Graphicatessen für den Schwarm: Carlsen-Verlag vermarket Comics via Crowdfunding

alisik-schuber-crowdpublishing-carlsenCrowdpublishing im Comic-Bereich ist hierzulande für viele Verlage noch komplettes Neuland – in den USA dagegen ist die Crowd schon zum wichtigsten Mäzen für bunte Bildergeschichten avanciert. Nun geht mit Carlsen erstmals ein großer deutscher Comic-Verlag einen Schritt in Richtung Schwarmfinanzierung: unter dem Label „Graphic/atessen“ vermarkten die Hamburger exklusive Sondereditionen via Startnext.de, Deutschlands größter Crowdfunding-Plattform.

„Liebhaberobjekte mit kleiner Leserschaft“

Man wolle Fans der grafischen Literatur und neuen Lesern „außergewöhnliche Produkte anbieten, für die es im klassischen Verlagsprogramm bisher keinen Platz gab“, so Projektleiterin Mareike Hermes. Mit Crowdfunding könne man „Liebhaberobjekte mit zum Teil sehr kleiner Leserschaft“ realisieren, findet auch Programmkoordinator Ralf Keiser.

E-Comic-Versionen ebenfalls erhältlich

Die ersten beiden Kampagnen starten ab 1. September: die Comic-Crowd kann dann mithelfen, eine Luxus-Ausgabe von „Alisiks wunderbarer Welt“ (Hubertus Rufledt/Helge Vogt) zu realisieren, genauso die „Comic-Koch-Box deluxe“ von Food-Blogger Guillaume Long. Als Goodies warten auf die Unterstützer z.B. Poster und Drucke von Einzelillustrationen der jeweiligen Titel, im Fall von Alisik auch E-Comic-Versionen.

Blake & Mortimer sowie Spirou ab November

Bis Anfang November folgen vier weitere Titel aus dem Comic- und Illustrationsbereich: der Abenteuercomic „Long John Silver“, das Skizzenbuch „Blake und Mortimer in 329 Zeichnungen“ von E.P. Jacobs, der Illustrationsband „Spirou und die Moderne“ sowie die Siebdruckmappe „Comickunst für die Wand“ von Künstlern wie Flix, Jens Harder, Reinhard Kleist und Uli Oesterle. Weitere Hintergrundinfos gibt’s auf dem Projekt-Blog Crowd & Rüben.

„Kauft unser Buch – und zerstört es“: Reverse Crowdpublishing als neues Geschäftsmodell?

shut-down-nouvellaWie weit würden bibliophile Amerikaner gehen, um die „Great American Novel“ vor der Inflation von Kurzstreckentexten zu retten? Globo Books will es wissen: das Globo Management ruft die Kickstarter-Crowd dazu auf, die „Bücher“ des „Verlags“ namens Nouvella zu verbrennen – wie der Name schon nahelegt, veröffentlicht Nouvella keine besonders dicken Schmöker, sondern Kurzromane (engl. Novella). Die Kampagne „Shut down Nouvella“ wäre – falls erfolgreich – der erste „Reverse Kickstarter“ der Crowdfunding-Geschichte.

Schwarmfinanzierte Bücherverbrennung?

Die Unterstützer der aktuellen Rettungs-Kampagne erhalten zwei Titel aus dem 2015er Programm von Nouvella, genauer gesagt „Ciao Suerte“ (Annie McGreevy) sowie „One Day Soon Time will have no Place left to Hide“ (Christian Kiefer) – inklusive einer Anleitung, wie man sie am effektivsten zerstören kann. Also eine schwarmfinanzierte Schwarm-Bücherzerstörung, oder besser gesagt: eine schwarmfinanzierte Pseudo-Selbstzerstörung.

It’s only Guerilla Marketing

Denn Globo Books gibt’s gar nicht. Das Ganze ist eine schräge Guerilla-Marketing-Aktion von … Nouvella selbst. Der 2012 gegründete Mini-Verlag hat sich von Anfang an auf Kleinformate konzentriert (Claim: „Six Inches of Purre Pleasure“), finanziert werden die Titel mit einer Länge von 10.000 bis 40.000 Zeichen via Crowdfunding: zu Beginn jeder Publikationskampagne haben die potenziellen Leser eine Woche Zeit, einen von jeweils 200 Anteilsscheinen am Projekt zu erwerben. Dafür gibt’s dann die Print- und E-Book-Ausgabe – und einen Dankesbrief des Autors.

„Made with Creative Commons“: E-Book-Projekt versammelt nicht-exklusive Geschäftsmodelle

made-with-creative-commonsIm kalifornischen Mountain View sitzen IT-Unternehmen, deren Börsenwert längst durch die Decke gegangen ist. Doch nicht alle im Silicon Valley sind an maximalen Quartalsgewinnen interessiert. Bestes Beispiel für solche Non-Profits ist Creative Commons. Die gemeinnützige Organisation steht hinter der gleichnamigen nicht-exklusiven Lizenz, die als „Anti-Copyright“ Künstlern und Kreativen, aber auch Unternehmen erlaubt, Inhalte kostenlos zu nutzen, weiterzuverbreiten oder auch zu verändern.

Kann man denn davon leben?

Die digitale Allmende boomt. Weltweit soll die Zahl der cc-lizensierten Werke in diesem Jahr die Milliarden-Marke überschreiten. Doch bleibt bei allem Erfolg die Frage nach der finanzielle Nachhaltigkeit für die Urheber oft im Raum stehen: Wie können die Schöpfer solcher Werke Geld damit verdienen, indem sie ihre Werke der Allgemeinheit zur Verfügung stellen? Oder noch kürzer: Kann man denn davon leben, auch wenn man nicht Cory Doctorow heißt?

24 Open Business-Geschäftsmodelle

Die CC’ler aus Mountain View sind entschieden der Meinung: Ja! Um den Beweis zu führen, wollen Paul Stacey, Sarah Pearson und weiter KollegInnen nun unter dem Titel „Made with Creative Commons“ ein E-Book veröffentlichen, das in 24 ausführlichen Fallbeispielen das gesamte Spektrum möglicher „Open Business“-Modelle auf Grundlage von Creative Commons ausleuchtet. Natürlich wird das Best-Practice-Buch auch selbst cc-lizensiert, und in einem transparenten Publikationsprozess von Punkt zu Punkt online nachvollziehbar produziert. Eine besondere Rolle soll dabei die Social-Journalism-Plattform Medium.com spielen.

Krautpublishing trifft Creative Commons

Nicht zuletzt darf die Web-Community aber auch bei der Finanzierung von „Made with Creative Commons“ in die Bresche springen – via Crowdfunding auf Kickstarter. Also wieder mal eins von diesen Büchern, die ihre Hauptthese auch ganz praktisch beweisen möchten (vgl. Free, Meconomy, Eine neue Version ist verfügbar, etc.) Wer das Projekt auf Kickstarter unterstützt, erhält übrigens auch Stimmrecht bei der Auswahl der Fallbeispiele. CC-basierte Business Modelle nominieren kann aber jeder…

Abb.: Colores Mari/Flickr (cc-by-2.0)

Lies jetzt – zahle später: Bestseller-Autor Paulo Coelho testet alchimistische Gratis-Strategie

paulo-coelho-gratis-marketingAch ja, Paulo Coelho. Entweder man hasst ihn, oder man liebt ihn. Nicht nur was seine Romane à la „Der Alchimist“ betrifft („esoterisches Schwachsinns-Geschwurbel“ meint etwa Dennis Scheck). Auch beim Buchmarketing ist der Mega-Bestseller-Autor ein wahrer Alchimist, und genau deshalb auch veritables Enfant terrible der Branche. „Meine Bücher kosten jetzt nur noch so viel wie eine Tasse Kaffee“, trompetete Coelho vor einiger Zeit, und machte mit 99-Cent-Preisen von sich reden. Vorher hatte der eigenwillige Brasilianer sogar die Piraten aller Welt aufgefordert: „kopiert alles, was ich jemals geschrieben habe!“.

„Tell it to the publishing industry“

Insofern kommt Coelhos neuester Coup nicht wirklich überraschend: auf seinem Blog bietet er zwei seiner Titel kostenlos an – zum unverbindlichen Ausprobieren. Derzeit gibt’s zum Download das leicht gekürzte „Manual of the Warrior of Light“ sowie die portugiesische Originalversion des Romans „Brida“. Verbunden ist das Freebie-Angebot mit einer Bitte: „If you like the text, please buy it – so we can tell the publishing industry that this idea does not harm the business“.

Auf ne Art auch Crowdpublishing

Das beste Beispiel für diese These ist ja Coelho selbst – mit Gratis-Marketing von E-Books im Internet hat der Autor bereits Mitte der Nuller Jahre experimentiert, und trotzdem mehr als 150 Millionen seiner Bücher verkauft. Nun also eine Erweiterung: Kaufe jetzt, zahle später – eine Online-Strategie, die man auch unter Crowdpublishing verbuchen kann. Und die offenbar Aufmerksamkeit schafft: dem Blog des Wall-Street-Journals war das gleich eine Meldung wert, und auch andere Portale haben darüber berichtet.

Prima Idee zur Blog-Promotion

Coelho hat übrigens angekündigt, das „Pay as you wish“-Experiment fortzusetzen: in Zukunft möchte er eine immer wieder wechselnde Auswahl von solchen Gratis-E-Books auf seinem Blog anbieten. Eine gute Idee, um dauerhaft mehr Leser auf seine eigene Webpräsenz zu lenken – und sicherlich gerade für viele Self-Publisher mit eigenem Blog/eigener Website eine bedenkenswerte Strategie.

Abb.: nrkbeta / CC BY-SA 2.0 (Wikimedia Commons)

Krautpublishing-Rekord: Wormworld Saga Vol. 2 sammelt mehr als 43.000 Dollar ein

wormworldsagaHeute startet die deutsche Version von Kickstarter. Welches Crowdpublishing-Potential hinter der Plattform steckt, zeigt ein englischsprachiges Kickstarter-Projekt made in Germany, das heute endet: die Paperback-Version von „The Shelter of Hope – Wormworld-Saga Volume 2“ hat mit mehr als 800 Vorbestellungen knapp 43.000 Dollar eingesammelt. Die vom deutschen Comic-Zeichner Daniel Lieske ursprünglich als E-Comic entwickelte Fantasy-Serie begeistert international so viele LeserInnen, dass solche Zahlen sogar schon mehrmals erreicht wurden: „The Journey begins – Wormworld-Saga Volume 1“ sammelte im letzten Jahr 45.000 Dollar ein, zwei weiterer Kampagnen zur Finanzierung der Online- bzw. App-Version brachten jeweils mehr als 20.000 Dollar.

Print-Version erscheint bei Tokyopop

Damit dürfte die „Wurmwelt“, ein magisches Paralleluniversum, in das ein kleiner Junge namens Jakob hineingezogen wird, zu den weltweit erfolgreichsten Indie-Projekten im Comic-Sektor gehören. Typisch für solche onlinebasierten Vermarktungsformen ist die Kombination von kostenlosem Web-Comic und Monetarisierung via Merchandising und von der Crowd vorfinanziertem Print-Verkauf. Sowohl die deutschen wie auch die englischsprachigen Print-Versionen der Wormworld-Saga erscheinen bei Tokyopop bzw. Tokyopops neuem Label POPCOM – und wartet mit Hardcover und hochwertigem Kunstdruckpapier auf. Wer möchte, kann via Kickstarter aber auch eine in Leinen gebundene De-Luxe-Version mit Goldprägung bestellen.

Prinzip der „unendlichen Leinwand“

Ein besonderer Hingucker bleibt natürlich die elektronische Version – jedes der inzwischen sieben Kapitel lässt sich komplett durchscrollen, es gibt keine Seitenaufteilung. Wer dieses beeindruckende Lese-Erlebnis noch nicht gemacht hat, sollte es unbedingt mal auf wormworldsaga.com nachholen. Für die Print-Version musste das Prinzip der „unendlichen Leinwand“ natürlich durchbrochen werden – das scheint die Fans der Wormworld-Saga aber nicht zu stören. Die deutschsprachigen Bände 1 („Die Reise beginn“) und 2 („Hort der Hoffnung“) kann man zum Preis von 12 bzw. 14 Euro bestellen, z.B. in Lieskes Wormworld-Webshop.

Deutsche Kickstarter-Projekte ab morgen aktiv – neuer Kick für’s Krautpublishing?

kickstarter-jetzt-auch-in-deutschlandAb morgen geht’s los: Kickstarter, die Mutter aller Crowdfunding-Plattformen öffnet sich am 12. Mai 2015 für Projekte made in Germany, und vor allem made FOR Germany. Unter der Adresse kickstarter.com/germany kann man sich bereits einen ersten Eindruck machen, zahlreiche Projekte vor allem aus dem Kulturbereich sind hinter den Kulissen offenbar bereits in Vorbereitung, zu den angekündigten Technik-Gadgets gehört die Storytelling-Maschine „Storyhome“. Natürlich wird im neuen Kickstarter-Bereich nun auch Deutsch gesprochen, selbst die Zahlungsmodalitäten wurden an hiesige Befindlichkeiten angepasst: neben Kreditkarten können zumindest Beträge bis 250 Euro per Lastschrift eingezogen werden.

Kickstarter knackt Milliarden-Dollar-Grenze

Auf dem deutschen Crowdfunding-Markt haben bisher andere Plattformen die Nase vorn: allen voran die waschechten Krautfunding-Adressen Startnext und Visionbakery, die international aktive Plattform Indiegogo betreibt schon seit längerem ebenfalls einen deutschen Ableger. Doch nicht zu unrecht gilt Kickstarter eben als Mutter aller Crowdfunding-Plattformen überhaupt. Das 2009 von Charles Adler, Perry Chen und Yancey Strickler gegründete Unternehmen entwickelte sich im englischsprachigen Raum rasch zur ersten Anlaufstelle nicht nur für das Einsammeln von Massenspenden, sondern vor allem auch für die Pre-Order-Vermarktung von Gadgets und Content. Mittlerweile erzielten erfolgreich abgeschlossenen Kampagnen fast 1,5 Milliarden Dollar (zum Vergleich: Startnext 20 Mio. Euro).

Comics auf Kickstarter besonders erfolgreich

Zu den eindrucksvollsten Kickstarter-Projekten aller Zeiten gehören die Smartwatch Pebble (20 Mio. Dollar), Neil Youngs Hi-End-Walkman Pono (6 Mio. Dollar) sowie der 3D-Zeichenstift Doodler (2 Mio. Dollar). Aber auch weit unterhalb der Millionen-Dollar-Schwelle ist eine Menge los, gerade im Bereich Content: so wurden via Kickstarter im Rahmen von mehr als 20.000 Publishing-Projekten schon fast 100 Millionen Dollar gesammelt, einen besonders hohen Anteil (40 Mio. Dollar) hatten dabei Comics.

Pre-Order-Kampagne als Chance für Verlage

Immer öfter realisieren nicht nur Self-Publisher einzelne Veröffentlichungen mit Hilfe der Crowd, gerade in den USA gehen Startup-Verlage dazu über, Teile ihres Programms vorab mit Crowdfunding zu finanzieren. Dieses Beispiel macht mittlerweile auch in Deutschland Schule: Mikrotext-Verlegerin Nikola Richter vermarktete kürzlich ihr 2015er-Programm via Startnext als eine Art „Flatrate-Abo“. Wächst Kickstarter nun in Deutschland so rasant wie in den USA, könnte das Krautpublishing erst so richtig ins Kraut schießen…

„Bookazine“ im iPad-Format: SHIFT soll an den Kiosk – mit Hilfe der Crowd

SHIFT-ErsteindruckEs ist halb Buch, halb Magazin, es wird gemacht von Digital Natives, es kommt im iPad-Format, aber nicht auf’s Display, sondern an den Kiosk: SHIFT ist da, oder zumindest fast. Mit Hilfe der Crowd möchte Daniel Höly ein Print-Magazin für all jene aus Internet-Generation an den Start bringen, die gesellschaftspolitisch engagierten Journalismus auf Papier noch bzw. wieder schätzen. Dass so etwas funktioniert, hat der Juiced.de-Gründer schon mal gezeigt: 2013 wurde nämlich bereits die Nullnummer von SHIFT in kleiner Auflage via Startnext finanziert und im Direktvertrieb an die Vorbesteller verschickt.

10.000 SHIFTs für die Bahnhofskioske der Nation

Diesmal darf’s aber eine Nummer größer sein: Mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren soll die gedruckte SHIFT erstmals im Buchhandel an Bahnhöfen und Flughäfen erhältlich sein, und dann idealerweise vier mal pro Jahr erscheinen. Die Veröffentlichung der kommenden Ausgabe ist für Anfang April geplant. Gelingt das Crowdfunding, wird die neue SHIFT einen Umfang von 120 Seiten haben und zahlreiche Interviews, Porträts und Debattenbeiträge zum Thema „Break“ enthalten.


Online-Informationsflut als Titelthema

„Die Informationsflut nimmt immer weiter zu und überfordert zunehmend auch unsere Generation – da finde ich es wichtig, nicht einfach ganz abzuschalten, sondern vernünftig darüber zu reden“, so der Kölner Start-Up-Journalist. Über 15 Autoren haben für die neue SHIFT geschrieben, angelehnt an das Konzept von Juiced.de und dessen Ressort-Aufteilung in „Hirn“, „Herz“, „Horizont“ und „Mehrwehrt“. Schafft es SHIFT, wird es der Printableger des 2008 gestarteten „Blogazines“ sein.

Crowdfunding-Kampagne läuft gut an

Gute Chanchen hat die Blog-Auskopplung auf Papier durchaus, immerhin konnte Hölys Projekt auf der Crowdfunding-Plattform Startnext schon ein Viertel der benötigten Summe von 17.500 Euro einsammeln, die Kampagne läuft noch bis Anfang März. Um Geld allein geht’s Höly dabei nicht: „Crowdfunding ist für mich in erster Linie keine Vorfinanzierung, sondern das Aufbauen von Beziehungen“, so der Jungunternehmer. Zugleich ist SHIFT auch die Verbindung von Theorie und Praxis – der Titel von Hölys Diplomarbeit lautete: „Konzeption eines Printmagazins für Digital Natives“.

Humble Bundle erzielte 2014 mehr als 4 Mio. Dollar mit E-Books & E-Comics

Von wegen, Gamer lesen nicht… Man muss ihnen offenber nur die richtigen Angebote machen, so wie die Bezahl-was-du-willst-Plattform Humble Bundle. Seit Anfang 2014 werden dort neben Spielen nicht nur E-Comics, sondern auch E-Books bündelweise unter die Leute gebracht, alle zwei Wochen startet ein neues Bündel (E-Book-News berichtete). Insgesamt 18 Bundles mit Buchstaben innerhalb oder außerhalb von Sprechblasen erzielten in diesem Jahr 4,75 Millionen Dollar, wobei E-Comics alleine 3 Millionen Dollar einbrachten. Denn immerhin zehn Bundles bestanden ausschließlich aus digitalen Bildergeschichten. Im Durchschnitt landete jedes Bundle bei 265.000 Dollar.

Zum Pay-What-You-Want-Prinzip kommen bei Humble Bundle noch spezielle Incentives dazu: gibt man mehr als der Durchschnitt, erhält man zusätzliche Bonus-Titel, außerdem geht ein bestimmter Prozentsatz der Einnahmen als Spende an gemeinnützige Organisationen, wieviel, kann man ebenfalls selbst bestimmen. 2014 wurden mit den E-Book- und E-Comic-Bündeln auf diese Weise mehr als 1 Mio. Dollar für den guten Zweck gesammelt, etwa für Ärzte ohne Grenzen oder den gegen staatliche Zensur gerichteten Comic Book Legal Defense Fund.

Ursprünglich war Humble Bundle mal gegründet worden, um Indie-Spieleentwicklern eine eigenständige Verkaufsplattform zu geben – doch das Bezahl-was-du-willst-Prinzip erwies sich als so erfolgreich, dass man es rasch auf andere digitale Content-Formen ausdehnte, zunächst Musik, Hörbücher und E-Comics, später dann auch konventionelle E-Books. Gestärkt wird durch die Humble E-Book-Bundles auch die Anti-DRM-Bewegung, denn die Bündel sind grundsätzlich frei von digitalem Rechtemanagement.

Immer mehr Verlage scheinen dank Humble Bundle nun auf den Geschmack zu kommen, gibt es doch kaum einen besseren Weg, die Altersgruppe zwischen 12 und 39 zu erreichen – allerdings sind die Comicverlage deutlich schneller. Nicht zuletzt konnte das Humble E-Book-Bundle auch das Vorurteil widerlegen, die Gaming-Community würde gar keine Bücher mehr lesen – tatsächlich würden die Bundle-Käufer im Nachhinein sich oft auch Printversionen kaufen, so die bei Humble Bundle für die E-Book-Sparte zuständige Kerry Allen gegenüber Publishers Weekly.

Abb.: Screenshot Humble Bundle

Crowdpublishing mit Rendite: Pentian macht Projekt-Unterstützer zu Investoren

Crowdpublishing war finanziell gesehen bisher eine Einbahnstraße: Autoren oder Verlage sammelte Vorbestellungen, als Gegenwert erhalten die Unterstützer am Ende das fertige Produkt, ob nun Print-Buch oder E-Book, manchmal auch noch spezielle Goodies wie signierte Exemplare, Poster, T-Shirts oder eine Einladung zur Release-Party. Bei der spanischen Crowdpublishing-Plattform Pentian ist das anders: neben Crowdfunding-Elementen kommt hier auch Crowdinvestment dazu – die Hälfte der Erlöse fließt an die Crowd zurück. Den Rest teilen sich Autor und Plattform im Verhältnis 40 zu 10 Prozent.

Das Modell ist offenbar auch deswegen so erfolgreich, weil die Unterstützer in ihrer Eigenschaft als Investoren ein besonders großes Interesse daran haben, das Produkt im eigenen Freundes- und Followerkreis zu promoten. Außerdem gilt bei Pentian ein verschärftes Alles-oder-nichts-Prinzip: sobald die benötigte Summe erreicht ist, endet die maximal zweimonatige Kampagne sofort – was ab Quoten von 80 Prozent und mehr regelmäßig zu rasanten Endspurts führt. Da es um Crowdinvestment geht, sind auch die individuellen Summen größer: je nach Projektvolumen ist man z.T. erst ab 50 Dollar dabei, kann aber auch bis zu 1.000 Dollar anlegen. Die Beteiligungen sind entsprechend der Investitionshöhe zwischen 0,5 bis 10 Prozent gestaffelt, ein Buch braucht mindestens 10, höchstens 100 Unterstützer, um erfolgreich zu sein.

Nach dem sich Pentian auf diese Weise bereits 6 Prozent des Self-Publishing-Marktes in Spanien gesichert hat, begann im Sommer 2014 die Internationalisierung. Als erstes wurde der US-Markt anvisiert. Keine schlechte Idee, denn neben nach und nach neu hinzukommenden englischen Titeln lassen sich dort natürlich auch Bücher made in Spain ganz gut vermarkten – mehr als jeder zehnte US-Amerikaner zählt sich selbst zur Gruppe der „Hispanics“.

Gestartet ist Pentian vor zehn Jahren als mehr oder weniger traditioneller Verlag, ab 2009 mutierte das Unternehmen dann motiviert durch den E-Book-Boom zum Self-Publishing-Dienstleister, bei dem Autoren je nach Bedarf auch Lektorat, Cover-Design und Marketing-Maßnahmen hinzubuchen können, was aber Kosten zwischen 1.500 und 5.000 Euro verursacht. Das konnten sich viele Self-Publisher aber nicht leisten, was am Ende zur Integration von Crowdfunding- und Crowdinvestment elementen führte.

Inzwischen umasst das Verlagsprogramm mehr als 6.000 Titel, lieferbar im gesamten Buchhandel – wobei Pentian im Kern natürlich kein klassischer Verlag ist, denn über den Inhalt entscheiden die Autoren selbst. Nur für die äußere Form und den Vertrieb sorgen Publishing-Spezialisten. Eine clevere Kombination aus Indie- und Industrie, die beiden Seiten hilft, verlegerische Risiken zu vermeiden: Bücher, die die Crowd nicht mag, werden eben erst gar nicht produziert. Die Pentian-Macher sehen sich denn auch als Disruptoren einer ohnehin schon moribunden Buchbranche. „Traditional publishing is a dying corpse of oligarchic protectionism“, so Ko-Gründer Enrique Paquilla gegenüber Publishing Perspectives.

Google Contributor, oder: werbefreie Content-Flatrate nach Crowdfunding-Art

Vorsicht, keine Satire: Wenn Leser in Zukunft die Website von „The Onion“ ansteuern, bekommen sie keine Google-Anzeigen mehr zu sehen. Statt dessen erscheint ein Dankeschön-Banner – denn sie zahlen für ihren Besuch automatisch einen kleinen Betrag an das Satire-Magazin, abzüglich einer Provision für Google (Höhe bisher unbekannt). Ähnlich läuft es auf einem knappen Dutzend anderer Portale, darunter Mashable oder Science Daily. „Google Contributor“ nennt sich das neue Programm, das deutliche Anleihen bei existierenden Abo-Modellen wie auch Crowdfunding-Konzepten macht.

In der Beta-Probephase ist nicht nur die Zahl der teilnehmenden Websites beschränkt, sondern auch die Zahl der Nutzer – Interessenten können sich aber auf eine Warteliste für „Invites“ setzen lassen. Wer einen Zugang erhält, darf zwischen 1 und 3 Dollar pro Monat investieren, die über das jeweilige Google-Account und die dort registrierte Zahlungsweise abgebucht werden. Vorteil bei diesem Programm: auf den Websites ist dann überhaupt keine Werbung mehr zu sehen, denn mitmachen dürfen nur Portale, die ihre Bannerplätze ausschließlich via Google verwerten.

Neu ist diese Idee natürlich nicht. Das Crowdfunding-Netzwerk Kachingle etwa hat exakt auf diese Weise schon seit 2010 versucht, vor allem kleineren Blogs regelmäßige Einnahmen zu garantieren, in dem ein monatlicher Betrag gemessen an der Zahl der jeweiligen Seitenaufrufe pro Nutzer ausgeschüttet wurde. Und auch die Logik hinter dem Flattr-System ist ganz ähnlich. Google selbst hat auch bereits mit Schwarmspenden experimentiert: auf dem zum Suchmaschinen-Riesen gehörenden Youtube dürfen Kreative via „Fan Funding“-Programm neuerdings eine virtuelle Kaffekasse aktivieren, die man mit Beträgen zwischen 1 und 1.500 Dollar auffüllen kann.

Anders als die Crowdfunding-Startups hat Google auch kein Problem mit dem Erreichen der „kritischen Masse“, potentielle Nutzer mit Google Account gibt’s millionenfach. Ist das nun gut oder schlecht? Das bleibt wohl Ansichtssache: Klassisches Crowdfunding hatte immer schon sehr viel mit dem Streben der Publisher nach Unabhängigkeit und finanzieller Dezentralisierung zu tun. Ähnlich wie beim exklusiven Anzeigengeschäft via Google steht jedoch immer noch Google als Vermittler zwischen Crowd und Content. Dabei eröffnet sich eine bisher unerwartete Perspektive: Crowdfunding mutiert zu einer Disintermediations-Strategie, bei der nur noch der Internet-Konzern und die Inhalteanbieter übrigbleiben. Werbetreibende müssen draußen bleiben.

(via GigaOM)