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Das Crunchpad ist tot, Pandora lebt – wann kommt der OpenSource-E-Reader?

4 Dez 2009

crunchpad-pandora-handheld-open-source-e-reader-projekt-techcrunchOb Hardwarebranche oder Musikindustrie: Nicht alle guten Ideen kommen von den Majors. Auch Independant Labels landen Hits. Wie produktiv die Verbindung von Web-Communities & Open Source ist, sollte das „Crunchpad“ zeigen – ein Internet-Tablet, entworfen vom TechCrunch-Blog. Während das Crunchpad scheiterte, kam das Pandora-Projekt bis zur Marktreife – die Open-Source-Spielekonsole wird schon produziert. Kommt als nächstes vielleicht ein Open-Source-E-Reader?

We Want A Dead Simple Web Tablet For $200. Help Us Build It!

Am Anfang stand ein Manifest des Unternehmers & TechCrunch-Gründers Michael Arrington – überschrieben mit der Parole „We Want A Dead Simple Web Tablet For $200. Help Us Build It.“ Dabei stand der Open Source-Gedanke im Vordergrund: „Let’s design it, build a few and then open source the specs so anyone can create them“, hieß es im Manifest. Das war im Juli 2008, vor nicht einmal anderthalb Jahren. Im Frühjahr 2009 gab es tatsächlich schon einen kompletten Prototyp: 12 Zoll LCD Screen, energiesparender VIA Nano-Chip, als Betriebssystem Ubuntu Linux und ein auf der freien Webkit-Engine basierender Browser. Allerdings scheint der OpenSource-Gedanke im Verlauf des Projekts ein wenig unter die Räder gekommen zu sein. Um in die Massenfertigung einsteigen zu können, arbeitete Arrington mit dem in Singapur angesiedelten Startup Fusion Garage zusammen. Gleichzeitig wurde dort im Sommer 2009 für die Vermarktung des Gadgets eine Firma namens Crunchpad Inc. gegründet. Als Verkaufsstart war der November anvisiert – noch vor zwei Wochen kündigte Arrington an, bald würden die ersten Geräte für einen Stückpreis zwischen 300 und 400 Dollar vom Band rollen. Es gab sogar schon erste Vorführexemplare, auf denen das Crunchpad mit Googles Chrome OS und Windows 7 problemlos lief. Die Erwartungen waren groß – auch als E-Book-Reader hätte man das 12-Zoll-Gadget prima benutzen können. Wenige Tage später postete Arrington auf TechCrunch einen langen Blogeintrag mit der Überschrift: The End Of The CrunchPad.

„Wenn alles gut läuft, dann kann jeder, der es will, das Gerät bauen“

Die Hintergründe sind immer noch etwas mysteriös – offenbar gab es aber zwischen den Geschäftspartnern einen handfesten Streit über die Steuerung des Projektes. Am Ende wollte Fusion Garage das CrunchPad alleine vermarkten, obwohl das Copyright bei beiden Partnern lag. „Das ist so, als hätte Foxconn – also der iPhone-Hersteller – ein paar Tage vor dem Launch des Gerätes bei Apple angerufen und gesagt: Wir verkaufen das iPhone jetzt selbst“, wunderte sich Arrington in seinem finalen Blogeintrag. Es ist fast so wie beim kaukasischen Kreidekreis – nun werden sich beide Seiten vor Gericht um das Crunchpad streiten. Das Kind/Projekt selbst geht dabei vor die Hunde. Das Ende des Crunchpads ist tatsächlich ein echtes Lehrstück über den Shareholder-Value: die Geldgeber hinter der Fusion Garage wollten nicht nur ein Stück vom Kuchen, sie wollten die ganze Bäckerei. Jetzt bleiben nur Krümel für die Rechtsanwälte. Der Silicon-Valley-Unternehmer Arrington hatte eine ganz andere Vision: „Wenn alles gut läuft, werden wir am Ende das Design und die Software zur OpenSource erklären, dann kann jeder, der es will, das Gerät bauen“. Die Grundidee hinter der „Public License“ ist ja schließlich: niemand darf von der Nutzung einer Idee ausgeschlossen werden. Doch damit das klappt, sollte man wohl von Anfang an auf Offenheit setzen

Open Source lebt – Pandoras Box bleibt geöffnet…

Wie es besser laufen kann, zeigt ein europäisches Open-Source-Projekt namens Pandora – dabei geht es um eine linux-basierte Handheld-Spielekonsole. Im Mittelpunkt stehen vier Entwickler: Craig Rothwell, Fatih Kilic, Michael Mrozek sowie Michael Weston. Mitte 2007 schlugen sie ihr Projekt in einem Internetforum für Spielekonsolen zum ersten Mal vor. Unterstützt von den Ideen und Vorschlägen zahlreichen Forenmitglieder ausgegangene Ideen und Vorschläge unterstützt, entstand bis 2008 der erste Prototyp. Die Open-Source-Konsole Pandora ähnelt vom Aufbau her einem Netbook, ist aber deutlich kleiner – sie hat ein farbiges 4,3 Zoll-Touchscreen. Bedient wird sie entweder per Touchscreen oder über eine Qwerty-Tastatur. Und da es eine Spielekonsole sein soll, fehlt natürlich auch nicht das integrierte Gamepad mit Steuerkreuz, Analog-Sticks und Aktionsknöpfen. Das Gadget eignet sich besonders für Emulatoren, um unterwegs bequem Games vom Commodore 64 bis zur Playstation spielen zu können. Die Linux-Oberfläche ermöglicht aber genauso den Web-Zugang, Videodarstellung oder das Lesen von E-Books.

„Die Massenproduktion von 3895 Pandora-Boards hat begonnen“

Der Unterschied zum Crunchpad-Projekt war von Anfang an klar – hinter Pandora steht eine Web-Community von Enthusiasten, TechCrunch ist dagegen ein kommerzieller Blog, der dem Gründer Micheal Arrington monatlich um die 200.000 Dollar einbringt. Doch es gibt noch einen viel bedeutenderen Unterschied: die Pandora existiert bereits. Im Jahr 2008 wurden schon fast 4000 Exemplare über Online-Shops verkauft – zum Stückpreis von 299 Euro. Die Wirtschaftskrise machte der Pandora-Community zwar kurzfristig einen Strich durch die Rechnung. Doch die Büchse der Pandora bleibt geöffnet: die nächste Charge wird erst in den nächsten Wochen ausgeliefert. Auf der Pandora-Projektseite kann man zur Zeit lesen: „Die Massenproduktion von 3895 Pandora-Boards hat begonnen.“ OpenSource funktioniert, auch bei Hardware – das wäre damit bewiesen. Bleibt also die Frage: wenn die meisten E-Book-Reader ohnehin schon mit freier Software – nämlich Linux – betrieben werden und mit epub auch schon ein offener E-Book-Standard existiert, warum gibt es dann eigentlich noch keinen Open-Source-E-Reader?