Dank Bezos & Trump: WaPo wieder rentabel, Zuwachs bei Digi-Abos & Online-Werbung

wapo-im-plusDie New York Times hat’s geschafft, das Wall Street Journal hat’s geschafft, nun scheint auch die Washington Post die digitale Kurve zu kriegen — in diesem Fall dank Multimilliardär & Amazon-Chef Jeff Bezos, der das Blatt vor drei Jahren kurzerhand aufkaufte, die Arbeitsweise der Hauptstadt-Postille kräftig umkrempelte & nicht zuletzt eine Menge Geld zuschoss (angeblich um die 50 Mio. Dollar). Im Dezember schrieb Herausgeber und CEO Fred Ryan in einem Memo an die Mitarbeiter: „The Washington Post will finish this year as a profitable and growing company.“ In Zahlen: 50 Prozent Traffic-Plus, 40 Prozent Plus bei Online-Anzeigen, 75 Prozent Plus bei Digita-Abos. Passend dazu wurden Dutzende Neueinstellungen angekündigt, Brancheninsidern zufolge sollen bis zu 60 neue Journalisten eingestellt werden, damit wird die Redaktion der viertgrößten US-Zeitung (nach NYT, WSJ & USA Today) knapp 750 Mitarbeiter zählen.

Interesse an seriösem Journalismus boomt

Beigetragen hat zur großen Wende die fundierte Berichterstattung über das brutalstmögliche Wahlkampf-Jahr, das die USA je erlebt hat. Je mehr Kandidat bzw. President Elect Donald Trump um sich twittert, desto größer scheint auch das Interesse der Bürger an seriösem Journalismus zu wachsen. Doch die publizistische Herausforderung war auch strukturell gut abgesichert – nicht nur durch die „Zwangsbeglückung“ aller Kindle Fire-Besitzer in den USA mit einer kostenlosen Testversion der WaPo-App.

Experimente mit neuen Formaten

Denn gleich als die WaPo zu Bezoston Post wurde, hatte Amazon-Chef angekündigt, man werde mit neuen Online-Formaten und Konzepten „experimentieren“. Zu den Experimentierfeldern zählten bisher etwa der Robo-Journalismus in der Sportberichterstattung („Heliograph“), Podcasts, der Aufbau einer Entwicklungsabteilung für Werbeformate und die Gründung einer eigenen Content-Marketing-Agentur („WP BrandStudio“). Dieser Kurs, gleichermaßen getragen von Journalisten wie neu eingestellten Technik-Experten, hat sich in recht kurzer Zeit ausgezahlt — und wird nun konsequent fortgesetzt.

Hyperdistribution führt zu mehr Abos

„Unser Newsroom wird nächstes Jahr noch größer, es wird ein neues Rapid-Response Investigativ-Team geben, das die bisherige Recherche-Einheit verstärkt“, schreibt Ryan. Video-Journalismus — schon bisher überaus erfolgreich — solle zu einer zentralen Storytelling-Plattform ausgebaut werden. Zuwachs werde es auch beim „Breaking-News-Team“ geben und bei den Alert- und Newsletter-Redaktionen. Das Feuern aus alle Kanälen — Stichwort „Hyperdistribution“ — scheint bei der Leser-Akquise besonders erfolgversprechend zu sein: seitdem die WaPo so viele Elemente einer Story wie möglich über so viele Wege wie möglich publik macht, konnten immer mehr normale Besucher der Website zu Abonnenten gemacht werden.

(via Politico.com)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".