Einer für alle, aber nicht für jeden: „offener“ Android-Reader inkBOOK Prime im Test

inkbook-primeDas „inkBOOK Prime“ von Arta Tech ist nicht irgendein weiterer E-Reader. Denn der polnische Hersteller macht große Versprechungen: raus aus dem „Walled Garden“ von Kindle- , Skoobe- oder Tolino-Universum. Rein ins flexible Lesevergnügen, und das alles auf einem klassischen E-Ink-Reader!? Möglich machen soll das ein „offenes“ Android 4.2.2-Betriebssystem, das sich mit beliebigen Apps erweitern lässt. Ansonsten bietet das 6-Zoll-Gerät eher technischen Durchschnitt: 212 ppi Display-Auflösung, kapazitives Touch-Screen, Glowlight, SD-Kartenslot. Einziger Hardware-Hingucker: Bluetooth. Lohnen sich 139 Euro für ein solches Gerät wirklich? E-Book-News hat das inkBook Prime getestet.

Erster Eindruck: liegt gut in der Hand

Vom Formfaktor hat mir das inkBOOK Prime sehr gut gefallen: es liegt mit 170 Gramm Gewicht und abgerundeten Ecken gut in der Hand, auch der Einschaltknopf rechts oben auf der Rückseite macht ergonomisch Sinn. Der Homebutton unter dem Display ist kein echter Knopf, sondern nur ein Touch-Sensor, rechts und links vom Display findet man je zwei Umblätter-Tasten für vor und zurück. Mikro-USB-Port und SD-Kartenslot sind wie üblich am unteren Gehäuserand angebracht.

Wie es sich für einen „offenen“ Android-Reader gehört, stellt das inkBOOK Prime zwei Homescreens zur Verfügung, auf dem ersten wird ein Ausschnitt der E-Bibliothek angezeigt („Aktuelle Lektüre“ sowie „Vor kurzem hinzugefügt/gelesen“), außerdem gibt’s neben den Systeminfos in der Kopfzeile auch eine Fußzeile mit Direktlinks u.a. zur gesamten Bibliothek, zum Cloudspeicher wie auch zum Browser und den Apps.

Apps installieren per Fingertipp

Genau, die Apps: auf dem zweiten Homescreen werden die bereits installierten Apps angezeigt, im Lieferzustand ist dort natürlich noch nicht viel los. Über das Symbol „InkBOOK-Apps“ kann man jedoch einen Mini-App-Store ansteuern, über den sich diverse E-Reading-Apps installieren lassen, darunter die Kindle App, Tolino App, Skoobe App und der Später-Lese-Service Pocket.

Die Installation dieser E-Lese-Apps via WLAN funktionierte mit meinem Testgerät auch tatsächlich problemlos (nur bei der Wikipedia-App kamen Fehlermeldungen). Allerdings ist die Lektüre nicht ganz so komfortabel wie z.B. auf Kindle-Reader oder Tolino-Reader — denn zum einen kann man die Umblättertasten nicht benutzen, zum anderen gibt es beim „animierten“ Umblättern in den Apps oft störende Flimmer-Effekte.

Prinzip offenes Android macht Sinn

Der Gesamteindruck ist jedoch durchaus positiv: das Prinzip offener Android-Reader macht Sinn, wie auf Tablet oder Smartphone hat man via App alle E-Books, wo auch immer man sie gekauft hat, auf einem Gerät zur Verfügung. Per „Side-Loading“ lassen sich zudem weitere Apps installieren — die jeweilige .apk-Datei schiebt man dazu vom PC via USB auf den Reader, und startet den Installationsprozess auf dem InkBOOK Prime via File-Viewer (siehe das App-Verzeichnis).

Ausprobiert habe ich die Sideloading-Variante u.a. mit der offiziellen Twitter-App, der Magazin-App Flipboard und der Schach-Software „Chess Free“ von AI Factory. Je mehr in einer Anwendung geblättert, gescrollt und eingeblendet wird, desto weniger taugt sie natürlich für E-Ink-Displays, aber grundsätzlich benutzen ließen sich die Apps auf jeden Fall.

Sogar als kleiner Schreibcomputer lässt sich das inkBOOK Prime einsetzen, getestet habe ich das mit der sehr schlanken „Monospace“-App. So richtig Spaß macht das Tippen auf dem virtuellen E-Ink-Keyboard allerdings nicht. Theoretisch müsste man via Bluetooth-Schnittstelle aber auch eine externe Tastatur anschließen können.

Online-Apps belasten den Akku

Eins ist natürlich klar: Je mehr aufwändige Apps man auf dem inkBOOK Prime nutzt, und vor allem, je mehr Apps, die eine aktive WLAN-Verbindung fordern, desto schneller macht der Akku schlapp. Manche E-Lese-Apps wie Skoobe funktionieren ohnehin nur online. Im Testbetrieb inklusive Twitter, Flipboard & Co. hielt mein Exemplar aber immerhin eine ganze Woche durch. Liest man nur offline, kommen wahrscheinlich ähnlich mehrwöchige Werte heraus wie bei Kindle & Co.

Fazit: Gelungenes Alternativ-Konzept

Das einzige, was mich am inkBOOK Prime wirklich gestört hat, war die Steuerung des Glimmerlichts. Die Glowlight-LEDs leuchten nämlich auch in der geringsten Glimmerstufe immer noch so hell, dass es bei der Lektüre in einem komplett abgedunkelten Raum die Augen blendet. Mein Kindle Paperwhite lässt sich deutlich weiter herabregulieren und blieb deswegen auf dem Nachttisch konkurrenzlos. Davon mal abgesehen finde ich aber: das alternative Reader-Konzept von ArtaTech ist durchaus seine 139 Euro wert, wenn man E-Lese-Flexibilität und zahlreiche potentielle Zusatzfunktionen auf dem E-Ink-Display zu schätzen weiß.

Wer mit der klassischen Arbeitsteilung zwischen Smartphone, Tablet und E-Reader zufrieden ist, bleibt jedoch mit einem günstigeren Einsteiger-Gerät à la Kindle oder Tolino wohl besser bedient. Eine Low-Cost-Variante hat übrigens auch Arta Tech im Angebot: das inkBOOK Classic 2 (ohne Glowlight, 800×600 Pixel Auflösung) bekommt man für 79 Euro.

Arta Tech inkBook Prime Specs:

Display:
6-inch E Ink Carta, kapaz. Touchscreen, Glowlight,
Auflösung: 1024 x 768 px (212 dpi)
Akku: 2000mAh Li-ION Polymer
Gewicht: 168 g
Processor: Quad-Core Cortex A9 max. 1.6 GHz
RAM: 512 MB
Interner Speicher: 8 GB
Externer Speicher: max. 32 GB (MikroSD)
Schnittstellen: Wi-Fi (802.11b/g/n), Bluetooth, Mikro-USB
OS: Android 4.2.2
Preis: 139 Euro (via Amazon.de)

CAT Helix, oder: der DNA des Lese-Tablets auf der Spur

Die Frage: „Was ist ein E-Reader?“ lässt sich recht einfach beantworten – wenn man darunter nur Geräte versteht, die ein E-Ink-Display haben. Schwieriger wird’s beim Thema: „Was ist ein Lese-Tablet?“ Diese Frage ist schon fast eine philosophische Reise von Pontius zu Pilatus. Nicht nur, weil bereits die ersten Android-Tablets mit E-Ink-Display auf den Markt drängen (vgl. das Onyx Boox T68 oder das Icarus Illumina). Auch normale, hintergrundbeleuchtete LCD-Displays sind dank höherer Auflösung deutlich lesefreundlicher geworden, dazu kommt die wachsende Akkuleistung.

Im Club der Lese-Tablet-Hersteller

Bei Marktübersichten zum Thema E-Lese-Tablets nehme ich deswegen gerne noch ein weiteres Kriterium hinzu: das Tablet muss von einem Hersteller stammen, der im weitesten Sinne buchhändlerisch tätig ist, also auch einen eigenen E-Book-Store betreibt. Da schnurrt das Feld dann schnell auf eine Handvoll Anbieter zusammen – Amazon, Apple, Google, Kobo und Pocketbook, was die internationale Ebene betrifft, und speziell in Deutschland die Tolino-Allianz, TrekStor und … CAT Sound.

Einsteiger-Modell mit 8-Zoll Display

Zumindest cum grano salis – das Berliner Unternehmen hat nämlich in den Prä-Tolino-Zeiten die „Weltbild-Tablets“ produziert, das E-Lesen war also schon sehr früh Teil der konzeptuellen DNA. Die neueren Geräte werden allerdings direkt im Zeichen der (Wild-)Katze vermarktet, aktuell z.B. das Einsteigermodell CAT Helix, ein schlankes 8-Zoll Tablet mit Android 4.4, das dank gummierter Rückseite (in verschiedenen Farben erhältlich) und geringem Gewicht gut in der Hand liegt. Das Display hat eine Auflösung von 1280 mal 800 Pixeln (215 ppi), was etwa in der Mitte zwischen dem iPad mini der ersten und zweiten Generation liegt. Der Akku soll wackere 11 Stunden durchhalten – erleben dürften das aber wohl wirklich nur E-Leser im Offline-Flugzeug-Modus.

E-Lektüre via Readfy-App

Da mein Testgerät (Rückseite übrigens: „electric blau“) pünktlich zur Buchmesse auf dem Schreibtisch lag, habe ich als erstes die neue Readfy-App heruntergeladen, mich durch die flüssig dargestellten Menüs gescrollt und ein, zwei Bücher angelesen, Krimis von kleinen Verlagen, die bisher ja neben Indie-Titeln das Gros des Angebots ausmachen. Und musste mal wieder feststellen: reguliert man die Helligkeit der leuchstarken LCD-Displays weit genug herunter, fühlt sich die Lektüre auf einem Android-Tablet gar nicht so viel anders an als auf einem Glowlight-Reader (in diesem Fall mein Kindle Paperwhite).

Viel Performance für wenig Geld

Allerdings erhält man für ein paar Euros mehr mit einem Tablet wie dem CAT Helix ein Multifunktionsgerät, das etwa in diesem Fall dank schnellem Quadcore-Chip vom Websurfen über Gaming bis hin zu Video-Telefonie eine ganze Menge mehr kann, und das bei guter Performance. Nicht nur im Heimnetz: Wer möchte, legt einfach die SIM-Karte des Smartphones ein und geht unterwegs über 3G online. Für gerade mal 150 Euro Endkundenpreis (z.B. direkt via CAT Sound-Shop) eine ganze Menge Mehrwert. Viele Marktbeobachter hatten ja in der Vergangenheit erwartet, aus solchen Gründen würden die deutlich vielseitigeren, aber kaum teuereren Tablets den „dedizierten Lesegeräten“ (vulgo: E-Ink-Readern) das Wasser abgraben. Stimmt aber nur zum Teil. Zum einen hat sich der Absatz von E-Readern (laut Bitkom) stabilisiert, zum anderen hat sich der zuvor rasante Tablet-Absatz (laut Gartner) deutlich verlangsamt. Beide Segmente pendeln sich gerade bei Wachstumszahlen um zehn Prozent ein.

Moore’s Law trifft Riepl’s Law

Der Grund dafür ist letztlich ähnlich banal wie bei der zu beobachtenden Stabilisierung auf dem Buchmarkt, wo E-Books sich neben Hardcover und Taschenbuch etablieren, ohne die anderen Medien komplett zu verdrängen: die Menschen möchten Bücher eben in verschiedenen Formen lesen, und sie benutzen auch je nach Situation unterschiedliche Geräte, zum längeren Lesen von Büchern z.B. einen E-Reader, für viele andere digitale Dinge vom Konsum bis zur Kreativität auch Smartphones oder Tablets. Alle drei Gerätegattungen zusammen sind schon jetzt für 350 bis 400 Euro zu haben (z.B. in der Kombination CAT Helix, Kindle Reader, Firefox-Phone), und die Preise werden weiter purzeln. Moore’s Law trifft Riepl’s Law: Statt „Entweder-Oder“ heißt es in Zukunft wohl erst recht „Sowohl-als-auch“.

CAT Helix


Display

8 Zoll Farb-LCD, kapazitives Touchscreen,
1280 x 800 Pixel (215 ppi)

Gewicht

320 Gramm

Schnittstellen

USB, SD-Slot, WLAN/3G, Kopfhörerbuchse

Speicher intern

16 GB

Akkuleistung

max. 11 Stunden, bei voller Leistung 6 Stunden

Zus. Features

Ext. Lautsprecher, Front- und Rückkamera, GPS

Preis

150 Euro

Fast schon DIN A4: Trekstors 8-Zoller Pyrus Maxi im Test

Trekstors Pyrus kommt ganz groß raus: neben dem normalen 6-Zoller und einer Mini-Version gibt’s seit Mai auch den Pyrus Maxi – mit 8 Zoll Display-Durchmesser eher Tablet-Format. Ansonsten bleibt Deutschlands größter Low-Cost-Tastenreader aber auf dem Teppich: es gibt weder Touch-Screen noch WLAN, und die Auflösung ist mit 1024 x 768 Pixeln gerade mal auf Augenhöhe mit aktuellen 6-Zoll-Readern. Immerhin hat Trekstor die Benutzeroberfläche grafisch aufgepeppt, und mit 4 Gigabyte auch ordentlich Speicherplatz spendiert. Der „Straßenpreis“ liegt zwischen 120 und 130 Euro: Doch lohnt es sich, für doppelt so viel Display-Fläche (im Vergleich zum Pyrus Mini) auch zweieinhalb mal so viel Geld auszugeben? E-Book-News hat den Maxi getestet.

Mini vs. Maxi: 2x so groß, 3x so schwer

Eins fällt sofort auf: der Maxi ist nicht nur größer, sondern auch schwerer – mit 320 Gramm Gewicht bringt der große Bruder des Pyrus Mini knapp das Dreifache auf die Waage. Das Äußere bietet bewährtes Trekstor-Design: rubberbeschichtete Oberfläche, Digital Ink-Display mit E-Ink-ähnlichem Kontrast, Richtungs- und Steuerungstasten unter dem Display. Genau wie die 6-Zoll Version des Pyrus hat auch der Maxi spezielle Umblättertasten rechts und links vom Bildschirm. Zu den weiteren Pluspunkten gehört der serienmäßige SD-Kartenslot, mit dem sich der Speicher auf bis zu 32 Gigabyte aufrüsten lässt.

Grafisch aufgepepptes Homescreen

Die grafische Benutzeroberfläche wurde sichtbar auf das größere Format angepasst – was man vor allem am Homescreen merkt: es ist nicht nur mit Minaturcovern der zuletzt gelesenen E-Books gekachelt, sondern – am unteren Rand – auch mit Symbolen für wichtige Funktionen, von der Bibliotheksansicht bis zur Reader-Konfiguration. Sieht fast schon nach Tablet aus, doch es fehlt natürlich der entsprechende Komfort, zum Bedienen muss man wie gewohnt die etwas schwergängigen Steuerungstasten nutzen. Mangels WLAN kommen die E-Books via USB-Kabel auf den Reader (oder natürlich via SD-Karte). Immerhin: dank der großen Display-Fläche lassen sich auch PDFs sehr gut darstellen, ohne dass man (allzuviel) zoomen muss.

Fonts: Wie groß darf „Klein“ sein?

Die Lesefunktionen beschränken sich wie bei Trekstor üblich auf 6 Zoomstufen, die Einstellung der Seitenbreite sowie das Anlegen von Lesezeichen. Durch den geräumigen 8-Zoll-Bildschirm machen beim Pyrus Maxi auch die sehr großen XXL- und XXXL-Fonts Sinn, was gerade älteren Lesern bei der Lektüre von epubs entgegenkommen dürfte. Probleme bereiteten bei den vorinstallierten Leseproben eher die kleinen Fonts – denn schon die Stufe S war deutlich größer, als sie sein müsste. So kommt beim Schmökern nicht wirklich Freude auf. Bei testweise auf den Reader geladenen E-Books von anderen Verlagen war die kleinste Einstellung jedoch noch im akzeptablen Bereich.

Im Zweifelsfall lieber zum Kobo Aura greifen

Beim Vergleich von Kontrast und der Helligkeit des Hintergrundes mit Konkurrenzprodukten fällt mal wieder auf: die von Trekstor in den Pyrus-Modellen verbaute Digital Ink-Technologie kommt sehr nah an den bis vor kurzem üblichen Standard von Pearl E-Ink heran. Mangels Glowlight-Feature kann sich auch der Pyrus Maxi natürlich nicht mit dem Kontrast von Kindle Paperwhite & Co messen. Bliebe also vor allem die Größe des Displays als Alleinstellungsmerkmal – wäre da nicht der Kobo Aura. Denn Kobos neues High-End-Gerät hat immerhin ein 7-Zoll Display, und zudem Glowlight, Touch-Screen und WLAN-Funktion. Allerdings muss man dafür dann im Vergleich zum Pyrus Maxi noch 40 Euro mehr drauflegen…

Trekstor Pyrus Maxi


Display

8 Zoll Digital Ink Display,
1024 x 768 Pixel (16 Graustufen)

Gewicht

320 Gramm

Schnittstellen

USB, SD-Kartenslot

Speicher

4 GB intern, max. 32 GB extern

E-Book-Formate

epub (DRM), PDF etc.

Zus. Features

Pagefresh-Rate wählbar

Preis

ab 130 Euro (Amazon, etc.)

Kleines Display, großer Unterschied: 4-Zoller Pyrus Mini im Test

Kleine Reader, große Auswahl – unterhalb von 6 Zoll gibt’s abgesehen vom schicken Kobo Mini (5 Zoll, ab 65 Euro) nun auch zwei Lowest-Cost-Reader: neben dem Pyrus Mini (4 Zoll, ab 50 Euro)startete vor kurzem der txtr Beagle (5 Zoll, 59 Euro). „Keep it simple, stupid“ könnte das Motto bei beiden Winzlingen heißen – denn sie bieten zwar maximale Mobilität, aber nur ein Minimum an Lesekomfort. Einen echten Sonderweg geht txtr: der Beagle wird mit Batterien betrieben, E-Books kommen nur via Bluetooth auf das Gerät, und viel mehr als Umblättern wird nicht geboten. Bei TrekStor bekommt man etwas mehr für’s Geld – und spart sogar noch beim Gewicht: mit 111 Gramm ist der Pyrus Mini leichter als so manches Smartphone. Unser Tipp: Wer unterwegs den Smartphone-Akku schonen möchte, sollte zusätzlich TrekStors 4-Zoller in die Tasche stecken. Alles weitere im folgenden Testbericht…

Format-Faktor macht sich bemerkbar

„Großartige Leseerlebnisse im Kleinformat“ verspricht der hessische Reader-Hersteller TrekStor dem Käufer des Pyrus Mini. Der in schwarz, blau, und pink erhältliche E-Reader ist mit 4,3 Zoll Displaydiagonale auf jeden Fall das kleinste Lesegerät auf dem Markt, und bei einem Preis ab 50 Euro zugleich das günstigste. Geliefert wird es in einer Plexiglasverpackung, das Zubehör verbirgt sich in einer Pappschachtel: neben einem USB-Kabel findet man darin noch eine Kurzanleitung. Der Format-Faktor macht sich sofort bemerkbar – der Pyrus Mini liegt in der Hand wie ein Smartphone oder PDA, und lässt sich ähnlich leicht verstauen. Um das „freihändige“ Lesen zu erleichtern, sind an der rechten Außenkante zwei Umblättertasten angebracht. Die sonstigen Trekstor-üblichen Steuerungstasten sind unterhalb des Displays angeordnet. Neben dem Einschaltknopf findet man an der Unterkante des Pyrus Mini zudem einen Mikro-USB-Port sowie einen Einschub für Micro-SD-Karten.

Der Platz auf dem Display ist begrenzt

Das Homescreen informiert über die zuletzt gelesene sowie zuletzt dem Gerät hinzugefügten Lektüre. Den kompletten Überblick vermittelt die Bibliotheksansicht, wahlweise als Liste oder mit Miniatur-Covern, geordnet nach Autor, Titel oder den Kritierien „Kürzlich gelesen“ oder „Neu hinzgefügt“. Im Vergleich zum 6-Zoll-Pyrus ist der Platz auf dem Display natürlich knapper, deswegen erscheint die Schriftgröße in den Menüs und auf dem Homescreen sehr klein – durch die identische Auflösung von 600×800 Pixel bleibt aber alles gut lesbar. Für die E-Book-Lektüre stehen insgesamt 6 Fontgrößen zur Verfügung, zudem lässt sich die Breite des Seitenrandes in drei Stufen einstellen. Auch in der Leseansicht macht sich die geringere Fläche des Displays bemerkbar: bei größeren Fonts passen kaum drei Worte in eine Zeile, durch den Blocksatz entstehen je nach Wortlänge viele Lücken. Mit maximaler Seitenbreite und mittlerer Fontgröße erzielt man jedoch eine recht komfortable Leseansicht.

Pyrus Mini als Smartphone-Accessoire?

Der weitere Funktionsumfang ist eher begrenzt: neben dem Setzen von Lesezeichen kann man den aktuellen Text nach Stichworten durchsuchen, zu diesem Zweck wird eine virtuelle Tastatur eingeblendet, die man mit den Richtungstasten bedient. Außerdem gibt es die Möglichkeit, die Seiten automatisch umblättern zu lassen, zur Wahl stehen Intervalle von einer bis fünf Minuten. Um E-Books auf den Reader zu bringen, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man verbindet Pyrus Mini und PC via USB-Kabel, oder man nutzt den Einschub für SD-Karten (erinnert mich ein wenig an das Zeitalter des Diskettenlaufwerks). Auf letztere Weise lassen sich natürlich auch unterwegs Daten zwischen Android-Phone bzw. Tablet und Reader austauschen, sofern diese ebenfalls einen SD-Kartenslot besitzten. Insofern ist der Pyrus Mini mindestens genauso gut als Smartphone-Accessoire geeignet wie txtrs Beagle.

Ein echter E-Reader im Miniformat

Insgesamt erhält man mit dem Pyrus Mini zum Preis von ca. 50 Euro deutlich mehr Nutzwert als mit dem knapp zehn Euro teureren txtr Beagle. Kein Wunder, schließlich handelt es sich bei Trekstors Produkt um einen echten Reader, der epubs und PDFs anzeigen kann und die normalen Menü- und Textfunktionen liefert. Beim Beagle bekommt man dagegen nur speicherfressende Seitenabbilder zu sehen, die zuvor auf dem Smartphone gerendert werden müssen. Deswegen passen trotz 4 Gigabyte Speicher auch maximal 5 E-Books auf den Beagle – der Pyrus Mini dagegen fasst mit seinen 2 Gigabyte Speicher locker mehr als 1000 E-Books. Zudem kommt die Qualität des Digital Ink-Displays sehr nah an das Pearl-E-Ink des Beagles heran. Etwas unklar scheint, warum es beim Beagle ausgerechnet Batterien statt Akkus sein mussten: alleine die Bluetooth-Übertragung zwischen Smartphone und Reader frisst so viel Strom, dass man insgesamt kaum länger lesen kann als etwa mit dem Pyrus Mini. Wer maximale Mobilität zum minimalen Preis möchte, sollte also zu Trekstors 4-Zoller greifen.

Trekstor Pyrus Mini


Display

4 Zoll E-Ink Display,
600×800 Pixel (16 Graustufen)

Gewicht

111 Gramm

Schnittstellen

USB, SD-Kartenslot

Speicher

2 GB intern, max. 32 GB extern

E-Book-Formate

epub (DRM), PDF etc.

Zus. Features

Pagefresh-Rate wählbar

Preis

ab 50 Euro (Amazon, etc.)

Tolino Shine im Test: Wolkig mit Aufheiterungen

Gemeinsam gegen Amazon, das ist die Devise der „Tolino-Allianz“ zwischen Thalia, Weltbild &.Co und der Deutschen Telekom. Die Rolle des Kindle-Killers soll dabei der Anfang März gestartete Glowlight-Reader Tolino Shine übernehmen, ergänzt durch ein cloudbasiertes App-Universum. „Maximale Freiheit, Mobilität und Sicherheit“ wird dem Nutzer versprochen, denn einmal gekaufte E-Books bleiben „lebenslänglich“ in der TelekomCloud gespeichert. Der Tolino-Verkaufspreis von 99 Euro klingt verlockend: immerhin glänzt das Gerät mit XGA-Auflösung, 2 GB Speicher und langer Akkulaufzeit. Doch kann das speziell für den deutschen Markt entwickelte Lesegerät die hohen Erwartungen wirklich erfüllen? E-Book-News hat den Tolino Shine unter die Lupe genommen, und war am Ende eher ernüchtert. Insbesondere die Benutzeroberfläche lässt doch einiges zu wünschen übrig, zum Teil aber auch der Einkaufs-Service. Unser Tipp: Solange es kein Firmware-Update gibt, sollte man besser auf Alternativen vom Kobo Glo bis zum Kindle Paperwhite zurückgreifen.

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Wo sind sie, die 11.000 Hotspots?

Schon von außen wird auf den besonderen Clou des drahtlos funkenden Tolino Shine hingewiesen: “Gratis-Zugang zu über 11.000 Hotspots der Telekom” steht auf der Vorderseite der Verpackung, zudem wird die “TelekomCloud” erwähnt, auf der Rückseite findet man unter der Abbildung des Readers noch den Hinweis: “Powered by Deutsche Telekom”. Wo die einzelnen Hotspots zu finden sind, zeigt eine interaktive Karte, die auch die Eingabe des Standorts mit Postleitzahl und Adresse ermöglicht.

Extra-Taste für die Glowlight-Aktivierung

Öffnet man die Verpackung, lacht einem bereits das E-Ink-Display des Readers entgegen, versehen mit einem Smile und dem Text: “Ich bin Tolino”. Unter dem Gerät liegt neben Kurzanleitung und Garantiekarte auch ein USB-Kabel. Besonders auffällig am Äußeren ist der Home-Button unter dem Display. Der Mikro-USB-Port wie auch der SD-Kartenslot versteckt sich unter einer kleinen Klappe an der Unterkante (keine besonders stabile Lösung). Zum Einschalten bzw. “Aufwecken” dient eine Slidertaste an der linken Oberkante (Im Schlafmodus steht auf dem E-Ink-Screen die Nachricht: “Psst… tolino schläft.”) Daneben gibt’s an der rechten Oberkante noch einen Extrabutton zum Aktivieren des Glimmerlichts in der zuvor festgelegten Helligkeitsstufe.

Tolino Shine ist leichter als Kindle Paperwhite

Besonderes Augenmerk wurde beim Design auf die Haptik gelegt – abgerundete Kanten wie auch die speziell beschichtete Rückseite lassen den Tolino Shine gut in der Hand liegen. Mit einem Gewicht von 183 Gramm bleibt der Tolino Shine zudem auch noch unterhalb vergleichbarer Konkurrenzprodukte. Pluspunkt in Sachen Hardware ist der SD-Kartenslot: Amazon verzichtet bei den Kindle-Modellen leider auf diese Möglichkeit der Speichererweiterung. Bei der Touch-Screen-Technik wiederum wurde beim Tolino gespart: hier kommt Infrarot-Technik zum Einsatz, die nicht ganz so exakte Ergebnisse liefert wie das kapazitive Display des Kindle Paperwhite. Doch immerhin werden Eingaben mit der virtuellen Tastatur oder Fingertipps auf Menübuttons ohne große Verzögerung umgesetzt, und auch das Umblättern per Fingerwisch geht schnell vonstatten.

In Thalias Tolino-Store nur Kreditkartenzahlung?

Nach dem Einschalten gelangt man in wenigen Sekunden auf das Homescreen. Dort warten bereits drei vorinstallierte E-Book-Klassiker: “Frau Bovary”, “Die Verwandlung” sowie “Max und Moritz”. Im unteren Bereich des Homescreens wird man zur Anmeldung bzw. zum Anlegen eines Kundenaccounts beim jeweiligen Anbieter aufgefordert. Sobald der Tolino Shine registriert ist, findet man an dieser Stelle des Homescreens Buchempfehlungen sowie einen Link zum E-Store. Vom Content her unterscheiden sich die einzelnen Stores nicht – beim Layout wie auch Service jedoch schon. Thalia etwa ermöglicht (offenbar abhängig von der jeweiligen Wohngegend) nur die Bezahlung mit Kreditkarte oder Vorkasse, bei Weltbild, Hugendubel und Pageplace kann man grundsätzlich auch via Bankeinzug oder mit PayPal zahlen.

Textfunktionen hart am unteren Limit

Kontrast und Auflösung des Tolino Shine sind durchaus vergleichbar mit Konkurrenzprodukten vom Amazon bis Kobo. Beim Bedienkomfort jedoch hapert es – die Leseansicht bietet nämlich kaum Optionen. Tippt man in einem geöffneten E-Book auf den Seitenkopf, erscheinen fünf Symbole. Sie führen zur Kapitelübersicht, zu den Lesezeichen, zu den “Schrifteinstellungen”, der Helligkeitsregulierung sowie einer Suchfunktion. Da man zwar zwischen verschiedenen Fontarten wählen kann, Zeilenabstand sowie Zeilenbreite sich aber nicht verändern lassen, bleibt man der jeweiligen Formatierung auf Gedeih und Verderben ausgeliefert. Textzoom mit Zweifingergeste wie etwa beim Kindle Paperwhite gibt’s nicht, hier hilft nur der Umweg über das Menü, wo sieben Zoomstufen zur Verfügung stehen. Leider fehlt auch die Möglichkeit, Text zu markieren oder Anmerkungen zu machen, von einer Wörterbuchfunktion mal ganz zu schweigen. Bei der Regulierung der Helligkeit scheint sich ein Softwarefehler eingeschlichen zu haben – im oberen Drittel nimmt die „stufenlose“ Einstellung gleich mehrere Stufen auf einmal, so dass nur die Wahl zwischen dunkel und sehr hell bleibt.

Wenn die Cloud zur Einbahnstraße wird

Eigentlicher Clou des Tolino Shine ist natürlich der Cloud-Speicher. Der größte Nutzen beschränkt sich jedoch momentan auf E-Books, die man dort gekauft hat, wo auch der Reader erworben wurde – diese Titel lassen sich aus der Rechnerwolke wiederherstellen, falls man sie auf dem Reader selbst gelöscht hat. Andere E-Books dagegen, die man etwa via USB-Kabel auf den Reader übertragen hat, kann man lediglich vom Tolino Shine aus drahtlos in die Cloud hochladen, um sie mit der zugehörigen App auf Smartphone oder Tablet zu lesen. Der Weg von der Cloud zurück auf den Reader ist jedoch in diesem Fall versperrt. Immerhin lassen sich mit dem „Side Loading“ via USB-Kabel aber auch E-Books im epub- oder PDF-Format in die Cloud befördern, die man bei anderen Portalen gekauft hat (von Amazon mal abgesehen).

Fazit: Kein Kindle-Killer

Zum veritablen Kindle-Killer taugt der Tolino Shine augenblicklich kaum. Technisch mag das Display zwar in punkto Auflösung und Kontrast mit dem Paperwhite vergleichbar sein. Doch der Bedienkomfort fällt deutlich hinter alle anderen Glowlight-Reader zurück (warum sind nicht einmal Markierungen möglich?). Selbst der Gebrauchswert der TelekomCloud bleibt etwas wolkig, wozu auch die nicht besonders intuitive Benutzerführung beiträgt. Ein komplexes „Download/Upload“-Menü hätte man sich sparen können. Viel eleganter scheint da Amazons Lösung, die auf zwei getrennte Bibliotheksansichten für Gerät und Cloud setzt. Doch ohnehin ist die Telekom-Cloud ja eher ein „Nice to have“, zum Lesen selbst ist der Reader da – doch dessen Benutzeroberfläche kann momentan noch nicht überzeugen. Wer jetzt schon die TelekomCloud mit einem Glimmerlicht-Reader nutzen möchte, dem sei deswegen bis auf weiteres Thalias Cybook Odyssey HD FrontLight empfohlen – via Firmware-Update soll dieses Lesegerät ab Mitte März ebenfalls den direkten Draht in die Tolino-Wolke bekommen.

Tolino Shine Specs


Display

6 Zoll Touch-Screen E-Ink Display,
1024×758 Pixel (16 Graustufen)

Gewicht

183 Gramm

Schnittstellen

Mikro-USB, SD-Slot, WLAN

Speicher

4 GB intern (2 GB verfügbar)

E-Book-Formate

epub, PDF, etc.

Zus. Features

Glowlight-Funktion, Cloud-Up/Download

Betriebssystem

Android

Preis

99 Euro (z.B. via Thalia)

Klein, leicht, leuchtend: Kobo Glo im Reader-Test

Bereits mit dem „Touch“-Reader hat Kobo bewiesen, wie man technisch mit Amazon Schritt halten kann. Dann definierte das Kindle Paperwhite einen neuen Branchenstandard: XGA-Auflösung, besserer Kontrast, und natürlich „Glowlight“, also eine integrierte Beleuchtung. Während Amazons Glimmerlicht-Reader hierzulande noch mit Lieferschwierigkeiten kämpfte, folgte mit dem Kobo Glo der nächste Streich der Kanadier: Ebenfalls XGA- Auflösung, ebenfalls ein Glimmerlicht. Preislich liegen Kindle Paperwhite (Basisversion WLAN) und Kobo Glo mit 129 Euro gleichauf. Auch auf dem Datenblatt sind sich beide Produkte sehr ähhnlich. Also alles nur eine Glaubensfrage? Wie sich der Kobo Glo in der Praxis schlägt, erfahren Sie in unserem Test!

Kleiner & leichter als das Kindle Paperwhite

Der Tester besaß vor dem Glo einen Kindle Touch. Dieser ist mit seinen ca. 215 Gramm kein Leichtgewicht, aber auch nicht unangenehm schwer. Der Paperwhite spielt mit ca. 220 Gramm und auch sonst nur geringfügig veränderten Abmessungen in der selben Liga wie sein Vorgänger. Die erste faustdicke Überraschung erfolgt deswegen beim Auspacken: der Kobo Glo ist satte 12mm kürzer und mehr als 30 Gramm leichter als der Kindle Paperwhite! Obwohl ein wenig dicker, liegt er sogar noch angenehmer in der Hand und passt dazu in so ziemlich jede Tasche. All das bei gleicher Bildschirmdiagonale von 6 Zoll. Beim Display handelt es sich um klassisches Pearl E-Ink mit 16 Graustufen. Die Bedienung erfolgt über ein Infrarot-Touchscreen. Hier folgt Kobo nicht dem Paperwhite, der einen kapazitiven Touchscreen verwendet. Das ändert am Komfort allerdings nichts – der Glo bedient sich ebenfalls sehr gut und flott. Nur bei sehr schnellen Eingaben auf der Tastatur „schluckt“ der Touchscreen den einen oder anderen Befehl. Aber auch das lässt sich mit ein wenig Geduld in den Griff bekommen.

Wie lange hält der Akku durch?

Das interessanteste Feature des Bildschirms ist selbstredend die Beleuchtung. Hier übertrumpft Kobo den amerikanischen Kontrahenten: Die Ausleuchtung ist beim Glo sogar noch einen Tick gleichmäßiger als beim Paperwhite. Auch die Helligkeit lässt sich beim Glo noch etwas höher als beim Paperwhite einstellen, doch die hellste Stufe ist für den täglichen Gebrauch eher unpraktisch. Nach ein wenig herumprobieren wird man sich etwa in der Mitte des frei verschiebbaren Reglers wiederfinden. Diese Einstellung erzeugt den besten Kontrast, ist ausreichend hell für alle Umgebungen und zu dem relativ energiesparend. Die Akkulauftzeit wird von Kobo mit einem Monat ohne Glowlight und Wi-Fi angegeben. Andere Quellen sprechen von ca. 30.000 Seitenwechseln. Damit liegt der Glo auf dem Papier hinter dem Paperwhite. In der Praxis berichten einige Nutzer bei eingeschalteter Beleuchtung von sehr ähnlichen Werten der beiden Reader. Die Batterie des Paperwhite ist de facto leistungsfähiger, dafür scheint die Beleuchtung des Glo sparsamer zu sein. So oder so wird man mit dem Glo aber definitiv nicht jeden Tag an die Steckdose müssen, ein einwöchiger Urlaub dürfte auch mit aktivierter Beleuchtung kein Problem darstellen.

Ein weiteres Highlight ist der Slot für microSD Karten. Den der Kobo Glo lässt sich, anders als der Kindle Paperwhite, mit bis zu 32GB aufrüsten. Das wäre zwar für Bücher alleine übertrieben viel Speicherplatz, aber ein paar Gigabyte mehr können nicht schaden, wenn man mit einer sehr großen Bibliothek bereits an die Grenzen von 2GB stößt. Die Technik des Kobo Glo überzeugt also auf ganzer Linie. Er ist klein, leicht, handlich, ausdauernd (genug) und leuchtet sehr ausgewogen. An der Hardware gibt es also nichts auszusetzen, wie sieht es also bei der Software und dem eigentlichen Lesen aus?

Herr, lass Updates vom Himmel fallen

Wer viel arbeitet mit seinem Reader, sollte sich beim Glo auf die ein oder andere Schikane einstellen. Den die Software ist leider nicht so ausgereift wie z.B. die des Sony PRS-T2. Den Glo plagen auch in der neuesten Version noch einige Softwarefehler und generelle Designprobleme in der Firmware. So ist die Darstellung von PDFs nicht wirklich gut gelungen, die Bedienung ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Auch der Browser ist nicht mehr als eine Notlösung, falls mal kein Handy, Tablet oder Computer zur Hand ist. Der Glo beherrscht nämlich keinen „Pinch-to-zoom“, man muss also alle Inhalte mit einer Leiste heranzoomen. Auch in Büchern gibt es einige Ungereimtheiten. So ist das Markieren von einzelnen Textstellen hakelig, hinzugefügte Notizen lassen sich nur unter Zuhilfenahme eines zusätzlichen Programms oder eben gar nicht auf den heimischen Rechner übertragen. Und manchmal erlaubt sich der Reader, das Buch nicht auf der zuletzt gelesenen Seite, sondern am Anfang des Kapitels zu öffnen. Das passiert jedoch nur dann, wenn das Gerät vorher völlig ausgeschaltet war und nicht nur im Ruhemodus. Doch zum Glück ist bei der Firmware des Glo Hopfen und Malz noch nicht verloren, die Entwickler bei Kobo veröffentlichen regelmäßig neue Updates, mit denen auch die Fehler behoben werden.

Am besten liest es sich mit „Kobo Nickel“

Positiv hervorzuheben ist auf jeden Fall das sehr individuell gestaltbare Schriftbild. Es gibt sieben vorinstallierte Schriftarten, und man kann theoretisch sogar noch weitere installieren. Uns gefiel besonders die Schriftart „Kobo Nickel“. Zusätzlich zur Schriftart lassen sich noch die Größe, das Gewicht und die Schärfe der Lettern einstellen. Dadurch sind der Kontrast und die Lesbarkeit bis ins kleinste Detail zu bestimmen. Ränder und Zeilenabstand lassen sich ebenfalls personalisieren. Kleiner Haken: Bei manchen ePubs sind Schriftgröße, Schriftart und andere Eigenschaften fest vorgegeben, sodass man sie erst mit Programmen wie Calibre bearbeiten muss, bevor sich die Leseansicht auf dem Glo verändern lässt. Hier tritt zum Vorschein, was den Glo vom Paperwhite unterscheidet: Der Nutzer muss/darf an vielen Schrauben des Systems drehen. Wem es Spaß macht die Kontrolle über so viele Parameter wie möglich zu haben, der wird mit dem Glo glücklich. Wer allerdings großen Wert auf ein einfaches System legt, könnte mit dem Kobo so seine Schwierigkeiten bekommen.

Export von Markierungen & Notizen

Lesen lässt es sich auf dem Kobo nach all den entsprechenden Vorkehrungen dann ähnlich gut wie auf dem Konkurrenzprodukt von Amazon: Der Kontrast ist angenehm, die Schrift gut zu lesen und der Seitenwechsel geht angenehm flott vonstatten. Das Glimmerlicht sorgt für Lesbarkeit in allen Lebenslagen, Markierungen und Notizen sind möglich, problematisch bleibt jedoch der Export. Die installierten Wörterbücher machen einen soliden Eindruck, es lassen sich weitere hinzufügen. Die Zusatzfunktionen bieten bei der Lektüre nichts außergewöhnliches, für wissenschaftliches Arbeiten sind sie nur bedingt geeignet. Der Kobo Glo ist ein Reader für Liebhaber der Literatur und Bewunderer der Belletristik, nicht so sehr für büffelnde Studenten oder lehrende Professoren.

Die Menüs wiederum sind logisch und übersichtlich aufgebaut und lassen sich von jedermann problemlos bedienen. Der Heimbildschirm beherbergt die fünf zuletzt gelesenen Bücher in einer Cover-Ansicht und Verlinkungen zum Kobo-Shop, der eigenen Bibliothek, dem Reading Life und der Sync-funktion. Ein Button oben links auf dem Bildschirm führt jederzeit auf den Heimbildschirm zurück, oben rechts geht es in die Einstellungen. Auch das Scrollen und Suchen in der Bibliothek läuft ohne Probleme. Insgesamt verfügt der Glo also über ein sehr intuitives und einfaches Interface, das dem des Paperwhite in nichts nachsteht.

Fazit: Kobo gleichauf mit Amazon

Zum Schluss bleibt eigentlich nur eine Glaubensfrage übrig: Kindle oder Kobo, einfach aber eingeschränkt oder kompliziert aber frei? Technisch hält der Glo mehr als nur Schritt. Es ist die Software, über die er sich definiert. Wer sich an den kleinen Ecken und Kanten des Glo nicht stört und ein wenig Vertrauen für die Entwickler übrig hat, findet hier einen ausgezeichneten Reader, der in einigen Punkten sogar besser abschneidet als der Paperwhite. Wenn man der Community glauben darf, werden die zukünftigen Updates noch einige positive Änderungen bereithalten, die den Glo noch weiter in Richtung der E-Reader-Avantgarde katapultieren werden. Ich persönlich bin sehr zufrieden mit meinem Kauf und würde den Kobo Glo auch meinem besten Freund empfehlen. Vorausgesetzt, dass dieser mit Computern umgehen kann. Und keine Diplomarbeit mithilfe eines E-Books schreiben möchte.

Kobo Glo Specs


Display

6 Zoll Touch-Screen E-Ink Display,
1024×768 Pixel (16 Graustufen)

Gewicht

185 Gramm

Schnittstellen

Mikro-USB, SD-Slot, WLAN

Speicher

2 GB intern

E-Book-Formate

epub, PDF, etc.

Zus. Features

Glowlight-Funktion, Reading Life

Preis

129 Euro

Autor (Text/Bilder) & Copyright: Marc Günther

Schwarz wie Ebenholz, weiß wie Papier: Amazons Kindle Paperwhite im Test

Das große Glimmern hat begonnen – seit kurzem wird Amazons Kindle Paperwhite in Deutschland ausgeliefert. Der erste Kindle-Reader mit Glowlight-Funktion und XGA-Auflösung sorgt für erstklassigen Lesekomfort, egal ob bei Sonnenlicht oder unter der Bettdecke. Dank spezieller LED-Technik geht das Glimmern dabei nicht auf Kosten der Akkulaufzeit. Erstmals bietet das Kindle dank der besseren Display-Qualität nun auch individuelle Fonts wie Baskerville oder Palatino. Zu den weiteren Features gehört die „Time to Read“-Funktion. Ein smarter Algorithmus schätzt, wie lange man noch bis zum Ende eines Kapitels oder des gesamten E-Books braucht. Die aktuelle Firmware sorgt für schnelle Seitenwechsel und rasanten Zooms auf dem Touch-Screen. Fazit: Für 129 Euro bekommt man das beste Kindle, das es je gab. Alles weitere im folgenden Testbericht…

Verbesserte Touch-funktion

Bereits das Kindle Touch setzte auf radikale Vereinfachung – fiel jedoch etwas klobiger aus als die klassischen Tasten-Kindles. Mit dem Kindle Paperwhite geht Amazon noch einmal einen Schritt weiter: Bedient wird das Kindle Paperwhite komplett via Touch-Screen, sogar der Home-Button fällt weg. Außer dem Einschaltknopf und einem Mikro-USB-Port an der Unterseite ist von außen nicht viel zu entdecken, externe Lautsprecher und Kopfhörerbuchse gib es nicht mehr – denn die Audiofunktionen wurden eingespart. Das schlichte, schwarze Gehäuse ist auf der Rückseite gummiert, um besser in der Hand zu liegen, und macht insgesamt einen etwas eleganteren Eindruck als das Vorgängermodell. Verbessert wurde die Touch-Funktion: die kapazitive Methode funktioniert nicht nur genauer als die bisherige Infrarot-Technik, auch die Display-Einfassung konnte dadurch flacher als beim Vorgängermodell gestaltet werden. Vom Gewicht her liegen Kindle Touch und Kindle Paperwhite immer noch gleichauf.

So funktioniert das Glowlight-Display

Der besondere Clou des Kindle Paperwhite ist natürlich die Qualität des neuen Displays. Beeindruckend klingt bereits die Auflösung: 1024×768 Pixel ergeben bei 6 Zoll Bildschirm-Diagonale satte 212 dpi, und somit 62 Prozent mehr Pixel als beim bisherigen Kindle-Display (800×600 Pixel). Beim Kontrast liegt das neue Kindle 25 Prozent über dem Vorgängermodell – die Buchstaben erscheinen dunkler, der Hintergrund heller. Das liegt natürlich an der Glowlight-Funktion: Aus drei Schichten besteht der Aufbau des Displays: erst kommt das neue E-Ink-Display, dann die Touch-Screen-Folie, und anschließend eine patentierte LED-Lichtführungs-Schicht. Ähnlich wie in einem Glasfiberkabel wird das Licht horizontal durch diese Schicht geleitet und durch spezielle Strukturen abgelenkt. Anders als bei einem hintergrundbeleuchteten LED-Display entsteht somit ein charakteristischen indirektes Glimmern.

Paperwhite – tatsächlich (fast) so weiß wie Papier

Beim Einschalten wird die Glowlight-Funktion automatisch aktiviert – die Leuchtstärke lässt sich über das Glühbirnen-Icon im Hauptmenü regulieren. Bereits bei ersten Versuchen hatte Amazon festgestellt, dass Paperwhite-Nutzer gar nicht mehr ohne Glowlight lesen wollten. Das bestätigte sich bei unserem Test, denn auch bei direkter Beleuchtung (Tageslicht/künstliches Licht) ist das Schriftbild mit eingeschaltetem Glimmerlicht deutlich angenehmer zu lesen. Von einem Glimmern sollte man in diesem Fall aber gar nicht unbedingt sprechen. Bei mittlerer Leuchtstärke kommt das Display nämlich dem Kontrast wie auch der Farbe einer normalen Druckseite verblüffend nahe. Erst bei voller Glowlight-Power, bzw. in abgedunkelten Räumen gibt’s echtes „Glowlight“-Feeling, was auch am bläulichen Schimmer des LED-Lichts liegt. Selbst bei ständig eingeschaltetem Glimmerlicht hält das neue Kindle laut Amazon bis zu 8 Wochen lang durch – tatsächlich war nach knapp 1000 Seitenwechseln und mehreren Tagen Betrieb die Akkuanzeige noch fast bei 100 Prozent.

Am angenehmsten liest es sich mit „Caecilia“

Wie beim Kindle Touch lässt sich die Leseansicht komfortabel auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden. Neben acht Zoomstufen stehen sechs Schriftarten (statt bisher drei) sowie drei verschiedene Zeilenabstände bzw. Zeilenbreiten zur Verfügung. Trotz aller Auswahl: Am angenehmsten liest es sich immer noch mit „Caecilia“, dem speziell für das Kindle designten Standard-Font. Der Schriftgrößen-Zoom funktioniert am einfachsten mit einer Zweifinger-Geste, wie man es vom Smartphone oder Tablet her gewohnt ist. Da alle analogen Buttons verschwunden sind, muss man für die übrigen Textfunktionen zunächst mit einem Fingertipp auf die Kopfzeile das Menü einblenden, um dann links unten die Schaltfläche „Aa“ zu aktivieren. Bei manchen Titeln wird zudem die Funktion „X-Ray“ angeboten. Das X-Ray-Menü bietet eine grafische Darstellung der Häufigkeit bestimmter Namen und Begriffe, und führt per Fingertipp zu einer kompletten Liste der jeweiligen Fundstellen im Text. Wer sich an „Ghosting-Effekten“ auf dem Display stört, kann übrigens unter Einstellungen/Seite aktualisieren den Screen-Refresh bei jedem Umblättern aktualisieren.

Textfunktionen & Social-Reading

Besonders bequem funktionieren auf dem Kindle Paperwhite die erweiterten Textfunktionen wie etwa das Markieren einzelner Passagen. Hat man mit dem Finger einen Abschnitt markiert, wird eine Menüauswahl eingeblendet – wahlweise kann man den Text über soziale Netzwerke weiterempfehlen, mit der virtuellen Tastatur eine Notiz hinzufügen oder den Text übersetzen lassen. Einzelne Worte lassen sich per Fingertipp im vorinstallierten Dictionary nachschlagen. Zu den Social-Reading-Features gehört neben den „beliebten Markierungen“, also der Anzeige besonders häufig von Kindle-Nutzern markierter Textstellen auch das Hervorheben von Textstellen bzw. das Anzeigen von Notizen derjenigen Kindle-Anwender, denen man auf kindle.amazon.com folgt. Wer möchte, kann zudem sämtliche Anmerkungen, die zuletzt gelesene Seite wie auch thematische E-Book-Sammlungen auf dem Amazon-Server sichern.

Fazit: Das beste Kindle, das es je gab

Insgesamt bekommt man für 129 Euro im Vergleich zum Vorgängermodell einen echten Mehrwert – denn die Lesequalität hat sich durch höhere Auflösung und Glowlight-Feature noch einmal deutlich verbessert. Als Lesegerät ist das Paperwhite mit Abstand das beste Kindle, das es je gab. Die weggefallenen Audio-Funktionen lassen sich da leicht verschmerzen – zumal Amazon ja mit dem Kindle Fire eine perfekte Multimedia-Plattform anbietet. Trotzdem wird die Entscheidung nicht ganz so leicht fallen: Beim E-Ink-Kontrast und der Reaktionsgeschwindigkeit des berührungsempfindlichen Displays liegt das Kindle Paperwhite schließlich gleichauf mit Kobo Glo und Cybook Odyssey, die nicht ganz zufällig auch zum selben Preis angeboten werden. Wer sich bisher schon dem Amazon-Universum verschrieben hat, kann jedoch mit dem Kindle Paperwhite nichts falsch machen.

Kindle Paperwhite


Display

6 Zoll Touch-Screen E-Ink Display,
1024×768 Pixel (16 Graustufen)

Gewicht

212 Gramm

Schnittstellen

Mikro-USB, WLAN, 3G (optional)

Speicher

2 GB intern

E-Book-Formate

Kindle/mobi, PDF, etc. (kein epub)

Zus. Features

Glowlight-Funktion, Time-to-Read

Preis

129 Euro (WiFi-Version)
189 Euro (Wifi + 3G)

Autor&Copyright: Ansgar Warner

Stiftung Warentest lobt iPad Mini & Nexus 7 – Kindle Fire dagegen erntet Kritik

Alle Jahre wieder nehmen die Experten von Stiftung Warentest aktuelle Tablet PCs unter die Lupe – was natürlich jedesmal auf einen Wettkampf à la „Schlag das iPad“ herausläuft. Im Dezember-Heft 2012 treten gleich 13 Android-Flachrechner ab 7 Zoll gegen Apples Edel-Gadget der dritten Generation an, die Spannbreite reicht dabei von Acer bis Toshiba. Kurz zusammengefasst lautet das Ergebnis: „Es muss nicht immer iPad sein“. Knapper Testsieger bei den Großen wurde nämlich Samsungs neues Galaxy 10.1 („Gut 1,9“), bei den kleineren Tablets dagegen hatte Googles Nexus 7 die Nase vorn („Gut 2,4“). Bei den kleinen Tablets nicht mit im Rennen war allerdings Apples iPad Mini. Dafür gab’s aber einen separaten „Schnelltest“ von iPad Mini, iPad 4 sowie Amazons Kindle Fire HD. Hier konnte Apples 7-Zoller durchaus punkten: es sei ein „gelungener, wenn auch teurer Einstieg in die Welt der kleinen Tablets“, gratuliert Stiftung Warentest. Deutliche Kritik hagelte es dagegen in Sachen Kindle Fire HD: „Kein echter Androide“, lautet das Urteil.

„Einkaufs-Terminal für Amazon-Angebote“

Amazons Tablet läuft zwar grundsätzlich mit einer aktuellen Android 4.1-Oberfläche, doch hat der Online-Händler beim Frontend kräftig nachgeholfen. Deswegen loben die Warentester zwar die Akkulaufzeit, monieren aber zugleich, das Kindle Fire HD sei „durch seine zahlreichen Softwarebeschränkungen eher ein Einkaufs-Terminal für Amazon-Angebote als ein richtiges Android-Tablet“. Tatsächlich ist Amazons eigener App-Store ähnlich stark „kuratiert“, also gefiltert, wie Apples App Store (den die Tester ebenfalls als „geschlossener“ und „weniger flexibel“ als den offenen Google Play Store kritisieren) . Zudem können natürlich mit der E-Reader-App des Kindle Fire nur E-Books aus dem Kindle-Store bzw. im Kindle-Format gelesen werden, also keine epubs – was die Tester dem Tablet ebenfalls ankreiden. Zur recht: benutzerfreundlich war die Trennung der E-Lesewelt in Kindle- und epub-Format noch nie.

Getestet wurden nur vorinstallierte Apps

Hier zeigt sich jedoch auch eine Einschränkung des Testverfahrens: denn ausprobiert wurden die Geräte nur im Lieferzustand, d.h. mit den vorinstallierten Apps. Tatsächlich lassen sich ja alternative, epub-fähige E-Reader-Apps wie etwa Bluefire problemlos nachinstallieren, was den Nutzwert von Amazons Lese-Tablets deutlich erhöht. Was den Testern ebenfalls auffiel: zum Lesen dicker Romane sind LCD-Screens von Tablets nicht ganz so gut geeignet wie klassische E-Ink-Reader. Solche Geräte hat Stiftung Warentest jedoch zum letzten Mal vor mehr als zwei Jahren getestet – schade eigentlich, gerade die Weihnachtssaison wäre eine gute Gelegenheit für einen neuen Anlauf gewesen. Die Schnelltests von iPad 4/iPad Mini sowie Kindle Fire HD kann man kostenlos im Web lesen, den kompletten Tablet-Testbericht gibt’s für 2,50 zum Download (PDF-Format).

Abb.: Stiftung Warentest, Heftcover Dez. 2012

Lese-Tablet mit multimedialem Mehrwert: Kindle Fire (Basisversion) im Test

Fast ein Jahr lang fand Amazons Tablet-Revolution ohne deutsche Leser statt – doch das Warten hat sich gelohnt: die Basisversion des Kindle Firestartet hierzulande in einer überarbeiteten Version, die mit schnellerem Prozessor und mehr Arbeitsspeicher ausgestattet wurde. Für 159 Euroerhält man ein solides 7-Zoll-Tablet mit hoher Auflösung (1024x600 Pixel), kapazitivem Multitouch und einer angepassten Android-4.0-Oberfläche, das weitaus mehr ist als nur ein Lesegerät. Denn neben E-Books aus dem Kindle-Store versorgt Amazon den Kunden auch mit Musikfiles, Streaming-Videos, Spielen und sonstigen Apps. Mit 8 Gigabyte internem Speicher ist der Platz für Content zwar etwas begrenzt, doch Amazon spendiert zudem „unbegrenzten“ Cloud-Speicher. Wie in den USA ist auch das deutsche Kindle Fire teilweise werbefinanziert – wer keine gesponserten Screensaver sehen möchte, zahlt 15 Euro drauf. Alles weitere verrät unser Testbericht.

Top Performance -- vom E-Book bis zu Angry Birds

Wer bereits Amazons Kindle Touch geschätzt hat, wird Amazons Kindle Fire lieben, denn die Performance auf dem farbigen LCD-Touchscreen ist beeindruckend. Ob man sich per Fingerwisch durch Menüs bewegt, durch E-Books blättert, Streaming-Videos schaut oder eine Runde Angry Birds spielt – kein Ruckeln, kein Zuckeln stört den Medienkonsum. Nach vielen Beschwerden über die mangelnde Geschwindigkeit des Vorgängermodells hat Amazon offenbar kräftig nachgearbeitet. Da sich die Bildschirmhelligkeit in einem sehr bereiten Spektrum herauf- und herabdimmen lässt, ist selbst die E-Reading-Funktion vergleichsweise augenschonend, wozu natürlich auch die hohe Auflösung beiträgt. Sehr komfortabel nutzt man zudem die erweiterten Textfunktionen, etwa das Markieren von Textpassagen oder Nachschlagen von Wörtern im vorinstallierten Lexikon. Überzeugend ist auch der Formfaktor: das Kindle Fire wirkt trotz 7-Zoll-Screen deutlich schlanker als das klobige Kindle Touch, wiegt mit 400 Gramm jedoch deutlich mehr. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der gummierte Rücken.

Keep it simple: Buttons fallen weg

Vom äußeren her setzt Amazon beim Kindle Fire auf radikale Vereinfachung – es gibt nicht einmal mehr einen Menü- oder Back-Button. Alles, was man am unteren Gehäuserand noch findet ist der Einschaltknopf, eine Kopfhörerbuchse sowie der Mikro-USB-Port. Dazu kommen an der oberen Gehäusekante noch zwei Öffnungen für externe Lautsprecher. Bedient wird das Kindle Fire also fast zu 100 Prozent auf dem Touch-Screen. Das funktioniert tatsächlich sehr angenehm, mit einem Fingerwisch kann man die wichtigsten Android-Menübefehle wie Einstellungen von der Lautstärke über die Helligkeit bis zum WLAN erreichen. Innerhalb der jeweiligen Anwendungen werden dagegen sämtliche Steuerungsfelder ausgeblendet. Das Homescreen zeigt eine nach links und rechts bewegliche Icon-Galerie der zuletzt aufgerufenen Apps oder Dokumente, im unteren Teil werden dazu passende Angebote aus dem Amazon-Shop eingeblendet.

Spiele, Apps, Bücher, Musik & Video

Wie multimedial das Kindle Fire ausgerichtet ist, zeigt schon die Auswahlleiste auf dem Homescreen – dort sind die Rubriken Spiele, Apps, Bücher, Musik, Videos gelistet, außerdem kann auf das Web sowie persönliche Dokumente zugreifen. Bei E-Books und Audiodateien lassen sich jeweils zwei Bibliotheken anzeigen – einmal die bereits heruntergeladenen Titel, zum anderen die gesamte Cloud-Bibliothek. Per Fingertipp wird die gewünschte Datei drahtlos auf das Kindle Fire kopiert. Kinofilme und TV-Serien dagegen werden gestreamt, und zwar über Amazons eigenen Service LoveFilms. Käufer des Kindle Fire können diesen Service 30 Tage lang kostenlos ausprobieren. Im Vergleich zum Streaming-Angebot von Amazon.com ist die Auswahl allerdings bisher nicht wirklich überzeugend, nicht umsonst spricht Amazon.de vom Zugriff auf „tausende“ Filme und Serien. Besser ausgestattet ist da im Vergleich schon die Kindle-Leihbibliothek, mit der sich ein E-Book pro Monat kostenlos ausleihen lässt, vorausgesetzt man ist Premium-Kunde (Mitgliedsgebühr: 39 Euro pro Jahr).

Akkuleistung reicht für neun Stunden Multimedia

Grundsätzlich bekommt man mit dem Kindle Fire ein voll funktionsfähiges Android-Tablet – so kann man das „Lese-Tablet“ zum Web-Surfen nutzen, twittern und facebooken, E-Mails schreiben oder Termine und Kontaktdaten verwalten. Allerdings ist das über Amazons App-Shop verfügbare Angebot an Programmen deutlich kleiner als im Google Play Store. So fehlen etwa viele Zeitungsapps (was den Nutzer wohl auf das Angebot im Kindle-Store lenken soll), aber auch für den Arbeitsalltag unverzichtbare Anwendungen wie Dropbox oder Bluefire (zur epub-Lektüre!). Sie lassen z.T. immerhin über Umwege direkt aus dem Web downloaden. Eine kritische Größe bei soviel Multimedia wie auf dem Kindle Fire bleibt natürlich die Akkulaufzeit – mit bis zu neun Stunden bei vollem Betrieb muss man aber keine Kompromisse eingehen, zumindest im Vergleich zu anderen Tablets. Wer vor allem lesen möchte, ist sicherlich mit dem E-Ink-Reader Kindle Paperwhite deutlich besser bedient, von der wochenlangen Akku-Ausdauer bis zum kontraststarken HD-E-Ink-Display. Will man sich dagegen das volle Multimedia-Programm aus dem Hause Amazon gönnen, sollte man zur Basisversion des Kindle Fire greifen.

Kindle Fire (Basisversion) Specs


Display

7 Zoll TFT Touch-Screen, 1024x600 Pixel

Gewicht:

400 Gramm

Schnittstellen

USB, WLAN

Interner Speicher

8 Gigabyte, benutzbar: 5,5 Gigabyte

E-Book-Formate

Kindle-Book, PDF, epub (via Bluefire App)

Audio-Features

3,5 mm Kopfhörerbuchse, Externe Lautsprecher,Text-to-Speech

Preis

159 Euro (inkl. Werbebannern)

Autor & Copyright: Ansgar Warner

Eine Frage von Format: Kookee & Galactica (Cat Sound) im Tablet-Test

Der Tablet-Herbst 2012 wird immer bunter, und fallende Preise ebnen die Unterschiede zwischen E-Ink und LCD weiter ein. Auf manchen der allerneuesten Gadgets steht sogar „Designed in Germany“. Das gilt etwa für Kookee, Phoenix und Galactica, die neue Modellreihe von CAT Sound – das Potsdamer Unternehmen geht mit Android-4.0-Tablets von sieben bis neun Zoll an den Start. Allen gemeinsam ist ein robust verglastes IPS-Panel mit 1024 mal 768 Pixeln und kapazitives Multitouch – was zusammen mit 1 Gigabyte RAM und schnellen Chips für Bedienkomfort wie auf dem iPad sorgt. Kameras auf Vorder- und Rückseite komplettieren das multifunktionale Bild. Die Qual der Wahl liegt vor allem beim Format, und der damit verbundenen Nutzung: soll es eher ein schlankes Lese-Tablet mit Multimedia-Mehrwert sein, oder ein großes Multimedia-Tablet mit Lese-Option? E-Book-News hat sowohl den Sieben Zoller Kookee (119 Euro) wie auch den Neun Zoller Galactica (Basisversion 8 GB, 199 Euro) getestet. Erhältlich sind beide Tablets direkt im E-Store von Cat Sound.

Beim Kookee kommt E-Reader-Feeling auf

Ansprechendes Design fängt bei der Verpackung an – bereits hier hat Cat Sound gute Arbeit geleistet. Die leicht angeschrägten Kartons sind keine klassische Stapelware, sondern echte Hingucker. Gleiches gilt für die Tablets selbst – im Vergleich zum Weltbild-Tablet (Cat Nova) scheinen mehr als nur 12 Monate vergangen zu sein: Kookee und Galactica wirken erstaunlich leicht, liegen sehr gut in der Hand und strahlen echte Eleganz aus. Besonders auffällig am Siebenzoller mit Touch-Screen im 16:9-Format ist das rückseitige Griffprofil an den Querseiten – so lässt sich das Tablet im schwarzen Gehäuse beim Surfen oder Videos schauen komfortabel in beiden Händen halten. Im Hochformat dagegen kommt eher klassisches E-Reader-Feeling auf, auch wenn die jeweilige Seite etwas mehr Kopfhöhe hat als bei einem 6-Zoller im Format 4:3. Ausschaltknopf, Homebutton sowie externe Lautsprechertasten sind an der Längsseite angebracht, die verschiedenen Schnittstellen (Netzstecker, Mikro-USB, Mikro-HDMI, SD-Kartenslot, Kopfhörerbuchse) an der Querseite.

Galactica-Basisversion leichter als das iPad

Nomen est omen: Während das Kookee im edlen Aluminiumgehäuse mit etwas Fantasie das Format eines (nun ja, ziemlich großen) Kekses hat, kommt die Basisversion des Galactica mit einem auf der Rückseite milchstraßenweißen Kunststoffgehäuse daher. Kunststoff mag nicht ganz so schick sein wie Aluminium, hat aber auch Vorteile: mit 550 Gramm bringt das Galactica 150 Gramm weniger als das iPad 1 auf die Waage, und ist immerhin 50 Gramm leichter als das iPad 2. Was einem sofort auffällt: neben dem Kameraauge wurde beim Galactica auf der Rückseite auch der Einschaltknopf angebracht, ebenso findet man einen kleinen externer Lautsprecher. Die sonstigen Tasten wie auch Schnittstellen (analog zum Kookee) finden sich sämtlich auf der Querseite. Zum weiteren Lieferumfang gehören bei beiden Tablets Ohrhörer, USB-Kabel sowie USB-zu-Mikro-USB-Adapter, mit denen man z.B. USB- oder Surfsticks anschließen kann.

Rasante Android-Oberfläche

Die Android-4.0-Oberfläche präsentiert sich nach dem Einschalten sehr aufgeräumt – um nicht zu sagen wüst und (fast) leer. Denn vor einem Hintergrundthema im Sahara-Stil findet man nur die wichtigsten Icons, von den Einstellungen über Bildergalerie und Browser bis zum E-Mail-Programm. Über den Google Play Store kann man aber im Handumdrehen nachrüsten – Platz genug für jede Menge Anwendungen bieten die per Fingerwisch erreichbaren virtuellen Desktops allemal. Am unteren Bildschirmrand werden die zentrale Steuerungssymbole angezeigt, inklusive Back-Button – anders als beim Weltbild-Tablet ist beim Kookee tatsächlich nur noch der Home-Button wirklich physisch vorhanden, wurde aber an den Gehäuserand verlegt. Beim Galactica gibt’s zusätzlich zum Home-Button noch einen realen Menübutton. Die meisten Dinge werden also direkt mit dem Finger auf dem Display erledigt – das bei Kookee wie Galactica schnell und präzise auf die Eingabe reagiert.

Lektüre-Erfahrungen auf dem Kookee

Sobald man die wichtigsten Lese-Anwendungen – von der Kindle-App bis zu Aldiko – installiert hat, erweist sich das Kookee als waschechter E-Reader. Das mit knapp 300 Gramm sehr leichte Gerät liegt angenehm in der Hand, Umblättern per Fingerwisch ist in den Apps ein echtes Vergnügen. Auch das animierte Umblättern etwa in der „Google Bücher App“ läuft sehr flüssig, gleiches gilt für das Markieren von Sätzen oder das Antippen einzelner Wörter, um die Lexikon-Funktion zu nutzen. Lese-Apps mit Zweispalten-Option kann man zudem komfortabel im Querformat nutzen, die Seitenhöhe ist dann aber durch das 16:9-Format etwas geringer als gewohnt. Einen guten Eindruck macht auch die neue taz-App für Android. Hier lässt der typische Zweispaltensatz im Hochformat richtiges Zeitungsgefühl aufkommen. Vor allem E-Comics profitieren von der im Vergleich zum kleinen Durchmesser sehr hohen Auflösung: auch kleinste Details lassen sich sehr gut erkennen. Ein weiterer Vorteil des Kookee bei der Lektüre ist im übrigen die große Spannbreite bei der Einstellung der Bildschirmhelligkeit – sie lässt sich sehr weit herunterregulieren, was nicht nur Augenstress bei längerem Schmökern vermeidet, sondern auch den Akku entlastet.

Galactica brilliert im Multimedia-Bereich

Die besondere Stärke des Galactica dagegen liegt eher im mobilen Multimedia- und Office-Bereich, und natürlich beim Gaming – dafür sorgt ein Dual-Core-Prozessor mit 1,5 Gigahertz sowie ein Quadcore-Grafikchip. Webseiten werden auf dem 9-Zoll-Display hervorragend dargestellt, scrollen und zoomen verläuft rasant und ohne Ruckeln, ebenso das Abspielen von Videos oder Animationen. Sehen lassen können sich im galaktischen Umfeld ebenfalls Nachrichten-Apps von Tagesschau oder Spiegel Online – schließlich haben die Informationen einfach mehr Platz auf dem Screen. Beeindruckend ist auch die taz-App, im Querformat mit Dreispaltensatz noch ein Stückchen näher am Original aus Papier. Über die virtuelle Tastatur lassen sich zudem sehr gut Office-Dokumente bearbeiten, E-Mails schreiben oder Facebook- und Twitter-Profile pflegen. Im Unterschied zum Kookee kann man die Bildschirmhelligkeit leider nicht ganz so weit herunterregulieren. Trotzdem machen reine Lese-Apps auch auf dem Galactica einen guten Eindruck.

Fazit: Deutlich besser als das Weltbild-Tablet

Insgesamt sind Kookee und Galactica deutlich besser gelungen als das Vorgänger-Modell Cat Nova („Weltbild-Tablet“) – was wohl auch daran liegt, dass hier keine Kompromisse für einen externen Auftraggeber eingegangen werden mussten. Das hat Design, Display-Qualität und Rechengeschwindigkeit gutgetan. Erfreulicherweise ist auch die WLAN-Verbindung weniger störungsanfällig, was insbesondere beim Video-Streaming zum Tragen kommt. Auch bei der Akkulaufzeit hat sich etwas getan, sie lag bei unseren Testgeräten bei mehr als vier Stunden (aktives WLAN inklusive). Zugleich ist nun auch mal ein, zwei Tage Standby-Betrieb möglich, ohne dass der Akku sich komplett verabschiedet. Mehr wäre natürlich trotzdem wünschenswert – gerade in punkto Energie-Ausdauer werden sich die Tablets von Cat Sound mit der mächtigen Konkurrenz von Amazon, Pocketbook oder Kobo messen müssen. Was Lese-Komfort und sonstige Performance betrifft, dürfte ihnen das aber keine Probleme bereiten.

Kookee/Galactica Specs

Kookee

Galactica

Display

7 Zoll kapazitives
Touch-Screen, 1024×768 Pixel

9,7 Zoll kapazitives
Touch-Screen, 1024×768 Pixel

Prozessor

Cortex A8 (1,5 Ghz)

Quadcore A9 Dualcore (1,5 Ghz),
Quadcore GPU (Grafik)

Speicher

1 GB RAM, 8 GB intern

1 GB RAM, 8 GB intern

Schnittstellen

Mini-USB, Mini-HDMI, Kopfhörer,
SD-Kartenslog, WLAN

2xMini-USB, Mini-HDMI,
Kopfhörer, SD-Kartenslog, WLAN

Gewicht

300 Gramm

550 Gramm

Extras

Kamera vorne/hinten, externe
Lautsprecher

Kamera vorne/hinten, externe
Lautsprecher

Betriebssystem

Android 4.0 („Icecream
Sandwich“)

Android 4.0 („Icecream
Sandwich“)

Preis

119 Euro

199 Euro (8 GB)

249 Euro (16 GB)