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NYT, FT & Co: Dank Paywall auf dem Weg von der anzeigen- zur leserfinanzierten Zeitung?

9 Aug 2012

Die altehrwürdige New York Times hat erneut eine historische Wegmarke erreicht: im zweiten Quartal 2012 brachten erstmals die Leser mehr Geld in die Kasse als die Anzeigenkunden. Nicht nur durch erhöhte Copy-Preise für die Printausgabe, sondern vor allem durch digitale Abos. Während die Anzeigenerlöse erneut um 6 Prozent sanken, konnte die NYT mit dem Verkauf des Contents selbst satte 8 Prozent mehr Umsatz erzielen. „Wahrscheinlich ist es die erste Zeitung [in den USA], die diese Linie überschritten hat“, schätzt Newsonomics-Experte Ken Doctor. „Das ist ein interessanter Augenblick“.

Metered Access: manchmal profitable Lösung

Maßgeblich zum Erfolg beigetragen hat dabei offenbar die Bezahlschranke – regelmäßige Leser werden seit letztem Jahr bei nyt.com zur Kasse gebeten. Relativ schnell brachte der „metered“-Access-Ansatz knapp 300.000 zahlende Abonnenten, doch Ende 2011 ebbte der Zustrom merklich ab. Immerhin hat die NYT inzwischen aber knapp 500.000 Digi-Abos verkaufen können.

Andere Blätter brauchen deutlich länger, um einen Stamm an zahlenden Online-Lesern aufzubauen. Mit einem ähnlichen Paywall-Konzept hat es etwa die Financial Times geschafft, seit 2009 insgesamt 300.000 digitale Abonnenten zu gewinnen. Auch bei dem Londoner Blatt werden wohl noch in diesem Jahr die Vertriebseinnahmen erstmals die Anzeigenerlöse überholen.

Paywall als potentielle Killer-App

Allerdings scheinen sich Paywall-Konzepte am Ende nicht für alle Zeitungen auszuzahlen. Ausgerechnet Rupert Murdochs iPad-Only-Projekt The Daily steht nun offenbar vor dem Aus. Nach 18 Monaten wurde zwar die magische Schwelle von 100.000 Abonnenten erreicht, doch das Blatt macht immer noch Minus. Die finanziell ohnehin angeschlagene News Corp zog nun die Notbremse – ein Drittel der Redaktion wurde gefeuert.

Ein grundsätzliches Problem von Paywalls ist offenbar das begrenzte Budget der Leser – kaum jemand wird am Ende für mehr als ein News-Angebot zahlen wollen. Noch schwieriger wird es, wenn das normale Online-Angebot einer Zeitung kostenlos zu haben ist. So musste etwa die im Netz frei zugängliche Huffington Post nach kurzer Zeit den Versuch aufgegeben, mit dem Verkauf einer HuffPo-App zusätzliche Gewinne zu machen.

Ob eine Paywall sinnvoll ist oder nicht, hängt aber zugleich auch von der potentiellen Reichweite einer Zeitung ab. Der britische Guardian etwa verzichtet bewusst auf eine Bezahlschranke – und setzt stattdessen auf steigende Werbeeinnahmen im Online-Bereich. Das dürfte jedoch bis auf weiteres ein Wettlauf mit der Zeit bleiben – trotz Wachstumszahlen von 26 Prozent bei digitalen Anzeigerlösen schreibt das Blatt immer noch rote Zahlen.

Abb.: NS Newsflash/Flickr