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Crowdpublishing mit Rendite: Pentian macht Projekt-Unterstützer zu Investoren

10 Dez 2014 3 Kommentare

Crowdpublishing war finanziell gesehen bisher eine Einbahnstraße: Autoren oder Verlage sammelte Vorbestellungen, als Gegenwert erhalten die Unterstützer am Ende das fertige Produkt, ob nun Print-Buch oder E-Book, manchmal auch noch spezielle Goodies wie signierte Exemplare, Poster, T-Shirts oder eine Einladung zur Release-Party. Bei der spanischen Crowdpublishing-Plattform Pentian ist das anders: neben Crowdfunding-Elementen kommt hier auch Crowdinvestment dazu – die Hälfte der Erlöse fließt an die Crowd zurück. Den Rest teilen sich Autor und Plattform im Verhältnis 40 zu 10 Prozent.

Das Modell ist offenbar auch deswegen so erfolgreich, weil die Unterstützer in ihrer Eigenschaft als Investoren ein besonders großes Interesse daran haben, das Produkt im eigenen Freundes- und Followerkreis zu promoten. Außerdem gilt bei Pentian ein verschärftes Alles-oder-nichts-Prinzip: sobald die benötigte Summe erreicht ist, endet die maximal zweimonatige Kampagne sofort – was ab Quoten von 80 Prozent und mehr regelmäßig zu rasanten Endspurts führt. Da es um Crowdinvestment geht, sind auch die individuellen Summen größer: je nach Projektvolumen ist man z.T. erst ab 50 Dollar dabei, kann aber auch bis zu 1.000 Dollar anlegen. Die Beteiligungen sind entsprechend der Investitionshöhe zwischen 0,5 bis 10 Prozent gestaffelt, ein Buch braucht mindestens 10, höchstens 100 Unterstützer, um erfolgreich zu sein.

Nach dem sich Pentian auf diese Weise bereits 6 Prozent des Self-Publishing-Marktes in Spanien gesichert hat, begann im Sommer 2014 die Internationalisierung. Als erstes wurde der US-Markt anvisiert. Keine schlechte Idee, denn neben nach und nach neu hinzukommenden englischen Titeln lassen sich dort natürlich auch Bücher made in Spain ganz gut vermarkten – mehr als jeder zehnte US-Amerikaner zählt sich selbst zur Gruppe der „Hispanics“.

Gestartet ist Pentian vor zehn Jahren als mehr oder weniger traditioneller Verlag, ab 2009 mutierte das Unternehmen dann motiviert durch den E-Book-Boom zum Self-Publishing-Dienstleister, bei dem Autoren je nach Bedarf auch Lektorat, Cover-Design und Marketing-Maßnahmen hinzubuchen können, was aber Kosten zwischen 1.500 und 5.000 Euro verursacht. Das konnten sich viele Self-Publisher aber nicht leisten, was am Ende zur Integration von Crowdfunding- und Crowdinvestment elementen führte.

Inzwischen umasst das Verlagsprogramm mehr als 6.000 Titel, lieferbar im gesamten Buchhandel – wobei Pentian im Kern natürlich kein klassischer Verlag ist, denn über den Inhalt entscheiden die Autoren selbst. Nur für die äußere Form und den Vertrieb sorgen Publishing-Spezialisten. Eine clevere Kombination aus Indie- und Industrie, die beiden Seiten hilft, verlegerische Risiken zu vermeiden: Bücher, die die Crowd nicht mag, werden eben erst gar nicht produziert. Die Pentian-Macher sehen sich denn auch als Disruptoren einer ohnehin schon moribunden Buchbranche. „Traditional publishing is a dying corpse of oligarchic protectionism“, so Ko-Gründer Enrique Paquilla gegenüber Publishing Perspectives.

3 Kommentare »

  • Pentian, oder: Crowdpublishing mit Rendite « Krautfunding.net schrieb:

    […] Die Hälfte der Erlöse fließt an die Crowd zurück. Den Rest teilen sich Autor und Plattform im Verhältnis 40 zu 10 Prozent. (Weiterlesen auf E-Book-News) […]

  • Peter Löbel schrieb:

    Hallo Ansgar,

    Crowdfunding plus Crowdinvestment klingt sehr interessant.
    Gibt es etwas vergleichbares in Deutschland und sogar noch im Publishing-Umfeld?

    Gruß
    Peter

    St. Gallen
    Schweiz

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Bisher nicht, so etwas hat’s vor allem im Filmbereich gegeben, einziges Beispiel mit Publishing-Bezug war wohl das Crowdinvestment für die Readfy-App…