Sollten Smartphones an Schulen komplett verboten werden? Frankreich plant Bann für Mobiltelefone ab September 2018

bitkom-sagt-smartphone-und-app-boom-vorausFast jeder Schüler hat heutzutage einen Mini-„PC“ mit Touchscreen in der Tasche, doch nutzen darf er ihn in vielen Fällen nicht — denn immer öfter verhängen einzelne Schulen oder auch gleich ganze Länder via Erlass ein Smartphone-Verbot. Bei unseren Nachbarn jenseits des Rheins steht gerade so etwas an, dabei geht es um ein Wahlversprechen: der französische Staatspräsident Macron hatte schon während seiner Prädidentschaftskampagne einen generellen „Smartphone-Bann“ an öffentlichen Schulen versprochen.

Der könnte nun ab September vom nationalen Bildungsministerium umgesetzt werden: dürfen bisher Smartphones zumindest in der Pause genutzt werden, würde dann ein komplettes Verbot bestehen. Also das genaue Gegenteil von „Bring your own device“. Die offizielle Begründung: der zuständige Minister Jean-Michel Blanquer spricht von einem „Problem für die öffentliche Gesundheit“, Kinder und Jugendliche sollten diesem Medium so wenig wie möglich ausgesetzt werden, Kinder unter sieben Jahren überhaupt nicht.

Derzeit haben acht von zehn französischen Schülern ein Smartphone im Schulranzen, und das hat Auswirkungen: schon seit längerem schlagen Pädagogen Alarm, das Smartphone sei eine Art „Geißel“ des Bildungssystems, das sowohl die intellektuelle Entwicklung wie auch das soziale Zusammenleben stören würde. Anders als in Deutschland, wo Bildung Sache der Bundesländer ist, würde ein Verbot durch das Ministerium auf einen Schlag auf nationaler Ebene gelten.

(via Lemonde.fr)

Abb.: Glenn3095 (Public Domain/cc-0)

Donalds kleine Strolche außer Rand & Band: Wikileaks „leakt“ Raubkopie von „Fire and Fury“ via Twitter

wikileaks-leakt-fire-and-furyDie berühmt-berüchtigte Enthüllungsplattform Wikileaks verbindet schon seit längerem eine … nun ja … ganz besondere Freundschaft mit ausgewählten Mitgliedern der präsidialen Familie Trump, nun kommt ein neues Kapitel dieser absurden Beziehungsgeschichte hinzu: Michael Wolffs Enthüllungsbuch „Fire and Fury“, gespickt mit deftigen Zitaten von und über „The Donald“, ist als PDF-Version von Wikileaks im Internet „geleakt“ worden, berichtet die Washington Post.

Tweet verlinkt auf Google Drive

„Full text of controversial book on Trump, ‚Fire and Fury‘, by Michael Wolff, leaks onto internet“, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Tweet von Wikileaks, gefolgt von einem Link in Richtung Google Drive. Dort konnte man zeitweise ein PDF der Printversion öffnen, mittlerweile heißt es dort jedoch nur noch: „We’re sorry. You can’t access this item because it is in violation of our Terms of Service.“ Tja. Soviel dazu.

Muss man dieses Buch überhaupt „leaken“?

Doch warum muss man ein Buch, das online zum Beispiel auch für jedermann als E-Book via Amazon downloadbar ist, eigentlich „leaken“? Verständlich wäre das vielleicht, wenn das Buch auf dem Index landet und eingestampft werden muss — doch danach sieht es derzeit absolut nicht aus. Ganz im Gegenteil: auch die internationale Vermarktung des von der Little, Brown Book Group veröffentlichten Orignals schreitet voran, im Februar erscheint etwa eine deutsche Version bei Rowohlt.

E-Book-Versionen sorgen für unerschöpfliche Verfügbarkeit

Auch Lieferschwierigkeiten gibt es dank der E-Book-Ausgabe eben nicht, anders als es früher der Fall gewesen wäre, selbst wenn alle Printexemplare auf einen Schlag ausverkauft wären, könnte via E-Book-Version die zusätzliche Nachfrage problemlos befriedigt werden. Bleibt eigentlich nur ein Motiv: Julian Assange und seine Freunde wollte einen Publicity-Stunt landen. Was ja auch mal wieder gelungen ist, erneut mit indirekter Hilfe von Trump …

Stell‘ deinen PC in den Schatten: High-End-Cloud-PC „Blade Shadow“ kommt bald nach Deutschland

shadow-cloud-pcWenn 5.000 Franzosen ihren (Gaming-)PC gegen eine kleine Box mit USB-, Ethernet- und Kopfhörer-Anschlüssen eintauschen, macht das noch keinen Sommer. Doch auf der CES in Las Vegas sorgt nun das französische Startup Blade mit seinem „Shadow“-PC aus der Rechnerwolke weltweit für Aufsehen: für eine Handvoll Dollars (oder Euros) abonniert man einen High-End-Windows-10-Rechner in der Cloud, auf den dann via Smartphone, Tablet oder (hehehe) PC bzw. Laptop (aber eben einen langsamen, alten) zugegriffen wird. An Ausstattung wurde dabei nicht gespart, der Remote Desktop glänzt mit Nvidia Grafikchip, Vierkern-Intel-Xeon CPU, 12 Gigabyte RAM und 265 Gigabyte SSD-Drive.

Schluss mit Latenzzeit-Problemen

Übliche Probleme solcher „Blade“-PCs wollen die Pariser Cloud-PC-Konstrukteure endgültig ausgemerzt haben, insbesondere die Latenzzeiten bei der Eingabe von Daten auf dem entfernten Rechner wie auch ruckelige Bilder bei HD-Filmen und HD-Games (dem Startup zufolge werden 144fps (HD) or 60fps (4K) erreicht) sollen nun der Vergangenheit angehören. Spätestens ab März 2018 soll der Service von Blade auch für deutsche Kunden zur Verfügung stehen.

Für normale Büroanwendungen klingt die Performance zwar ein bisschen überkandidelt, das Konzept an sich aber verspricht sicherlich auch für Nicht-Gamer diverse Vorteile: da Blade den Rechner auf dem neuesten Stand hält, muss man selbst nie wieder das Betriebssystem updaten. Und Anwendungssoftware muss man nur einmal installieren, und kann sie dann von überall aus nutzen, egal ob dort nun ein Windows-, Mac- oder Linux-Rechner steht.

Shadow-Box verbindet Tastatur, Maus oder HD-Bildschirm

Wer nicht nur via Touchsceen oder Browser auf dem Laptop zugreifen möchte, muss noch etwas mehr Geld auf den Tisch legen, gegen Aufpreis erhält man die Shadow-Box, um Peripherie-Geräte wie Tastatur, Maus, Spiele-Controller, Audio-Zubehör und einen HD-Bildschirm anzuschließen.

Ach ja, übrigens: regelmäßige Gebühren, Netzwerk-Terminal, Frankreich… Da fällt einem ja irgendwie gleich „Minitel“ ein, made by France Télécom. Nicht ganz zufällig kommt wohl nun auch das neueste Konzept eines Schatten-PCs aus Frankreich: schon Anfang der 1980er haben die Eltern und Großeltern der heutigen Gamer dort ihre ersten Erfahrungen mit „Cloud-Computing“ und sogar „Cloud-Gaming“ gemacht, noch bevor ein „richtiger“ PC oder Heimcomputer in ihrer Wohnung stand… Für die Enkel gibt’s jetzt quasi Maxitel.

(via cnet.com & pcgameshardware)

Holz-AG vs. Fortschritts-AG: steht der Springer-Konzern vor der Spaltung in Print- und Digitalgeschäft?

spaltet-sich-springer-fragezeichenWohin geht die Reise, Axel Caesar Springer? Möglicherweise mit Volldampf in Richtung Digital Only. Schon jetzt erzielt der Konzern 77 Prozent des Gewinns und 70 Prozent des Umsatzes im Digitalbereich. Das sorgt für eine Menge Sprengkraft — die von der Chefetage noch verstärkt wird: mit der SPRING Axel Springer Digital News Media Management GmbH & Co KG werden die digitalen Aktivitäten nun in einer separaten Gesellschaft gebündelt.

„Print-Bereich stabilisieren und stärken“

„Bild Digital“, „Welt Digital“ und soweiter stehen jetzt also die Print-Marken wie „Bild“, „BamS“, „Welt“ gegenüber. In den Redaktionen soll es getrennte Teams geben. Ist Print also nur noch Ballast, der bei Bedarf abgeworfen werden kann? Es werde keinen Verkauf geben, keinen Börsengang, keine Abspaltung, beteuert Springer-Chef Mathias Döpfner erst vor kurzem. Statt dessen lautet die Devise: es geht vor allem darum, den Print-Bereich zu „stabilisieren und zu stärken“.

Erneut ein Ausverkauf, sowie bereits 2013?

Der Konzernbetriebsrat fürchtet offenbar genau das Gegenteil: Ausgründungen, Abspaltungen, Betriebsübergänge, Personalabbau. Intern, so kolportierte unlängst das Handelsblatt, spricht man bei Springer bereits von der „Holz-AG“ und der „Fortschritts-AG“. Vorbild für die nächste Holzauktion könnte der erste große Ausverkauf von 2013 sein: damals wurden eine ganze Reihe von Zeitschriften (Hörzu, Funk Uhr, Bild der Frau etc.) sowie die Berliner Morgenpost und das Hamburger Abendblatt an die Funke Mediengruppe veräußert.

(via Handelsblatt & Meedia)

Abb.: Fred Romero (cc-by-2.0)

Carpenter vs. United States, oder: Ist das Smartphone ein Teil der Privatsphäre?

prism-macht-orwell-zum-bestseller-titelNachdem Sie dich schon monatelang auf Schritt und Tritt überwacht haben, kommen sie im Morgengrauen in dein Haus: sie treten die Tür ein, und durchsuchen deine Wohnung: alle Schubladen werden umgedreht, jedes Blatt Papier kontrolliert, jedes Notizbuch eingescannt, alle Bücher im Regal werden abfotografiert, auf Anstreichungen durchsucht, sie sehen sich deine Fotoalben an und nehmen deine CDs und DVDs mit.

Smartphonedieb als Smartphone-Opfer

Was im analogen Leben nach einem schweren Eingriff in die Privatsphäre klingt, passiert im digitalen Raum ständig: Smartphones und Tablets werden von der Polizei beschlagnahmt und nach ermittlungsrelevanten Daten durchsucht. Was bei Mobilgeräte sogar noch interessanter macht als eine Hausdurchsuchung: die Provider liefern dank Vorratsdatenspeicherung in vielen Ländern ausführliche Verbindungs- und Bewegungsdaten frei Haus dazu.

In den USA dürfte genau solch ein Fall nun Rechtsgeschichte schreiben — im Zentrum steht nicht nur der per Smartphone-Analyse überführte … nun ja, Smartphonedieb Timothy Carpenter, der in einer Reihe von Elektronikfachmärkten säckeweise Mobiltelefone gestohlen hatte, was ihm nun im schlimmsten Fall mehr als 100 Jahre Haftstrafe einbringen könnte. Vor dem Supreme Court geht es beim Casus Carpenter vs. United States auch um die Definition der Privatsphäre im digitalen Zeitalter.

Gibt es eine digitale Privatsphäre?

Ist unser digitales Zuhause mit dem realen Zuhause vergleichbar, das niemand ohne richterliche Erlaubnis gegen unseren Willen betreten darf? Ist es in Ordnung, dass jeder unserer Schritte außerhalb der Wohnung vorsorglich observiert wird? Zwei Rechtsauffassungen stehen gegeneinander — wir überlassen die Daten ja freiwillig den Mobilfunkbetreibern, so die pragmatische Variante, also gibt es keine digitale Privatsphäre (die sogenannte „Third-Party-Doktrin“). Nein, Grundrechte gelten universell, die Privatsphäre lässt sich nicht auf analoge Bereich begrenzen, so die Gegenmeinung.

In den USA z.B. bezieht sich der 4. Zusatzartikel zur Verfassung auf „houses, papers, and effects“, die vor dem willkürlichen Zugriff durch staatliche Instanzen geschützt werden. Doch wie muss man das heutzutage interpretieren? Die NYT schreibt dazu: „The court’s decision, expected by June, will apply the Fourth Amendment, drafted in the 18th century, to a world in which people’s movements are continuously recorded by devices in their cars, pockets and purses, by toll plazas and by transit systems. The court’s reasoning may also apply to email and text messages, internet searches, and bank and credit card records.“

Third-Party-Doktrin & die Folgen

Das gemeine an der „Third-Party-Doktrin“ ist ja gerade: lässt man sie unbeschränkt gelten, bedeutet die Nutzung von elektronischen bzw. digitalen Medien automatisch, dass man einer Überwachung zustimmt. Keine echte Werbung für Smartphone, Tablet, Laptop & Co, und somit kein Wunder, dass nicht nur Bürgerrechts-Aktivisten, sondern auch große Konzerne wie Apple, Amazon oder Google in dieser Woche sehr aufmerksam nach Washington schauen, wenn am Mittwoch die Anhörungen in Sachen Carpenter vs. US beginnen.

Abb.: Flickr/pallih (cc)

Fünf Jahre Faire Maus – Nager IT zeigt, dass nachhaltige Digitaltechnik möglich ist

faire-mausIn diesem Jahr haben sich die Technik-Jubiläen nur so gehäuft. Der Personal Computer (Apple II / Commodore PET) wurde vierzig Jahre alt, iPhone und Kindle-Reader wurden zehn Jahre alt — erst tauchte die digitale Desktop-Revolution am Horizont auf, dann die die digitale Mobil-Revolution, und brachte uns nicht zuletzt auch das digitale Lesen. Gerade weil beide Entwicklungen unseren medialen Alltag nachhaltig verändert haben, sollte man aber ein weiteres Jubiläum in punkto Nachhaltigkeit nicht vergessen: die faire Maus von Nager IT wird in diesen Tagen fünf Jahre alt.

20.000 Nager made in Bichl

Zwanzigtausend von Version zu Version immer fairer produzierte Mäuse sind seit 2012 aus dem bayerischen Bichl in alle Welt verschickt worden — mittlerweile zum Beispiel mit Scrollrad aus regionalem Holz, fairem Lötzinn von der Initiative Fairlötet, fair bestückter Leiterplatte, fairer Endmontage, und so weiter. Und nun steht der erste Großauftrag ins Haus, mindestens Zwanzigtausend weitere Mäuse wird es somit geben.

Faire Maus macht Lieferketten nackig

Ähnlich wie das 2013 angetretete Fairphone, bei dem es u.a. um die verantworbare Herkunft von enthaltenen Edelmetallen wie Zinn, Tantal, Wolfram oder Gold geht, zeigt das Projekt aber vor allem auch, wie schwierig es ist, bei aufwändig und kleinteilig hergestellter Technik das Thema Nachhaltigkeit ins Zentrum zu rücken – schließlich muss man erstmal höchst komplexe Lieferketten durchschauen und sich dann auf die Suche nach Alternativen machen, soweit es sie überhaupt schon gibt.

Große Konzerne bei Green IT zurück

Man redet in diesem Jahr der diversen digitalen Geburtstage gerne von Tech-Pionieren wie Steve Jobs, Jeff Bezos oder Bill Gates — doch die eigentlich IT-Heldin ist für mich Nager IT-Gründerin Susanne Jordan, ursprünglich angetreten, um einen fairen PC zu produzieren, dann aber umgeschwenkt auf das überschaubarere Projekt der fairen Maus.

Die Sysiphus-Arbeit des nachhaltigen Reverse-Engineerings könnte man sich natürlich sparen, wenn die großen Konzerne grüne IT endlich entschiedener auf die Agenda setzen würden, doch danach sieht es vorerst nicht aus, siehe das aktuelle Greenpeace-Ranking, bei dem (außer dem Fairphone) alle Unternehmen abgewatscht wurden.

Lektüre-Gelee für gläserne Leser: Jellybooks macht das Testlesen zum Geschäftsmodell

jellybooks-sucht-testleserTestleser gesucht: für viele Self-Publisher ist es längst selbstverständlich, neue Texte erstmal mit Hilfe der Leser-Community auszutesten und vor der endgültigen Veröffentlichung noch Änderungen vorzunehmen. Nicht selten finden auch regelrechte Votings statt, um das passende Cover zu finden. Unter dem Begriff „Reader Analytics“ entwickelt sich das Austesten von neuen Titeln vor der eigentlichen Veröffentlichung aber auch in der Verlagsbranche zum lukrativen Geschäftsmodell. Bestes Beispiel: Jellybooks — siehe auch das aktuelle Interview mit Jellybooks-Gründer Andrew Rhomberg auf Buchreport. Der Dienstleister arbeitet zum einen mit einer in E-Books eingebetteten Tracking-Software auf Javascript-Basis, die das Leseverhalten von Testlesern auswertet, zum anderen mit Leserbefragungen.

Tausche E-Book gegen Lesedaten

Am Ende weiß der jeweilige Verlag dann nicht nur, wie schnell die Lektüre vonstatten geht und wieviele Leser die Lektüre abbrechen, sondern erfährt auch etwas über die Zufriedenheit, und ob Leser das Buch weiterempfehlen würden. Nicht zuletzt wird auch ermittelt, ob den Lesern zufolge das Cover zum Buch passt. Für den Verlag hat die Zusammenarbeit mit Jellybooks auch den Vorteil, das keine eigenen Testleser gesucht werden — die melden sich nämlich freiwillig auf jellybooks.de, um an kostenlose Leseexemplare zu kommen: „Das Buch wird vom Sponsor (Verlag oder Autor) zur Verfügung gestellt. Du musst es nur lesen und am Ende von jedem Kapitel den ‚Lesedaten senden‘ Button klicken“, lautet der Claim.

„Verlage schenken dir jetzt Aufmerksamkeit“

Sicherlich stimmt der häufig zu hörende kritische Einwand: „Wenn ein Online-Service umsonst ist, bist du das Produkt“ hier ganz besonders — private Lektüre sieht wohl etwas anders aus. Interessanterweise werden die gläsernen Leser aber auch noch mit weiteren Incentives versorgt: „Autoren und Verlage schenken dir jetzt Aufmerksamkeit“, heißt es da zum Beispiel, und: „Du hast Einfluss, wie diese Bücher veröffentlich werden“. Das gilt natürlich, cum grano salis, für alle anderen Formen der Markt- und Konsumenten(aus-)forschung ebenfalls, ohne dass man wirklich von „Mitbestimmung“ reden würde. Immerhin geht die Transparenz bei Jellybooks in beide Richtungen: die Nutzer der Plattform können auf ihre Lesedaten frei zugreifen, und sich so zugleich auch ein Bild über ihr eigenes Leseverhalten machen.

Voraussetzung ist übrigens, das die E-Lese-App sowohl epub3- wie auch Javascript-kompatibel ist, aus diesem Grund sind viele gängige Apps wie Tolino, Kobo, Aldiko oder Bluefire-Reader nicht zum Testlesen und Datenversenden geeignet, iBooks, Bookvia oder Bookshelf dagegen funktionieren.

Schluss mit Depublikation: Siebentage-Löschfrist für Mediatheken von ARD & ZDF soll wegfallen

depublikation-no-moreDepublikation ist die kleine Schwester der Desinformation, könnte man zugespitzt formulieren: was nicht mehr zur Verfügung steht, kann man auch nicht mehr nutzen, um sich zu informieren. Meister der Depublikation sind in Deutschland ausgerechnet die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten — nach sieben Tagen werden Video- und Audioinhalte der Mediatheken in der Regel gelöscht. Das betrifft summa summarum rund 85 Prozent der Beiträge.

Schuld ist eine Festlegung im Rundfunkstaatsvertrag von 2009 — doch nun gibt es einen Hoffnungsschimmer in Sachen Öffi-Open-Access. Offenbar haben sich die Ministerpräsidenten letzte Woche auf eine Vertragsänderung geeinigt, mit der im kommenden Jahr „die Verweildauer über die bisher geltende Sieben-Tage-Regelung hinaus“ ausgedehnt werden könnte. Man wolle das „auflockern und verändern“, so Malu Dreyer, Regierungschefin von Rheinland-Pfalz und turnusgemäß die Leiterin der Rundfunkkommission der Länder.

Erst kürzlich hatten ARD, ZDF und Deutschlandfunk sich noch einmal lauthals darüber beklagt, die bisherigen Vorgaben würden „in keiner Weise der Publikumserwartung entsprechen“ — geprägt von Nutzungsmustern auf privaten Video-On-Demand-Portalen fänden es die Zuschauer heutzutage wichtig, jederzeit auf gewünschte Inhalte zugreifen zu können. Genau hier liegt natürlich auch der Hase im Pfeffer: die private Konkurrenz befürchtet Umsatzeinbußen, wenn die „Backlist“ der öffentlich-rechtlichen Mediatheken plötzlich anschwillt.

Dass die Befristung ganz wegfällt, ist angesichts des Widerstandes der Privaten deswegen eher fraglich, wahrscheinlich wird sie wohl eher auf mehrere Wochen oder Monate ausgedehnt. Wobei selbst sieben Tage bei manchen Inhalten schon jetzt eine Verbesserung bedeuten würde — die Aufzeichnung großer Sportevents à la Fußball-Länderspiele verschwindet derzeit schließlich bereits nach 24 Stunden aus dem Netz, angekaufte Serien und Spielfilme tauchen erst gar nicht auf.

(via golem.de und chip.de)

Webifizierung als Risiko: „Die einzige sichere E-Mail ist eine Text-Only-Mail“

telex-spamVorsicht, E-Mail — immer öfter klicken auch Leute, die es eigentlich besser wissen müssten, auf die Links in schön designten HTML-Mails mit vermeintlich seriösem Absender, und werden in der Folge Opfer von Phishing-Attacken. Geklaute Passwörter, kompromittierte Kreditkartendaten oder kompletter Identitäts-Klau gehören zu den möglichen Konsequenzen. Folgt man den Sicherheits-Experten Sergey Bratus, Anna Shubina und Robert Graham, sind aber nicht die User das Problem, sondern die E-Mail-Standards, sprich: die webifizierte Mail: „The real issue is that today’s web-based email systems are electronic minefields filled with demands and enticements to click and engage in an increasingly responsive and interactive online experience.“

Gut für’s Marketing, schlecht für die Nutzer

Dabei gehe es gar nicht mal nur um Webmail-Schnittstellen, sondern auch um Desktop-Mailprogramme — schließliche würden Outlook & Co. die E-Mails ebenfalls im unsicheren Webmail-Modus anzeigen. Das sei zwar bequem für alle Marketing-Treibenden, aber höchst riskant für den Benuzter. Denn: was eine Webseite (oder E-Mail) vorgibt und was sie wirklich macht, sind möglicherweise zwei sehr unterschiedliche Dinge. Das einheitliche Design sei eine Verschleierung realer Komplexität: Webseiten (oder E-Mails) seien mittlerweile Mash-Ups aus allen möglichen Drittquellen, deren Rückverlinkungen in alle möglichen Richtungen führen können.

„Safe email is plain-text email“

Deswegen empfehlen die Experten nun einen radikalen Schnitt: die Rückkehr zur textbasierten Mail. „Simply put, safe email is plain-text email – showing only the plain words of the message exactly as they arrived, without embedded links or images.“ Tatsächlich bieten Mailprogramme meist die Option, standardmäßig alle Style-Sheets und Skripte abzuschalten oder (falls vorhanden) gleich die mitgelieferte Plain-Text-Version einer Mail anzuzeigen. Nicht nur für größere Organisationen und Unternehmen, auch für Privatanwender sei das, so Bratus, Shubina und Graham, bis auf weiteres die einzige sichere Variante, Mails zu lesen. Webmail-Anbieter, die eine Nur-Text-Version nicht anbieten, solle man meiden.

Gute Idee. Ironischerweise werden viele Leser den Artikel von Bratus et alii selbst mit einem Klick auf einen Link in diesem oder jenem Newsletter geöffnet haben, vielleicht sogar direkt im Browser via Web.de, Gmail oder Yahoo. Au weia. Aber vielleicht empfindet ja der eine oder die andere dabei eine gewisse kognitive Dissonanz.

(via The Conversation)

Schmutziger Hauptstadt-Deal: Hugendubel kontrolliert Buchbeschaffung der Berliner Zentral- und Landesbibliothek

zlb-berlin-wird-hugendubelisiertMal ehrlich: wenn’s darum geht, welche Bücher in den Regalen der öffentlichen Bibliotheken in Ihrer Stadt stehen sollen — würden Sie die dafür notwendigen Einkaufs-Entscheidungen einem Unternehmen wie Amazon überlassen? Nein? Nun, in Berlin ist etwas vergleichbares gerade passiert. Im Zentrum des Skandals steht lediglich ein anderer prominenter Großbuchhändler — nämlich Hugendubel (zum Unternehmen gehört übrigens auch ebook.de).

Profite im Blick: Es geht um 2,2 Mio. Euro pro Jahr

Wie letzte Woche bekannt wurde, sollen in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) nicht mehr Fach-Lektoren die endgültigen Ankaufsentscheidungen treffen, sondern Mitarbeiter der dafür eigens mit mehr Personal aufgestockten Firmentochter „Hugendubel Fachtinformation“. Geliefert werden die jährlich mehr als 30.000 Bücher und 2.400 DVDs und CDs natürlich auch von Hugendubel, es geht um ein Volumen von 2,2 Mio. Euro.

Hintergrund: Bibliothek hat Personalmangel

Berlin hat ja schon eine Amerika-Gedenkbibliothek (für Nicht-Berliner: sie bildet zusammen mit der Berliner Stadtbibliothek seit 1995 die ZLB). Braucht die Stadt nun statt dessen nur noch eine große Hugendubel-Gedenkbibliothek? Hintergrund des aktuellen Skandals sind anstrebte Personaleinsparungen — die bisher als Lektoren eingesetzen Bibliothekare sollen sich in Zukunft auch und vor allem um die Beratung und Betreuung der Besucher kümmern sollen.

Frei zugängliches Wissen für alle bedroht

Damit steht ein bewährtes Modell vor dem Aus: „herausragendes Merkmal der ZLB war bisher immer ein von fachlich spezialisierten Lektoren ausgewählter und gepflegter Buch- und Medienbestand, der alle Wissensgebiete auf allen Niveaus umfasste, vom einführenden Ratgeber bis zum wissenschaftlichen Werk für die Laienspezialisten“, heißt es in einer ver.di-Pressemitteilung. Ziel sei es gewesen, „eine Sammlung aufzubauen, zu erweitern und zu aktualisieren, die alle Aspekte des publizierten Wissens allen Bürgerinnen und Bürgern in einer Universalbibliothek frei zugänglich macht“.

„Verlagerung von Kompetenzen an die Wirtschaft“

Die Auswahl der Bücher werde nun aber „nahezu komplett an die Privatwirtschaft übergeben“, kritisiert die Dienstleistungsgewerkschaft — während die ZLB versucht, zu dementieren: immerhin würden ja „Einkaufsprofile“ noch von den bisherigen Lektoren erstellt. Der ZLB-Personalrat legt den Finger aber gleich wieder zurück auf die Wunde: wenn die endgültige Auswahl bei Hugendubel passiere, sei das nichts anderes als eine mit Steuergeldern finanzierte Verlagerung von Kompetenzen an die Wirtschaft.

(via Neues Deutschland & ver.di Berlin-Brandenburg)