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Das nächste große Ding heißt nicht E-Ink: Alternative Farb-Displays für E-Reader kommen

12 Jan 2010 Ansgar Warner 3 Kommentare

farbe als das nächste große ding e-reader mit color-display.jpgWLAN und Touchscreen haben die neuesten E-Reader schon, eigentlich fehlt nur noch ein Feature: das Farb-Display. Auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas war bereits ein solcher E-Reader-Prototyp von Liquavista zu sehen, und Hearst kündigte parallel zur Premiere des Skiff-Readers eine Color-Variante für 2011 an. Außerdem kursieren erste Gerüchte über eine Farb-Version des Amazon Kindle…

Farb-Displays lohnen sich vor allem für E-Mags & E-Newspaper

Die Consumer Electronics Show in Las Vegas war fast schon eine halbe Buchmesse – immerhin gab’s zahlreiche neue E-Reader zu sehen. Fast noch mehr Aufsehen erregten allerdings die Tablet PCs, auch wenn sie zum Teil noch – siehe Microsoft und Apple – im mythischen Nebel der Vaporware bleiben. Doch die Grenzen zwischen beiden Gadget-Klassen scheinen immer mehr zu verwischen – Schuld sind nicht nur WLAN und Touch-Screen, sondern vor allem die Entwicklungsfortschritte bei energiesparenden Farb-Bildschirme. Um E-Book-Reader geht es dabei gar nicht mehr so sehr – sondern eher um Reader für E-Mags, Zeitungen und natürlich auch E-Comics. Um sie auf mobilen Endgeräten zu vermarkten, braucht man großformatige Farb-Displays, die trotzdem kein Akku-Killer sind. Zeitungskonzerne wie etwa Hearst, Condé Nast aber auch Springer hoffen so, der Negativ-Spirale aus steigenden Druckkosten und sinkenden Anzeigenerlösen zu entkommen.

Wird E-Ink von alternativen Technologien abgehängt?

Theoretisch könnte man auf die Weiterentwicklung von E-Ink warten – so hat etwa Bridgestone einen Prototypen (QR-LPD) mit der “Liquid Powder”-Technik entwickelt, der bis zu 4096 Farben darstellen kann. Doch das Umblättern dauert ähnlich wie bei E-Ink noch relativ lange – Bridgestone spricht von einer Page-Refresh-Rate von 0.8 Sekunden. Es gibt allerdings schon Alternativen, die sogar Bewegtbilder versprechen – und damit etwa die Integration von Flash-Animationen und Videos. Zu den interessantesten Kandidaten gehören:

Pixel Qi – zwei Displays in einem

pixel qi e-reader farb display 3qi.gifZu den interessantesten Varianten in punkto energiesparender Farb-Displays gehörte auf der CES ein Tablet namens Notion Ink Adam, das mit Pixel Qi’s neuem, “transflektiven” 3qi-Bildschirm ausgestattet ist. Pixel Qi setzt auf Hybrid-Technik – und bietet somit zwei Display-Modi in einem Gerät. Die reflektive Variante kommt mit nur 0,2 Watt Leistung aus, erlaubt Bewegtbilder und funktioniert sogar in direktem Sonnenlicht. Die konventionellere Variante bietet ein hintergrundbeleuchtetes Farb-LCD, geeignet für Innenräume. Während die Backlight-Variante immerhin 16 Stunden mit einer Akkuladung läuft, sollen es bei der reflektiven Variante sogar bis zu 160 Stunden sein – bei vollem Betrieb wohlgemerkt, also etwa Videowiedergabe.

Qualcomm Mirasol – Schmetterlingseffekt für das Display

qualcomm_mirasol_tablet_pc_e-reader farb-display.jpgMirasol-Displays nutzen zur Farbdarstellung einen natürlichen Effekt, der auch die bunten Schiller-Effekte auf Schmetterlingsflügeln verursacht. Auf der CES wurde ein 5-Zoll-Prototyp gezeigt. Um die gewünschte Farbe zu erzeugen, wird beim sogenannten inferometrischen Verfahren die Entfernung zwischen einem transparentem Oberflächenfilm und einer darunterliegenden Reflexionsschicht verändert – es geht dabei also um die Modulation von Lichtwellen auf elektronmechanischem Weg. Die Pagerefresh-Rate beim Mirasol-Display ist so gut, dass auch Videodarstellung möglich ist. Das Verfahren soll übrigens noch energiesparender als herkömmliches E-Ink sein – bei einem Vizplex-Screen wie etwa im Amazon Kindle könnte so SlashGear zufolge die Akkulaufzeit um 20 Prozent verlängert werden. Angeblich will Amazon das Mirasol-Display tatsächlich auch für eine Color-Variante des Kindle einsetzen.

LiquavistaColor – LCD is not dead

liquavista color e-reader farb-display lcd.jpgEigentlich ist Liquavistas Konzept nichts neues – das Unternehmen spricht nicht umsonst LCD 2.0. Zu 90 Prozent nutzt das auf der CES präsentierte Farb-Display herkömmliche Flüssigkeits-Kristall-Technik. Die optimierte Version ist jedoch besonders stromsparend – und eignet sich somit hervorragend für reflexive Displays von E-Readern. Weiterer Vorteil: da man überwiegend auf bestehende Fertigungstechniken zurückgreifen kann, sind die Produktionskosten äußerst niedrig.

Kann man angesichts solcher Alternativ-Technologien also mit Besttablet-Review sagen: “E-Ink ist tot”? Wenn Tablet-PCs mit stromsparenden Displays sich auch für die Lektüre von E-Books durchsetzen sollten, hätte E-Ink auf jeden Fall Probleme, noch einen Massenmarkt bei den High-End-Geräten zu erreichen. Doch blieben wahrscheinlich noch wichtige Nischenmärkte, vor allem, wenn die Produktionskosten weiter fallen. Spätestens wenn einfache Lesegeräte mit E-Ink zum Preis eines Taschenbuchs erhältlich sein werden, sind sie auch weiterhin attraktiv. Außerdem darf man natürlich nicht den Bildungssektor vergessen – in Bibliotheken etwa könnte man einfach zu bedienende elektronische Lesegeräte gut gebrauchen, die etwa über WLAN auf digitalisierte Bestände zugreifen. Letzlich gilt wohl generell: überall dort, wo es vor allem um das Lesen geht und nicht um Multimedia, dürfte E-Ink auch in Zukunft eine Chance haben.

(via besttabletreview & technologyreview)

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