Ethical Tech Giving Guide: DRM-frei schenken, ob Hardware, Software oder E-Book

Ethical-Tech-Giving-GuideAlle Jahre wieder stellt sich die Frage: was soll man beim Schenken von Digitaltechnik und Digitaldaten wie E-Books bedenken? Bereits hardwareseitig ist sind die möglichen Alternativen groß. Soll’s fair produziert sein? Ökologisch unbedenklich („Green IT“)? Oder datenschützerisch und netzbürgerlich einwandfrei — also idealerweise ohne proprietäre Firmware und mit offenem (Linux-)Betriebssystem? Wer letzteres zum Kriterium macht, sollte sich mal den aktuellen „Ethical Tech Giving Guide“ der Free Software Foundation anschauen.

Wifi-Stick, Laptop oder Smartphone „sans DRM“

Zu den online bestellbaren Produkten mit „Respects your Freedom“-Label gehören zum Beispiel Backdoor-freie Laptops von Bios & Firmware („Libreboot“) bis zum Trisquel-Linux-Betriebssystem, voll dokumentierte Mainboards oder WiFi-Router mit eingebettetem GNU/Linux. Auch mit dabei: weitgehend DRM-freie Smartphones — dabei handelt es sich um generalüberholte Samsung Galaxy-Modelle (Note 2, S2, S3) mit der DRM- und Spywarefreien Android-Version „Replicant“, welche mit „F-Droid“ auf einen eigenen App-Store mit „FOSS“-Apps („Free and Open Source“ zugreift.

DRM-freie E-Books, Audiobooks und Musik sind traditionell bei der FSF ebenfalls ein wichtiger Bereich — der Ethical Tech Giving Guide verlinkt auf ausführliche Linklisten bei defectivebydesign.org, zum Beispiel in Sachen elektronischer Lektüre.

„Lasst uns ein Jahr lang nur Bücher von Frauen veröffentlichen“

kamila-shamsieWas ist der beste Weg, einen Buchpreis zu gewinnen? Ganz einfach: ein männlicher Autor schreibt aus männlicher Erzählperspektive einen Roman, dessen Held ein Mann ist. Der zweitbeste Weg: dieselbe Geschichte, nur geschrieben von einer Autorin. Bücher von Frauen über Frauen haben dagegen kaum eine Chance. Das hat viele Gründe – angefangen bei männlich besetzten Jurys oder Verlegern, die vor allem Bücher vom Typ A einschicken.

2018 als „Year of Publishing Women“

Wie kann man das Problem lösen – soweit man das traditionelle Publishing-Modell nicht via Self-Publishing umgeht und statt Literatur-Preisen lieber die Kindle-Charts anpeilt, oder als Verlag ohnehin nur „She-Publishing“ betreibt? Die Guardian-Kolumnistin und Schriftstellerin Kamila Shamsie hat kürzlich eine radikale, aber wirksame Methode vorgeschlagen: sie rief via Guardian dazu auf, das Jahr 2018 zum „Year of Publishing Women“ zu machen. Besonders provokanter Programmpunkt dabei: „Keine Neuveröffentlichung in diesem Jahr sollte von Männern geschrieben sein“.

„Nur mit Höflichkeit kommt man nicht weiter“

2018 jährt sich nicht zufällig auch die Einführung des Frauenwahlrechts in Großbritannien: „Wir müssen von den Suffragetten lernen, dass man mit Höflichkeit bei solchen Kampagnen nicht immer notwendig oder hilfreich ist“, schreibt Shamsie. Falls manche Verlagshäuser sich der Kampagne nicht anschließen wollten, seien auch das Feuilleton, Buchhändler, Blogger und Festivals gefordet – sie müssten sagen: „In diesem Jahr haben Männer bei uns keine Chance“.

Erster britischer Verlag unterstützt die Kampagne

Zumindest ein kleiner britischer Verlag hat schon angekündigt, sich an der Kampagne zu beteiligen: „And other Stories“-Verleger Stefan Tobler sagte gegenüber dem Guardian: „Ich denke, es ist machbar – und wenn wir es nicht machen würden, wie sollte sich sonst etwas ändern?“

Abb.: Das blaue Sofa / Club Bertelsmann (c)

Ara, Firefox Phone, Jolla & Co: Fair(ere) Alternativen für Smartphone & Tablet (Überblick)

Ob Tablet, Smartphone oder neuerdings Smartwatch: vernetzte Geräte erobern die letzten Winkel des Alltags. Auch die Lektüre mit dem E-Reader findet immer öfter online statt – schon das erste Kindle war quasi eine Kreuzung aus Proto-Tablet und Mobilfunk-Schnittstelle. Weltweit existieren bereits sechs Milliarden mobiler Telefonanschlüse, rein rechnerisch sind damit fast 90 Prozent der Menschheit drahtlos erreichbar. Die Regeln der mobilen IT bestimmen dabei große Konzerne wie Apple und Google oder Amazon: nicht gerade fair, und die perfekte Alternative dazu ist nicht in Sicht. Doch immerhin können die Konsumenten etwas gegensteuern – wie, das zeigt der folgende Überblick.

Verschiedene Wege führen zum Ziel

Zahlreiche Initiativen haben sich die Forderung „Make IT Fair“ auf ihre Fahne geschrieben, etwa die „Phonebloks“-Community, die Mozilla/Firefox-Bewegung, aber auch kleinere Start-ups wie FairPhone oder Jolla Phone. Dabei führen verschiedene Wege zum Ziel: Manche Projekte werkeln an Hardware, die in puncto Sozial- und Umweltstandards nicht ganz so schlecht abschneidet wie der Durchschnitt, andere entwerfen Software, die den Nutzer weder bevormundet noch ausspioniert. Auch das elektronische Lesen kann davon profitieren – denn es findet inzwischen überwiegend auf Tablet und Smartphone statt, z.B. mit unabhängigen E-Lese-Apps wie Aldiko oder epubreader.

Fairphone – fairer geht’s nicht?

Speerspitze sind immer noch die Fairphones aus den Niederlanden – dort wird bereits bei den Ressourcen angesetzt, die zur Herstellung notwendig sind. Allerdings lassen sich bislang nicht alle rund 60 verschiedenen Materialien überprüfen, die in einem Mobiltelefon enthalten sind. Beim Fairphone hat man sich deshalb zunächst auf zwei Metalle konzentriert. Das Gerät enthält fair geschürftes Coltan und Zinn, bei der nächsten Version soll auch faires Gold dazukommen. Auch die Montage der Einzelteile in Asien findet unter fairen Bedingungen statt – Ziel ist die Einhaltung von Kernarbeitsnormen, wie sie von der International Labour Association (ILO) festgelegt wurden.

Das erste Fairphone hat sich seit Ende 2013 fast 40.000-mal verkauft, zeigt aber vor allem, wie schwer es aufgrund komplexer globaler Lieferketten ist, die Produktionsbedingungen von Elektronik auf breiter Front zu verändern. Immerhin soll es laut offizieller „Roadmap“ im nächsten Jahr ein Gerät geben, das noch fairer daherkommt. Der Endkunde erhält mit dem Fairphone 1.0 grundsätzlich schon heute ab ca. 325 Euro ein Android-Smartphone, das sich technisch im oberen Mittelfeld bewegt und dank austauschbarem Akku und Display die langfristige Nutzung ermöglicht. Wer will, kann zudem statt Googles Android ein alternatives Betriebssystem aufspielen. Einziges Problem sind derzeit große Nachfrage & geringe Produktionsmengen: seit November 2014 war das Fairphone ausverkauft, in der zweiten Januarhälfte 2015 soll jedoch wieder einmal eine kleinere Charge lieferbar sein.

Jollaphone: finnisch und crowdgefundet

Von vornherein beim Betriebssystem setzt das finnische Jolla Phone an, entwickelt von einem kleinen Team aus ehemaligen Nokia-Mitarbeitern und einer großen Community, finanziert durch Crowdfunding. Das Smartphone läuft mit Sailfish OS, einer auf Linux basierenden Benutzeroberfläche, die weitgehend mit Wischgesten bedient wird. Das muss auch so sein: Außer einem Ausschaltknopf bringt das ca. 270 Euro teure Gadget (16 GB-Version) nämlich keine weiteren Tasten mit. Neben einer begrenzten Anzahl an Sailfish-eigenen Apps kann man auch Android-Apps auf dem Gerät installieren. Mit speziellen Rückseitencovern soll sich das Jolla Phone künftig hardwaretechnisch erweitern lassen, etwa mit einer Tastatur. Auch der Akku ist austauschbar.

Deutlich günstiger als das Anfang 2014 erschienene Jolla Phone konnte man kürzlich auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo das Jolla Tablet vorbestellen – das 8-Zoll-Gerät kostete nämlich nur um die 200 Dollar, ausgeliefert werden die ersten Exemplare im Mai 2015.

Baukasten der Möglichkeiten: von Ara bis Firefox

Noch stärker modular ausgelegt als der Ansatz von Jolla ist „Ara“, ein Projekt ausgerechnet aus dem Hause Google: Das aufgebaute „Baukasten-Phone“ besteht aus einer Art Skelett aus Aluminium, dem sich verschiedene Bauteile zufügen lassen. Neben unterschiedlichen Displays, Kameras oder Prozessoren können auch personalisierte Rückseitenabdeckungen aus dem 3-D-Drucker genutzt werden. Die einzelnen Module soll man online bestellen können, entwickelt werden sie von unterschiedlichen Herstellern – doch der Marktstart wird wohl frühestens im Herbst 2015 stattfinden.

Manchen dürfte dieses Projekt bekannt vorkommen. Tatsächlich hatte der dänische Designer Dave Hakkens mit Phonebloks bereits im Vorjahr ein ähnliches Modulkonzept vorgestellt, das noch stärker auf die Vermeidung von Elektronikabfall ausgelegt war. Die Phonebloks-Community kooperiert mittlerweile allerdings mit Motorola – und Google. Der Suchmaschinenriese wirbt nun für Ara unter anderem mit dem Argument, man könne einzelne Teile schneller erneuern, hofft also wohl auch auf noch kürzere Innovationszyklen. Mal ganz abgesehen davon, dass man noch mehr Menschen in Schwellenländern mit günstigen Basismodellen ausstatten möchte – das Mission Statement enthält inzwischen den Satz: „Designed exclusively for 6 billion people“.

Da könnte es am Ende dann doch nachhaltiger sein, auf ein alternatives Betriebssystem wie Firefox OS zu setzen: Denn die vom Browser zur mobilen Benutzeroberfläche erweiterte Software der gemeinnützigen Mozilla Foundation läuft sehr gut selbst auf langsameren Smartphones, Einsteigergeräte gibt’s schon ab 90 Euro (z.B. das Alcatel Onetouch Fire E). In naher Zukunft wird der flammende Fuchsschwanz wohl auch auf Tablets und Smartwatches zu sehen sein. Und noch ein weiteres Open Source-Betriebssystem für mobile Gadgets steht in den Startlöchern: das auf Grundlage des Linux-Ablegers Ubuntu entwickelte Ubuntu Touch. Im Februar 2015 soll in Europa erstmals ein Ubuntu-Phone an den Start gehen.

Fairphone

Jolla Phone/Tablet

  • Betriebsystem: Sailfish OS (auf Linux-Basis). Hardware ohne faire Anteile, austauschbarer Akku
  • Preis: ca. 270 Euro (Jolla Phone)
  • Info: www.jolla.com/jolla

Project Ara (Motorola/Google)

  • Betriebsystem: Android. Modulare Hardware fürs Smartphone, ohne fairen Anteil. Einzelne Teile (inkl. Akku) austauschbar. Marktstart: 2015
  • Preis: unbekannt, abhängig von den verwendeten modularen Komponenten
  • Info: www.projectara.com

Firefox Phone

Ubuntu Phone

  • Betriebssystem: Ubuntu OS, soll als Alternativ-OS für Smartphone-Modelle angeboten werden, die z.Zt. mit Android laufen (z.B. das Aquaris E 4.5). Hardware bei bisher angekündigten Modellen ohne faire Anteile, Akku ggf. austauschbar.
  • Preis: ab ca. 170 Euro.
  • Info: www.ubuntu.com

Abb. oben: Fairphone/Flickr (cc)

Abb. Geräte: Hersteller