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Das erste „Kindle für Blinde“ kommt: Canute, ein Multiline-Braille-Reader made in Britain

8 Mrz 2018 5 Kommentare

canut-braille-readerEs sieht aus wie eine Mischung aus futuristischer Tastatur und Retro-Atarikonsole — und ist doch keins von beidem: mit „Canute“ kommt in Kürze ein haptischer E-Reader auf den Markt, Zielgruppe: Blinde und Sehbehinderte, die mit dem Finger Braille-Schrift lesen. Insgesamt 360 ertastbare Braille-Zeichen auf neun Zeilen kann das Gerät darstellen, und ist damit deutlich flexibler als bisherige, einzeilige Braille-Reader. Auf diese Weise lässt sich nicht nur formatierter Text besser darstellen — etwa E-Books — sondern auch mathematische Formeln, Tabellen oder Partituren.

Weltweit 150 Mio. Braille-Leser

Entwickelt wurde „Canute“ vom gemeinwohlorientierten britischen Unternehmen Bristol Braille Technology in Zusammenarbeit mit einer großen Community von blinden und sehbehinderten Menschen, die allesamt auf die traditionelle Braille-Schrift vertrauen. Weltweit soll die Braille-Gemeinde sogar bis zu 150 Millionen LeserInnen umfassen — die Zahl der verfügbaren Lese-Angebote ist jedoch sehr begrenzt.

Bisher keine Multiline-Reader auf dem Markt

Insofern könnte Canute die Braille-Lektüre im Alltag deutlich erleichtern — der anvisierte Gerätepreis von 700 bis 1000 Euro dürfte zumindest diejenigen nicht abschrecken, die auch bereit sind, ein neues iPhone oder iPad zu kaufen. Am wichtigsten scheint ohnehin, das überhaupt endlich mal ein moderner Braille-Reader verfügbar ist — vergleichbare Projekte wie etwa das Dual-Screen-Gerät „Blitab“ (Braille-Feld plus LED-Touchscreen) lassen immer noch auf sich warten.

Canute dagegen ist schon etwas weiter, erste funktionsfähige Testgeräte sollen ab März in Umlauf gebracht werden, später im Jahr wird dann die Serienproduktion starten — nicht in Asien, sondern in Großbritannien. Auch das klingt natürlich sehr vorbildlich.

(via The Digital Reader)

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