Home » Crowdfunding, E-Book-Review

[e-book-review] Das Geld von morgen, das sind wir alle (Dominic Frisby: Bitcoins – The Future of Money?)

10 Nov 2014 1 Kommentar

Wir leben alle in ei’m kolossal’n Roman. Manchmal entpuppt sich dieser Roman auch als ein Wirtschafts-Thriller. Die Erfolgsgeschichte der Krypto-Währung Bitcoins, erzählt von Dominic Frisby in seinem neuen Buch “Bitcoins – The Future of Money?”, hat jedenfalls alle Elemente eines finanzpolitischen Hacker-Märchens: eine Horde Pizza-verschlingender “Cypherpunks”, angeführt von einen ebenso genialen wie mysteriös-anonymen Mastermind mit japanischem Namen, deutscher E-Mail-Adresse und britischem Akzent, eine globale Wirtschafts- und Kapitalismuskrise, geheime Haupt- und Staatsaktionen, Drogen-Kriminalität, rauschhafte Renditen,anschließende Abstürze an die Nullinie. Und am Horizont der Silberstreif einer völlig neuen, erstmals wirklich globalen Finanzordnung: dezentral, transparent, hierarchiefrei, allen Menschen zugänglich, auch jenseits der Industriestaaten.

Disruptions-Faktor wie E-Mail oder Internet?

Doch all das ist mitnichten Fiktion, die erste erfolgreiche virtuelle Währung ist seit 2008 Teil unserer Realität. In jenem Jahr veröffentliche ein gewisser Satoshi Nakamoto ein digitales Whitepaper mit dem Titel: “Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System” – und startete kurz darauf ein gleichnamiges Projekt auf der Open Source-Plattform Sourceforge. Unbeachtet von der Öffentlichkeit beginnen die ersten Anwender, nach Nakamotos Vorgaben Bitcoins zu errechnen und untereinander zu tauschen, die zunächst überhaupt keinen realen Wert besitzen. Fünf Jahre später ist ein Bitcoin zeitweise so viel Wert wie eine Feinunze Gold, das Bitcoin-Netzwerk zählt hunderttausende Mitglieder, der Wert der stündlichen Transaktionen toppt den von klassischen Finanzdienstleistern wie Western Union.

“If Bitcoins changes the way we transact and the way we store wealth – and it has the potential to do this – the repercussions could be enormous. Think what email did to the postal service, or what the internet did to newspapers, publishing, music and television”, schreibt Frisby, übrigens nicht nur als Wirtschaftsjournalist unterwegs, sondern auch als Comedian. Damit den Bitcoin-Nutzern nicht das Lachen vergeht, bleiben nicht nur Banken, sondern auch staatliche Akteure bei der dezentral organisierten Währung aus dem Spiel: “In Math we Trust” ist das alleinige Motto – die Menge der Bitcoins ist begrenzt, um inflationäre Währungspolitik zu verhindern, statt auf die Integrität von Finanzdienstleistern zu hoffen wird auf den unwiderlegbaren mathematischen Beweis (“Proof”) gesetzt.

Satoshi Nakamoto auf der Spur

Während das Bitcoin-Prinzip keine Rätsel aufwirft, sondern sehr transparent erscheint (Frisby gibt sich viel Mühe, die Grundlagen auch für Laien verständlich zu machen) blieb Bitcoin-Erfinder Nakamoto dagegen bisher ein Mysterium. Gibt es ihn überhaupt – oder verbergen sich wie bei Anonymous oder Dread Pirate Robert verschiedene Personen hinter dieser Charaktermaske? Frisby widmet etwa ein Drittel des Buches dieser Frage, und tischt in diesem Rahmen auch eine sehr plausibel erscheinende These auf (die ich hier aber nicht verraten möchte). Ebenso plausibel scheinen die Gründe für das Verschwinden des oder der Nakamotos zu sein: zeitlich fällt das Abtauchen mit dem Wikileaks-Skandal zusammen. Als alternative, schwer zu kontrollierende Finanzierungsquelle drohte die noch junge Krypto-Währung in das Fadenkreuz der US-Regierung zu geraten.

Inzwischen scheinen sich Paranoia wie auch Euphorie rund um Bitcoins und Krypto-Währungen allgemein etwas gelegt zu haben, während zugleich die Zahl der pragmatischen Nutzer kontinuierlich wächst. Zu denen gehört auch Frisby selbst – und gleiches rät er seinen Lesern: Ausprobieren – auf jeden Fall, denn Bitcoins könnten tatsächlich die Zukunft des Geldes sein. Praktische Tipps gibt’s dazu auch. Doch größere Summen investieren? Besser nicht, warnt der Autor. Bitcoins mögen zwar kein Pilotenspiel sein, doch für den Anleger sind sie mindestens so riskant wie die an konventionellen Börsen gehandelten Wertpapiere.

Praxisbeispiel: Crowdpublishing mit Bitcoins

Zu den bereits etablierten Möglichkeiten, Krypto-Geld auszugeben, gehören übrigens nicht zuletzt auch Crowdfunding-Kampagnen in der Buchbranche: so konnte man Frisbys Bitcoin-Buch über die britische Crowdpublishing-Plattform Unbound im Rahmen einer Pre-Order-Kampagne nicht nur mit britischen Pfund, sondern auch mit Bitcoins bezahlen (siehe dazu das E-Book-News-Interview mit dem Autor). “Bitcoins – The Future of Money” reiht sich somit ein in eine ganze Galerie von innovativen Buchprojekten der letzten Jahre, die ihre zentrale These bereits durch den erfolgreichen Produktions- und Vermarktungsprozess selbst beweisen – siehe etwa Chris Andersons “Free – The Future of a Radical Price”, Dirk von Gehlens “Eine neue Version ist verfügbar” oder Markus Albers’ “Meconomy“.

Hinweis: Der Rezensent gehörte zu den Unterstützern der Pre-Order-Kampagne für “Bitcoins – The Future of Money” und besitzt derzeit 0,175 Bitcoins.


Dominic Frisby,
Bitcoins – The Future of Money?
E-Book (Kindle) 5,14 Euro
Taschenbuch (via Amazon.de) 10,40 Euro

Ein Kommentar »