Delicious Library, oder: auch das Bücher-Regal wird immer virtueller

delicious-library-virtuelles-bucherregalNicht nur Bierflaschen und Schokoriegel, auch Buch-Cover haben mittlerweile Barcodes. Was den Kassierer in der Buchhandlung freut, war für die Leser bisher eher nutzlos. Wer hat schließlich schon einen Bar-Code-Scanner dabei? Und selbst wenn: was soll man damit machen? Für Mac-Besitzer stellt sich diese Frage in Zukunft nicht mehr: das Programm Delicious Library scannt die Strichcodes per iSight-Webcam ein und erstellt ein virtuelles Bücherregal mit Abbildern der Original-Cover.

Delicious Library nutzt die iSight-Web-Cam von MacBooks, funktioniert aber auch mit einem externen Scanner

Zunächst wird mit Hilfe der iSight-WebCam der Barcode fotografiert und entziffert, dann lädt Delicious Library die bibliografischen Daten sowie ein Cover-Bild aus dem Internet. Zusätzliche Informationen wie Rezensionen, Zusammenfassungen, Kauf- und Verkaufslinks bei Amazon und ähnliches lassen sich ebenfalls aus dem Netz holen. Der Benutzer erhält jedoch keine schnöde Liste, sondern viel mehr: Delicious Library erstellt eine grafische Darstellung der Bibliothek auf edlem Eichenholz. Wer mag, kann sein elektronisches Bücherregal sogar im Internet präsentieren. Wie in einem echten Regal kann man natürlich auch Non-Books einstellen: etwa CDs, DVDs, Videospiele, ja theoretisch auch die Mousse au Chocolat aus dem Kühlregal. Vorausgesetzt, es findet sich dazu im Internet ein Foto. Hat ein Buch oder ein sonstiger Gegenstand keinen Strichcode, kann man die ISBN-Nummer oder eine sonstige Identifikationsnummer per Hand eingeben.

Besonders sinnvoll ist die Möglichkeit, große Mengen von Büchern zu katalogisieren und via Amazon verkaufen zu können

Machbar ist vieles, doch ist es auch immer sinnvoll? Selbst die Macher von Delicious Library können sich vorstellen, das manche auf ihr Programm eher mit Stirnrunzeln reagieren werden: “Ok,” they say, “then I have my stuff in my computer. Big whoop. I can just look at my real shelf, right now, for free.” Für wen lohnen sich die 40 Dollar, die man für die Software berappen muss, am Ende wirklich? Wahrscheinlich vor allem für alle diejenigen, die große Mengen von Medien besitzen und sie katalogisieren möchten. Ein Regalmeter Bücher geht ja noch. Ein Regalmeter DVDs ist nicht mehr so einfach per Hand aufzulisten. Und siehe da: Delicious Library kann die Daten auch als Bibliografie-Datei im Bib-TeX, MLA- oder ähnlichem Format exportieren. Besonders überzeugend ist unserer Meinung nach die Möglichkeit, große Mengen von Büchern, CDs, Videospielen o.ä. per Mausklick im Online-Shop anbieten zu können. Auch lässt sich sehr schnell der Warenwert einer Sammlung ermitteln. Aber das virtuelle Regal an sich hat natürlich erst recht einen gewissen Reiz: als Internet-Surfer eine große Bibliothek nicht nur mit einer öden Suchmaske zu durchstöbern, sondern die einzelnen Cover auf sich wirken zu lassen, das wäre mal was.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

Ein Gedanke zu „Delicious Library, oder: auch das Bücher-Regal wird immer virtueller“

Kommentare sind geschlossen.