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„Cognitive Cooking“: IBM ‚Chefkoch‘ Watson schreibt Kochbücher

cognitive-cooking-with-chef-watsonWhat’s cooking, Thomas J. Watson? Eine ganze Menge: Das nach dem ehemaligen IBM-Chef benannte Computerprogramm „IBM Watson“ hat sich nämlich massenweise Kochbücher einverleibt, deren Rezepte analysiert und neu zusammengemixt. Heraus kam dabei „Cognitive Cooking with Chef Watson“,
ein Köchel-Verzeichnis der besonderen Art, dessen 65 Zubereitungsvorschläge mit angeblich „unwiderstehlichen neuen Geschmacksrichtungen“ locken. (kompletter Titel: „Cognitive Cooking with Chef Watson – Recipes for Innovation from IBM & the Institute of Culinary Education“)

Kognitiv-molekulare Küche

“Chef Watson is able to learn recipes, dish types, and ingredients, understand human taste preferences, and then rearrange and redesign the data to generate unique combinations of savory ingredient pairings“, so ließ IBM zum Buch-Launch verlauten. Und betonte noch mal extra: „Given the numerous different combinations of possible ingredients in the world, it’s impossible for a single person to imagine and reason about them all“. Genauer gesagt hat Chef Watson die chemikalischen Eigenschaften der Zutaten unter die Lupe genommen – ist also letztlich ein Schüler der molekularen Küche.

Feedback von menschlichen Köchen

So teilen z.B. Tomaten und Erdbeeren wichtige Geschmacksanteile, was es theoretisch ermöglicht, eine Bruschetta statt mit Tomaten auch mit Erdbeeren zuzubereiten. Genießbar sind all die neuen Speisen auch deshalb, weil IBM Watson mit den Chefköchen des Institute of Culinary Education (ICE) zusammengearbeitet hat. Die sorgten für die geschmackliche Rückkopplungsschleife: „Through the Chef Watson collaboration, ICE chefs provided input and feedback on the system’s ingredient choices, infused the cooking with their own interpretations, and together delivered creative recipes.”

Watson als Ko-Autor für die Verlagsbranche?

Trotzden ist man bei IBM natürlich mächtig stolz auf das neueste Anwendungsbeispiel für das komplexe Expertensystem, das erstmals 2011 Schlagzeilen machte, als es in der Quiz-Show Jeopardy! den damaligen Quiz-König Ken Jennings aus dem Rennen warf. Danach kam es z.B. in der Gesundheitsbranche zum Einsatz, um massenhaft medizinische Studien auszuwerten.

Mit neuen Entwickler-Schnittstellen wurde Watson dann vor kurzem für Dritt-Anwendungen geöffnet, und könnte so etwa der Verlagsbranche helfen, die ebenso umsatzstarken wie vorhersagbaren Plots der Genre-Literatur noch besser den Wünschen der Leser anzupassen. Doch wer weiß, mit dem richtigen Feedback und ein paar neuromorphen Chips wäre irgendwann vielleicht sogar der Büchner-Preis drin…

(via Teleread)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".