„Das Jahr, als das Internet erwachsen wurde“ – Netzpolitischer Jahresrückblick 2013 (irights.info)

„Bis heute existiert keine positive Definition einer digitalen Gesellschaft. Wie wollen wir mit den neuen Möglichkeiten des Digitalen leben? Was brauchen wir jenseits der roten Linien, die nicht überschritten werden dürfen?“ – gute Frage, gestellt hat sie irights-Redakteur Philipp Otto im Vorwort von „Das Netz“, dem von irights herausgegebenen netzpolitischen Jahresrückblick. Tatsächlich dreht sich die Diskussion ja derzeit vor allem um digitale Problemzonen, die mit dem Eindringen staatlicher oder privater Instanzen in unsere Privatsphäre zu tun haben, ob es nun um die direkte Kontrolle des Konsums durch Digital Rights Management geht oder das klammheimliche, terabyteweise Abschnorcheln der Nutzerdaten. So geht es auch im Netzpolitischen Rückblick etwa um das Thema Anonymität im Netz (Torsten Klein, „Kampf um Tor“), Computersicherheit (Bruce Schneier, „Im Internet herrscht das Mittelalter“) oder ganz einfach um die Güterabwägung von „Wahrheit gegen Freiheit“, wie der Gastbeitrag von Edward Snowden schon im Titel verkündet.

Allerdings war auch 2013 weit mehr los als nur die Dauerschleife medialer Reflexe auf den nachrichtendienstlich-industriellen Komplex – das zeigt u.a. der „netzfeministische Jahresrückblick“ von Annina Luzie Schmid, Stefan Niggemeiers Blick auf die fortschreitende Zeitungskrise („Lautes Pfeifen im Walde“, die angemessene Würdigung des Leistungsschutzrechtes durch Till Kreutzer („Willkommen in der Sackgasse“) oder Kai Schächteles Retrospektive zum Trend namens Multimedia-Storytelling („Das Jahr 1 nach der Lawine“). Und wie man an den im Netzpolitischen Rückblick ebenso präsenten Themen wie Creative Commons, Open Access oder Open Educational Resources (OER) sieht, gibt es eben auch schon allerlei Ansätze, die digitale Gesellschaft im positiven Sinne zu definieren.

Zwischen den einzelnen Beiträgen sind unter dem Motto „Was war los im Netz“ tabellarische Monatsrückblicke eingefügt, vom 3. Januar („ARD-Programm geht vollständig über den Livestream online“) bis zum 12. November („Britischer Finanzsektor simuliert großangelegten Cyber-Angriff“). Ein gutes hat die nicht enden wollende Serie von Cyber-Skandalen wohl auf jeden Fall gehabt: 2013 war, so fasst es Sascha Lobos Beitrag zusammen, schlicht „das Jahr, als das Internet erwachsen wurde“. Das Heft erscheint als sowohl als aufwändig illustriertes Printmagazin (14,90 Euro) wie auch als E-Book (4,99 Euro). Das o.a. Titelbild wurde entworfen vom Berliner Zeichner Tim Dinter und ist auch als Poster erhältlich. Online lesen kann man „Das Netz“ übrigens kostenlos via Pressbooks.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".