CuratedAI – ein (menschlich) kuratiertes Literaturmagazin nur für Robo-Autoren

CuratedAI-literaturzeitmagazin-fuer-kuenstliche-kunstSchreiben Sie auch — genauer gesagt: schreiben Sie Software, die Geschichten oder Gedichte schreibt? Dann gibt es für ihren Literatur- oder Lyrik-Bot jetzt die Möglichkeit, ganz groß rauszukommen: das neu gegründete Online-Literaturmagazin „CuratedAI“ bittet nämlich um Einsendungen künstlicher Wortkunst (auf Englisch) nebst Erläuterung der jeweils verwendeten Algorithmen.

Der Titel „CuratedAI“ hält, was er verspricht. Das Magazin veröffentlicht zwar nur Werke nicht-menschlicher Autoren, die Auswahl treffen aber durchaus Kuratoren aus Fleisch und Blut. Zumindest vorerst, wie das Mission Statement nahe legt: „Editing, for now, is still the domain of us humans, but we aim to keep our touch as light as possible“. Bei der Zeichensetzung etwa wird hier und da mal nachgeholfen, und der eine oder andere Nonsens sprachlich geglättet.

Das Schöne an „Curated AI“ ist aber auf jeden Fall: hier trifft man in den beiden Rubriken „Poetry“ und „Prose“ auf Texte aus der Feder der unterschiedlichsten Algorithmen. Aktuell etwa auf Kurzprosa von „jNN Austen“ & „Tolstoish“, zwei neuronalen Netzwerken, die mit Werken von Jane Austen bzw. Lew Tolstoy angefüttert wurden, oder aber Deep Gimble I, einer rekursiv arbeitenden Software, die mit einem Reizwort getriggert wird und diverse Public Domain-Poesie als Vorbild nimmt.

Apropos „Deep“: Das zur Verfügung stehende Vokabular soll in diesem Fall 190.000 Worte umfassen — nur mal so zum Vergleich: der Durchschnitts-Angelsachse nutzt 10.000 Wörter, Shakespeares Gesammelte Werke enthalten einen Wortschatz von ca. 30.000 Begriffen. Doch das grundsätzliche Problem, so „Curated AI“-Gründerin Karmel Allison, bleibt auch weiterhin: lyrikschreibende Software zu schreiben ist gar nicht so schwer, auf diesem Weg wirklich gute Lyrik zu produzieren, aber sehr.

(via PopularScience)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".