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Crowdfunding statt Paid Content: Warum „Kachingle“ eine gute Lösung ist

4 Jan 2010 8 Kommentare

kachingle crowdfunding und micropayment statt paid content.gifKaum ist die Paid Content-Debatte so richtig eskaliert – siehe Murdoch, Döpfner & Co. – da wächst schon das Rettende: Crowdfunding als clevere Alternative nicht nur für Online-Zeitungen, sondern auch für die Blogosphere. Kachingle.com will diese Methode der webbasierten „Umverteilung“ professionalisieren: die Web-Community verteilt Mitgliedsbeiträge je nach den Besucherzahlen an die assoziierten Webseiten.

Jenseits von Paywalls und Piraterie gibt’s zum Glück bessere Lösungen

Paid Content – welch garstig Wort. Doch wen wundert’s: Mit dem „Bezahl-Internet“ verbinden die meisten Surfer zu Recht das Aufrichten von „Pay-Walls“ – und damit das Ende der großen Informationsfreiheit im Netz. Vor allem die Zeitungsverlage haben in letzter Zeit den Ton verschärft – der hohe Kostendruck zwingt sie zum Strategiewechsel: nutzten sie bisher die kostenlosen Online-Angebote zur Reichweitensteigerung, so soll es nun zumindest den „Premium-Content“ nur noch für Abonnenten geben. Andere Lösungen wie etwa die Kulturflatrate sind wieder in weite Ferne gerückt – stattdessen wird „Filesharing“ in manchen Ländern nun mit Strafen bis zur Netzsperre sanktioniert. Es gibt aber zum Glück Alternativen, die zwischen der Paywall und Piraterie liegen – eine davon ist Kachingle. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Crowdfunding-Netzwerk, das erst vor kurzem an den Start gegangen ist. Der von Silicon-Valley-Unternehmerin Cynthia Typaldos gegründete Service verbindet zwei tpyische Elemente der Internet-Ökonomie: Micropayments und Web 2.0. Die von den Mitgliedern des Netzwerks monatlich gezahlten Beträge sind betont niedrig gehalten – zur Zeit liegen sie bei 5 Dollar, die via Paypal entrichtet werden können. Langfristig denkt Typaldo an Beträge zwischen 30 und 40 Dollar – also in der Größenordnung eines konventionellen Zeitungsabos.

Kachingle setzt auf die soziale Dynamik des Web 2.0

Content-Provider wie Blogs oder Online-Magazine können sich bei Kachingle registrieren und ein „Medaillon“ genanntes Widget auf ihren Seiten installieren. Wenn den aktiven „Kachinglern“ ein Blog oder ein bestimmtes Posting gefällt, klicken sie ganz einfach das Medaillon an – und zählen damit zu den offiziellen Unterstützern dieser Seite. Die Umverteilung der aus der Crowd gesammelten Funds richtet sich danach, wie oft eine Seite im Abrechnungszeitraum besucht wurde. Die aktuelle Zahl der Unterstützer kann man an einem kleinen Zählwerk im Widget ablesen, auf Kachingle.com kann man zudem erfahren, welche Mitglieder die Seite unterstützten. Die beidseitige Transparenz gehört für Cynthia Typaldos zum Prinzip von Kachingle. Sie setzt auf die soziale Dynamik des Web 2.0: wen oder was man unterstützt, soll zu einem Teil der „Online-Persönlichkeit“ werden. Wirtschaftswissenschaftler Paul Romer (Stanford Center for International Development) unterstützte im Gespräch mit CNET diesen Ansatz: „Es geht einmal nicht darum, alle Trittbrettfahrer auszuschließen, sondern darum, freiwillige Aktivitäten zu fördern, Altruismus und bürgerschaftliches Engagement. Das gefällt mir an diesem Modell. Ökonomen genau wie Politiker unterschätzen leider oft das Potential solcher Lösungsansätze.“ Kachingle selbst ist dabei kein reines Goodwill-Projekt von unbezahlten Enthusiasten: Achtzig Prozent der von Kachingle eingesammelten Beträge werden umverteilt, zwanzig Prozent werden für den technischen und organisatorischen Aufwand genutzt.

Schon gesehen? Auch E-Book-News unterstützt Kachingle!

Besondere Hoffnungen setzt man bei Kachingle auf die finanziell klammen Zeitungsverlage. Tatsächlich arbeitet seit Ende 2009 mit dem Miami Herald bereits eine größere Tageszeitung mit Micropayments. Leider außerhalb des Kachingle-Netzwerks. Viele Medienhäuser haben allerdings bereits Interesse an einer Kooperation gezeigt. Kachingle-Erfinderin Typaldo betreibt zudem die Ausweitung des Netzwerks auf Europa – vor allem auf Frankreich und Deutschland. Als erster deutscher Blog ist CARTA zum Kachingler geworden – schließlich geht es dem Online-Magazin ja auch um die politische Ökonomie der digitalen Öffentlichkeit. Bisher setzte CARTA selbst in Sachen Crowdfunding vor allem auf eine Art virtuelle Kaffekasse – via Paypal konnten die Leser direkt spenden. Wie auf CARTAs Kachingle-Widget zu sehen ist, hat man mittlerweile 48 Kachingler für sich gewinnen können und knapp 160 Dollar an Ausschüttungen erhalten. Das ist zwar nicht viel, doch das Netzwerk ist schließlich erst vor wenigen Monaten offiziell gestartet. Insgesamt nehmen mittlerweile 133 Websites am Kachingle-Netzwerk teil. Auch E-Book-News hält Crowdfunding für eine gute Idee – denn elektronisches Lesen und die Informationsfreiheit des Internets gehören für uns untrennbar zusammen. Deswegen sind wir seit Anfang Januar ebenfalls zum Kachingler geworden, wie man an dem Medaillon in der Sidebar sehen kann. Wer ebenfalls kachingeln will, kann sich übrigens über diesen Link anmelden.

[Aktualisiere Fassung vom 15.04.2010]

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