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Crowd-gecheckte & crowdfinanzierte News: Mit Wikitribune will Jimmy Wales die Zeitung retten

11 Sep 2017 0 Kommentare

wikitribune„Zeitungen sind kaputt. Lasst sie uns reparieren.“ Goldene Worte, vor allem, weil sie aus dem Mund von Wikipedia-Erfinder Jimmy Wales kommen. Dessen neuestes kommerzielles Projekt heißt: Wikitribune. Eine Zeitung nach dem Wiki-Prinzip? Hmmmm. Äh. War da nicht was!? Zugegeben, Jimmy & seine Wiki-Freunde sind damals nicht angetreten, um das Geschäftsmodell von Print-Lexikonverlagen zu zerschlagen, so à la Steve Jobs, „let’s take over another industry rife for disruption“. Das Ergebnis der Crowdsourcing–Wiki-Maschine war gleichwohl dasselbe.

Jimmy Wales hatte vielleicht auch mal was anderes vor, als die klassische Zeitung zu retten. Dann kam jedoch die Zeitungskrise, und vor allem: Trump, und das Zeitalter der „Fake News“ und „alternativen Fakten“. Die groteske Wortschöpfung aus dem Mund der Potus-Pressesprecherin Kellyanne Conway soll angeblich Wales publizistischer Erweckungsmoment gewesen sein… Der Rest ist schnell erzählt. Schwupps gab Wales einen Zeitungs-Hackthon in Auftrag, organisiert von der Brand-Buildung-Agentur „Impossible“. Heraus kam das „Wiktribune“-Konzept für den „evidenzbasierten Journalismus“ des 21. Jahrhunderts.

Ohne die Crowd geht da gar nichts. Wales fasst die Idee so zusammen: „What emerged at the end of the 72 hours was a rudimentary platform that did one thing very simply: allowed disparate groups of people – journalists, commentators and readers – to have a dialogue with each other that ultimately lead to increased understanding of not only the world around them, but of each other“, so Jimmy Wales.

Technisch auf angepasster WordPress-Basis und organisiert nach dem Wiki-Prinzip soll ab Herbst (September!? Oktober!?) 2017 eine neuartige News-Plattform an den Start gehen — denn beim Fact-Checking, Korrekturlesen und redaktionellen Überarbeiten wird die Wikitribune-Community eingespannt. Getreu dem Wiki-Prinzip müssen alle Quellen offengelegt werden, die Artikel erscheinen unter Creative-Commons-Lizenz (cc-by).

Angeschoben wurde das Projekt via Crowdfunding, und auch der reguläre Betrieb soll durch Spenden und freiwillige Abonnements gesichert werden, Krautreporter, De Correspondent und Pro Publica lassen grüßen. Allerdings werden die Leser eben deutlich mehr Einfluss haben als nur den Zugang zur Kommentarspalte.

Zehn hauptamtliche Wikitribune-Journalisten für das in London angesiedelte Hauptquartier sind bereits eingestellt bzw. eingeplant, weitere sollen folgen, es sind auch Filialen in anderen Ländern geplant, um die Berichterstattung internationaler zu machen. Es könnte also in Zukunft sogar eine deutsche Wikitribune-Redaktion geben.

Den größten Unterschied zur Wikipedia sieht man übrigens schon an der Webadresse: die heißt nicht wikitribune.org, sondern wikitribune.com — das Portal ist also dezidiert For-Profit, und hängt organisatorisch auch nicht mit Wikipedia bzw. der Wikimedia-Stiftung zusammen. Was natürlich die Propagierung innerhalb der Wiki-Welt nicht verhindern dürfte, und wohl von Anfang an für eine große Community sorgen wird.

Was wirklich draus wird, bleibt abzuwarten. Schlimmstenfalls eine weitere Konkurrenz für bestehende Blätter und ihre Online-Dependancen, bestenfalls — dank weitgehender cc-Lizenz der Inhalte — eine Art Welt-Nachrichtenagentur für faktengecheckte Artikel, die von allen Medien verwendet werden dürfen (z.B. vom Guardian, in dessen Beirat Jimmy Wales seit 2016 sitzt). So frei nach dem Motto: besser gleich bei Wikitribune übernehmen statt schlecht bei Wikipedia abschreiben…

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