CEBIT 2012: Wechselt die E-Reading-Nation endgültig zum Tablet?

Schon mal vom „Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation“ gehört? Die Abkürzung CEBIT zumindest dürfte jedem Gadget-Liebhaber so bekannt sein wie CES oder MWC. Die Hannoveraner Messehallen werden vom 6. bis 10. März 2012 mal wieder zum Schauplatz für das „weltweit wichtigste und internationalste Ereignis der digitalen Industrie“ (so die Veranstalter). Das aktuelle CEBIT-Motto „Managing Trust – Vertrauen und Sicherheit in der digitalen Welt“ richtet sich an Privatanwender und Unternehmen gleichermaßen. Aus Sicht der Konsumenten hat der einstige Publikumsmagnet allerdings stark an Anziehungskraft eingebüßt: mit 334.000 Besuchern verzeichnete die CEBIT im letzten Jahr erneut einen historischen Tiefstand, auch die Zahl der Aussteller lag deutlich niedriger als zuvor.

Elektronisches Publizieren als Zukunftsthema

Als Anbahnungsort für Geschäftsabschlüsse wie auch als Umschlagplatz für Ideen kann die CEBIT aber immer noch punkten. Selbst wenn Apple die Messe schwänzt – mit Google, eBay, Facebook, Microsoft und Vodafone sind etwa auf dem Begleitprogramm CeBIT Global Conferences viele große Player vertreten. Keynote-Speaker am Eröffnungtag war immerhin Eric „Google“ Schmidt, CEO des Suchmaschinen-Riesen. Im Rahmen der sogenannten C3-Conference stehen zudem neben Musik, TV & Film auch E-Books und die Zukunft des Publizierens auf dem Messe-Kalender. Denn zu den CEBIT-Kooperationspartnern gehört mittlerweile sogar die Frankfurter Buchmesse. Neben dem Thema „Virtueller Leseclub – Zukunft Social Reading“ wird es dabei unter dem Titel „Auf dem Weg zur E-Reading-Nation“ auch um multimediale E-Books und die Konkurrenz zwischen E-Readern und Tablets gehen.

Low-Price-Tablets kontra E-Reader

Ohnehin stehen auf der CEBIT Netbook-, Tablet- und Smartphone-Neuheiten weitaus stärker im Rampenlicht als E-Ink-Reader. Ein paar Highlights gibt’s aber schon – zu sehen ist etwa der Kobo Touch oder ein neuer HD-Reader namens PageOne, präsentiert vom koreanischen Hersteller NextPapyrus. Doch selbst im Low-Price-Bereich zwischen 150 und 200 Euro müssen sich solche Lesegeräte immer stärker gegen günstige sieben Zoll-Tablets aus der Android-Schmiede behaupten. Mitunter kommt dabei die Konkurrenz aus dem (Online-)Buchhandel selbst, wie zuletzt das „Weltbild-Tablet“ zeigte. Auf der CEBIT bieten im Fachhandelsbereich „Planet Reseller“ – nomen est omen – zwei weitere Anbieter Tablet-Technik aus deutschen Landen. Das eigentlich für Speichermedien bekannte Unternehmen Intenso stellt einen Sieben Zoller mit Android 2.3 vor, der für 179 Euro vermarktet werden soll. Die „FunPad“ und „PowerPad“ getauften Flachrechner der Smartbook AG aus Offenbach laufen dagegen schon mit Android 4.0 und kommen ab 149 Euro in den Handel.

Vernetzte Geräte immer beliebter

Glaubt man den US-Marktforschern von Gartner, gehört flachen, leichten und mobilen Tablets ohnehin die Zukunft. Anders als etwa bei E-Readern ist der Nachholbedarf der Deutschen im Vergleich zu den USA hier auch nicht ganz so hoch. Ganz im Gegenteil – es herrscht Kauflust. Der Branchenverband Bitkom rechnet damit, dass alleine im Jahr 2012 hierzulande rund 2,7 Millionen Tablets über den Ladentisch gehen werden. In einem Bereich sind die Deutschen sogar jetzt schon ganz vorn – wenn es um den beruflichen Einsatz mobiler Geräte geht. Einer Umfrage von Cisco unter IT-Managern zufolge arbeiten bereits 31 Prozent aller Vertriebsmitarbeiter mit Tablets, zehn Prozent mehr als der internationale Durchschnitt. Doch auch bei Otto Normaluser stehen Geräte mit Touch Screen ganz oben – nämlich, wenn es um mobiles Surfen geht. Mehr als die Hälfte der Deutschen finden das gut, weiß der Connected Devices-Report von Yahoo! Deutschland. Surfen auf dem Flachbild-Fernseher wollen dagegen nur 40 Prozent, ins Netz mit dem E-Reader nur 36 Prozent. Noch schlechter schnitten allerdings vernetzte Versionen von Kühlschrank, Waschmaschine und Mikrowelle ab.

Abb.: Deutsche Messe AG

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".