Cyber-Warfare: E-Book-Piraterie mit gezielten Virenattacken bekämpfen?

Wie groß ist die Bedrohung durch Datenpiraterie wirklich? Während in Deutschland noch über Warnhinweise und Netzsperren diskutiert wird, ist man in den USA offenbar schon einen Schritt weiter: in einem aktuellen Report denkt die „Commission on the Theft of American Intellectual Property“ laut darüber nach, lieber gleich die Dicke Bertha des Cyber Warfare einzusetzen. Wer Games, Videos oder E-Books illegal herunterlädt, könnte durch den gezielten Einsatz von Schadsoftware die komplette Kontrolle über seinen PC verlieren: „Die betreffende Datei würde zum Beispiel unzugänglich gemacht werden, oder der Computer des nicht autorisierten Users würde gesperrt werden, zugleich könnten Hinweise gegeben werden, wie man Kontakt zu Strafverfolgungsbehörden aufnimmt, um den Computer mit einem Passwort wieder zu entsperren.“

Bisher werden solche Methoden pikanterweise vor allem von Cybergangstern verwendet, um von Usern hohe Lösegelder zu erpressen – statt „Malware“ spricht man deswegen auch von „Ransomware“. Dabei geht die als überparteiliche Kommission getarnte Lobbyorganisation offenbar davon aus, dass solche Malware-Attacken grundsätzlich von bestehenden US-Gesetzen gedeckt wären. Immerhin: Weitergehende Angriffe, etwa die Überwachung des Users mit einer gehackten Kamera oder die Zerstörung der Hardware wird dagegen als derzeit nicht machbar eingestuft.

Doch warum überhaupt solch ein martialischer Report? Der Hauptfeind steht nicht im eigenen Land: China wird für 50 – 80 Prozent des Diebstahls von geistigem Eigentum verantwortlich gemacht. Der Gesamtverlust soll bis zu 300 Milliarden Dollar pro Jahr betragen, nur etwa zehn Prozent davon betreffe die Musik- und Filmindustrie, so die „IP-Commission“. Wie bei immateriellen Gütern üblich lässt sich die reale Summe natürlich gar nicht beziffern. Trotzdem wird ein gigantisches Bedrohungsszenario an die Wand gemalt, mit den üblichen Forderungen: Stärkung der Exekutive, Zusamenfassung von Kompetenzen bei FBI und CIA, Anpassung von Gesetzen.

(via goodreader.com & boingboing.net)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".