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Das E-Book wird zum Vook: Cross-Media-Produkte kombinieren Buch & Video

8 Okt 2009 Ansgar Warner 2 Kommentare

vook kombiniert ebook und video.jpgWas kommt heraus, wenn man E-Book und Video kombiniert? “Vook”. Meint zumindest der Silicon-Valley-Unternehmer Bradley Inman. Vor einigen Monaten präsentierte Inman sein neuestes Projekt erstmals der Öffentlichkeit: E-Books, die kleine Videoclips enthalten. Nun sind bei vook.com die ersten kommerziellen Angebote online verfügbar: zwei Ratgeber, eine Novelle und ein Thriller. Konsumiert werden Vooks am Desktop oder per iPhone bzw. iPod Touch.

Ein Vook entsteht: Autoren und Filmemacher arbeiten im Team

Die neue Lese-Erfahrung gibt es nicht nur für den Desktop, sondern via iTunes auch für iPod und iPhone. Im App Store sind dafür 4 Dollar 99 zu berappen. Die vier bisher lieferbaren Vooks enthalten jeweils ein Dutzend Filmchen. Das ambitionierte Ziel von Bradley Inman lautet: “Die Bilder müssen sich so nahtlos in den Erzählfluss einfügen, dass die Leser den Medienwechsel gar nicht bemerken.” Tatsächlich gab sich Inman von Anfang an eher kulturkonservativ: Mit der Kombination Text-Film solle es dem guten alten Buch gelingen, besser mit den Online-Medien zu konkurrieren. Das Endergebnis ist interessanterweise in Zusammenarbeit mit dem renommierten Verlagshaus Simon&Schuster entstanden. Dort scheint man multimedialen Experimenten aufgeschlossen gegenüberzustehen. Vier bei Simon&Schuster beheimatete Autoren (Jude Deveraux, Richard Doetsch, Pete Cerqua und Narine Nikogosian) haben im Rahmen der Vook-Produktion eng mit einem Team von erfahrenen Online-Experten und Filmemachern zusammengearbeitet.

Bei Sachbüchern leuchten Video-Clips zur Veranschaulichung ein – doch was ist bei einem Roman?

Gerade bei Sachbüchern ist die Methode wirklich sinnvoll: im Fall von Pete Cerquas “The 90 Second Fitness Solution” kann man sich zum Beispiel per Videoclip viele Übungen direkt vor Augen führen. Ähnliches gilt für Narine Nikogosians Kosmetik-Ratgeber “Return to beauty”, eine Art Rezeptbuch für die Herstellung von Naturkosmetik. Durch die Videos wird das Vook in diesem Fall zu einer Mischung aus Kochstudio und Hobbythek. Schwieriger ist die Sache natürlich beim Thema Literatur. Ein guter Roman erzeugt schließlich ganz von alleine “Kino im Kopf”, könnte man einwenden. Zum anderen gibt es ja auch viele gute Literaturverfilmungen. Und außerdem zahllose schöne Hörbücher und Literatur-Comics. Warum also alles in den medialen Wok namens Vook werfen? Richard Doetschs Thriller “Embassy” zeigt jedoch, dass sich Text und Film sehr gut ergänzen können. Nicht nur, weil die rasant erzählte Geschichte einer Entführung dank der bewegten Bilder mit Reality-Elementen angereichert wird – z.B. Fakes von Nachrichtensendungen und Entführer-Videos à la RAF. Auch wilde Verfolgungsjagden durch den Stadtdschungel von New York im Stil von “Lola rennt” kommen unseren gegenwärtigen Sehgewohnheiten entgegen. Letzlich ist es auch kein Wunder, dass Embassy als Vook funktioniert, ist die Story doch von Anfang für diese hybride Mischung entworfen worden.

Vooks im Weltall: Zum ersten Mal verlassen E-Books wirklich die Gutenberg-Galaxis

Auf einem herkömmlichen E-Book-Reader kann man ein Vook natürlich nicht konsumieren – mangels Farb- und Videotauglichkeit. Ideal für die mobile Vi-Lektüre eignen sich dagegen iPhone und iPod Touch – und natürlich auch vergleichbare Geräte. Während E-Ink-Displays aus technischen Gründen traditionelle Leseumgebungen simulieren, beruht der Erfolg von Apples Gadgets ja geradezu auf Multimedia für die Hosentasche. Vielleicht ist das Vook insofern das erste E-Book, das die Gutenberg-Galaxis wirklich hinter sich lässt. Elektronische Bücher, das wird am Beispiel des Vooks jedenfalls deutlich, könnten in Zukunft weitaus mehr sein als nur Letternwüsten in digitaler Form. Für die Literatur dürfte das eine gute Nachricht sein. Sie lebt schließlich von formalen Experimenten. Nun gibt es ein völlig neues Experimentierfeld – und man darf gespannt sein, wann deutsche AutorInnen den ersten Schritt hinein wagen.