Das erste Buch, das telefonieren kann: Onyx entwickelt E-Ink-Smartphone

Elektronisches Papier wird langsam flügge: nach E-Readern und Uhren erobert die stromsparende Display-Technik nun auch den Smartphone-Bereich. Der chinesische E-Reader-Fabrikant Onyx hat gerade einen funktionsfähigen Prototypen vorgestellt, der mit 4-Zoll großem E-Ink-Touchscreen ausgestattet ist. Das unter Android laufende Hybrid-Sample ist mit 3G wie auch WiFi-Schnittstelle ausgestattet, unterscheidet sich also vom Innenleben her nicht von normalen Smartphones. Die Benutzeroberfläche, die auf einem ersten Hands-On-Video zu sehen ist, reagiert wie gewohnt auf Touch-Screen-Gesten, auch der Screen-Refresh ist rasant. Da die Aufnahme bei vollem Sonnenlicht gedreht wurde, sieht man sofort die Vorteile des E-Ink-Phones – auf einem daneben gehaltenen Smartphone mit LCD-Display ist fast nichts zu erkennen, das E-Ink-Display dagegen kann hervorragend abgelesen werden.

Das selbe E-Ink-Display wie beim Trekstor Mini?

Hinweise auf diesen neuen Trend gab es schon seit einiger Zeit. Auf der IFA im vergangenen August hatte E-Ink-Marketing-Chef Sri Peruvemba eine Smartphone-Konzeptstudie vorgeführt, der mit Dual-Screen ausgestattet war: neben einem normalen LCD-Touchscreen im 4-Zoll-Format gab es auf der Rückseite ein E-Ink-Display im selben Format. Auf der Frankfurter Buchmesse war dann mit dem Trekstor Mini auch ein erster E-Reader im Smartphone-Format zu sehen. Das verbaute 4,3-Zoll-Display dürfte auch die Grundlage für die E-Ink-Phones werden. Weiterer Vorteil dieser neuen Geräteklasse ist neben Tageslicht-Verträglichkeit wohl die deutlich längere Akku-Lebensdauer – dem Hersteller Onyx zufolge soll das jetzt vorgestellte Smart-E-Ink-Phone bis zu einen Monat durchhalten, bei vollem Betrieb erscheint zumindest eine Woche realistisch.

Fehlt nur noch die Glowlight-Funktion

Bisher hat das neue Gadget noch keinen Namen – der Working-Title lautet schlicht „E-Ink-Phone“. Wann genau die Markteinführung erfolgen soll, steht auch noch nicht fest, Onyx zufolge soll es aber irgendwann im Jahr 2013 passieren. Schaut man auf die aktuelle Entwicklung bei E-Readern, könnte man sich noch ein weiteres technisches Detail denken, um bis dahin den Funktionsumfang des E-Ink-Phones zu komplettieren: ein GlowLight-Feature wie beim neuen Kindle Paperwhite oder dem Kobo Glo. Möglicherweise ist ein solches Gerät sogar schon in der Planung – etwa im Hause Amazon. Besonderes Interesse am lesefreundlichen Smartphone dürften ohnehin gerade die großen E-Book-Portale haben – schließlich könnte man mit solch einem ständig vernetzten Gadget ein weitaus größeres Publikum erreichen als bisher.

(via The Digital Reader)

Abb.: Screenshot Youtube

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

Ein Gedanke zu „Das erste Buch, das telefonieren kann: Onyx entwickelt E-Ink-Smartphone“

  1. Also das Interesse seitens der Händler kann ich nachvollziehen. Aber als Kunde/Verbraucher? Letzten Endes wäre dazu natürlich auch der Preis wichtig zu wissen, um das einschätzen zu können, nur sehe ich in der besseren Lesbarkeit bei Tageslicht nicht wirklich ein sonderlich tolles Argument. Aber vielleicht bin ich auch einfach zu viel unterwegs, wenn es dunkel ist…

Kommentare sind geschlossen.