Classics-App vs. iBooks: Digitales Klassiker-Regal für’s iPhone gibt’s vorerst umsonst

Apple-E-Book-iPhone-iPod-Classic.gifEin virtuelles Bücherregal, bunte Cover, animiertes Umblättern: das Look&Feel von Apples iBooks-Anwendung für das iPad ähnelt stark der Classics-App für iPhone und iPod Touch. Die Classics-Entwickler Andrew Kaz und Phill Ryu haben schnell reagiert: um die Zeit bis zum Start des iPads zu nutzen, bieten sie ihre App vorerst umsonst an. Enthalten sind siebzehn englische Klassiker wie Robinson Crusoe, Frankenstein oder Alice im Wunderland.

Ein virtuelles Buchregal macht das elektronische Lesen übersichtlicher


Gute Ideen verbreiten sich schnell – gerade im Bereich von grafischen Benutzeroberflächen. Das virtuelle Buchregal etwa ist eine Idee, die sich beim elektronischen Lesen immer stärker durchsetzt. Anstelle einer schnöden Dateiliste bekommt man ein animiertes Bücherregal, in dem jedes Buch in Form eines Covers zu sehen ist. Als erste kommerzielle Anwendung wurde dieses Konzept von Wil Shipleys „Delicious Library“ aufgegriffen. In diesem Fall ging es jedoch nicht um E-Books, sondern um das Abbild einer realen Büchersammlung: Mac-Nutzer können mit der Software per iSight-Webcam die Strichcodes ihrer Schmöker einscannen, und Delicious Library holt sich dann die Coverbilder aus dem Internet. Andrew Kaz und Phill Ryu haben diese Idee dann mit Erlaubnis Shipleys für eine E-Reader-App aufgegriffen – die Classics App. Sie bringt ein edles Holzregal auf das Display von iPhone und iPhone Touch – gefüllt mit siebzehn Klassikern aus dem Public Domain-Bereich: mit dabei sind etwa Rudyard Kiplings Jungle-Book, H.G. Wells Time Machine, Mark Twains Huckleberry Finn oder Conan Doyles Hound of the Baskervilles.

Echter Hingucker: Das Umblättern wird grafisch animiert


Je nach Vorlieben kann man die Cover auf dem Regal umsortieren, ganz ähnlich wie es auch mit den Apps auf dem Desktop funktioniert.
Die bunten Cover-Bilder sind übrigens eigens für die Classics-App gestaltet worden und ermöglichen eine gute Orientierung – die Bibliothek soll schließlich noch weiter wachsen. Das eigentliche Highlight ist jedoch die Lektüre selbst – das Umblättern ist nicht nur grafisch animiert und akustisch untermalt, man kann auch durch die Fingerbewegung die Geschwindigkeit bestimmen, mit der die virtuelle Seite sich bewegt. Das Leseerlebnis ist somit noch natürlicher als etwa bei der kürzlich von uns getesten Vook-Version von Treasure Island (Stephensons Piratengeschichte ist übrigens auch Teil der Classics-App). Angenehm für’s Auge ist auch der in einem leichten Pastellton gehaltene Hintergrundfarbe.

„Die Classics-App soll jetzt in möglichst viele Hände gelangen“


Schaut man sich die Bilder des iPad-Events in San Francisco an, sieht man gleich: die Idee hat Schule gemacht. Denn die von Steve Jobs präsentierte iBooks-App für das neue Apple-Tablet hat eindeutig Idee und Design des virtuellen Bücherregals bei der Classics App und Delicious Library entlehnt. Phill Ryu nimmts aber sportlich: „Wenn man wie ich ein echter Apple-Fan ist, tut das schon sehr weh“, gab er zwar gegenüber dem Wired-Magazin zu Protokoll. „Aber wir werden ganz einfach etwas noch cooleres entwickeln“. Ob iBooks von Apple am Ende auch für die kleinen Displays von iPhone und iPod angepasst wird, ist noch nicht raus. Raus aus dem Geschäft mit dem iPad ist aber wohl auf jedem Fall die Classics-App. In der nächsten Zeit gibt es sie nun erstmal gratis: „Wir wollen dass die App in so viele Hände gelangt wie möglich, bevor die Leute sagen, wir hätten die Idee bei Apple gerippt.“

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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