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Das beste aus beiden Welten: Bookshout-App importiert epub- & Kindle-Books

11 Okt 2012

Von wegen „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen“: die E-Lese-Welt ist schon lange in zwei Hälften geteilt – epub und mobi (alias Kindle-Format). Damit hatte bisher auch die Social Reading-Bewegung zu kämpfen. Denn unterschiedliche Kopierschutz-Standards bei Amazon und dem Rest der Branche verhinderten es, alle E-Books eines Lesers in einem virtuellen Bücherregal zu vereinigen, und so neben mehr Lesekomfort auch mit anderen Lesern ins Gespräch zu kommen. Das US-Startup Bookshout betätigt sich nun jedoch erfolgreich als Mauerspecht: denn die Bookshout-App ermöglicht es, zuvor bei Amazon oder Barnes&Noble erworbene E-Books zu importieren. Auf der Frankfurter Buchmesse wurde die momentan nur für iPhone & iPad erhältliche Anwendung jetzt der internationalen Öffentlichkeit vorgestellt.

Was auf den ersten Blick fast schon nach Napster klingt, ist aber letztlich weitaus weniger subversiv. Die App arbeitet nämlich mit den offiziellen Login-Daten der Benutzer, und checkt auf den Anbieter-Plattformen zunächst, welche Bücher man bereits besitzt. Die E-Book-Daten selbst werden dann aber nicht von Amazon oder B&N gesaugt, sondern von den Servern der mit Bookshout kooperierenden Verlage. Dazu gehören bereits große Player wie Random House, HarperCollins, Macmillan sowie Wiley, mit weiteren Publishern ist man im Gespräch. Die „Zweitauslieferung“ der E-Books an den Kunden erfolgt mit einheitlichem DRM-Schutz. Letztlich wird somit natürlich recht aufwändig ein Problem umgangen, das ohne DRM gar nicht existieren würde – denn grundsätzlich ist es kein Problem, unverschlüsselte epub und mobi-Dateien parallel zu nutzen.

Nach Ansicht von Bookshout-Gründer Jason Illian werden die Rechte von Amazon und B&N bei diesem cleveren Verfahren auf jeden Fall nicht verletzt, genausowenig wie die Lizenzvereinbarungen, die man als Kunde mit diesen Unternehmen eingeht: „Das tolle daran ist ja: es handelt sich um das Buch des Nutzers. Der Kauf selbst bei Amazon oder Barnes & Noble wird nicht beeinflusst“, so Illian gegenüber dem Branchenblog PaidContent. Trotzdem weiß der Social-Reading-Entrepreneur natürlich um seine Rolle als Agent Provacateur: „Werden die versuchen, diese Lücke zu schließen? Vielleicht. Amazon ist ja bekannt dafür, sein Ökosystem zu schützen.“ Vorerst hat Bookshout aber erstmal mit ganz anderen Problemen zu kämpfen – der Import funktioniert bisher natürlich nur bei Büchern solcher Verlage, die bereits mit im Boot sind.

Völlig uneigennützig ist das Angebot der Social Reading-Plattform Bookshout ohnehin nicht. Wichtigster Investor hinter den Kulissen ist der Buch-Distributor Ingram – und die von Ingram vertriebenen Titel kann man auch im Bookshout-eigenen E-Store kaufen. Das dürfte aber auch im Interesse der beteiligten Verlage liegen. Je mehr über bestimmte Bücher in den Lese-Communites diskutiert wird, desto mehr werden sie auch gekauft – alleine schon, um bei angesagten Debatten mitreden zu können. Je nach der gewählten Privacy-Einstellung erlaubt es Bookshelf sogar, in die Regale von Freunden zu schauen. Weiterer Vorteil für die Verlage: sie erhalten durch die App wichtige Informationen über das Leseverhalten, und können ihr Verlagsprogramm besser an die Bedürfnisse der Leser anpassen.

Abb.: Screenshot