Mission „Women in Print“: Crowdpublishing-Plattform Unbound fördert Autorinnen

Crowdpublishing funktioniert prima – zum Beispiel auf der britischen Plattform Unbound: seit 2011 wurden dort schon mehr als 50 Bücher mit Pre-Order-Kampagnen finanziert, mehr als 1 Mio. Pfund kamen dabei zusammen. Doch es gibt da noch ein kleines Problem: nur ein Drittel der bisher veröffentlichten Titel wurden von Frauen verfasst.

Ein spezielles Programm namens „Women in Print“ soll das nun ändern – ausgewählte Projekte von „Bücherfrauen“ werden auf Unbound in Zukunft besonders hervorgehoben und promotet. Aktuell z.B. das Food-Buch „Perfect Picnic“ von Tamasin Day-Lewis und die Graphic Novel „Rinse Spin Repeat“ von Edie Fassnidge. Außerdem sind alle Autorinnen im Laufe des Monats November nocheinmal ausdrücklich aufgefordert: Schickt Eure Texte oder Buchideen ein! Macht einen Pitch! Die besten drei Projekte werden dann Anfang 2015 als Crowdpublishing-Kampagnen auf Unbound starten.

Wie prominent die Plattform Unbound geworden ist, zeigt die Zahl der eingeschickten Manuskripte von AutorInnen bzw. Literaturagenten: 20 pro Tag sollen es derzeit sein, berichtete Forbes erst im September 2014. Doch hier lauert eben auch der Gender-Gap: denn aus verschiedenen Gründen — z.B. mangelnde Zeit, fehlendes Selbstvertrauen — senden Frauen offenbar grundsätzlich weniger Manuskripte ein als Männer. Glaubt man dem Portal Mslexia, ist die Wahrscheinlichkeit sogar um bis zu 50 Prozent geringer. Am Ende werden Frauen aber nicht nur seltener verlegt bzw. können Artikel in Zeitungen oder Zeitschriften unterbringen, ihre Texte werden auch deutlich seltener in den führenden Feuilletons besprochen.

„Women in Print“ setzt insofern an der richtigen Stelle an – präsentiert man der Crowd mehr Buchprojekte von Frauen, ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass mehr Projekte von Frauen erfolgreich finanziert werden. Dass selbst Verlagsprogramme mit 100 Prozent Frauenanteil in einem Crowdpublishing-Umfeld funktionieren, muss übrigens nicht mehr bewiesen werden – erst kürzlich finanzierte der von Frauen für Frauen gegründete Verlag Shebooks.net via Kickstarter das gesamte Programm für 2014.

„Community für Journalismus im Netz“: Krautreporter geht an den Start – werbefrei, leserfinanziert

Krautreporter hält die Welt in Atem – das war im Juni dieses Jahres: nach einer schleppend angelaufenen Crowdfunding-Kampagne kamen im Endspurt nicht nur die anvisierten 15.000 Jahres-Abos für das alternative Online-Magazin zusammen, sondern sogar mehr als 17.000, so dass eine Million Euro Startkapital zur Verfügung stand. Seit Ende Oktober kann man nun auf krautreporter.de die ersten crowdfinanzierten Recherchen, Reportagen und Erklärstücke lesen, etwa aus der Feder von Stefan Niggemeier, Andrea Hünniger, Richard Gutjahr oder Theresia Enzensberger. Und ab nächster Woche auch eine Graphic-Novel-Serie von Hans Hütt und Josefina Capelle.

Anders produziert, anders präsentiert

Kaum war Krautreporter gelauncht, kam aber auch schon wohlfeile Kritik von der klassischen Medienfront: Den Web-Journalismus neu erfunden habe die Plattform ja offenbar nicht, Artikel in dieser Art gebe es doch auch anderswo. Tatsächlich dürfte man Stücke wie „Bekannte Youtuber kämpfen um die Seele ihres Mediums“, „Horror im Gepäck: Ein Krankenpfleger im Ebola-Einsatz“ oder „Halloween in den USA – Warum Kaffee nach Kürbis schmeckt“ auch auf SPOL, sueddeutsche oder taz.de erwarten. Trotzdem trifft die Kritik aber wohl nicht den Kern des Konzepts, denn die Inhalte werden anders produziert, und sie werden auch anders präsentiert.

Im Standard-Modus hat man auf Krautreporter.de nur den jeweiligen Artikel vor sich, es gibt keine störenden Seitenleisten, fast so, als würde man sich auf einem reduzierten Blog wie Katja Kullmanns „Euphorie im Alltag“ bewegen. Auf Wunsch wird aber eine Artikel-Übersicht und ein Menü einblendet, am Ende jedes Artikels kann man einfach weiterscrollen, eingeblendet wird dann nahtlos die folgende Story. Eins wird man aber auf keinen Fall zu Gesicht bekommen: Werbeeinblendungen. Denn Krautreporter ist eben vor allem leserfinanziert, dazu kommen noch etwa zehn Prozent Spendengelder.

Kommentieren dürfen nur Abonnenten

Das sorgt für einen höheren Grad an Unabhängigkeit von den üblichen Einflussagenten aus Privatwirtschaft und der öffentlichen Hand. Die starke Orientierung auf die eigene, aktive Community führt allerdings auch zu eher ungewöhnlichen Praktiken. Dem Motto „Comment is free“ folgt Krautreporter z.B. nicht, Kommentare lesen und Artikel selbst kommentieren dürfen nur zahlende Mitglieder. Dazu kommen weitere Premium-Leistungen, etwa epub- und Audio-Versionen sowie freier Eintritt zu Krautreporter-Veranstaltungen.

Zu den Prinzipien von Krautreporter gehört übrigens auch, die Verwendung der Gelder transparent zu machen. So kann man auf der Seite „Über uns“ etwa erfahren, dass 68 Prozent bzw. 570.000 Euro des Gesamtbudgets (abzüglich Steuern) für Redaktion und Autoren ausgegeben werden. Website und das Berliner Büro schlagen jeweils mit knapp zehn Prozent bzw. 90.000 Euro zu Buche.

Auf dem Weg zur Genossenschaft

Zum Vergleich: ohne Druck & Vertrieb kostet die Produktion der ebenfalls überwiegend leserfinanzierten, aber natürlich deutlich größeren Tageszeitung taz pro Jahr knapp 16 Millionen Euro, davon sind auch wiederum zwei Drittel Gehälter und Honorare. Hinter der taz steht neben knapp 50.000 Abonnenten eine Genossenschaft aus mehr als 14.000 Mitgliedern – ähnlich könnte es bald bei Krautreporter aussehen: im Gesellschaftsvertrag ist festgehalten, dass die Unternehmung „in absehbarer Zeit in eine Genossenschaft überführt“ werden soll.

[Aktuelles Stichwort] Pre-Order-Modell: Bücher vorfinanzieren mit der Kraft der Crowd


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Beim Pre-Order-Modell wird die Herstellung eines Produkts durch online getätigte Vorbestellungen vorfinanziert, in der Regel auf speziellen >>Crowdfunding-Plattformen – dort gehören Pre-Order-Kampagnen inzwischen zu den häufigsten Formen der netzbasierten „Schwarmfinanzierung“. Um besondere Anreize für Unterstützer zu geben, werden zu einem höheren Preis oft parallel auch limitierte Sonderauflagen und weitere Sonderleistungen angeboten.

Wird die Veröffentlichung von Büchern bzw. E-Books online via Pre-Order vorfinanziert, spricht man auch von >>Crowdpublishing. Pre-Order wird sowohl von Self-Publishern wie auch von kleineren Verlagen genutzt. Manche Crowdfunding-Plattformen haben sich auf Crowdpublishing-Kampagnen spezialisiert, etwa die britische Plattform >>unbound, und auf diese Weise selbst eine neue Form des Verlags etabliert.

Neben dem Aspekt der Vorfinanzierung dient eine Crowdpublishing-Kampagne zugleich der Vorab-Vermarktung, da in der Regel die Bücher auch weiterhin lieferbar bleiben, etwa als E-Book oder via Print-On-Demand.

Grundsätzlich ähnelt das Pre-Order-Modell der klassischen Subskription (von lat. Subscribere: unterschreiben, abonnieren), mit dem im Buchhandel schon seit dem 17./18. Jahrhundert vor allem bei aufwändigen Werke wie etwa Enzyklopädien oder Fachliteratur das verlegerische Risiko minimiert wurde. Häufig wurden dabei prominente Subskribenten auf einem eigenen Vorsatzblatt genannt. Auch bei Büchern, die via Crowdpublishing herausgebracht werden, finden sich die Namen der Unterstützer oft in einem speziellen Anhang.

Ganz besondere Bedeutung haben Pre-Order-Modelle im Bereich von Comics und Graphic Novels, da die in der Regel durchgehend farbigen Publikationen hohe Druckkosten verursachen und nur in vergleichsweise kleinen Auflagen herausgebracht werden. Manche Comicverlage in den USA finanzieren bereits ihr komplettes Programm mit Pre-Order-Kampagnen.

Amazons >>Self-Publishing-Plattform >>Kindle Direkt Publishing bietet seit Sommer 2014 die Möglichkeit an, bereits 90 Tage vor dem Veröffentlichungstag von E-Books Vorbestellungen anzunehmen. Die jeweiligen Titel erscheinen auch bereits vorab in den Verkaufsrankings.

Im Rahmen der traditionellen Subskription sind in Deutschland auch Abweichungen von der >>Buchpreisbindung erlaubt – ein Preisnachlass für Subskribenten darf drei Monate über das Erscheinen des Werkes hinaus allen Käufern gewährt werden, solange er den endgültigen Ladenpreis nicht um mehr als 20 Prozent unterschreitet.


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Krypto-Krautpublishing: taz-Paywahl jetzt auch mit Bitcoins – 5.000 Euro in 24 Stunden erreicht

Alternative Tageszeitung trifft alternative Währung, das passt wirklich perfekt: wer die Berliner taz unterstützen möchte, kann sich für die kostenlos lesbare Online-Version der Gazette ab jetzt auch mit Bitcoins bedanken. Schon bisher spenden viele „Freizahler“ regelmäßig im Rahmen der „Paywahl“ recht fortschrittlich z.B. per Flattr, PayPal & Co., was seit Start der taz-zahl-ich-Kampagne im Jahr 2011 ingesamt schon mehr als 260.000 Euro einbrachte. Unter der Adresse 165dtfwNvyMUbLGdqf87w8DfZX7i542Fyr (im Bild links als QR-Code dargestellt) geht das nun auch mit der hippen Kryptowährung – dieser öffentliche Schlüssel ist sozusagen die Bitcoin-Kontonummer der taz.

Gerade für Krautpublishing-Strategien sind Bitcoins wohl die idealste Form der Transaktion, denn es fallen praktisch keine Gebühren an: das Peer-to-Peer-Prinzip funktioniert ohne traditionelle Finanzdienstleister, auch die notwendige Rechenpower zur Aufrechterhaltung der virtuellen Währung wird komplett von der Internet-Crowd beigesteuert. Wer für einen guten Zweck spendet, weiß also: 99,9 Prozent der Summe kommt an – das dürfte die Geberlaune deutlich steigern.

Ideal gerade für das moderne Fundraising ist auch die Transparenz: Sobald eine Bitcoin-Adresse öffentlich ist, sind alle Zahlungen in der „Blockchain“, sozusagen dem Bitcoin-Kassenbuch, öffentlich sichtbar: unter https://blockchain.info/address/165dtfwNvyMUbLGdqf87w8DfZX7i542Fyr kann man im Fall der taz z.B. erkennen, dass seit dem 21. Juli um 18.23 Uhr insgesamt 10,84 Bitcoins überwiesen wurden, was einem Betrag von knapp 5.000 Euro entspricht. Wobei auffällt: ein besondes motivierter taz-Fan hat gestern abend gleich 10 Bitcoins auf einmal lockergemacht.

Wer das war, bleibt aber ein Geheimnis. Ein weiterer Vorteil von Bitcoins ist nämlich: auch wenn die Zahlung selbst in der Öffentlichkeit stattfindet, bleibt der Absender mehr oder weniger anonym. Bitcoins funktionieren insofern ähnlich wie Bargeld – aus Sicht des Datenschutzes endlich einmal ein Lichtblick in der Welt des elektronischen Bezahlens. Und damit ein weiterer Pluspunkt aus Krautpublishing-Perspektive.

E-Books & Gender-Gap: Vom Hepublishing zum Shepublishing

Shebooks, das klingt nach E-Books für Frauen, oder von Frauen. Im Fall von Shebooks.net stimmt beides – und das aus gutem Grund: denn die Startup-Verlegerin Laura Fraser und ihre KollegInnen Peggy Northrop & Rachel Greenfield hatten die Nase voll vom männerdominierter E-Literatur wie auch Publizistik in Magazinen wie Atlantic, New Yorker oder New Republic. Dort beträgt aktuellen Studien zufolge die Männerquote satte 75 Prozent oder mehr. Und auch wenn Frauen stattdessen lieber erfolgreiche Bücher schreiben, haben sie das Nachsehen: Autorinnen verfassen in den USA zwar zwei Drittel der Bestseller, verdienen aber nur ein Drittel der Tantiemen.

„The problem was that female authors, journalists, editors – and ultimately female readers – were being shut out of the [digital] revolution. Innovative digital publishing companies led by men and publishing mostly male writers were getting lots of investment and attention. But we knew that women are voracious readers in every format – buying the majority of books and magazines and reading (and writing) the majority of blogs“, liest man im Mission-Statement von Shebooks.net

Die drei Branchen-Insider Fraser, Northrop und Greenfield launchten also kurzerhand ein eigenes E-Publishing-Projekt – mit Shebooks.net ging Ende 2013 eine Plattform ans Netz, die sich auf E-Book-Singles von Belletristik über Biografisches bis hin zu Reportagen spezialisiert hat, maximale Länge: 10.000 Worte. Irgendwie hybrid zwischen Magazin & Verlag angelegt ist auch das Vertriebskonzept – man kann sowohl einzelne Titel kaufen wie auch ein monatliches Abo abschließen.

Crowdpublishing beherrschen die Frauen von Shebooks.net auch sehr gut: mit ihrer Unterstützer-Aktion für die „2014 Equal Writes Campaign“ auf Kickstarter warben die Buchmacherinnen bis Ende Juni mehr als 50.000 Euro ein – damit können nun bis Ende des Jahres mehr als 100 E-Books von Frauen veröffentlicht werden, mindestens zwei pro Woche, und das dank der Crowd-Funds auch mit fairen Honoraren bezahlt.

Den Gender-Gap gibt’s übrigens auch bei uns, digital wie gedruckt – siehe etwa die beachtliche Männerquote bei Krautreporter oder sogar bei einem „alternativen“ Medium wie der taz: wie man erst vor wenigen Wochen lesen konnte, werden unter dem Zeichen der tazze zwei Drittel der Artikel von Männern geschrieben.

Abb.: Screenshot

Danke für CC: Unglue.it kombiniert Krautpublishing & Thank-You-Economy

Bezahlen für etwas, das kostenlos ist? Im Zeitalter der Dankeschön-Ökonomie passiert das immer öfter – z.B. bei elektronischen Büchern, die man für lau lesen kann. Die gemeinwohlorientierte Krautpublishing-Plattform Unglue.it hat zu diesem Zweck sogar eine eigene Rubrik eingeführt: „Thanks for Ungluing“. Dort kann man sich bei den promoteten Autoren dafür bedanken, dass sie ihre Werke unter eine Creative Commons Lizenz (cc) gestellt haben. Und da Unglue.it mit Bibliotheken kooperiert, können die cc-Titel auch auf deren Websites zusätzlich promotet werden.

Eine gute Idee um gerade solche Autoren zum „Befreien“ ihrer Bücher zu bewegen, die nicht ganz so viel Publicity genießen wie Creative-Commons-Stars à la Cory Doctorow oder Lawrence Lessig. Die können auch ganz locker von den Einnahmen der Print-Verkäufe leben – zu den Vorzügen der freien Lizenz gehört ja, dass man unterschiedliche Strategien bei Digital und Papier fahren kann. So kann man etwa auch den derzeit via Unglue.it promoteten Sammelband „The Digital Public Domain: Foundations for an Open Culture“ durchaus gedruckt für knapp 20 Euro erwerben. Man kann aber auch bei Unglue.it auf den Read Now-Button drücken und sich hinterher via Kreditkarte mit einer Spende bedanken.

Mit dem „Thanks for Ungluing“-Programm bietet unglue.it nun insgesamt sogar drei Creative-Commons-basierte Krautpublishing-Varianten an: denn abgesehen von am „Street-Performer-Protocol“ angelehnten Spendensammlungen zur Befreiung von ausgewählen Werken („Pledge to Unglue“) startete Anfang des Jahres ein spezieller E-Store namens „Buy to Unglue“. Mit jedem E-Book-Kauf rückt die CC-Lizensierung näher, für die ein Autor zunächst ein weit in der Zukunft liegendes Datum wählt und ein Spendenziel definiert – mit anderen Worten: wenn der Spendenbalken schwillt, kommt der Launch-Countdown in Bewegung.

Als erstes Buch ging in diesem Rennen gegen die Zeit Anfang des Jahres der Sci-Fi-Sampler „Lagos 2060“ an den Start. Ursprünglicher Launchtermin für die Geschichten aus Afrikas Zukunft: 2060 natürlich, Funding-Ziel: 30.000 Dollar. Nach 32 Buchverkäufen zeigt das Kampagnen-Widget nun als Launch-Termin immerhin schon mal den 28. September 2059 an.

Kladde Buchverlag setzt auf Krautpublishing – & kooperiert mit Visionbakery & Buylocal

Die Publishing-Crowd hat entschieden – Ulrich Pätzolds erzählerischer Stadtführer „Berlin – Geschichte in Geschichten“ wird erscheinen. Möglich machten das 35 Unterstützer auf der Crowdfunding-Plattform „Visionbakery“, die insgesamt 2.300 Euro vorstreckten. Nicht nur für eine E-Book-Version, sondern für den Druck einer aufwändig gestalteten Print-Auflage von 1000 Stück. Das Besondere bei dieser Aktion: Der Journalist & Publizistik-Prof veröffentlicht seine Hommage an den 20er-Jahre-Flaneur Franz Hessel (Vater des „Empört-euch“-Autors Stéphane Hessel) nicht als Self-Publisher, sondern über das Freiburger Start-Up Kladde Buchverlag. Die im Sommer 2013 gegründete „Manufaktur für Satz und Wort“ setzt bei der Realisierung von Buchprojekten auf Pre-Order-Kampagnen in enger Kooperation mit der Leipziger Crowdfunding-Plattform Visionbakery. „Wir wollen, dass Crowdfunding nicht nur vereinzelt Buchprojekte möglich macht, sondern auch als Weg für die Literatur aller Genres interessant wird“, so Verlagsgründer Jonas Al-Nemri.

Lifestyle-Publishing: Hochwertig statt Quick & dirty

Bewusst umgeht Kladdebuch den „Quick-and-Dirty“-Workflow vieler POD-Projekte – von der Gestaltung durch die Berliner Buchdesignerin Katharina Pätzold über ein sorgfältiges Lektorat bis hin zum Druck in den „freiburger graphischen betrieben“ auf hochwertigem Papier der Manufakturen Gmund und Geese. „Wir möchten damit einen neuen literarischen Lifestyle prägen“, so Al-Nemri. Neben Lifestyle-Publishing gibt es noch einen weiteren Eckpfeiler: fair publishing. Abgesehen von fairen Honoraren oberhalb üblicher Gepflogenheiten bei Publikumsverlagen bedeutet das für die Kladdebuch-Macher den Verzicht auf Amazon als Vertriebsplattform. „Gemeinsam mit Buylocal fokussieren wir den Verkauf unserer Bücher über den unabhängigen, inhabergeführten und regionalen Buchhandel, on- und offline“, heißt es dazu im Verlags-Blog. Was durchaus Sinn machen dürfte – schließlich lauert genau dort das bibliophile, an inhaltlicher Qualität, Haptik und Optik orientierte Lesepublikum.

Auf dem Weg zum deutschen Unbound

Auch bei der Visionbakery freut man sich über den neugewonnenen Partner – in Zukunft sollen in Kooperation mit Kladdebuch die Krautpublishing-Aktivitäten der Leipziger sogar auf einer eigenen Plattform gebündelt werden, ähnlich wie bei den internationalen Vorbildern Unbound oder Pubslush. Ob das tatsächlich funktioniert, bleibt jedoch abzuwarten. Die Community rund um die Visionbakery ist schließlich deutlich kleiner als bei Startnext, Deutschlands größter Crowdfunding-Plattform. Dort haben auch selbständige Krautpublishing-Projekte schon mehrmals fünfstellige Summen erreicht, zuletzt etwa die „Drachenväter“. Von den insgesamt drei Kladdebuch-Kampagnen dagegen hat mit Ulrich Pätzolds Erzählband nur die kleinste ihr Ziel erreicht, während eine etwas ambitioniertere Aktion klar scheiterte. Auch die aktuell laufende Kampagne (Matthias Engels‘ biographischer Roman „Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun“) wird wohl ganz schön kämpfen müssen. Doch trotz alledem – eins steht fest: mit Kladdebuch gibt’s den ersten echten Krautpublishing-Verlag made in Germany.

Humble Book Bundle startet: monatliche E-Book-Bündel mit Pay-What-You-Want

Von wegen „bescheiden“ – Humble Bundle war bisher schon das Mekka der multimedialen Vermengungen: neben gebündelter Spiele-Software gab es dann und wann auch E-Books, Hörbücher und, wie etwa beim „Humble Image Bundle“, E-Comics, jeweils für begrenzte Zeit und nach dem Bezahl-was-du-willst-Prinzip. Insgesamt brachten 46 Humble Bundle-Aktionen seit 2010 bereits 79 Millionen Dollar Umsatz – der Durchschnittspreis pro verkauftem Bündel lag bei 6 Dollar. Im Mittelpunkt standen allerdings regelmäßige Games-Bündel – gegründet wurde das Unternehmen schließlich zunächst, um Computerspiele von unabhängigen Entwicklern zu vermarkten. Doch das hat sich gerade geändert – siehe die neue Rubrik Humble Book Bundle.

Buch-Bündel erzielen bessere Durchschnittspreise

Die äußerst erfolgreiche Kooperation mit Indie-Verlagen wie zuletzt Image Comics hat die Humble-Bundle-Macher nämlich zu einer strategischen Kursänderung bewogen: ab jetzt gibt’s jeden Monat nicht nur zwei Games-Bündel-Aktionen, sondern parallel auch zwei 14 Tage laufende Bündel-Aktionen mit E-Books, Hörspielen oder Comics. Die Website wurde dafür in einen Games- und E-Literatur-Bereich gesplittet. Das dürfte sich für Humble Bundle auch deswegen lohnen, weil man bisher schon mit elektronischem Lesestoff deutlich bessere Durchschnittspreise erzielen konnte als bei Games: die bisherigen drei E-Book-Bundle erzielten im Schnitt zwischen 10 und 14 Dollar, Videospiele dagegen erreichten üblicherweise gerade mal die Hälfte. Den Anfang macht seit heute das „Humble Doctor Who Comic Bundle“ – mit insgesamt mehr als 60 Ausgaben plus Videospiel.

Indie-Verlage, aber auch „Big Five“ als Partner

Für Indie-Verlage dürften die regelmäßigen E-Book-Bündel einen weiteren Schub bedeuten. Doch auch für Kooperationspartner aus den Reihen der „Big Five“ (Penguin Random House, Harper Collins, etc.) klingt die Sache offenbar sehr interessant – es soll bereits Verhandlungen geben. Wo kann man schließlich sonst mal eben so zehntausende Bücher innerhalb von 14 Tagen absetzen? Außerdem erreicht man via Humble Bundle zielgenau ein selbstbewusstes, hochmotiviertes und technikaffines Publikum, das nicht nur mit Online-Zahlungsmethoden bis hin zu BitCoins bestens vertraut ist, sondern neben digitaler Off-Kultur jenseits des Mainstreams gesellschaftliches Engagement zu schätzen weiß. Genau darauf geht Humble Bundle ein, denn man entscheidet nicht nur, wieviel man für ein Bündel zahlt, sondern auch, wohin die Gelder fließen: per virtuellem Schieberegler kann man den Verteilungsschlüssel zwischen Künstlern bzw. Verlagen, der Plattform selbst und gemeinnützigen Organisationen verändern.

(via Engadget & PW Weekly)

„Abhängig nur vom Leser“: Krautreporter pitcht crowdfinanziertes Online-Magazin

Native Advertising? Stiftungsfinanzierung? Staatliche Subventionen? „Auch die klügsten Thesen können nichts daran ändern, dass niemand tatsächlich die Zukunft des Journalismus kennt“, schrieb die in Seattle lebende Bloggerin und Journalistin Ulrike Langer gerade auf Meedia. Doch eins sei wohl klar: eine gemeinsame Zukunft für die Medienbranche werde es ohnehin nicht geben – stattdessen müsse man sich diesseits und jenseits des Atlantiks auf eine bunte Mischung „aus einigen wenigen alten und vielen neuen Formen und Geschäftsmodellen“ einstellen. Wird in der deutschen Medienlandschaft Crowdpublishing zu den angebotenen Geschmacksrichtungen gehören? Manches spricht dafür – nicht zuletzt der bisherige Erfolg von Krautreporter.de …

„Für die Geschichten hinter den Nachrichten“

Denn damit online mehr herauskommt als Verblendungszusammenhänge von Bild.de bis Buzzfeed, setzt Krautreporter.de schon seit Anfang 2013 auf Krautfunding – fast 200.000 Euro kamen dort bereits für engagierte journalistische Projekte zusammen (E-Book-News berichtete). Und zugleich reifte damit die Erkenntnis: allem Gerede über “Kostenloskultur” zum trotz sind LeserInnen durchaus bereit, für guten Online-Journalismus Geld auszugeben. Das hat die Krautreporter-Gründer Sebastian Esser, Philipp Schwörbel und Alexander von Streit nun ermutigt, den großen Sprung zu wagen: aus der Krautfunding-Plattform soll ein „tägliches Magazin für die Geschichten hinter den Nachrichten“ werden, und zwar werbefrei – also weder mit Bannern verbaut noch mit Suchmaschinen-Ranking im Kopf geschrieben.

Kernmannschaft aus 25 JournalistInnen

Helfen soll dabei natürlich die Crowd – gesucht sind 15.000 UnterstützerInnen, die bereit sind, ein Jahr lang 5 Euro pro Monat zu geben, genauer gesagt, 60 Euro für die Gründung vorzustrecken. „Es ist eine große Chance, sich nur von einem abhängig zu machen – dem Leser“, so Stefan Niggemeier im Pitch-Video (siehe auch Niggemeiers aktuellen Blog-Artikel). Der prominente Online-Journalist gehört zum Autoren-Team, genauso wie 24 weitere KollegInnen – allen gemeinsam ist: sie möchten „nicht mehr darauf warten, dass die großen Medienunternehmen sich endlich trauen, echten Journalismus im Netz zu ermöglichen.“ Wer ab Herbst gut recherchierte Stories von Stefan Niggemeier, Theresia Enzensberger, Hans Hütt, Jens Weinreich, Andrea Hünniger und anderen lesen möchte, muss sich bis 15. Juni entscheiden, dann endet die Krautfunding-Kampagne.

Prinzip Offenheit: Keine Pay-Wall geplant

Vergleichbare leserfinanzierte Plattformen wie „mediapart“ in Frankfreich oder „De Correspondent“ in den Niederlanden haben bereits mehr als 50.000 bzw. 30.000 Abonnenten und schreiben schwarze Zahlen. Im Unterschied zu diesen wird man das Krautreporting-Magazin aber auch lesen können, wenn man nicht zu den zahlenden Kunden gehört. Das macht durchaus Sinn, denn je größer die Reichweite, desto größer auch die Zahl potentieller Crowdfunder, die auf den Geschmack kommen können. Ähnlich macht es ja seit einigen Jahren die Online-Ausgabe der alternativen Tageszeitung taz, die statt Pay-Wall auf die freiwillige „Pay-Wahl“ setzt und dafür ein barrierfreies Vollprogramm bietet. Die Krautreporter wollen immerhin täglich drei bis vier Geschichten posten…

Geld 2.0. trifft Subskription 2.0: Erstes Krautpublishing mit Bitcoins erfolgreich

In welcher Währung sollte die Crowdfunding-Kampagne für ein Buch zum Thema Bitcoins laufen? Euro, Dollar, Pfund? Die richtige Antwort gibt die britische Crowdpublishing-Plattform Unbound: Bitcoins natürlich. Als erstes Buchprojekt weltweit wurde dort nun u.a. mit Bitcoin-Spenden ein Buch zum Thema Bitcoins finanziert – in „Bitcoin – The Future of Money“ macht sich der Autor, Filmemacher und Journalist Dominic Frisby u.a. auf die Spuren von Satoshi Nakamoto, dem legendären Erfinder der Krypto-Währung. Zugleich geht es aber auch darum, Neueinsteigern überhaupt das Thema virtuelles „Geld 2.0“ nahezubringen. Die Rohfassung hat Frisby gerade abgeschlossen, bis Mitte des Jahres soll das fertige Buch erscheinen.

Best-Practice-Beispiel für die gesamte Buchbranche

Das Projekt hat Modellcharakter nicht nur für den Crowdfunding-Sektor allgemein, sondern gerade auch für die Buchbranche. Denn hier trifft sich Geld 2.0 mit Subskription 2.0 – auf diesem Gebiet darf Unbound ohnehin als Vorreiter gelten, schon seit Mitte 2011 finanzieren dort unabhängige Autoren ihre Buchprojekte in Form von Pre-Order-Kampagnen. Und ob Bitcoins oder Crowdfunding, ohne die vernetzte Internet-Crowd geht in beiden Fällen gar nichts. Verbindet man beide Methoden, geht in Zukunft sogar noch deutlich mehr, denn gerade Prosumenten wollen natürlich, dass möglichst wenig Geld für Transaktionsgebühren verbrannt wird. Eine Peer-to-Peer-Währung wie Bitcoin reduziert solche Gebühren dramatisch – denn schließlich funktioniert sie jenseits des normalen Bankensystems.

„Bücher verändern die Welt – Bitcoins auch“

Zum Ausprobieren von Bitcoin-gestütztem Crowdfunding bot sich Unbound natürlich ganz besonders an. Bisher zahlte man auf der Crowdpublishing-Plattform zwar elektronisch, aber mit normalen britischen Pfund. Es war erst die Kampagne für Dominic Frisbys Sachbuchprojekt, die im Februar 2014 den Stein in Richtung Kryptowährung ins Rollen brachte [E-Book-News berichtete]. Als schon in kurzer Zeit etwa 70 Prozent der benötigten Summe zusammengekommen waren, entschied sich das Unbound-Team dann nämlich recht spontan, nun erstmals auch Bitcoin-Zahlungen zu akzeptieren. „Our business is books. Books have the potential to change the world. So does Bitcoin“, heißt es auf dem Unbound-Blog.

Umgerechnet 11.000 Euro gesammelt

Das sorgte offenbar noch mal für zusätzliche Aufmerksamkeit: “Bitcoin – The Future of Money” hat das gesetzte Funding-Ziel nicht nur erreicht, sondern mit 125 Prozent sogar deutlich übererfüllt: mit knapp 300 Vorbestellungen kamen umgerechnet mehr als 11.000 Euro zusammen, ein Teil davon in Form von Kryptogeld-Überweisungen. Wieviele Unterstützer im Verlauf des zweiten Teils der Kampagne tatsächlich mit Bitcoins bezahlt haben und wie groß der Gesamtanteil an der Spendensumme war, wird Unbound ja hoffentlich noch bekannt geben…