„Yo, nennt mich Ishm@el!“: Wie Smartphones den Plot berühmter Bücher verändern würden

yo-call-me-ishmaelHat die technologische Entwicklung einen Einfluss auf die Literatur? Strukturell sicherlich, da muss man sich bloß mal Phänomene wie Facebook-Novel, Twitteratur oder den klassischen Handy-Roman anschauen. Immer öfter wird ja auch direkt auf mobilem digitalem Schreibzeug getextet. Apropos: könnten Smartphones neben der Sprache eigentlich auch den Inhalt einer Geschichte verändern? Immerhin hat ja fast jeder schon ein iPhone oder ähnliches in der Tasche. Das dürfte dann auch für Romanhelden gelten, und zwar rückwirkend, hat sich Katherine Brooks überlegt. Heraus kam dabei ein großartiger Artikel für die Huffington Post: „How Cellphones Would Change the Plots of Famous Books“ – „Wie mobile Telefone den Plot berühmter Bücher verändern würden“.

Kostprobe gefällig!?

Zum Thema Shakespeare/Romeo & Julia:

Mobiltelefone machen es verdammt schwer, sich noch an eine Zeit zu erinnern, als man noch nicht stante pede kommunizieren konnte, dass man sofort etwas bestimmtes braucht oder gerade eine tolle Idee hatte. Heutzutage würde Julia an Romeo texten: „Romeo, fake jetzt meinen eigenen Selbstmord, BGWD“, und Romeo so: „K“.

Zum Thema Melville/Moby Dick:

„Yo, nennt mich Ish@el!“ textet unser Erzähler am Beginn des Buches überschwänglich an Kapitän Ahab. Die beiden treffen aufeinander vermittelt durch eine crowdgesourcede Walfänger-Website“.

usw., mehr über Romeo & Julia, Moby Dick, aber z.B. auch den Grafen von Montechristo (Twitter-Leaks) bis hin zu Anna Karenina (Group Chat) via Huffington Post.

(via Teleread.com)

Abb.: Bram.Koster (cc-by-2.0)

„Mobile Theorie zum Unterwegsgebrauch“ – Der Berliner Merve-Verlag bringt Deleuze, Virilio &Co. als Java-App auf’s Handy

merve-handy-e-book-deleuze-virilio-guattariDie einen lesen Handy-Romane, die anderen mobile Theorie. Der Berliner Kleinverlag Merve schickt Theorie-Klassiker wie Paul Virilio, Friedrich Kittler oder Gilles Deleuze per WPA-Push-SMS auf das Display. Zum Einheitspreis von 2,99 Euro kann man die Handybücher in Form einer Java-App auf das Mobiltelefon herunterladen. Nur iPhone-Besitzer gehen leider leer aus. Realisiert wurden die E-Books fürs Handy von der Agentur Cosmoblonde.

Seit den 70er Jahren wurde Merve als Independant-Label für linke Theoretiker berühmt

In der Crellestraße mitten in Berlin-Schöneberg, nicht weit vom großen Bruder Langenscheidt sitzt der legendäre Kleinverlag Merve. Gerade hat man dort den vierzigsten Geburtstag feiern können. Ursprünglich als sozialistisches Kollektiv – als erstes erschien 1970 Althussers „Wie sollen wir ‚Das Kapital‘ lesen? – gestartet, wurde Merve als Independant-Label für linke Theoretiker berühmt. Bis heute gehören Texte von Foucault, Deleuze und Guattari zu den bestverkauften Bänden. Es gibt aber auch etwas leichtere Kost, wie ein Blick auf das Frühjahrsprogramm für 2010 zeigt. Das Flaubert-Wörterbuch von Barbara Finken und Cornelia Wild kümmert sich um fabelhafte Begriffe von Arsen bis Zucker, im Band „Die eindimensionale Frau“ gibt Nina Power eine Antwort auf die Frage: Wohin sind die interessanten Frauen verschwunden?, und ein Sammelband mit dem schlichten Titel „Harald Fricke Texte 1990 bis 2007“ präsentiert die besten Artikel des leider viel zu früh verstorbenen taz-Autors, DJs und Musikers.

Kafka per SMS: Auch Gutenberg.de nutzt bereits das Prinzip Handy-Buch

Bis heute gehören die schmalen Bändchen mit der Raute auf dem Cover in jede anständige geisteswissenschaftliche Hausbibliothek, oder natürlich auch in die Jacken- oder Umhängetasche für die Lektüre unterwegs. Kann man solche leichtgewichtigen Klassiker überhaupt noch verbessern? Die Buchmacher von Merve meinen: ja. In der Reihe „Merve Mobil“ gibt es ausgewählte Autoren nun auch als E-Book für das Handy. Realisiert wurden die Java-Apps von der Agentur Cosmoblonde, die zwar nach einer osteuropäischen Haarfarbe klingen mag, aber ihr Metier ebenfalls in Berlin betreibt. Auch Gutenberg.de nutzt übrigens die von Cosmoblonde entwickelten „Handybücher“ – für 1,99 Euro kann man sich Public Domain-Klassiker wie etwa Kafkas „Verwandlung“ auf’s Mobiltelefon schicken lassen. Strukturalistische Theoetiker sind nicht ganz so günstig zu haben: Bei Merve gibt’s die „mobilen Theorie für den Unterwegsgebrauch“ zum „Einheitspreis“ von 2,99 Euro.

Virilio wäre begeistert – seine Theorietexte verschwinden im Spiele-Ordner des Handys

Wer etwa ganz plötzlich Paul Virilios „Revolutionen der Geschwindigkeit“ unverzüglich auf dem Handy-Display haben will, muss tatsächlich nicht sehr lange warten. Zunächst schickt man eine SMS mit dem Text „mbook 1011“ an die Nummer 89998. Die Bestellung muss mit einer zweiten SMS – Text „OK“ – an eine weitere Nummer bestätigt werden. Als nächstes erhält man eine Rückmeldung, dass 2,99 Euro für die Nutzung eines „Premium-Dienstes“ auf die Mobilfunkrechnung des jeweiligen Anbieters gesetzt werden. Schließlich kommt dann per Push-SMS ein Download-Link für das E-Book selbst. Für das Herunterladen muss GPRS aktiviert sein. Das heruntergeladene E-Book landet normalerweise im Verzeichnis für Java-Spiele und wird dort wie andere Java-Apps auch gestartet. Je kleiner das Display, desto anstrengender ist natürlich die mobile Lektüre. Schön ist zwar, das nun etwa „Bartleby oder die Formel“ von Deleuze theoretisch wie praktisch in die kleinste Tasche passt. Noch schöner wäre es aber, wenn man die Wahl hätte, solche Texte auch als epub auf einem E-Ink-Gerät zu lesen, oder zumindest auch auf einem iPhone. Sonst dürften am Ende auch die Freunde der neuesten Aufschreibe- und Wiedergabesysteme mit Bartleby sagen: „I prefer not to“.

Oh, lá là, Smartnovel: Frankreich entdeckt Fortsetzungsroman für Handys

„Guten Tag, mein Name ist Thomas Drimm, ich bin fast 13 Jahre alt und gerade dabei, die Welt zu retten.“ Diesen Satz haben in den letzten Tagen zahlreiche Franzosen auf dem Display ihrer Mobiltelefone lesen können. Denn so beginnt die erste Folge von Didier van Cauwelaerts Handy-Roman „Die Abenteuer von Thomas Drimm“. Der für skurile Mystery-Stoffe auch in Deutschland bekannte Bestseller-Autor führt seine Leser in die Welt eines Teenagers, der plötzlich in Kontakt mit der Geisterwelt gerät. Parbleu! Nachdem in Japan mit dem „Keitei“ der Handy-Roman erfunden wurde, punktet also die Grande Nation nun mit dem mobilen Fortsetzungsroman. Wen wunderts: schließlich steigerten französische Tageszeitungen schon vor 150 Jahren mit Romanserien ihre Auflagen. (mehr …)

Jeder zweite Top 10-Bestseller in Japan wird auf dem Handy geschrieben

jeder-zweite-bestseller-in-japan-wird-auf-dem-handy-geschriebenJeder zweite Top Ten –Bestseller wird in Japan nicht nur als E-Book verkauft, das E-Book wird auf dem Handy gelesen. Doch damit nicht genug: die meisten dieser „Cell phone novels“ werden von flinken Teenagerfingern tatsächlich auch auf dem „Keitei“ (=Handy) geschrieben! Eine entsprechende Blog-Meldung führte vor zwei Jahren noch zu dem erstaunten Kommentar: „Das muss ein Fehler sein! Jeder zweite Besteller wird auf Handys gelesen, okay, aber: geschrieben!?“ Doch im Land der über 100 Millionen Handys geht so manches… (mehr …)

Handy-Roman bringt Suspense in die U-Bahn

McLuhan kannte noch keine Handys, aber er hatte eine Medientheorie, deren Quintessenz wie eine SMS klingt: “The Medium is the message.” Die große Preisfrage lautet also: Was sagt uns das Handy über die Gesellschaft der Gegenwart, abgesehen von: alle können überall kommunizieren? Wer schon mal einen gelesen hat, dürfte eine Ahnung davon haben. Nicht nur die Formen (vgl. WAP-Internet, Handy-Fernsehen, etc.) ändern sich, sondern auch die Inhalte passen sich an die neuen Kommunikationsgewohnheiten an. Tatsächlich lesen wir heute anders als vor zehn Jahren. Die kurzen ebenso wie die einfachen Formen sind die Gewinner: Ein Satz muss auf das Display passen, am besten gleich zwei oder drei.  So etwa wie in Carola Kickers Mystery-Thriller Perlen aus Blut: (mehr …)