und auch offensichtlich selbst zu schockiert war. Dann erst erkannte Marit den Versuch einer Herzmassage und dass sich Thorwald hinuntergebeugt hatte und seinen Sohn künstlich beatmen wollte. Als er sich aufrichtete und wieder begann den Brustkorb zu bearbeiten, gehorchten Marits Beine wieder.
Sie stürzte zu Leif und presste ihre Lippen auf die ihres Sohns. Marit hatte keinerlei Ausbildung in Rettungsmaßnahmen, aber sie wollte alles in ihrer Macht Stehende für ihr Kind tun. Sie presste so oft und so heftig Luft in die Lungen ihres Sohnes, bis ihr schwindlig wurde und sie neben dem Bett auf die Knie ging.
„Ein Mann war hier drin bei ihm!“, sagte Thorwald plötzlich. Marit hörte die Worte, aber verstand sie nicht. Sie sprang wieder auf und wollte Leif weiter beatmen, aber ihr Mann packte sie bei den Schultern und zog sie an sich.
„Marit! Nicht! Er ist tot!“ Sie wollte sich mehrmals losreißen und schrie vor Verzweiflung, schrie ihren Mann an, schrie ihren Sohn an und schrie bis sie nicht mehr konnte.
Dann ließ Thorwald sie los und Marit umarmte ihren toten Sohn. Dass ihr Mann das Zimmer verließ und die Polizei rief, hörte sie nicht mehr. Erst als fast zehn Minuten später das Blaulicht durch das Fenster flackerte, ließ sie ihren Sohn los. Thorwald legte ihr seinen Morgenmantel um, als der Notarzt bereits die Treppe hoch stürmte. Sie fühlte sich in diesem Moment absolut leer und betrachtete das Geschehen, als würde vor ihr ein Film ablaufen. Ihr Mann hielt sie im Arm, als der Arzt den Tod ihres Kindes feststellte.
Es war ihnen vorher schon bewusst, aber es so ausgesprochen zu hören, besiegelte das Drama einfach endgültig. Thorwald führte sie ins Schlafzimmer und setzte sie aufs Bett. Sie saß dort einige Minuten, bevor ein Polizist zu ihr kam und sie fragte, ob sie Hilfe brauchte.
Sie öffnete den Mund und ohne wirklich zu wissen, was sie da von sich gab, sagte sie: „Mein Mann hat gesagt, da wäre ein fremder Mann bei meinem Sohn gewesen!“
Der Polizist zuckte zusammen. Er war nicht gekommen, um sie irgendwie zu befragen. Der Professor hatte ihn einfach gebeten, doch bitte nach ihr zu sehen. Mehr wollte der Polizist gar nicht, doch plötzlich klang das nach einem Mordfall und er musste es melden.

Die Eheleute wurden getrennt voneinander aufs Revier gebracht und befragt. Marit konnte es nicht glauben. Gerade hatte sie ihren Sohn verloren und nun stellte man ihr Fragen, die darauf hindeuteten, dass die Polizei zumindest einen Verdacht gegen Thorwald hegte.
„Gab es Anzeichen?“, fragte eine Kommissarin sie. „Hat ihr Mann jemals die Hand gegen den Jungen erhoben? Oder gegen Sie?“
Marit antwortete fast apathisch auf die Fragen, die allesamt mehrfach gestellt wurden, so als ob man ihr etwas in den Mund legen wollte. Irgendwann schrie sie die Kommissarin dann an: „Lassen Sie mich endlich in Ruhe! Mein Mann ist kein Schläger! Kein Mörder!“
Marit war weinend zusammengebrochen. Der Anwalt der Familie war mittlerweile eingetroffen und sorgte dafür, dass die Magnussens wieder nach Hause durften. Die zuständigen Beamten entschuldigten sich für die Befragung. Dennoch war ihnen das Misstrauen gegen Thorwald anzusehen.
Zu Hause erzählte Thorwald ihr dann in Ruhe, was geschehen war: „Ich bin aufgewacht und musste zur Toilette. Da habe ich das grüne Licht aus Leifs Zimmer gesehen. Ich ging auf die Tür zu und sah durch einen Spalt diesen Mann, diesen Fremden!“
Marit zitterte. Ein Fremder im Haus machte ihr Angst, aber fast noch mehr Angst machte ihr die Möglichkeit, dass Thorwald sich das unter Stress eingebildet hatte oder gar, dass er Leif wirklich etwas angetan und sein Unterbewusstsein diesen Fremden erfunden hatte. Die Kommissarin hatte so etwas in der Art als typisches Verdrängungsverhalten angedeutet.
„Der Mann hatte ein Gerät in der Hand!“, fuhr Thorwald fort. „Das grüne Licht kam aus diesem Ding und er hat damit Leif angestrahlt. Ich bin losgerannt, aber dann hat ein Luftzug die Tür zugeschlagen. Als ich sie wieder aufgerissen habe, war der Mann weg. Keine Spur von ihm und Leif lag tot …“
Thorwalds Stimme brach in einem Schluchzen ab und Marit verschwand im Schlafzimmer und sperrte sich ein. Sie wollte davon nichts mehr hören. Am nächsten Tag sagte dann Thorwald, dass es ein schlimmer Traum gewesen sein muss, der ihn zu Leif geführt hatte. Er schien selbst akzeptiert zu haben, dass es Einbildung war.
Aber zwei Tage später nahm die Polizei Thorwald in Untersuchungshaft, nachdem der erste pathologische Befund als Todesursache die Schläge auf den Brustkorb genannt hatte. Die Medien hatten auch davon erfahren und Marit konnte die nächsten Tage nur mit heftigen Beruhigungsmitteln überstehen.
Nach etwa einer Woche kam die Rettung in Form des Abschlussberichts aus der Pathologie. Bei Leif wurde eine sehr seltene Erbkrankheit festgestellt, die die Zellstruktur geschwächt hatte. Dies hatte sich anscheinend über Monate auf sein Herz ausgewirkt, das dann einfach kollabiert war.
Die Krankheit wäre ohne spezielle Untersuchungen und Verdachtsmomente nicht festzustellen gewesen. Dass die Eltern nicht an der Krankheit litten, wäre nicht ungewöhnlich, weil der Fehler im Erbgut gerne mal zwei oder drei Generationen übersprang. Man entschuldigte sich für den Verdacht gegenüber Thorwald, aber auf den ersten Blick schien das Herz aufgrund heftiger Schläge auf den Brustkorb geschädigt worden zu sein.

Die folgenden Wochen waren für das Ehepaar trotzdem die Hölle. Beide gingen gemeinsam zur Therapie, verbrachten mehrere Wochen in einer speziellen Kureinrichtung für Traumapatienten, bis Thorwald endgültig davon überzeugt war, dass dieser fremde Mann nur Ergebnis seiner Fantasie war.
Ihre gemeinsame Therapeutin sprach davon, dass Thorwalds Unterbewusstsein einen Hilferuf aus Leifs Unterbewusstsein aufgefangen und so den Traum erzeugt haben könnte. Darauf hatte sie sich dann gemeinsam am Ende verständigt.
Wirklich glauben mochte Marit diese Erklärung allerdings nicht. Was sagte das denn über sie als Mutter aus? Thorwald hatte den Hilferuf gehört, sie aber nicht? Dennoch war es besser, die Ereignisse ruhen zu lassen, als ständig nach Antworten zu suchen.
Thorwalds berufliches Leben litt weiter. Er hatte jeden Antrieb verloren, aber seine Uni war geduldig, beurlaubte ihn und gab ihm viel Zeit, seine Angelegenheiten zu klären. Sechs Monate nach dem Tod von Leif fuhr Marit zu ihrer Mutter, weil es auch dieser nicht besonders gut ging.
Als sie nach drei Wochen wiederkam, war Thorwald wie ausgewechselt. Seine Papiere waren nicht nur in seinem Arbeitszimmer verstreut, sondern flogen bis in den Flur. Es war anscheinend seine Art und Weise, endlich den Verlust zu kompensieren. Er kehrte auch wieder an die Universität zurück und da er sein Leben scheinbar wieder in den Griff bekommen hatte, indem er sich in seine Arbeit stürzte, suchte auch Marit eine Beschäftigung.
Wirklich gelernt hatte sie nichts, aber sie konnte repräsentieren und so engagierte sie sich für eine Kinderhilfsorganisation. Sie wurde zum Gesicht der Initiative und war sehr erfolgreich in ihren Bemühungen, Geldmittel von Prominenz und Politik zu beschaffen.
Persönlich war ihr der direkte Kontakt zu den Kindern wichtiger. Das war Marits Weg den Verlust ihres Sohnes zu bewältigen. Ihre Organisation kümmerte sich um in Not geratene Kinder und jedes einzelne Lächeln eines dieser Kinder half, ihre Wunden zu heilen.
Der Ehe tat es natürlich nicht gut, dass beide auf unterschiedliche Weisen vergessen wollten und sich deshalb oft tagelang nicht sahen, aber ihr Fundament war dennoch stark genug, dass die Ehe hielt. Die Verliebtheit und vor allem der wilde Sex waren Vergangenheit, aber sie gehörten trotzdem zusammen. Und dann begrub vor sechs Jahren eine Lawine auch diesen letzten Rest ihrer Ehe. (Weiterlesen im Kindle Shop)

Copyright Cover & Leseprobe: Christian Schuetz
Publikation mit frdl. Genehmigung des Autors.

temporales-dilemma-zeitreisethriller-von-christian-schuetz
Christian Schuetz,
Temporales Dilemma
E-Book (Kindle) 3,99 Euro
E-Book (epub) 3,99 Euro

(Fortsetzung: „Temporales Nachbeben“)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".