Kategorie-Archiv: Self-Publishing

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Self-Publishing mit Vorschuss: „BookRix Selected“ fördert ausgewählte Indie-Autoren

Self-Publishing bietet nicht nur attraktive Tantiemen, sondern auch größtmögliche Freiheit. Das hat jedoch auch seinen Preis: Auf den klassischen Verlags-Vorschuss mussten Indie-AutorInnen bisher jedoch verzichten. BookRix will nun das beste aus beiden Welten verbinden – die Münchner Self-Publishing-Plattform kündigt an, ausgewählte Talente mit einer Vorfinanzierung zu fördern: „Mit dieser finanziellen Unterstützung liefern wir den Autoren sozusagen einen Vertrauensvorschuss und die Sicherheit sich auf das nächste Projekt konzentrieren zu können“, so BookRix-Gründer Gunnar Siewert. Das „BookRix Selected“ genannte Programm beinhalte zugleich eine intensive Autoren-Betreuung: „Um den Autor optimal aufzubauen, begleitet ihn das BookRix-Team im gesamten Bucherstellungsprozess und steht ihm mit Rat und Tat zur Seite“.

Bei der Auswahl geeigneter Autoren vertraut BookRix auf das „Stimmungsbild und Gespür der Leser“ – die BookRix-Community ist inzwischen auf mehr als 500.000 Mitglieder angewachsen. Ähnlich macht es bereits Amazon – spezielle Förderprograme wie etwa „Amazon Encore“ oder „Amazon Crossing“ werten auf der Suche nach Talenten die Leserrezensionen und Buchbewertungen aus.

Während der Online-Händler mit seinen vielen Imprints jedoch längst zum Verlag mutiert, schlägt BookRix einen etwas anderen Kurs ein: „Wir stehen nach wie vor für die Grundsätze des Self-Publishings, wie die Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit all unserer Autoren. Folglich gibt es auch keine Restriktionen unsererseits, wie es bei traditionellen Verlagen oft der Fall ist“, beteuert Siewert. „Wir möchten vielmehr fließende Grenzen schaffen und uns mit diesem Programm in der Mitte des Marktes positionieren“.

Klappt das, dürfte wohl tatsächlich etwas ganz neues entstehen, denn auch manche Self-Publishing-Plattformen wie etwa NeoBooks (gegründet von Droemer-Knaur) setzen bisher schließlich darauf, dass erfolgreich ausgescoutete Indie-Autoren am Ende einen Verlagsvertrag in der Tasche haben. Die Zukunft – das zeigt der aktuelle Vorstoss von BookRix – könnte dagegen mitten zwischen Amazon und den Traditionalisten liegen, jenseits der alten und neuen Gatekeeper.

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Pubslush: Crowdpublishing-Plattform für Autoren, Agenten & Verlage

Das Pre-Order-Modell funktioniert mit Musik genauso gut wie mit Literatur – doch während spezialisierte Crowdfunding-Plattformen à la Sell-A-Band oder SonicAngel längst etabliert sind, reagiert die Buchbranche mal wieder sehr zögerlich auf diesen neuen Trend (obwohl es eigentlich, siehe Subskription, gar kein so neuer Trend ist). Immerhin gibt es aber Ausnahmen: Die britische Plattform Unbound war schon lange Zeit Vorreiter auf dem Gebiet Crowdpublishing, mit Pubslush drängt aber seit kurzem auch eine US-Plattform auf den internationalen Markt. Pubslush versteht sich als „global crowdfunding and analytics platform for books“, und hat sich vor allem zwei Ziele gesetzt: das Verlegen von Büchern soll demokratischer, aber auch sozialverträglicher werden. Für jeden via Pubslush verkauften Titel wird ein Kinderbuch an bedürftige Kinder in aller Welt gespendet.

Doch auch völlig abgesehen vom philanthropischen Impuls scheint Pubslush alles richtig zu machen: integrativer Bestandteil ist eine wachsende Community aus Lesern/Unterstützern und Autoren, dank Flexible Funding statt Alles-oder-Nichts sind die Chancen zur Realisierung eines Projekts sehr gut, es stehen ausgefeilte Analyse-Tools zur Verfügung, um den Erfolg zu messen, und auch die Gebühren für eine Crowdpublishing-Kampagne sind mit 4 Prozent sehr niedrig. Außerdem wendet sich Pubslush nicht nur an Self-Publisher, sondern explizit auch an Agenten und Verlage – sie können ein eigenes Profil anlegen und für ihre Projekte von Anfang an Feedback aus der Crowd sammeln, von Likes und Kommentaren bis hin zu konkreten Vorbestellungen.

Fehlt eigentlich nur noch eine deutsche Crowdpublishing-Plattform, um dieses Modell endlich mal auf hiesige Verhältnisse zu übertragen. Bisher bleiben Autoren ja eigentlich nur zwei Möglichkeiten – eher journalistisch ausgelegte Projekte versuchen ihr Glück bei „Krautreporter“, alle anderen tummeln sich bei Universal-Plattformen wie Startnext. Gerade letztere hat schon eine beträchtliche Community um sich geschart, und einzelne Self-Publisher konnten dort zuletzt sogar fünfstellige Summen einsammeln. Doch inzwischen sollte der Markt auch reif sein für eine genuine Krautpublishing-Lösung – vielleicht erleben wir ja den Startschuss sogar schon auf der kommenden Buchmesse…

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Self-Publishing-Rekord: Via Smashwords wurden bereits 250.000 E-Books veröffentlicht

„Vor fünf Jahren galt Self-Publishing noch als letzter Ausweg für Autoren – heute ist es die erste Wahl“, freut sich Mark Coker auf dem Smashwords-Blog. Und darf sich dafür auch selbst auf die Schultern klopfen. Seit 2008 avancierte die von ihm gegründete Plattform nämlich zur erfolgreichsten Self-Publishing-Adresse im Web – bis September 2013 wurden sage und schreibe 250.000 Titel veröffentlicht, was laut Smashwords-Statistik mehr als 8 Milliarden Wörtern entspricht. Zu verdanken hat Coker die Inspiration für sein Geschäftsmodell letztlich der traditionellen Buchbranche – verschiedene Verlage hatten nämlich das Manuskript für seinen Roman „Boob Tube“ immer wieder abgelehnt.

Inzwischen haben sich die Machtverhältnisse deutlich verschoben – immer mehr Titel der New York Times-Bestseller-Liste kommen von Indie-Autoren, darunter viele Smashwords-Nutzer. „Das Stigma des Self-Publishings schmilzt dahin, während das Stigma des traditionellen Verlagsgeschäfts zunimmt“, urteilt Coker zu recht. Daran ist er selbst wohl auch nicht ganz unschuldig. Dank der Auswertung von Smashword-Statistiken wissen wir etwa, dass Verlage mit ihrem hoch angesetzten Pricing den Autoren finanziell schaden können. Denn der „Sweet Spot“ mit maximalen Verkaufszahlen und maximalem Umsatz liegt deutlich niedriger als der normalerweise verlangte Durchschnittspreis.

Inzwischen erlaubt Smashwords auch den Upload von epub-Dateien, was die Benutzung deutlich komfortabler macht als in der Anfangszeit. Entscheidend zum Erfolg der Plattform beigetragen hat wohl vor allem die breit angelegte Distribution im Online-Buchhandel – mit Amazon, Barnes&Noble, iBooks & Co. sind alle wichtigen Vertriebskanäle mit dabei. Demnächst kommt sogar ein besonders trendiger Kanal hinzu – Smahswords-Titel werden ab Oktober auch über die neue Flatrate-App „Oyster“ erhältlich sein, dem „Spotify für E-Books“.

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Amazon abwählen: Neobooks erlaubt freie Wahl der Distributionskanäle

Gute Nachrichten für Indie-Autoren: die Self-Publishing-Plattform Neobooks erlaubt zukünftig die freie Wahl der Distributionskanäle. Bereits seit dieser Woche kann man als Option den Vertrieb über Amazons Kindle-Store abwählen – was vielen Autoren entgegenkommen dürfte, deren E-Books über KDP bereits gut laufen. Bisher mussten sie bei der Inanspruchnahme eines „General-Distributors“ ohne freie Shop-Wahl die selbst dort eingestellten Titel wieder löschen, womit natürlich auch das Ranking, Bewertungen und Rezensionen verloren gingen. Damit gewinnt Neobooks deutlich an Attraktivität – das von Droemer-Knaur gegründete Portal hat ohnehin einige Vorteile: etwa die kostenlose Vergabe von ISBN-Nummern, aber auch tagesaktuelle Verkaufsstatistiken für alle Kanäle.

Freie Shop-Wahl bisher nur bei Xinxii & feiyr

Einzelne Shops ausschließen konnte man in Deutschland bisher nur bei Xinxii und dem Newcomer feiyr – musste dort allerdings wiederum andere Nachteile in Kauf nehmen. So wird etwa bei Xinxii keine für die Distribution notwendige ISBN gestellt, der selbständige Kauf bei der deutschen ISBN-Agentur ist für Self-Publisher ohne (Verlags-)Gewerbeschein jedoch sehr teuer. Bei dem eigentlich auf Indie-Musik spezialisierten Distributor feiyr erhält man zwar eine ISBN für günstige 50 Cent, dafür werden aber bisher überhaupt keine Verkaufsstatistiken angezeigt (angekündigt für den „Beginn des dritten Quartals“!?).

Auf der Suche nach dem perfekten Distributor

Den wirklich perfekten Distributor gibt’s aber leider immer noch nicht – so muss man bei Neobooks bisher E-Book-Dateien im Word-Format hochladen und umständlich im Online-Editor nachformatieren, der Direkt-Import von fertig gelayouteten epubs ist nicht möglich. Außerdem werden die E-Books in den einzelnen Shops nur mit DRM angeboten. Wie schwer die Qual der Wahl des richtigen Distributors fällt, zeigt auch der tabellarische Vergleich, den Matthias Matting vor einiger Zeit auf selfpublisherbibel.de gepostet hat – immerhin hat Neobooks nun aber wieder einen Pluspunkt mehr als die übrigen Anbieter.

Abb.: Screenshot

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Kein Goldrausch: Deutsche Self-Publisher verdienen durchschnittlich 312 Euro pro Monat

„Kann man denn davon leben“? Diese Frage müssen sich nicht nur Verlagsautoren gefallen lassen, sondern auch Self-Publisher. Natürlich kennen wir mittlerweile auch in Deutschland zahlreiche Indie-Erfolgsstories – doch was ist mit der breiten Masse? Matthias Matting (selfpublisherbibel.de) und Hilke-Gesa Bußmann (Uni Frankfurt) wollten es genauer wissen, und starteten im Mai eine ausführliche Online-Umfrage. Nun liegen die ersten Ergebnisse vor: Von den mehr als 500 Teilnehmern gab fast die Hälfte an, monatlich nicht mehr als 50 Euro einzunehmen. Nur 20 Self-Publisher (=4 Prozent) gaben an, mehr als 2000 Euro zu erzielen. Als durchschnittliche Monatseinnahmen ergeben sich recht magere 312 Euro. „Für die Mehrheit scheint Self-Publishing noch nicht zu einer signifikanten Einnahmequelle geworden zu sein“, resümieren Matting und Bußmann.

Geld ist für die Self-Publisher nicht alles

Rechnet man die 4 Prozent Gutverdiener jedoch auf die ungefähre Gesamtzahl der Independent-Autoren in Deutschland hoch, wird es interessant – mittlerweile würden nämlich bis zu 70.000 Personen im Selbstverlag publizieren, schätzen Matting und Bußmann. Sind die Zahlen der Umfrage wirklich repräsentativ, gäbe es somit knapp 2.800 Indie-Autoren, die vom Schreiben leben können. Tatsächlich steht das liebe Geld bei der Motivation von Self-Publishern auch ganz oben – denn 47 Prozent nennen es als Grund für ihre Aktivitäten. Doch es gibt auch starke nicht-materielle Motive: „Selbstverwirklichung“ bzw. „Bekannt werden“ oder „Weil ich etwas zu sagen habe“ kommen auf Werte zwischen 35 und 40 Prozent. Für ebenfalls 35 Prozent ist Self-Publishing ein Hobby.

International verdienen Indie-Autoren etwas mehr

International liegen die deutschen Self-Publisher zwar etwas zurück, müssen sich aber durchaus nicht verstecken – das zeigen die Zahlen des Self-Publishing-Reports der Autorenplattform taleist.com aus dem Jahr 2012 („Not a Gold Rush – The Taleist Self-Publishing Survey“), an der knapp 1000 Personen teilnahmen. Demnach verdienen Self-Publisher im englischen Sprachraum im Schnitt 10.000 Dollar pro Jahr, das sind umgerechnet knapp 640 Euro pro Monat. Der „Long Tail“ von Geringverdienern ist jedoch auch hier auffällig: mehr als die Hälfte kommt auf weniger als 500 Dollar pro Jahr, und ein Viertel der selbstverlegten Bücher deckt am Ende nicht mal die Kosten. Der Löwinnenanteil fließt an die oberen 10 Prozent – denn das sind zu zwei Drittel nicht Autoren, sondern Autorinnen. Ob das in Deutschland auch so ist?

Abb.: flickr/Giulia Bartra (cc)

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Self-Publishing-Boom in GB: Populäre Genres erreichen 20% Marktanteil

Neben den USA gehört Großbritannien in punkto E-Books zu den Vorbild-Nationen – das zeigt sich nun auch beim digitalen Self-Publishing-Boom: bei populären Genres wie Krimi, Science-Fiction, Herzschmerz und Humor liegt der Marktanteil selbst verlegter Titel bereits bei 20 Prozent. Das belegen aktuelle Zahlen von Bowker Market Research, die letzte Woche auf der Konferenz „Writing in a Digital Age“ vorgestellt wurden. Demnach machen Self-Publishing-Titel zwar erst 2 Prozent des gesamten Buchmarkts im Vereinigten Königreich aus. Rechnet man jedoch gedruckte Bücher heraus, liegt der Anteil bereits bei 12 Prozent. Verengt man weiter auf Belletristik und Sachbuch, steigt die Zahl auf 14 Prozent.

Vor allem Frauen lieben Indie-Lektüre

Besonders nachgefragt sind offenbar alle Genres, die sich für die entspannte Freizeitlektüre auf dem E-Reader eignen, und vor allem von von Frauen gelesen werden. Denn die neuen Zahlen von Bowker belegen auch: mit 68 Prozent sind Leserinnen die besten Kunden der Indie-Autoren. Das ist im doppelten Sinne überdurchschnittlich – denn in Großbritannien werden E-Books ohnehin zu 58 Prozent von Frauen gekauft. Self-Publishing-Titel kommen bei ihnen also ganz besonders gut an. Zugleich scheinen die Independent-E-Books gerade bei Viellesern begehrt zu sein – denn 61 Prozent der Käufer geben an, täglich zu schmökern.

Niedriger Preis steigert Nachfrage

Die Lesewut ist wahrscheinlich auch ein Grund, besonders auf den Preis zu schauen. Wohl nicht ganz zufällig nennen die Käufer von Self-Publishing-Titeln das Pricing als Kaufkriterium Nummer eins, während bei E-Books allgemein Autor und Thema an erster Stelle stehen. Die boomende Nachfrage bei Self-Publishing-Titeln macht sich mittlerweile auch in der Gesamtbilanz der Branche bemerkbar – denn insgesamt kann das E-Book-Segment (anders als etwa in Deutschland) so Verluste bei Printbüchern mehr als nur ausgleichen. Einem Minus von 1 Prozent bei gedruckter Lektüre stand so im Jahr 2012 inklusive E-Books ein Wachstum von 4 Prozent gegenüber. Wichtig für das Wachstum ist aber auch die Geräteplattform: Knapp 10 Millionen Briten besitzen einen E-Reader, bereits 15 Millionen nutzen ein Tablet.

(via The Guardian & emarketer.com)

Abb.: Flickr/gagilas (cc)

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Selbst verlegt in die Sachbuch-Bundesliga: „Meconomy“ von Markus Albers 3.700 mal verkauft

Der Autor als eine Art Ich-AG 2.0: Für Markus Albers nichts Neues. Mit „Meconomy“ testete der Journalist & Sachbuchautor schon Anfang 2010 einen neuen Trend, und mutierte vom Verlagsautor zum Self-Publisher. Was auch perfekt zum Thema des Buches passte, denn schließlich geht es in Meconomy darum „wie wir in Zukunft leben und arbeiten werden“ – und dazu gehören nun mal neue Formen der Selbständigkeit. Anfangs gab’s Meconomy sogar ausschließlich als E-Book, erst nach zwei Monaten folgte eine Print-Version via epubli, später kam noch eine Hörbuchversion dazu. Doch das Wagnis hat sich gelohnt: inzwischen hat sich Meconomy mehr als 3.700 mal verkauft, teilte Albers jetzt auf seinem Blog mit: „Das gilt für alle Formate zusammen, also PDF, EPUB, iPhone- und iPad-App, PoD, Kindle, Hörbuch. Als es noch zwischen 1000 und 2000 Exemplaren waren, habe ich in Interviews immer gesagt, das sei doch ‚ganz respektabel‘. Jetzt sage ich: ‚Yeah!'“.

Manche werden natürlich eher sagen: „So what!?“. Im Vergleich zu den aktuellen Senkrechtstartern im deutschen Kindle-Shop klingt das nämlich gar nicht nach einem Megaseller: Amazon zufolge haben schließlich schon 15 Self-Publisher mehr als 50.000 Exemplare via KDP verkauft. Jenseits von Herzschmerz, Zombie-Apokalypsen und Serienmörderserien gelten jedoch andere Regeln – Sachbücher haben es deutlich schwerer als Belletristik, erst recht wenn sie etwas anspruchsvoller bepreist werden (im Fall von Meconomy: E-Book 9,99 Euro / Print-Version 16,90 Euro). „Mein Erstling ‚Morgen komm ich später rein‘ hat seit Erscheinen Ende 1998 knapp 5000 verkauft. Und das war ein Wirtschaftsbestseller (laut Charts des Manager Magazin). Insofern spielt Meconomy inzwischen durchaus in der Bundesliga mit“, schätzt Markus Albers. Und gibt außerdem zu bedenken, dass er bei den elektronischen Ausgaben auf DRM verzichtet hat – die tatsächliche Leserzahl dürfte also deutlich höher liegen. Ein Faktor, den Albers einkalkuliert hat: „Ich habe das absichtlich so gemacht, weil ich nicht an Kopierschutz glaube, und weil ich möchte, dass die Ideen von Meconomy sich so weit wie möglich verbreiten“.

Die Investitionen vom Lektorat über Layout bis hin zur Distribution habe Meconomy auf jeden Fall eingespielt, bilanziert der Autor. Mal abgesehen von der Arbeitszeit, die für das Schreiben drauf ging. Doch die entlohnt zu bekommen, „klappt in der Regel mit Büchern sowieso nicht“, meint Albers. Übrigens: Als kleines Dankeschön an seine Leser hat Markus Albers ab sofort den Preis der PDF-Version auf 3,99 Euro (statt zuvor 9,99 Euro) gesenkt, die Hörbuch-Version von Meconomy gibt’s jetzt für 3,95 Euro (statt zuvor 12,90 Euro).

Abb.: www.markusalbers.com

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„Kindle Worlds“ ergänzt KDP: Amazon koppelt Fanfiction & Self-Publishing

„Kindle Worlds“ heißt Amazons neuestes Self-Publishing-Projekt – es richtet sich speziell an die Fanfiction-Gemeinde. Die Plattform erlaubt es erstmals, mit Fanfiction legal Geld zu verdienen, denn Amazon hat sich von Warner Bros. die notwendigen Lizenzen von zunächst drei in den USA populären Serien gesichert: „Gossip Girl“, „Pretty Liars“ sowie „Vampire Diaries“. Weitere sollen folgen. Kreative Fans, die entsprechende Spin-Offs mit mindestens 10.000 Worten produzieren, erhalten von den Einnahmen eine 35-Prozent-Tantieme. Die ersten Franchise-Fiktionen sind schon in Arbeit – Amazon hat bei Edelfedern wie Barbara Freethy oder Colleen Thompson insgesamt 50 Fanfictions rund um die lizensierten Figuren in Auftrag gegeben. Ab Juni 2013 wird man sie im Kindle Worlds Store erwerben können – ab dann können Self-Publisher auch ihre eigenen Storys auf der KDP-ähnlichen Plattform von Kindle Worlds einreichen.

Fanfiction ist urheberrechtlich vermintes Gelände

Voraussetzung ist dabei, dass man die jeweiligen „Content Guidlines“ und Franchise-Klauseln beherzigt. Fanfiction ist schließlich ein urheberrechtlich vermintes Gelände. Nicht nur die Autoren wachen argwöhnisch über alle Abwandlungen und Spin-Offs, die aus ihren Ideen entstehen. Die Unterhaltungsindustrie versteht erst recht keinen Spass, denn schließlich geht es auch um’s große Geld. Früher war das anders, denn da fand „Fanfic“ bzw. „FF“ vor allen in obskuren Fanzines statt – doch im Web haben populäre Figuren von Captain Kirk und Mr. Spock bis zu Vampirjägerin Buffy ein kaum noch überschaubares Eigenleben entwickelt. Das zeigt alleine ein Blick auf die Non-Profit-Plattform FanFiction.Net: mehr als zwei Millionen User sind dort aktiv, die Zahl der einzelnen Stories hat ebenfalls längst die Millionengrenze gesprengt.

Populärkultur war nie eine Einbahnstraße

Am beliebtesten sind Harry Potter (mehr als 600.000 Fanfictions), die Manga-Serie Naruto (330.000 Fanfictions) sowie die Twilight-Saga (200.000 Fanfictions). Auf den ersten Blick höchst erstaunliche Zahlen. Doch Populärkultur war eben noch nie eine Einbahnstraße: nicht nur X-Boxes oder Ikeamöbel werden gehackt und gemoddet, auch den Plots und Figuren der großen Serien rücken die User zu Leibe. „Sie sind Fans, aber sie sind nicht stumme Couchpotatoes, die Medien nur konsumieren. Die Kultur spricht zu ihnen, und sie sprechen in ihrer eigenen Sprache zurück“, beschrieb es etwa Autor & Kritiker Lev Grossmann vor einiger Zeit mal im TIME-Magazine. Der Cultural-Studies-Begründer Stuart Hall sah die Populärkultur sogar als die zentrale „Arena“, in der die Massen mit den Mächtigen um die kulturelle Deutungshoheit ringen.

„Feilt die Fahrgestell-Nummer heraus“

Gestärkt durch das Urheberrecht sitzt die Kulturindustrie bei diesem Powerplay allerdings am längeren Hebel – Kindle Worlds bildet da keine Ausnahme. Wird eine besonders gelungene Kindle-Fanfiction beispielsweise erfolgreich verfilmt, sieht der Amateur-Autor keinen einzigen Cent. Wer mit Fanfiction richtig Geld verdienen möchte, sollte insofern besser Kindle Worlds meiden und stattdessen den Rat von WIRED beherzigen: „Macht es wie E.L. James und feilt die Fahrgestell-Nummer heraus“. Mit anderen Worten: wandelt die Geschichte so ab, dass sie optisch, aber auch juristisch nicht mehr als Fanfiction gilt. Bei der an die Twilight-Saga von Stephenie Meyer angelegten Romanserie „50 Shades of Grey“ hat das ja bekanntlich sehr gut geklappt…

Abb.: Screenshot

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„Wir brauchen ein Post-Sci-Fi-Genre“: Alan N. Shapiro übersetzt Klaus Seibels Bestseller „Krieg um den Mond“

Was macht eine uralte Schraube auf dem Erdtrabanten? Als der Mond-Rover der NASA das seltsame Artefakt auf dem Erdtrabanten entdeckt, überschlagen sich die Ereignisse: mit allen Mitteln versuchen die Amerikaner, das Geheimnis für sich zu behalten. Doch die Bilder der Rover-Kamera wurden live ins Internet übertragen – und zu den „Augenzeugen“ gehört Astrophysikerin Anne Winkler, Praktikantin bei der Europäischen Weltraumbehörde ESA. Es beginnt ein globaler Wettlauf um die Daten und ihre Deutung, und zugleich ein neues Wettrennen der Supermächte: wer wird das Artefakt bergen? Neben den Europäern tritt nicht nur Russland, sondern auch China auf den Plan. Es ergeben sich ungewöhnliche Allianzen, und ungeahnte Chancen: die ESA-Praktikantin wird für eine internationale Mondmission nominiert – doch damit beginnt erst das eigentliche Abenteuer.

Transatlantische Sci-Fi-Kooperation

Was wie der Plot eines Sci-Fi-Thriller aus den USA klingt, stammt tatsächlich aus der Feder des deutschen Bestseller-Autors Klaus Seibel: der Roman „Krieg um den Mond“ ist seit letztem Jahr im Kindle-Store von Amazon.de zum Bestseller avanciert. Doch die USA spielt trotzdem eine wichtige Rolle: „Krieg um den Mond“ hat nämlich gerade den Sprung über den großen Teich angetreten – unter dem Titel „The Screw on the Moon“ startete das Buch vor wenigen Tagen im US-Kindle-Store. Besonderer Hingucker: Als Übersetzer konnte Klaus Seibel den prominenten Science-Fiction- und Medientheoretiker Alan N. Shapiro gewinnen, vielen Trekkies bekannt durch den Klassiker „STAR TREK: Technologien des Verschwindens“.

„Ich kannte Alan Shapiro von einem anspruchsvollen technischen Übersetzungsprojekt. Von daher wusste ich, dass er sich wissenschaftlich mit Science Fiction beschäftigt“, so Klaus Seibel über diese ungewöhnliche Sci-Fi-Kooperation quer über den Atlantik. „Ich dachte, jemand, der am MIT studiert hat und ein wissenschaftliches Buch über Star Trek geschrieben hat, muss ein außergewöhnlicher Mensch sein, der auch für ungewöhnliche Ideen offen ist“. Als Shapiro das nächste Mal nach Deutschland kam, stellte ihm Seibel das Projekt vor: „Alan erklärte sich bereit, ‚Krieg um den Mond‘ zu lesen – und für mich begann das spannende Abwarten. Wie würde er es aufnehmen?“

„Gegenwart braucht ein Post-Science-Fiction-Genre“

Tatsächlich gefiel Shapiro nicht nur die Story selbst, sondern auch die Idee, sie zu übersetzen und dem amerikanischen Publikum zugänglich zu machen. „Es ist ein beeindruckend gut geschriebener Roman, ausgedacht von einem Autor, der ganz offensichtlich ein sehr gutes Gespür für Erzähltechniken besitzt“, so Shapiro über Klaus Seibel und dessen Mond-Roman. „Das Buch ähnelt dem Science-Fiction-Genre, unterscheidet sich aber auch zugleich von den meisten Sci-Fi-Narrativen, so wie wir sie kennen“, findet der Übersetzer von „The Screw on the Moon“. Gerade weil Seibels Geschichte nicht in die klassische Schublade passe, habe ihn das Project gereizt: „Ich glaube, genau diese Art der Fiktion brauchen wir in der Gegenwart des Jahres 2013: so etwas wie ein ‚Post-Science-Fiction‘-Genre.“

„Quasi-realistische Gegenwart“

Dazu zählt Shapiro auch Seibels letzten Thriller „Schwarze Energie“, der am Genfer Kernforschungszentrum CERN spielt. Beide Romane würden mit sehr viel Vorwissen an Themen wie Wissenschaft, Technologie, Gesellschaft oder Geo-Politik herangehen, zugleich aber auch an die alltäglichen persönlichen Krisen, wie sie das stressige Leben im 21. Jahrhundert mit sich bringt. „Diese Storys sind in einer quasi-realistischen Gegenwärt angesetzt, nicht in einer imaginären oder fantastischen Zukunft. Sie halten sich bei der Beziehung zwischen dem, was ist, und dem was sein könnte, sehr genau an die komplexe Topologie unserer aktuellen Raum-Zeit-Konfiguration“.

„Deutsche Sci-Fi auf Augenhöhe mit US-Meistern“

Raum und Zeit sind natürlich auch davon beeinflusst, dass Seibel in Europa lebt. So spielt „Krieg um den Mond“ nicht nur im Kennedy Space Center von Cape Canaveral, sondern vor allem im hessischen Darmstadt, Sitz des „European Space Operations Centre“ der ESA. „‚The Screw on the Moon‘ zeigt, dass Sci- Fi in deutscher Sprache, angesiedelt im europäischen Sozial- und Technik-Kontext, sich auf Augenhöhe bewegt mit Werken von Berühmtheiten wie Philip K. Dick, Samuel R. Delany, Arhur C. Clarke oder Isaac Asimov“, lobt Shapiro. Außerdem seien die in Seibels Romanen enthaltenen Ideen eine Inspirationsquelle, um neu über die soziale und technologische Gegenwart nachzudenken: „Deswegen war es wichtig für mich, das Buch selbst zu übersetzen – ich habe mich dabei bemüht, eine Balance zwischen meinem American English und dem Flavor des Originals zu finden.“

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Smashwords E-Book Analyse: Wie wird ein Buch zum Bestseller?

Die populäre US-Plattform Smashwords hat letzte Woche eine Analyse von Erfolgsfaktoren für E-Books von Selfpublishern und Kleinverlagen veröffentlicht. Datenbasis sind 120.000 E-Books mit einem Umsatz von 12 Millionen Dollar, schwerpunktmäßig auf dem amerikanischen Markt.

Hier die Ergebnisse in Kurzform:

  • Viele E-Books verkaufen sich kaum, aber die, die sich verkaufen, tun es sehr gut. Rang 1 verkauft sich doppelt so gut wie Rang 5 und 37 mal so gut wie Rang 500, wobei 500 auch schon nicht schlecht ist. Es ergibt sich eine sehr steil abfallende Kurve, die dann lange ausläuft.
  • Lange Bücher verkaufen sich besser als kurze. Die besten 100 E-Books haben eine durchschnittliche Länge von 115.000 Wörtern. Das kann besonders denen zu denken geben, die ihre Geschichte in viele kleine Häppchen aufteilen.
  • Kürzere Titel werden gegenüber längeren leicht bevorzugt.
  • Die meisten E-Books werden in einer Preisrange von 0 – 2,99 Dollar angeboten.
  • Günstige E-Books werden häufiger gekauft als teure. Kostenlose werden etwa 97 mal häufiger heruntergeladen als andere (was nicht heißt, dass sie auch so oft gelesen werden). Eine Überraschung ist, dass E-Books zwischen 1,00 und 1,99 Dollar außergewöhnlich schlecht laufen.
  • Am häufigsten werden E-Books zu 3,99 Dollar gekauft. Das ist die zweite Überraschung. Vermutet wird, dass Leser nicht nur auf den Preis sehen, sondern GUTE Bücher wollen – und dass sie auch wissen, dass Qualität einen Preis hat, und bereit sind, ihn zu bezahlen. Bei höheren Preisen nehmen die Verkaufszahlen wieder ab. Daraus folgt fast zwangsläufig, dass Autoren mit einem Preis von 3,99 Dollar durchschnittlich am meisten verdienen.
  • Dieses Preis-Verkaufs-Verhältnis offenbart den Wettbewerbsvorteil von Indie-Autoren gegenüber Verlagsautoren. Ein Verlag muss sehr viel teurer anbieten, damit der Anteil seiner Autoren vergleichbar hoch ist und er gleichzeitig seine Kosten decken kann, was sich aber in schlechteren Verkaufszahlen niederschlägt.
  • Diese Ergebnisse sollten nicht dazu verleiten, dass man seine Story bis auf die „ideale“ Länge aufbläht, sie mit einem kurzen Titel zu 3,99 Dollar anbietet – und dann automatisch Erfolg hat. Entscheidend bleibt eine mitreißende Geschichte in hoher Qualität. Außerdem hat jeder Markt seine eigene Dynamik, aber einige Denkanstöße kann man vielleicht doch gewinnen.

Wer die ganze Studie lesen möchte, findet sie hier: http://blog.smashwords.com/2013/05/new-smashwords-survey-helps-authors.html

Abb.: Smashwords