Keine Feier ohne Thalimayer: Was die Mini-Megafusion für den deutschen Buchhandel bedeutet

thalimayerDie wohl wichtigste Meldung des Jahres 2019 kam kurz nach Neujahr: „Megafusion“ zwischen Thalia und der Mayerschen Buchhandlung – Deutschlands größte verbliebene Kette und der größte regionale Filialist schließen sich zusammen. Die Rechnung lautet: 300 Filialen plus 55 Filialen gleich 355 Filialen. Entfallen soll durch den Zusammenschluss nämlich vorerst kein Standort – hieß es jedenfalls von beiden Seiten. Ob am Ende an allen Standorten das Firmenschild Thalia prangen wird, ist dagegen zumindest fraglich. Noch steht natürlich auch noch die Genehmigung durch das Bundeskartellamt aus, doch angesichts des immer noch breit aufgestellen Markts mit großen Playern wie Hugendubel und Weltbild sowie kleineren Regionalketten wie Osiander sollte nichts dagegen sprechen.

Die Angst vor Amazon geht weiter um

Hinter der Fusion steht selbstverständlich, wie bei vielen Buchhandels-Entwicklungen der letzten zehn Jahre, niemand anderes als Amazon, für das Deutschland der zweitwichtigste Auslandsmarkt ist. Das Unternehmen betreibt zwar bisher keine eigenen Buchhandlungen auf deutschem Boden, bewegt sich aber umsatzmäßig — soweit man das überhaupt vergleichen kann — als Online-Buchhändler auf Augenhöhe mit dem neuen „Thalimayer“-Konstrukt. Da beide Fusionspartner auch Mitglied der Tolino-Allianz sind, haben sie wiederum ein starkes Bein im deutschen E-Book-Markt und können gemeinsam dem Kindle-Universum Paroli bieten.

Druck im Buchhandel erhöht sich

Ohnehin hatte sich Thalia nach der Übernahme durch Herder als „Botschafter für geistige Nahrung“ bereits neu aufgestellt und kräftige in neue Marketingkonzepte investiert – was viele als ein branchenweites Signal verstanden. Ob die nun verkündete Fusion allerdings dem traditionellen Buchhandel guttut, ist wiederum eine ganz andere Frage — denn Thalimayer konkurriert vor Ort natürlich auch mit den sonstigen Filialisten und unabhängigen Buchhandlungen, wenn auch nicht über den Buchpreis. Und so titelte die Wirtschaftwoche wohl zu recht: „Die Fusion von Thalia und Mayersche wird den Druck im Buchhandel weiter erhöhen“. Fortsetzung folgt. Schnappt sich Hugendubel jetzt Osiander? Oder kauft Amazon doch noch Weltbild? Selbst wenn sich manche Befürchtungen in punkto disruptiver Buch(handels-)Apokalypse nicht bewahrheitet haben: Die nächsten zehn Jahre dürften wohl für die Branche genauso spannend werden wie die letzten zehn Jahre.

Walmart eBooks by Rakuten Kobo — die Anti-Amazon-Allianz im US-Einzelhandel wird konkret

walmart-goes-kobo„Walmart eBooks by Rakuten Kobo“: Anfang des Jahres angekündigt, wird die Kooperation des US-Einzelhandelsriesen mit Kobo in dieser Woche konkret — auf Walmart.com kann man nun auch E-Books und Hörbücher shoppen, zugleich startet die co-gebrandete Walmart-Kobo-App für Smartphone, PC und Kobo-Reader. Auch eine Audiobook-Flatrate für 10 Dollar pro Monat ist angekündigt. Zugleich zeigt Kobo Präsenz in den Filialen selbst — dort wird man die Kobo-Reader kaufen können.

Buchhandels-Inseln im Supermarkt

Nicht vergessen darf man natürlich auch, dass Walmart in seinen Filalien im großem Stil gedruckte Bücher anbietet, jetzt gibt es also ein Vollangebot: „Walmart eBooks will complement our vast physical book assortment and offer customers a comprehensive digital book solution, introducing an entirely new category that hasn’t been previously available at Walmart“ schreibt Mario Pacini, General manager of entertainment auf dem Walmart-Blog.

Kooperation über Ländergrenzen

Nach dem fast alle großen und auch viele kleinen Buchhandelsketten in den USA gegenüber Amazon das Handtuch geworfen haben, bleibt Print und Digital im stationären Einzelhandel ein wichtiges Refugium erhalten. Interessant ist die Kooperation zwischen Kobo und Walmart natürlich auch deshalb, weil Kobo inzwischen zum japanischen Einzelhandelsriesen Rakuten gehört. Im Angesicht der massiven Online-Konkurrenz werden also neue Allianzen in der Branche befördert, die über Ländergrenzen reichen.

Krümel vom Tisch des Herrn…

Ob der Marktanteil von Kobo durch diese Maßnahme in den USA signifikant steigt, ist allerdings fraglich — derzeit liegt er dort dem Author Earnings-Report zufolge bei deutlich unter einem Prozent, während Amazon bereits satte 83 Prozent des Marktvolumens eingeheimst hat. Ein paar Krümel vom Tisch des Herrn freilich könnten ja abfallen — und auch die grundsätzliche Sogwirkung Online-Marktriesen auf Walmart-Stammkunden kann so vielleicht etwas ausgebremst werden.

(via Businessinsider)

Mehr Einkaufserlebnisse jenseits von Online und der grünen Wiese schaffen: Ikea zieht es in die Innenstädte

ikea-kommt-in-die-innenstadtIkeas Webshop gehört zu den zehn reichweitenstärksten Online-Shops in Deutschland, zugleich darf sich das schwedische Möbelhaus im stationären Bereich … auch zu den zehn größten Systemgastronomen hierzulande zählen, noch vor Vapiano oder Starbucks. Weil das Einkaufs- und Schlemmerlebnis vor Ort genauso wichtig ist wie das bequeme Bestellen von der Couch aus, wollen Ingvar Kamprads Erben jetzt eine interessante neue Strategie fahren — einerseits wird die Lieferlogistik optimiert und das Smartphone-Shopping verbessert (u.a. mit AR-Elementen), andererseits rückt Ikea im realen Leben bald auch hierzulande deutlich näher an die Kunden: in 15 – 20 Minuten soll jeder Großstadbewohner ins Reich der Möbelelche gelangen können, verkündete kürzlich Deutschland-Chef Bennis Balslev. Bisher dauert die Anfahrt im Schnitt eher so 50 – 60 Minuten — für viele ist dann mittlerweile die Onlinebestellung einfach bequemer, im großstädtischen Umfeld gehen die Besucherzahlen zurück.

Doch einfach nur das Möbelhaus von der grünen Wiese in die City-Lage verschieben will man nicht — denn das wurde in Hamburg bereits erfolglos getestet. Die Konsequenz: man braucht auch innerorts viel weniger Parkplätze, kleinere Warenlager, vor allem aber gezieltere Angebote. In Berlin z.B. günstige Möbel für ein junges Publikum plus schnellen Lieferservice (konkret: Stunden statt Tage), in München für betuchtere ältere Kunden etwa Designer-Kollektionen oder mobile Zusammenbau-Teams, die mit dem Imbusschlüssel und der Bauanleitung umgehen können. Die Größe der Stores wird variabel sein, kleinere Showroom- und Popupstore-Präsenzen hat Ikea bereits in Spanien, Dänemark und Schweden getestet.

Alles für alle wird es zukünftig also vor allem online und am Stadtrand geben, das lokale Angebot in der Innenstadt dagegen wird viel stärker auf regionale Besonderheiten zugeschnitten sein. Ein Phänomen, das man ja auch im Buchhandel beobachten kann: während es die großen Buchsupermärkte zunehmend schwerer haben, da sie letztlich nur den General Store im Web reproduzieren, sind individuell designte, auf das lokale Publikum zugeschnittene kleine Buchhandlungen im Aufwind.

Selbst Amazon beginnt ja derzeit, den Kunden auch stationäre Einkaufserlebnisse in einem bewusst begrenzten Rahmen zu ermöglichen, zumindest in den USA. Apropos Big A: natürlich ist Ikeas Strategie zugleich auch gegen die in alle Richtungen expandierende Online-Konkurrenz gerichtet — erklärtermaßen will Jeff Bezos ja auch ins E-Commerce-Möbelgeschäft vorstoßen. In den USA plant das Unternehmen bereits eigene Logistikzentren, die extra auf Großwaren vom Regal bis zur Schrankwand ausgerichtet sind.

(via zukunftdeseinkaufens.de

Abb.: Ikea Koblenz (cc-by-sa 3.0)

Bookbuster Level 3: Hugendubel lockt Kunden per Gamification & AR in die Filialen

bookbuster-game-kampagne-hugendubelDas Smartphone in der Hand & auf in die nächste Hugendubel-Filiale: Wer bei der 2018 zum zweiten mal aufgelegten Bookbuster-Kampagne mitmachen wollte, um eines von 50 Büchern zu gewinnen, musste sich in Bewegung setzen, denn der höchste Level dieses Games verband Web und stationäre Welt. Ein gerüttelt Maß an Buchwissen konnte dabei aber auch nicht schaden: Bei Level 1 ging es zunächst darum, aus mehreren Bildelementen schnell ein Buch-Cover zusammen zu schieben. In Level 2 wurden dann Bücher durch Bilder dargestellt und mussten so schnell wie möglich erraten werden. In Level 3 dagegen konnte man dank Geo-Targeting in den Läden vor Ort Pokemon-like mit dem Touchscreen vor Augen virtuelle Vögel einsammeln.

100.000 Plays, 22.000 Spielstunden

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: mehr als 7.000 zumeist junge Kunden konnten zum Spielen in die Geschäfte gelockt werden, zwischen 15. März und 15. April zählten die Organisatoren insgesamt 100.000 Plays und 22.000 gespielte Stunden.

Entwickelt wurde die Kampagne von der Münchner Agentur Crazy Legs — die dabei nicht auf eine App, sondern auf Browser-Technik setzte: „Der neuartige Ansatz, Augmented Reality Mechaniken direkt im Browser und ohne die Hürde, eine App installieren zu müssen, anzubieten, ist komplett aufgegangen“, so Gino Mamoli, Mitglied der Geschäftsleitung bei Crazy Legs. Die anvisierte Zielgrupe sei sehr offen dafür, unterhaltende oder informative Augmented-Reality-Inhalte auch in der Einzelhandels-Umgebung vor Ort zu benutzen.

Kommen die Gamer auch wieder?

Die große Frage bleibt natürlich, was dann folgt: wirkt das Einkaufserlebnis Buchhandlung durch Design und Angebot? Kaufen die Gamer Print-Bücher, Comics oder zumindest sonstige dort feil gebotene Non-Book-Paraphernalien? Kommen sie dann bald auch mal ohne Gaming-Anreiz wieder, statt nur online zu shoppen und Content auf das Mobilgerät zu saugen? Auszuschließen ist das nicht. Vielleicht hilft ja gerde die mediale Differenzerfahrung, neue Offline-Kunden zu erzeugen…

(via Buchreport)

Online-Händler jetzt US-weit umsatzsteuer-pflichtig: Stationäre Buchhändler erfolgreich mit Supreme-Court-Klage

supreme-court-pro-umsatzsteuer„No taxation without representation“. In puncto Umsatzsteuer mutierte diese Parole aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zu einem Internet-Konzern-Kalauer: viele Anbieter mussten nämlich jahrelang nur in dem Bundesstaat Umsatzsteuern entrichten, in dem sich ihre physische Firmen-Repräsentanz befand. Durch die Öffnunge vieler Plattformen für Dritt-Händler wurde das Problem noch weiter verschärft. Denn die USA hat bekanntlich 50 Bundesstaaten, ein Webstore aber ist überall erreichbar. So durften viele Online-Käufer steuerfrei shoppen, zum Verdruß des stationären Handels, der in Sachen Value Added Tax (VAT) natürlich überall von den Steuerbehörden zur Kasse gebeten wird. Man stelle sich nur mal vor, Amazon Deutschland hätte seinen Firmensitz z.B. im Bundesland Bremen, und würde nur von dortigen Käufern 19 % Umsatzsteuer berechnen…

Nicht zufällig waren es die Fronde der Buchhändler, genauer gesagt die American Bookseller Association ABA, die diesem unfairen Treiben nun Einhalt gebieten konnte: die Obersten Richter des Supreme Courts hoben Ende Juni ein älteres Urteil von 1992 auf. Die hatte kurz vor dem Beginn des E-Commerce-Booms eine Sonderregelung geschaffen, welche mehr als zwei Jahrzehnte die Kassen der Online-Händler kräftig klingeln ließ. Zwischenzeitlich hatten einzelne Bundesstaaten auch schon versucht, das weit klaffende Steuerschlupfloch zu schließen, allerdings erfolglos.

“Auf Bundes- und Landesebene hat uns dieses Alptraum-Szenario für viele Jahre in Atem gehalten“, so Carl Davis vom Think Tank „Institute on Taxation and Economic Policy“ gegenüber der New York Times. “Die aktuelle Entscheidung erlaubt nun dem Staaten wieder, ihre Steuerhoheit durchzusetzen und die Schieflage im stationären Handel zu beseitigen.“ Auch für die öffentliche Hand handelte es nun wirklich nicht um Peanuts — Jahr für Jahr entgingen dem Fiskus US-weit geschätzte 33 Milliarden Dollar.

(via NYT & Börsenblatt)

Abb.: Siegel des US-Supreme Courts (gemeinfrei, cc-0)

German Hacker-Angst vs. NFC: An der Kasse bleibt das Smartphone meist noch in der Tasche

nfc-logo„Das Smartphone ist dank der NFC-Technologie ideal geeignet, um bargeldlos zu bezahlen“, lobt Bitkom-Präsident Achim Berg. Und liefert im nächsten Halbsatz gleich einen Grund frei Haus, warum die Deutschen trotzdem nicht mehrheitlich ihr Mobilgerät am Point of Sale zücken: „Ebenso wie beim kontaktlosen Bezahlen mit Kreditkarte lässt sich der Rechnungsbetrag in Sekundenschnelle begleichen“ — ay, there’s the rub! Denn das laut einer aktuellen Bitkom-Studie drei von fünf Smartphone-Nutzern im Laden nie mit ihrem Telefon zahlen, hat sehr viel damit zu tun, dass man längst auch mit Kredit- und Debitkarten berührungslos zahlen kann.

„Deutsche beim Geld traditionell konservativ“

Allerdings ist das in anderen Ländern natürlich auch so, und trotzdem gibt es zum Beispiel in Skandinavien eine weitaus größere Akzeptanz für das Bezahlen per Smartphone an der Ladenkasse. Die Deutschen haben offenbar — anders als beim Online-Einkauf — psychologische Hemmungen, den ubiquitären Begleiter auch als Portemonnaie zu benutzen: Tatsächlich geben fast zwei Drittel „Sicherheitsbedenken“ an, sie befürchten, „Hacker könnten auf diese Weise auf ihr Konto zugreifen“. Dagegen schiebet nur etwa ein Drittel technische Gründe vor — das Bezahlen mit dem Smartphone „dauere zu lange“.

„Wenn es um Geld geht, sind die Kunden in Deutschland traditionell sehr vorsichtig und eher konservativ eingestellt“, kommentiert Berg das Phänomen. Zugleich bleibt er optimistisch, was die Smartphonisierung der stationären Einkaufswelt betrifft: Man erlebe derzeit, wie sich die Finanz- und Bankenlandschaft grundlegend verändere — und das werde auch die Art und Weise beeinflussen, wie wir im Geschäft bezahlen.

Vertrauen in Internet-Konzerne wächst

Sprich: es drängen nicht nur große Internet-Konzerne auf den Markt für Bezahldienstleistungen, sondern auch zahlreiche „Fintech“-Startups. Und interessanterweise wären bereits vier von zehn Bundesbürgern bereit, ihre Bankgeschäfte via Apple, Google oder Amazon zu tätigen. Das könnte in Zukunft noch lustig werden, so à la „Kommt ein Kunde in die Buchhandlung und fragt: Kann ich auch mit Amazon Pay zahlen?“

VLB-Tix, ansonsten nix? Digitale Verlagsvorschau als Zwangsbeglückung erzürnt die Buchbranche

vlb-tix-sonst-nixEine „vollständige Marktübersicht über nahe zu alle deutschsprachigen Novitäten“ will VLB-Tix bieten – und erleichtert zudem die Recherche, das Bestellen von Leseexemplaren und den „Novitäteneinkauf“. Das von der Börsenvereins-Tochter MVB bereitgestellte Angebot funktioniert so gut, dass große Verlage drauf und dran sind, die früher gewohnte gedruckte Programmvorschau abzuschaffen — doch als unlängst Random House tatsächlich „Digital Only“ für 2019 ankündigte, hagelte es postwendend Branchen-Protest. Kein Wunder…

Denn gehört zum Print-Buch nicht irgendwie auch die Print-Vorschau für Buchhändler, Journalisten und nicht zuletzt auch interessierte Leser? Welche Botschaft in punkto Wertigkeit/Wertschätzung transportiert man als „traditioneller“ Verlag, wenn man nur noch digital für Papierprodukte wirbt? In einer Buchreport-Umfrage lehnten fast drei Viertel der befragten Buchhändler den Vorstoß des Großkonzerns ab, der über 40 Verlagslabels betrifft. Aber auch mehr als 70 Prozent der Verlage wollen so weit zumindest jetzt noch nicht gehen.

Doch größere Verlage und auch Buchhandelsketten goutieren den Verzicht auf gedruckte Verlagsvorschauen durchaus. So hat Hugendubel gerade angekündigt, den Novitäteneinkauf ab Herbst 2018 ausschließlich über VLB-TIX durchzuführen — die Printvorschauen bei den Verlagen werde man abbestellen. Ein erster Schritt zur großen Wende? „Wenn Buchhändler VLB-TIX flächendeckend einsetzen, werden auch die Verlage nachziehen“, zitiert die dazu veröffentlichte MVB-Pressemitteilung den Vertriebsleiter eines mittelständischen Verlagshauses. Tatsächlich planen bereits viele Verleger die Umstellung auf VLB-Tix und sonst nix, auch wenn sie bisher ihre Frühjahrs- und Herbstprogramme noch“crossmedial“ promoten.

Vom Oligarchen zum Hedgefonds: Britische Buchkette Waterstones wechselt erneut Besitzer

waterstones-schliesst-ebook-storeWaterstones ist Nummer zwei im britischen „Brick & Mortar“-Buchhandel, was die wechselhafte und zugleich kurze Geschichte des Unternehmens angeht, aber wohl unangefochten Nummer eins: erst in den 1980er Jahren von Tim Waterstones gegründet, in den Neunzigern an Branchenführer WHSmith verkauft, seit Ende der Neunziger zwischengeparkt bei der HMV-Holding, am Ende 2011 zum Schnäppchenpreis von 53 Millionen Pfund beim russischen Oligarchen Alexander Mamut gelandet.

Mamut macht ein Millionengeschäft

Stimmen die Gerüchte, hat Mamut damit ein gutes Geschäft gemacht – denn offenbar steht der Weiterverkauf an den US-Hedgefond Elliot Advisors kurz bevor, für einen dreistelligen Betrag irgendwo zwischen 100 und 250 Millionen Pfund. Das arithmetische Mittel beider Marken — also 175 Millionen Pfund — würde ungefähr dem Preis entsprechen, den Amazon-Chef Jeff Bezos in Dollar für den Erwerb der Washington Post gezahlt hat. Tja, Print-Unternehmen sind mittlerweile so eine Art Brilliantbrosche, die man sich ans Revers heftet.

Waterstones hat E-Book-Business aufgegeben

Als Multimilliardär Mamut sich 2011 die Buchkette schnappte, waren Waterstones Boomjahre längst vorbei. Nicht zuletzt wegen der harten Online-Konkurrenz: Im britischen E-Book-Business hatte längst Amazon die Zügel übernommen, kurzzeitig gab es dann auch eine Kooperation, inzwischen ist Waterstones komplett aus dem Geschäft mit elektronischen Bücher ausgestiegen. Das Filialgeschäft dagegen hat sich konsolidiert, mit derzeit 281 Ladengeschäften werden landesweit wieder Gewinne eingefahren. Was ja zumindest eine gute Nachricht in dieser Nachricht ist: das Kerngeschäft namens stationärer Buchhandel lässt sich mit dem richtigen Konzept immer noch profitabel betreiben.

(via The Digital Reader & The Bookseller)

Ambiente, Espresso, Print On Demand, nicht nur für New York: Shakespeare & Co. will landesweit expandieren

shakespeare-and-co-newyork-expandiertBuchhandlungen, die neu eröffnen? In den USA? Und es geht nicht um Amazon? Ja, das gibt es: unter dem Markennamen „Shakespeare & Co“ will Dane Neller, Mitgründer und Chef von „On Demand Books“ eine landesweite Kette aufziehen. Und zwar immer nach dem selben Prinzip: Bücher, Espresso-Bar und Espresso Book Machine – d.h. in den Buchhandlungen können gewünschte Paperbacks aus einem Online-Katalog direkt ausgedruckt werden. Im „Flagship-Store“ an der Lexington Avenue auf Manhattans Upper East Side funktioniert das schon.

In fünf Jahren landesweite Präsenz anvisiert

Bald soll es auch in Boston, Chicago und anderswo funktionieren: „In five years we’d like to be a large national presence,“ so Dane Neller gegenüber Publishers Weekly. Bevorzugt sollen die Filialen im Umfeld von Hochschulen angesiedelt werden, statt großen Buchsupermärkten werden es meist überschaubare Verkaufsräume mit ca. 300 Quadratmeter Fläche sein. Bis Ende 2018 sollen bis zu drei neue Standorte ihre Pforten öffnen.

Shakespeare & Company: eine Idee lebt fort

Schön dabei ist natürlich auch, dass damit die New Yorker Tradition der „Shakespeare & Co.“-Buchläden fortgesetzt wird, die in den 1980er Jahren begann (angeregt wiederum durch die Shakespeare & Company-Buchläden in Paris) — zeitweise gab es ein halbes Dutzend Filialen. Zusammen mit einer Gruppe von Investoren kaufte Dane Neller im Jahr 2015 nicht nur den Markennamen, sondern übernahm auch die Verkaufsflächen des letzen verbliebenen Geschäfts.

Mit neuem Konzept wie auch neuem Corporate Design geht es nun weiter. Die Grundidee aber bleibt bestehen. “Bookstores are about social gathering, expression, intimacy, service, and selection”, beschreibt es Neller. Bücher einfach nur kaufen könne man schließlich auch online. Ein richtiges Einkaufserlebnis, das gebe es aber eben nur in Buchhandlungen vor Ort.

Dramatischer Reichweitenverlust: Buchmarkt verliert vor allem jüngere Leser zwischen 14 und 49 Jahren

Soll Amazon Autoren am Second-Hand Buchhandel beteiligenWenn von „dramatischen“ Entwicklungen auf dem Buchmarkt die Rede ist, geht es normalerweise um Umsatzeinbrüche — doch viel beunruhigender für die Branche sind sich abzeichnende Veränderungen bei Kaufverhalten und Mediennutzung: mehr als 6 Millionen Buchkäufer (wohlgemerkt: Print plus Hörbuch plus E-Book) gingen dem Buchhandel zwischen 2012 und 2016 verloren, zeigen aktuelle Zahlen der GfK, die jetzt vom Börsenverein veröffentlicht wurden. Die „Käuferreichweite“ im Rahmen der Gesamtbevölkerung ging im selben Zeitraum von 54,5 auf 45,6 Prozent zurück.

Intensivkäufer retten Umsatzstatistik

In den Branchenumsätzen spiegelt sich diese Veränderung (noch) nicht entsprechend wieder, offenbar hat die Kaufintensität bei der verbliebenen Kundschaft — den sogenannten „Intensivkäufern“ — deutlich zugenommen, und so die Auswirkungen des Reichweitenverlustes teilweise kompensiert. So jedenfalls muss man wohl die Veränderung bei den Durchschnittswerten interpretieren: Im Jahr 2016 kaufte jeder Buchkäufer im Schnitt Lektüre für 134 Euro ein, 2015 waren es noch 122 Euro.

Lesehäufigkeit bei Jüngeren sinkt signifikant

Eine weiterer Negativtrend dürfte der Branche derweil zusätzliche Sorgen bereiten: neben der absoluten Zahl der Kundschaft ging auch die Lesehäufigkeit kontinuierlich in den Keller: 2013 erklärten noch 38 Prozent der Befragten, täglich oder mehrmals in der Woche zum Medium Buch zu greifen, 2017 gaben das nur noch 32 Prozent an. Besonders stark ist der Rückgang der Lesehäufigkeit bei den Jüngeren, dort ging auch die Zahl der Buchkäufer deutlich zurück, bei der Altersgruppe 14 bis 49 Jahre um satte 32 Prozent.

Das Buch verliert also dort besonders stark, wo altersbedingt die Medienkonkurrenz durch Games, Streaming-Video oder Musikdienste am stärksten ist — auch das elektronische Lesen als neue Option, die auf Smartphone und Tablet flächendeckend verfügbar ist, kann daran leider nichts ändern…

Abb.: flickr/Phil Roeder (cc-by-2.0)