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CEBIT & Shareconomy: Hallo Buchhandel, E-Books zum Tauschen gesucht!

5 Mrz 2013 Ansgar Warner 2 Kommentare

Sharing trifft Economy: Shareconomy, also die Ökonomie des Teilens, ist das Leitthema der diesjährigen Hightech-Messe CeBIT. Die Deutschen sind beim Teilen ganz groß (hier ist natürlich nicht das geteilte Deutschland gemeint), besonders im digitalen Bereich: Einer aktuellen Bitkom-Studie zufolge teilen 83 Prozent aller Internetnutzer hierzulande Dinge, die sie selbst erstellt oder im Web „gefunden“ haben. Das Verhalten im Social Web wirkt sich aber offenbar auch auf die Offline-Welt aus: 17 Prozent gaben an, hin und wieder auch Dinge wie Autos, Werkzeuge oder ihre Wohnung „mit Hilfe des Internets“ zu teilen. Als Teil dieses „gesellschaftlichen Megatrends“ sieht die Bitkom neben Phänomenen wie Car-Sharing oder Couch-Surfing aber auch das Crowdfunding: Jeder zehnte Internetbenutzer habe bereits online für soziale oder kreative Projekte gespendet.

Im Kernbereich des Social Reading klafft eine Lücke

Höchste Zeit, dass auch E-Books Teil der Shareconomy werden. Das Lesen selbst – siehe „Social Reading“ – schwimmt ohnehin schon im Strom der sozialen Medien mit: Zitate, Statusmeldungen und Buchempfehlungen werden via Twitter oder Facebook direkt vom E-Reader auf die Reise geschickt, zugleich boomen Lesecommunities wie lovelybooks oder Readmill. Was jedoch in diesem unseren Leseland bisher fehlt, ist das Tauschen von E-Books selbst. Warum eigentlich? In den USA haben große Anbieter wie Amazon oder B&N schon vor einiger Zeit das „LendMe“-Feature erfunden: die Kunden können sich für einen begrenzten Zeitraum gegenseitig E-Books ausleihen. Plattformen wie lendle oder ebookfling organisieren den E-Book-Tausch bereits im großen Maßstab.

Deutschland jedoch hinkt mal wieder hinterher. E-Books werden zwar von Bibliotheken verliehen (siehe „Onleihe“), oder von kommerziellen Verleihplattformen im Rahmen von Flatrates angeboten (siehe Skoobe), doch im Kernbereich des sozialen Lesens klafft eine riesige Lücke: der direkte Austausch von E-Books wird durch Adobe DRM komplett verhindert. Komisch eigentlich. Denn die private Weitergabe von Musik-Files gehört seit Jahren zum Alltag, und trägt ähnlich wie in früheren Jahren Kassettenkopien oder gebrannte CDs maßgeblich zur Popularisierung neuer Alben bei. Auch bei gedruckten Büchern hat das Verleihen und Tauschen unter Freunden eine lange Tradition.

P2P-Booksharing: mit gedruckten Büchern klappt’s

Der Büchertausch funktioniert sogar so gut, dass er sich eins zu eins ins Social Web übersetzen lässt – längst sind die ersten Plattformen für Peer-to-Peer-Booksharing entstanden. Print-Booksharing, wohlgemerkt. Neben dem direkten Austausch wie bei bookmooch.com oder ReaditSwapit.co.uk gibt es auch sehr nette soziale Experimente wie bei bookcrossing.com: dort werden Bücher mit einem kleinen Aufkleber mit einem speziellen Code versehen und im städtischen Umfeld „ausgesetzt“. Wer sie findet, kann über das Webportal den Buchcode eingeben, so dass sich idealerweise der Weg über den Globus online nachverfolgen lässt (vorausgesetzt, man lässt den Schmöker nach der Lektüre auch wieder frei).

Man muss sich das wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen: beim P2P-Booksharing ist das elektronische Lesen von der 500 Jahre alten Gutenberg-Galaxis überholt worden – und zwar ganz legal. Trotz Apps, trotz WLAN, 3G und Cloud-Bibliotheken sind gedruckte Bücher momentan weitaus mobiler als elektronische Bücher, und zugleich weitaus sozialer. Man könnte auch sagen: Bücher aus Papier sind moderner. Schuld sind Anachronismen wie DRM und Closed-Shop-Modelle. Sie halten das E-Book künstlich im Zustand des mittelalterlichen Kodex, festgekettet im klösterlichen Lesesaal. Es ist am Ende wohl tatsächlich eine Altersfrage, denn die mindestens mittelalten Entscheider in Buchhandel und Verlagen gehören nicht zur Generation der Digital Natives. Damit fehlt ihnen offenbar eine entscheidende Voraussetzung: das Vertrauen in die Nutzer.

Autor&cc-Lizenz (CC BY-NC-ND 3.0 DE): Ansgar Warner

Abb.: Screenshot Bookmooch.com

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