Do-it-yourself lohnt sich, oder auch nicht: Audible.de baut Hörspielproduktion von „Originals“ aus, Dawanda schließt die Pforten

dawanda-audible-newsNeulich im deutschen Internet: Die ganz großen bauen ihr Geschäft aus, die kleinen machen dicht. Letztes Beispiel für den Ausbau: Audible. Die deutsche Abteilung von Amazons Hörspieltochter forciert die Produktion von „Originals“, also selbst vertonten Hörbüchern und Hörspielen. Schon jetzt werden mehr als 1000 lizensierte Titel pro Jahr in Hörform gebracht, in Zukunft sollen es auch immer mehr szenisch inzenierte Hörbücher sein, die exklusiv für Audible geschrieben wurden.

Audible vs. Spotify, Prime vs. Netflix

Zu diesem Zweck werden in der Berliner Zentrale in Kürze vier nagelneue Tonstudios zur Verfügung stehen. Mehr als 300 Sprecher sitzen schon jetzt regelmäßig für Audible-Produktionen vor dem Mikrofon, prominente Stimmen sollen die Lauschüre attraktiv für Neukunden machen. Hier wiederholt sich am Ende das, was wir schon aus dem Bereich der TV-Serien kennen: mit einem ebenso exklusiven wie individuellen Programm versuchen sich die Anbieter voneinander abzuheben und zum Marktführer zu werden, siehe Amazon Prime, siehe Netflix — nicht zufällig produziert auch Spotify nun schon deutschsprachige Audio-Inhalte selbst.

DIY made in Germany, c/o Etsy

Und der Abbau? Tja, in diesen Tagen ging die Meldung über den Ticker, Dawanda würde dicht machen. Das e-kommerzielle Verticken von „selbst produziertem“ Zeugs aus dritter Hand scheint sich für die Plattform-Pioniere auf dem Gebiet der Do-it-Yourself-Communities nicht mehr zu lohnen. Die meisten Mitarbeiter sind schon „freigestellt“, nun landen auch die Verkäufer vor der Tür, bzw. in den Armen der US-Konkurrenz von Etsy — es wird nämlich ein „Wechsel-Tool“ bereitgestellt, um die Anbieter-Profile zu übertragen. Sobald Dawanda abgeschaltet ist, werden auch die Seiten-Besucher in Richtung Etsy umgeleitet.

(via Berliner Morgenpost & Heise)

Toppt Bookii Ting und Tiptoi? Tessloff peppt Kinderbücher medial auf – mit selbst entwickeltem „Hörstift“

tessloff-startet-hoerstift-bookiiTja! Ist ein Kinderbuch – vielleicht noch vorgelesen von den Eltern – nun wirklich nicht genug Interaktion? Braucht man noch „Originalgeräusche“ und eine quäkende Rezitations-Stimme aus dem Off? Videos, Hörspiele, Vorlese-Karaoke? Und wenn schon, reicht dann nicht doch das Smartphone bzw. die Smartphone-Kamera aus, Stichwort: Augmented Reality? Tessloffs Antwort auf diese Fragen kennen wir jetzt: Kauft Bookii!

Lesen, hören, lernen: Von Ting zu Bookii

Aber eigentlich kannte man die Antwort auch schon vorher. Denn mit dem neuentwickelten Hörstift namens Bookii setzt der durch die „Was ist Was“-Reihe bekannte Verlag ganz einfach mit eigenen Mitteln fort, was zuvor bereits in Kooperation mit den Machern des Audiostiftes „Ting“ erprobt wurde. Im Verlagsprogramm findet man so u.a. „interaktiven“ Ting-Leuchtgloben , audio-enhanceden Englisch-Lernfibeln („Hören und Lernen“) sowie gesprächigen Bilderbüchern („Geschichten zum Lesen und Hören“).

Bookii-Editonen von „Was ist Was Junior“

Wie Buchreport berichtet, kommt nun ab April bei Tessloff eine spezielle Bookii-Edition der Was-ist-was-Junior-Bücher heraus, mit Titeln wie „Entdecke den Körper“ oder „Entdecke Deutschland“. Außerdem kann man Bookii-Starter-Sets kaufen, die Buch und Stift enthalten. Der Stift hat USB- sowie Bluetooth-Schnittstelle (letzeres zwecks Smartphone-Interoperablität), Kopfhörerbuchse, Lautsprecher und Mikrofon, bedienen lässt er sich mit Hilfe von diversen, MP3-Player-ähnlichen Play, Pause, Volume etc-Tasten.

Jetzt gibt es drei Hörstift-Konzepte

Da auch Ravensburger mit dem tiptoi bereits vor einigen Jahren ein stiftbasiertees „audiodigitales Lernsystem für Bücher, Spiele und Spielzeug“ an den Start gebracht hat, gibt es Bookii und Ting inklusive nun also (mindestens) drei solcher digitalen Hörstifte auf dem deutschen Buchmarkt, die an die Kinder und Eltern appellieren: Leiht uns eure Ohren!

(via Buchreport.de)

Abb.: Tessloff Verlag

Das wird Folgen haben: Audible stärkt Kundenbindung mit wöchentlichen Podcasts

audible-exklusive-podcasts-gestartetKundenbindung mittels Exklusivität plus Serialisierung von Content — das gehört schon länger zu Amazons Erfolgsrezept, siehe zum Beispiel Prime Video. Nun macht es auch die 100prozentige Amazon-Tochter Audible so: letzte Woche hat das Hörspiel-Portal 22 „Audible Original Podcasts“ gestartet, mit Inhalten von großen Medienmarken wie Spiegel (mit Olaf Heuser & Christina Pohl), Bunte (mit Nina Ruge) oder Brand Eins (mit Jörg Thadeusz) bis hin zu Independent-Autoren wie Denis Scheck („Unüberhörbar“), Tilman Rammstedt und Ronja von Rönne („Rönne & Rammstedt … uns fragt ja keiner“) oder Oliver Polak und Micky Belsenherz („Juwelen im Morast der Langeweile“).

Jeden Monat gibt’s zwei neue deutsche Serien

„Jeder Hörer soll mindestens einen Podcast finden, den er jede Woche regelmäßig hören will“, so Paul Huizing, Programmverantwortlicher von Audible Deutschland. Neben 17 speziell für den deutschen Markt produzierten Podcasts gibt’s zum Start auch noch fünf englischsprachige Übernahmen zu Themen wie „The Dark Web“, „Ponzi Supernova“ (mit Bernie Madoff-O-Tönen) oder „The Butterfly-Effect“ (über das „Web of Desire“). Das deutsche Angebot soll jeden Monat um zwei weitere deutsche Serien wachsen.

Konkurrenz für Apple Podcasts?

Die Podcasts sind ab sofort Teil des normalen Audible-Abos, das heißt für monatlich 9,95 Euro kann man neben einem Hörbuch nun auch unbegrenzt in die „Audible Originals“ hineinhören. Ob sich die Podcasts nicht nur zur Kundenbindung, sondern auch zur Neugewinnung von Hörern eignen, bleibt abzuwarten. Mit iTunes bzw. „Apple Podcasts“ und der zugehörigen App gibt es jedenfalls schon eine längst etablierte, starke Marke beim non-fiktionalen seriellen Lauschen, die zumal kostenlosen Content bereitstellt.

(via heise.de)

Per Smartphone-App direkt auf’s Ohr: BookBeat bietet mobiles Hörbuch-Abo

bookbeats-hoerbuch-aboErst Schweden, Finnland und Großbritannien, dann Deutschland: BookBeat, Bonniers Abo-Service für digitale Hörbücher geht nun auch — später als angekündigt — hierzulande an den Start: die App steht ab sofort für iOS– und Android-Nutzer zur Verfügung. Für monatlich 14,90 Euro können BookBeat-Nutzer unbegrenzt Hörbücher streamen oder für die Offline-Lauschüre downloaden, die ersten zwei Wochen lang kann man das neue Angebot gratis testen.

Zum Start „tausende“ Hörbücher im Angebot

Das Spektrum von Bonniers Audio-Abo ist einstweilen noch überschaubar, BookBeat spricht von „tausenden“ Hörbüchern und Hörspielen in deutscher und englischer Sprache. Das Bonnier-Startup hat also eine Art Soft-Launch hingelegt, will Nutzererfahrungen sammeln, die Apps optimieren und den Katalog sukzessive durch Kooperationen mit weiterne Verlagen erweitern. Bisher sind 50 große und kleine Publisher mit im Boot. Auch das für den hiesigen Markt zuständige Team soll noch ausgebaut werden.

Audible ist in Deutschland Marktführer

Anders als bei E-Book-Abos ist der Markt für Hörbuch-Abos in Deutschland noch überschaubar, neben dem zu Amazon gehörenden Marktführer Audible mit mehr als 100.000 Titeln tummeln sich diverse kleinere Akteure mit vergleichweise begrenzten Katalogen. Letzter Neuzugang war Legimi – der polnische Flatrate-Anbieter bietet neben E-Books auch 15.000 Hörbücher, teilweise kann man in der Legimi-App flexibel zwischen E-Book- und Audio-Version hin- und herwechseln.

(via boersenblatt.net)

Podcasts zum Anfassen, oder: erweitertes Hören auf Papierbasis

Podcast-als-Buch-Seung-Tae-OhMan soll ja ein Buch nie nach seinem Cover beurteilen. Beim aktuellen Projekt von Seung Tae Oh jedoch ist alles etwas anders — auch, weil die Objekte des britischen Produktdesigners zwar von außen wie Bücher aussehen, aber tatsächlich die haptische und optische Umsetzung von … Podcasts darstellen. Hier wurden also Audio-Serien „verpackt“ und materialisiert, die es normalerweise überhaupt nicht in physischer Form gibt.

„Hörerfahrung mit physischen Elementen erweitern“

„Wir können uns unsere Lieblings-Geschichten jederzeit und überall anhören. Aber man darf auch nicht vergessen, wie die Leute normalerweise ihre Lieblings-Objekte in Besitz nehmen, sammeln und mit Freunden teilen, also etwa Bücher oder CDs“, so Oh gegenüber Fast Co. Design. Deswegen habe er angefangen, mit den Möglichkeiten der physischen Form zu experimentieren. „Ich denke dass physische Elemente die Hörerfahrung erweitern können, weil sie zusätzliche Informationen enthalten“.

Anfassen statt Durchklicken oder Tippen

Dabei hat Oh weitaus mehr als nur hübsche Cover entworfen – im Fall des Thriller-Podcasts Serial etwa enthält die Verpackung Tatortfotos sowie einen im Vintage-Style aufgemachten Lautsprecher, mit dem man Episoden der ersten Serial-Staffel anhören kann. Um eine Folge zu starten, schiebt man einen der mitgelieferten, betitelten Umschläge in die Covertasche, dank RFID-Chip beginnt dann automatisch das Playback.

Für einzelne Folgen des Design-Podcast 99 Percent Invisible hat Oh individuell gestaltete Päckchen entworfen, die neben einem Booklet mit zusätzlichen Informationen auch einen QR-Code enthalten, den man mit dem Smartphone einscannen kann, um die betreffende Folge anzuhören.

via The Next Web

Hörbücher & E-Books: Kopf an Kopf-Rennen in der medialen Nische

ebooks-und-hoerbuecher-kopf-an-kopfHörbücher und E-Books liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, was die Zahl der Käufer wie auch die Wachstumszahlen betrifft. Das zeigen die letzten GfK-Zahlen – während elektronische Bücher letztes Jahr ein Umsatzwachstum von 2,6 Prozent erzielten, schafften Hörbücher (CD & Downloads) 1,1 Prozent Plus. Die Zahl der Hörbüchkäufer lag 2016 laut GfK bei 3,3 Millionen, die der E-Book-Käufer bei 3,8 Millionen.

Etwa ein Fünftel der Buchhandelskunden gehört zu den Lauschern, etwa ein Fünftel zu den E-Lesern – doch deckungsgleich sind diese Gruppen nicht, das zeigt alleine schon ihr Kaufverhalten: die meisten Hörbücher, nämlich vier von fünf, werden „physisch“ als CD erworben. Vor allem auch deshalb, weil Hörbücher gerne verschenkt werden – ein Drittel landet auf zu unterschiedlichen Anlässen dem Gabentisch.

Besonders beliebt sind Hörbücher wohl auch deshalb bei der Generation 60Plus, obwohl die Beliebtheit bei den 10 bis 19jährigen zuletzt ebenfalls erkennbar angestiegen ist. Schlecht vergleichen lassen sich E-Books und Hörbücher letztlich aber auch aus einem ganz praktischen Grund: nur für vergleichsweise wenige, verkaufsstarke Titel werden überhaupt Hörbücher produziert.

Besonders attraktiv erscheint immerhin die gekoppelte Vermarktung von E-Book & MP3-Audiobooks, besonders aktiv beim Bundling auf internationaler Ebene ist Amazon, siehe die Audible- und Kindle-Shop-Angebote. Hier dürfte wohl auch in Zukunft das größte Potential für E-Lektüre und E-Lauschüre liegen…

(via Börsenblatt)

Abb.: Garry Knight (cc-by-2.0)

Auditive Turn beim Smartphone: Vom Tipp und Wisch zum Sprachbefehl, vom E-Book zum Audio-Book?

vom-touch-und-wisch-zum-sprachbefehlZehn Jahre war Touch-Screen das nächste große Ding, auch beim Lesen: Wisch und weg, wisch und weg, so geht umblättern jetzt. Nicht zu vergessen der Zweifinger-Zoom mit Daumen und Zeigefinger zum Vergrößern bzw. Verkleinern der Schrift. Je mehr wir uns daran gewöhnt haben, desto öfter taucht die Frage auf: und was bitteschön wird das nächste große Ding? Amazon, Microsoft oder Google machen es bereits vor: die Bedienung per Sprachbefehl. Wichtigstes Gerät im Zentrum dieser Bemühungen bleibt bis auf weiteres – trotz Smarthome-Lautsprechern wie Alexa – das Smartphone. Das zeigen aktuelle Bitkom-Zahlen: schon zwei Drittel der deutschen Nutzer steuern iPhone & Co. ausschließlich oder zum Teil auf Zuruf, ergab eine repräsentative Umfrage.

Es geht um Komfort, aber auch Effektivität

„Das Smartphone ist ein Wegbereiter für digitale Sprachassistenten, die mit jeder Anfrage dazulernen und immer besser werden“, so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Das habe auch mit der Effizienz zu tun: „Der Durchschnittsnutzer kann 150 Wörter pro Minute sprechen, aber nur 40 Wörter pro Minute tippen.“ Besonders beliebt – und natürlich nicht ganz neu – ist das Anrufen von Kontakten via Sprachbefehl. Jeder zweite der sprachaktiven Nutzer diktiert auf diese Weise allerdings auch schon Textnachrichten, jeder dritte erledigt Suchanfragen oder Web-Recherchen, jeder zehnte startet Smartphone-Apps per Sprachbefehl.

Auditive Turn weg vom E-Book?

Das wiederum kann dann natürlich auch eine E-Reading-App mit Vorlesefunktion sein oder ein Audio-Player, der ein Hörbuch abspielt. Diesen Komfort wissen offenbar nicht nur blutjunge Early Adopter zu schätzen, sondern auch ältere Semester: die 14- bis 29jährigen liegen zwar mit 70 Prozent bei der Sprachsteuerung ganz vorn, doch auch die 30- bis 64jährigen sind mit 60 bzw. 58 Prozent stark vertreten.

Auditive Turn weg vom E-Book?

Wird also das Lesen bei diesem erneuten medialen Turn endgültig abgelöst, und zwar ausgerechnet vom Hören? Ganz sicher auch diesmal nicht – siehe das Rieplsche Gesetz. Was man aber erwarten darf: die audiovisuelle Medienphalanx wird neu aufgestellt, speziell Audiobooks und sonstige Hörangebote dürften in Zukunft noch wichtiger werden – und je nach Situation deutlich leichter zum Medium der Wahl.

Social Höring: Mit Audible-„Clips“ kann man jetzt Hörbuchzitate mit Freunden teilen

audible-clips-social-listeningDas Versenden von E-Book-Zitaten per Mail oder Facebook & Twitter ist längst Standard in Zeiten von Social Reading. Mit einem neuen Audible-Feature namens „Clips“ ist das nun auch bei Hörbüchern möglich: Amazons Audiobook-Tochter erlaubt es mit wenigen Klicks bzw. Fingertipps, spannende Stellen mit anderen zu teilen. Hörbuch-Marketing kann also in Zukunft auch mit der Methode des „Social Listening“ stattfinden, ähnlich wie im herkömmlichen Buch-Marketing via Social Reading.

Clips bis 45 Sekunden Länge möglich

Um Clips zu nutzen, klicken HörerInnen in der neuen Version der Audible-App (iOS, Android, Windows) auf das entsprechende Symbol in der rechten unteren Ecke des Displays, sobald ihnen gerade laufende Passage besonders gefällt. Im nächsten Schritt werden automatisch die zuletzt gehörten 30 Sekunden angezeigt, der Ausschnitt lässt sich sekundengenau bearbeiten, zuschneiden (zwischen 5 und 45 Sekunden) und speichern. Die Clips lassen sich dann als Link via Facebook, Twitter, E-Mail & Co. teilen, und auch durch die Empfänger weiterverbreiten.

Anderen Anbietern ist Audible voraus

„Wir sind der erste und einzige Anbieter, der eine solche Funktion anbietet“, klopft sich Audible-Geschäftsführer Nils Rautenberg auf die Schulter – man stelle damit erneut die „Innovationsführerschaft im digitalen Hörbuchsegment“ unter Beweis. Daneben ist Audible in Deutschland auch unangefochtener Marktführer – mit einem Marktanteil von geschätzten 90 Prozent bei Hörbuch-Downloads hat Amazon anders als bei Büchern und E-Books den traditionellen Buchhandel fast komplett den Ton abgedreht.

„Aufmerksamkeit für Hörbücher steigern“

Für die Anbieter von Inhalten muss das natürlich nicht unbedingt nur von Nachteil (= Amazon diktiert die Konditionen) sein, immerhin geht es hier um einen stark wachsenden Markt, auf dem man nun auch mit Hilfe der via Clips produzierten Hörproben besser auf sich aufmerksam machen kann. So sieht das auch Audible: mit Clips schaffe man für Autoren, Sprecher und Verlage eine „moderne Möglichkeit, die Aufmerksamkeit für ihre Hörbücher zu steigern und mit den Hörern zu interagieren“, so die aktuelle Pressemitteilung.

Bücher auf Reisen: Gratis-Hörbücher im ICE, Lektüre-Freigepäck im Flieger

buch-an-bordVon wegen saure Gurkenzeit: Kommt die Hauptreisesaison in Sicht, läuft auch die Literaturvermarktungs-Maschine auf Hochtouren. Neben den üblichen sommerlichen Werbeaktionen für wasserdichte E-Reader oder thematisch passende Lektüre-Schnäppchen gab die Buchbranche in diesen Tagen aber auch interessante Kooperationen mit ausgwählten Verkehrsbetreibern bekannt: so liefert Zebralution neuerdings digitale Hörbucher ins WLAN-Netz der Deutschen Bahn, und die Fluggesellschaft Condor spendiert ein Kilo Freigepäck für gedruckte Bücher.

Spannung im Bord-WLAN

Schon seit Mai kann man in den ICE-Zügen der Deutschen Bahn via Bord-WLAN auf ein kostenloses Angebot von jeweils neun Hörbuch-Titeln zugreifen. Auf Titel mit verschiedenen Spielzeiten wird dabei ebenso geachtet wie auf den richtigen Genre-Mix. Zum Start mit dabei waren im Mai und Juni etwa Autoren wie Simon Beckett, Andreas Eschbach oder David Baldacci, dazu „klassische“ Serienhelden wie John Sinclair oder Sherlock Holmes und nicht zuletzt auch Romane von Jules Verne.

ICE-Portal als digitaler Kiosk

Der Zugang erfolgt über das „ICE Portal“ der DB, das sich als Startseite im Browser öffnet, sobald sich der Reisende mit seinem eigenen mobilen Endgerät mit dem Bord-WLAN verbindet. Über diesen Kanal will die Bahn in Zukunft auch verstärkt digitale Bezahlangebote (u.a. auch Spiele) vermarkten, schon jetzt lassen sich dort u.a. E-Newspaper von WELT, Handelsblatt, SZ und Financial Times erwerben, bezahlt wird über den jeweiligen Mobilfunkanbieter des Nutzers.

Erstklassiger Weg ins Web

In der ersten Klasse ist der Zugang zum WLAN (d.h. dem rollenden Telekom-Hotspot) an Bord der ICEs nur für Fahrgäste der ersten Klasse kostenlos, in der zweiten Klasse zahlt man dafür bisher noch 4,95 Euro. Kleine Ausnahme: Tolino-Nutzer können den Hotspot mit ihrem Reader auch nutzen — zumindest zum E-Book-Download und Minimal-Surfen mit dem eingebautem E-Ink-Browser. Ab 2017 soll der Zugang dann für alle Reisenden im ICE kostenlos sein — die Bahn reagiert damit offenbar auf die Fernbus-Konkurrenz, wo Gratis-WLAN längst zum Standard gehört.

„Buch an Bord“-Aufkleber für den Koffer

Eher ein gelungener PR-Gag scheint dagegen die aktuelle Aktion der Initiative „Vorsicht Buch“ zum Thema Freigepäck auf Condor-Flügen zu sein: den zur Teilnahme notwendigen Aufkleber „Buch an Bord“ gibt’s ausschließlich im stationären Buchhandel – pappt man ihn auf den Koffer, darf man vom 1. Juli bis 31. August ein Kilogramm mehr Gepäck beim Check-In aufgeben, was ja ungefähr drei bis vier Paperback-Schmökern entsprechen dürfte. Ein E-Reader wiegt dagegen ja deutlich weniger, egal wie prall er mit Lektüre gefüllt wird…

(via DeutscheBahn.com & Condor.com)

Audible rettet Pottermore: Hörbuch-Version von Harry Potter toppt 1 Mio Downloads in 4 Monaten

harry-potter-audibleBestseller-Autorin J.K. Rowling weiß, was sie will — nämlich: die weitgehende Kontrolle über ihr Harry-Potter-Imperium behalten. Die exklusive Vermarktung der digitalen Versionen via Pottermore allerdings gab die geschäftstüchtige Schrifstellerin im November 2015 nach knapp vier Jahren auf zugunsten von E-Commerce-Deals mit großen Plattformen wie Apple (iBooks), Barnes&Noble oder Amazon (Audible). Und auch das hat sich offenbar gelohnt: in wenigen Monaten wurden die Harry-Potter-Hörbüchervia Amazons Audiobook-Sparte mehr als eine Million mal heruntergeladen, in den meisten Fällen wohl im Rahmen des monatlichen Abos, mit dem 90 Prozent der Audible-Umsätze erzielt werden.

Prominente Stimmen als Erfolgsfaktor

Zum raschen Erfolg der Hörbuch-Versionen von Band 1 bis 7 der Harry-Potter-Reihe via Audible tragen sicherlich auch die prominenten Stimmen bei, in Deutschland etwa Felix von Manteuffel, in Großbritannien Stephen Fry. „Die Marke von einer Million Downloads haben auch andere Titel schon erreicht, aber nie nach so kurzer Zeit wie Harry Potter“, betont Nils Rauterberg, Geschäftsführer der deutschen Audible GmbH. „Unsere Hörer verschlingen Hörbücher, im Durchschnitt lädt jeder von ihnen 17 Titel pro Jahr herunter.“ Da sei es kein Wunder, dass die wunderbaren Geschichten von Harry Potter besonders beliebt wären, nachdem man sie in unser Audible-Angebot integrieren konnte.

Pottermore hat die Krise überwunden

Auch in punkto E-Books (die Harry-Potter-Romane kann man z.B. auch „kostenlos“ via Kindle Unlimitedlesen) scheint sich die Öffungsstrategie gelohnt zu haben — schon im Januar hatte Pottermore bekanntgegeben, in der Weihnachtsaison seit November 2015 mehr E-Books und Audiobooks verkauft zu haben als in den gesamten 12 Monaten davor, zudem toppte die Zahl der Hörbüch-Verkäufe den der Hardcover-Versionen. Den raschen finanziellen Erfolg hatte die erst 2012 gelaunchte Plattform Pottermore aber auch ziemlich nötig, denn durch das Auslaufen einer Affiliate-Partnerschaft mit dem Sony-Konzern hatte die Plattform 2015 im Vergleich zum Vorjahr Verluste im zweistelligen Millionen-Bereich geschrieben und zwischenzeitlich sogar Personal abbauen müssen.