Toots statt Tweets: Mastodon macht dem Zwitschervogel Konkurrenz — non-kommerziell, non-proprietär, dezentral

Exhuming-the-First-American-MastodonEin Mastodont trampelt und trötet durch die Mikroblogging-Szene: immer mehr Nutzer probieren derzeit „Mastodon“ aus, eine Twitter-Alternative, die bereits seit 2016 am Start ist, entwickelt vom deutschen Programmierer Eugen Rochko. Statt Zwitschervogel kommuniziert die wachsende Community im Zeichen des Mammuts mit langen Stoßzähnen: wer einen Post abschickt, klickt auf „Tröt!“, ein Post heißt „Toot“, statt Retweet gibt es analog dazu „Retoots“. Anders als bei Twitter ist die Toot-Länge auch noch großzügiger: 500 Zeichen sind erlaubt.

Den grundsätzlichen Unterschied zu Twitter bemerkt man schon bei der Anmeldung: man bekommt nicht ein einfaches „Handle“ mit At-Zeichen, sondern eine E-Mail-ähnliche Adresse, in meinem Fall etwa „@ebooknews@social.wiuwiu.de“. Die Mikroblogging-Community ist nämlich dezentral organisiert, ähnlich den „Pods“ bei der freien Facebook-Alternative Diaspora kann jeder/jede auf dem eigenen Server eine Mastodon-„Instanz“ mit individueller Domain betreiben. Mastodon besteht somit insgesamt aus einer Föderation diverser Instanzen (manche sind auch nicht-öffentlich, denn ob man sich der Föderation anschließt oder nicht, können die Betreiber selbst entscheiden.)

Wer sich einen Mastodon-Account zulegen möchte, konsultiert am besten erstmal die Instanzen-Liste unter https://instances.social/, hier wird man in einem Auswahldialog durch mehrere Schritte geführt, von den bevorzugten Sprachen über die Größe der Instanz bis zu Content-Filterungs-Optionen. Inzwischen hat Mastodon weltweit schon mehr als eine Million Nutzer auf mehr als 1000 Instanzen — entsprechend dieser Struktur gibt es auch zwei Timelines — einmal die lokale, in meinem Fall social.wiuwiu.de, einmal die föderierte Timeline.

Das „Fediverse“ genannte Social Media Netzwerk reicht aber noch weiter — denn alle Dienste, die wie Mastodon auf dem ActivityPub-Standard basieren, können eingebunden werden, etwa Hubzilla, Pleroma, Prismo oder die Youtube-Alternative PeerTube. In diesem erweiterten Fediverse sind bereits etwa 2,5 Millionen Nutzer unterwegs, die Zahl der Instanzen (also Server) liegt bei mehr als 2.200. Weiterer Zuwachs ist zu erwarten, aber in größeren Dimensionen gar nicht notwendig, denn das schöne dabei ist ja: weil Mastodon & Co. nicht dem Interesse von Shareholdern verpflichtet sind, gibt es keinen Wachstums- und Monetarisierungszwang.

Abb.: Exhuming the First American Mastodon, 1806 painting by Charles Willson Peale, Public Domain

BoD profitiert vom Self-Publishing-Boom: Schon jeder zweite neue Indie-Titel wird in Norderstedt gedruckt

bod-buch-produktion-on-demandDass man bei „Books on Demand“ heutzutage unweigerlich an das Unternehmen BoD denkt, hat sozusagen schon historische Gründe — denn den Print-On-Demand-Dienstleister aus Norderstedt bei Hamburg gibt es nun schon seit zwanzig Jahren. Am 1. Juli 1998 erschien mit der „Die Verfassung der Freien- u. Hansestadt Hamburg“ das erste Buch über BoD im Print on Demand. Als Abteilung der Libri GmbH gegründet, ist BoD heute nach eigenen Angaben europäischer Markt- und Technologieführer — und profitiert nicht nur vom PoD-Trend im Verlagswesen, sondern erst recht vom Self-Publishing-Boom des letzten Jahrzehnts.

Dabei wird natürlich weitaus mehr als nur gedruckt — BoD organisiert auch den Vertrieb: Mehr als 80 000 Self-Publishing-Titel sind derzeit via BoD im gesamten Buchhandel verfügbar. Seit Einführung der E-Book-Publikation bei Books on Demand im Oktober 2010 kämen noch über 60.000 lieferbare E-Books hinzu (dem E-Book-Boom ist es im übrigen auch zu verdanken, dass man heutzutage meist von Print-On-Demand spricht, nicht von Book-On-Demand). Insgesamt veröffentlichen mehr als 40.000 Autoren ihre Bücher mit BoD, dazu kommen etwa 2.500 Verlage.

„War in Deutschland Ende 2016 noch etwas mehr als jede vierte Print-Neuerscheinung ein Self-Publishing-Titel, so ist Ende 2017 bereits jede dritte Erstauflage selbstverlegt“, verkündete BoD anlässlich des Firmenjubiläums. Das treibt auch die BoD-Umsätze — denn die Hälfte der im Buchhandel neu gelisteten Selfpublishing-Titel wird in Norderstedt gedruckt.

Insgesamt sind sogar mehr als 3,6 Millionen Titel „druckbereit“, können also in kurzer Zeit in Kleinstauflage ab einem Exemplar oder auch in größeren Mengen bereitgestellt werden — die Titelzahl stieg seit Anfang 2017 um satte 33 Prozent. Das Unternehmen wächst mit dem Boom der Branche — die Produktionskapazitäten wurden im letzten Jahr um 50 Prozent ausgeweitet.

Blizzard Publishing ist da: World of Warcraft-Macher gründen Verlag

wow-publishingWow-Publishing, das wär’s doch gewesen! Aber nein, Blizzard Entertainment — bekannt durch Game-Universen wie World of Warcraft, Starcraft oder Diablo — hat jetzt schlicht und einfach „Blizzard Publishing“ gegründet. Sozusagen die Fortsetzung des Storytellings mit anderen Mitteln: “Großartige Geschichten und anregendes Artwork haben immer das Zentrum unseres Tuns ausgemacht“, so Lydia Bottegoni, bei Blizzard zuständig für Story- und Franchise-Entwicklung. “Mit Blizzard Publishing haben wir nun neue Möglichkeiten, die Geschichten und das Design rund um unsere Spielewelten mit Blizzard Gamern sowie Fantasy- und Sci-Fi-Fans rund um den Globus zu teilen.“

Es gibt sogar WoW-Ausmalbücher & -Kochbücher

Erneut wird damit ein Games-Macher zum Buchmacher, erst kürzlich hatte Ubisoft einen ähnlichen Schritt verkündet. Das Angebot von Blizzard ist allerdings erstaunlich breit: neben erwartbaren Roman- und Manga-Versionen zum Thema „World of Warcraft“ sind auch WoW-Ausmalbücher für Erwachsene (!) sowie Kochbücher („The Official Cookbook of World of Warcraft“) dabei.

Auch E-Book-Versionen geplant

Im Unterschied zu Ubisoft ist Blizzard zudem auch medial so breit wie möglich aufgestellt — neben klassischen Print-Büchern und Manga-Versionen wird es auch Hörbücher und E-Books geben. Das dürfte zusätzliches Geld in die Kassen spülen, obwohl die Spieleschmiede nicht gerade darben muss: Blizzard Entertainment hatte zuletzt einen Jahresumsatz von 1,5 Mrd. Dollar.

(via Gamereactor.eu)

Globales Verlagsranking 2016: Das sind die wahren „Big Five“ der Buchbranche

freie-quellen-fuer-ebooks-und-hoerbuecherPublikumsverlage produzieren Belletristik und Sachbücher für das ganz große Publikum — was sie auch in der öffentlichen Wahrnehmung ganz nach vorne drängt. Bestes Beispiel sind die „Big Five“ im englischsprachigen Raum, sie werden in der Berichterstattung gerne mal als „die Branche“ genommen, z.B. was den Umgang der Zunft mit E-Books oder die Zukunftsfähigkeit von Verlagen allgemein betrifft. Das „Global Ranking of the Publishing Industry“ von Rüdiger Wischenbart/Livres Hebdo (veröffentlicht etwa bei Publishers Weekly) rückt zum Glück die Dimensionen mal wieder zurecht und zeigt: die Buchbranche ist tatsächlich weitaus größer und generiert noch immer satte Umsatzzuwächse. Alleine schon deshalb, weil mindestens die Hälfte der Einnahmen mit Fachbüchern und Schulbüchern erzielt werden.

Pearson ist weltweit die Nr. Eins

Die Top Fünf der Buchkonzerne weltweit kamen 2015 auf insgesamt 24 Milliarden Dollar Umsatz. Die „Big Five“ der englischsprachigen Publikumsverlage dagegen schafften nicht mal 10 Milliarden Dollar. So wundert es auch nicht, dass an der globalen Publishing-Spitze vier ganz andere Namen stehen, nämlich Pearson (GB), ThomsonReuters (Kanada), die RELX Group (GB/NL/US) und WoltersKluwer (NL). Erst auf Platz fünf kommt mit Penguin Random House die Nummer Eins der „klassischen“ Big Five. Doch immerhin, so haben durch die zum Bertelsmann-Konzern gehörende Verlagsgruppe die „Big Five“ zumindest noch einen Fuß in der Tür. Hachette schafft es nur auf Platz Acht, Harper Collins auf Platz 13, Macmillan (als Teil des Holtzbrinck-Konzerns) erreicht noch Patz 19, und ganz abgeschlagen liegt schließlich Simon & Schuster auf Platz 29.

Chinesische Verlage auf dem Vormarsch

Geht man all die Namen durch, fällt übrigens auf: Unter den Top 20 sind nicht nur viele europäische Wissenschafts- und Fachbuchverlage, man findet dort inzwischen auch vier chinesische Großverlage. Deutsche Konzerne sind nur dreimal vertreten, neben Penguin Random House und Holtzbrinck auch der (anteilig von Holtzbrinck gehaltene) Wissenschaftsverlag Springer. Insgesamt umfasst das Ranking 52 Plätze, so das weiter unten auch noch hiesige Schulbuchverlage wie Westermann, Cornelsen & Klett auftauchen.

(via The Digital Reader & Publishers Weekly)

Abb.: State Library Victoria Collections (cc-by-2.0)

Vom E-Book zum Printbuch – 10 Tipps für Buchblock- & Cover-Gestaltung

printbuch“Sieht irgendwie self-published aus!”. Ja, es stimmt schon: Man soll ein Buch nie alleine nach seinem Cover oder Layout beurteilen. Doch ein professionelles Design ist für das Marketing unabdingbar, möchte man von Lesern und auch Buchhändlern dauerhaft ernst genommen werden. Der neue Autoren-Service von ebooknews press möchte Indie-AutorInnen deswegen dabei unterstützen, neben elektronischen Büchern (für die E-Book-Produktion empfehlen wir unseren Kooperationspartner „Mach Mir Ein E-Book„) auch gut gemachte Paperback-Versionen anzubieten, die sich für den Vertrieb über den Buchhandel mit Hilfe von deutschen Print-On-Demand-Dienstleistern eignen, und von Buchhändlern tatsächlich geordert werden. (Bis zum 31.12.2016 gilt das besonders preisgünstige Einstiegsangebot…). Worauf Indie-Autoren beim Weg vom E-Book zum Print-Buch auf jeden Fall achten sollten, zeigt unsere kleine Übersicht…


Cover:


Cover vorne:

Das Print-Cover wird nach anderen Kriterien gestaltet als das E-Book-Cover: es sollte auch im tatsächlichen Format gut aussehen, nicht nur als winziges Thumbnail oder Produktfoto im Web. Den Titel nicht zu groß setzen, aber auch nicht zu klein — Bild und Schrift in die richtige Beziehung setzen. Dabei auch auf Farbe, Schriftart und Ausrichtung achten! Es muss übrigens gar kein Bild zu sehen sein, nicht selten macht auch eine rein (typo-)grafische Lösung Sinn.

Logo/Label

Auch als Indie-Autor kann man sehr gut ein Logo oder Label nutzen, das anstelle des Verlagsnamens auf Cover, Buchrücken und Rückseite erscheint, und auf diesem und weiteren Büchern dann die Wiedererkennbarkeit verbessert. Ob ein Buch tatsächlich self-published ist, erfährt der aufmerksame Leser natürlich am Ende trotzdem, nämlich im Impressum (siehe unten).

Rückseite:

Die Cover-Rückseite kann Teaser-Text, Kritikerstimmen und eine Kurz-Bio des Autors enthalten — sie ersetzt in der Buchhandlung alle Angaben, die man auf einer Artikelseite im Webshop erwarten würde. Diese Para-Texte sollte man aber für die Buchausgabe individuell konzipieren, und nicht einfach 1:1 etwa aus den Angaben im Kindle Store übernehmen. Im unteren Bereich Coverrückseite Platz für den Barcode reservieren. Neben den Barcode kann man sehr gut Label/Editions-Namen, ISBN-Nummer etc. platzieren.

Autorenfoto nutzen

Um dem Buch bzw. dem Autor nicht nur einen Namen, sondern auch ein Gesicht zu geben, empfiehlt sich die neben der Kurz-Bio auf der Rückseite die Einfügung eines kleinen Autorenfotos.

Autoren- oder Label-URL angeben

Die URL der Autorenwebsite bzw. des Labels gehört natürlich auch unbedingt auf die Cover-Rückseite, denn dort erfahren die Leser mehr über den Autor und dessen Bücher.


Buchblock:


Vorsatzblätter:

Die Abfolge der ersten vier Seiten ist traditionell stark standardisiert, in der Regel steht auf Seite eins („Schmutztitel“) oben ein Kurztitel, die Rückseite (Seite zwei) bleibt frei, auf Seite drei folgt der Haupttitel, auf der Rückseite (S. vier) das Impressum. Auf Seite fünf beginnt der eigentliche Inhalt.

Paginierung:

Die Seitenzählung beginnt erst nach dem Impressum (Seite vier), also frühestens mit der Seitenzahl 5. Das Inhaltsverzeichnis erscheint ohne Seitenzahl, Leerseiten (z.B. am Ende von Kapiteln) ebenfalls.
Richtig paginiert ist das Buch, wenn gerade Seitenzahlen links, ungerade Seitenzahlen rechts stehen.

Impressum:

Vorsicht, Impressumpflicht! Unbedingt enthalten sein müssen Erscheinungsjahr, Verlagsname & Verlagsort bzw. Autorenname und Anschrift, sowie (falls vorhanden) ISBN-Nummer. Auch Angaben zum Copyright/zu Lizenzen verwendeter Inhalte (auch Abbildungen!) gehören ins Impressum. Das Impressum steht in der Regel vorne (Rückseite Haupttitel), kann aber auch ans Ende gesetzt werden („Kolophon“). Bei der Nutzung von Print-On-Demand-Anbietern sind zusätzlich auch deren Hinweise zur Impressum-Gestaltung zu beachten.

Typographie:

Langweilige Standardschriften (Times New Roman, Arial) sollte man besser nicht verwenden, lieber individuelle Fonts für Titelei, Überschriften sowie Fließtext auswählen. Für ein schöneres Schriftbild sorgen auch echte Anführungszeichen, echte Gedankenstriche (statt Minuszeichen) sowie echte Auslassungszeichen (statt drei einzelner Punkte).

Werbetafeln:

Wer bereits mehrere Titel produziert hat, sollte die letzten Seiten des Buches unbedingt dafür nutzen, mit Coverabbildungen, Teasertexten und Angaben zu Bestellmöglichkeiten darauf hinzuweisen — gerade auch bei Reihen & Serien ein wirksames Mittel, damit die LeserInnen am Ball bleiben. Eine kurze Leseprobe macht ebenso Sinn…

5 schwarze Schwäne für die Big 5: Shatzkins düstere Prognose für den US-Buchmarkt

mike-shatzkinVom Zeitpunkt her überraschend, mit extremen Auswirkungen, nicht direkt vorhersehbar, aber im Nachhinein gut erklärbar — das zeichnet ein „Black Swan Event“ aus. Droht der US-Buchbranche in nächster Zeit solch ein Ereignis? Momentan scheint die Situation der großen Verlage (auch als „Big Five“ bekannt) stabil, doch Branchen-Guru Mike Shatzkin zufolge könnte sich das jederzeit ändern — die schwarzen Schwäne scharren sozusagen schon mit den Hufen. Im einem Interview für das wöchentliche Podcast „Kindle Chronicles“ nannte Shatzkin jetzt sogar fünf solcher Umbruch-Szenarien.

  1. Amazon schluckt einen der verbliebenen Großverlage, was dem bisherigen Boykott von Amazon-Titeln durch Barnes & Noble und die unabhängigen Buchhändler wohl ein Ende bereiten dürfte.
  2. Barnes & Noble blutet noch schneller aus und geht pleite — womit die „Big Five“ auf einen Schlag 10 bis 15 Prozent ihres Absatzmarktes verlieren würden.

  3. Amazon beschleunigt den Roll-Out eigener stationärer Buchhandlungen — und eröffnet nach den ersten Erfahrungen in diesem Sektor plötzlich hunderte Läden pro Jahr.

  4. James Patterson und ein knappes Dutzend weiterer Autoren eröffnen einen unabhängigen „Verlag der Autoren“, nach dem Vorbild der von Schauspielern 1919 gegründeten „United Artists“. Auch mit einem solchen Schritt dürften sich die Spielregeln für die „Big Five“ drastisch verändern.

  5. Amazon Publishing versammelt die Mehrheit der neuen Bestseller-Autoren im Rahmen der eigenen Imprints, die „Big Five“ im Kampf um die Edelfedern der Zukunft mehr oder weniger leer aus.

Dass alle fünf Schwarzen Schwäne durch die Branche flattern, ist wohl mittelfristig eher unwahrscheinlich, doch die eine oder andere schwarze Feder dürfte man sehen, die von Shatzkin genannten Szenarien klingen sehr realistisch…

(via teleread.org)

Bücher aus der Tube: Verlags-Startup „Community Editions“ setzt auf Popularität von Youtube-Stars

celebrity-tie-inWarum erst mühsam die Social-Media-Clout eines Buchautors aufbauen, den niemand im Netz kennt? Umgekehrt geht’s einfacher — immer mehr Youtube-Stars & Sternchen zweitverwerten ihre digitale Popularität für das Buchmarketing, sozusagen das Buch zum Clip. Auch Verlage setzen mittlerweile auf diese Karte, neuestes Beispiel: Bastei Lübbe. Die Kölner haben zusammen mit dem Medienunternehmen VEMAG (vertreibt Bücher u.a. via Discounter & Einkaufszentren) und den VideoDays (regelmäßig stattfindendes Come-Together der Youtube-Szene) ein Publishing-Startup namens „Community Editions“ gegründet.

„Digital aktive Trendsetter“

Als potentielle Autoren hat Bastei-Vorstandschef Thomas Schierack „Trendsetter, die meist nur digital aktiv sind“ im Auge. Ihnen wolle man „Bücher als zusätzliches Vertriebsmedium erschließen, um die Bandbreite und Zielgruppe der Digital-Influencer zu verbreitern“. Deren Follower wiederum sollen zu Lesern werden: Auf diesem Wege könne man es schaffen, „ein junges Publikum wieder an das Medium Buch heranzuführen.“

Beauty, Lifestyle, Games & Co.

Auch die anvisierten Content-Themen scheinen auf die Zielgruppe gut zugeschnitten zu sein — etwa Lifestyle, Beauty, DoItYourself, ebenso aber Gaming und Sport. Anfang 2017 sollen die ersten Titeln auf den Markt kommen. Natürlich auch gedruckt. Denn die Fangemeinde wolle „etwas Bleibendes von ihren Idolen in den Händen halten“, so VideoDays-Chef Christoph Krachten. Idealerweise auch altersgruppen übergreifend: „Die Influencer stehen für Inhalte, die auch ein Publikum interessieren, das nicht unbedingt aus Digital Natives besteht“.

Kurs auf Bestseller-Liste

Großes Vorbild sind die USA: dort haben es Youtuber wie Tyler Oakly („Binge“), PewDiePie („This Book Loves You“) oder Dan Howell und Phil Lester („This Amazing Book is Not on Fire“) mit ihren Titeln auf Anhieb in die Top 20 der Bestseller-Liste geschafft und Hunderttausende Exemplare verkaufen können. In Deutschland setzt bereits das Verlags-Startup Plötz & Betzholz (in Kooperation mit Ullstein) auf das Modell „Celebrity-Tie In“.

(via Buchreport & Boersenblatt.net)

Abb.: Gage Skidmore (cc-by-sa-2.0)

Evolutionäres Buch-Marketing: Penguin nutzt Dawkins Biomorph-Algorithmen für individuelle Coverbilder

Penguin-biomorpht-Dawkins-CoverPreisfrage: Wer hat das erfolgreichste Mem der letzten vierzig Jahre geschaffen? Ganz einfach: Richard Dawkins. Sein Mem heißt: Mem. Denn dass wir mittlerweile besonders wirkungsmächtige Ideen und Begriffe als eine Art kulturelles Gen bezeichnen, verdanken wir dem britischen Evolutionsbiologen und Autor vieler (populär-)wissenschaftlicher Bestseller wie „The Selfish Gene“, „The Blind Watchmaker“ oder „Climbing Mount Improbable“.

Evolutions-Game mit Schiedsrichter

Schon frühzeitig spannte Dawkins auch clevere Algorithmen ein, um evolutionäre Prozesse auf dem PC-Bildschirm anschaulich zu machen — parallel zu „The Blind Watchmaker“ erschien 1986 ein gleichnamiges Computerprogramm, das verschiedene Generationen zweidimensionaler Strichwesen (von Dawkins „Biomorphe“ genannt) erzeugte. Der Betrachter griff hier selbst in den Mutationsprozess ein, indem er frei nach Gusto bestimmte Exemplare einer Generation auswählte.

Biomorph-Wettbewerb

Der Penguin-Verlag hat die Biomorph-Algorithmen — inzwischen Open Source — jetzt vor dem Aussterben bewahrt und setzt sie ein, um die Neuauflage diverser Dawkins-Titel mit individuellen Covern zu schmücken. Auf der sehr schön gemachten Promo-Page mountimprobable.com kann man zudem selbst per Mausklick Biomorphe erzeugen und an einem Wettbewerb teilnehmen. Die Gewinner erhalten ein Exemplar des gewählten Bandes mit persönlich generiertem Muster. Aber auch für alle anderen Versionen gilt: alles Unikate. Oder besser gesagt: „Kein Cover gleicht exakt einem anderen“.

„Hands-on Darwinian Selection“

„Because the creatures breed in a computer, you can whistle through many generations of evolutions in a matter of minutes. A few minutes of playing with this program gives you a hands-on, vivid feeling for how Darwinian selection works“, schreibt Dawkin selbst über die zweidimensionalen Geschöpfe. Zugleich ist die Aktions-Seite von Penguin natürlich ein schönes Beispiel dafür, wie intelligentes Buchmarketing im Web funktionieren kann.

(via Publisher News)

Vom Browser in den Reader: Google Docs erlaubt jetzt auch epub-Export

google-docs-erlaub-epub-exportNutzer von Google Docs haben jetzt eine weitere interessante Exportfunktion für die online im Browser erstellten Dateien: sie können die Dokumente ab sofort auch im epub-Format speichern. Dazu wählt man ganz einfach unter „Files“ das Download-Menü und klickt auf „epub-Publication (.epub)“.
„To make it easier for authors, publishers, and academic institutions to create works that can be consumed digitally, today we’re launching the ability to export Google Docs files as EPUB publications“, heißt es dazu auf dem Produktblog Googleappsupdates.

Besondere Optionen beim Export werden allerdings nicht angeboten, nicht mal die Erstellung eines Inhaltsverzeichnisses oder einer Titelseite sind möglich. Somit eignet sich das neue Feature von Google Docs kaum zur E-Book-Produktion, sondern vor allem dazu, längere Artikel und Präsentationen komfortabel in ein Format zu bringen, das man direkt auf dem E-Reader bzw. mit einer E-Reading-App lesen kann.

Titel und Kapitelüberschriften des Google-Doc-Dokumentes markiert man zu diesem Zweck vorher mit dem „h1“-Tag („Heading 1“), den Fließtext als „Normal Text“. Wer tatsächlich den Sprung von der Textverarbeitung direkt zum E-Book machen möchte, sollte aber besser weiterhin z.B. ein spezielles Plugin wie writer2epub für die Open-Source-Textverarbeitung OpenOffice/LibreOffice Writer nutzen.

Der beste Weg zur E-Book-Erzeugung via Google Docs dürfte trotz epub-Export-Feature bis auf weiteres darin bestehen, entsprechend formatierte Dokumente im html-Format zu exportieren und dann mit E-Book-Tools Calibre, Sigil & Co. weiterzubearbeiten.

(via @buchfieber & @derlektor)

„Plädoyer für Slow Media“: Turi2 startet Print-Edition

turi-goes-printPeter Turi ist ein Mann der findigen Relaunches. Früher mal Betreiber von kressreport, ging 2006 sein Medien-Branchenportal turi2 an den Start, dann folgte turi3 inklusive Newsstream und turi2-TV, jetzt kommt mal was ganz anderes: Projekt turi4, und zwar ganz klassisch auf Papier. „Wir wollen mit einem ‚Magazin für Medienmacher‘ den Beweis erbringen, dass auch bei Brancheninfos Print wirkt“, so der Journalist und Verleger.

Die erste Folge der neuen „Vierteljahresschrift für Medien und Marken” namens „turi2edition“ ist nicht ganz zufällig selbsreferentiell hoch drei (auch ohne den Working Title turi4 im Titel): „Print. Ein Plädoyer für Slow Media“ prangt auf dem Cover. In diesen Tagen erscheint das 1 Kilogramm schwere und 200 Seiten dicke Konvolut in einer Auflage von 20.000 Exemplaren, Preis: 20 Euro.

Jedes dieser von Peter Turi (wohl mit Blick auf Daniel Hölys „Bookazine“ namens Shift) „Bugazins“ getauften Print-Titel wird einen eigenen Themaschwerpunkt erhalten. Und solle zugleich den „Anspruch haben, als Sammlerstück seinen Platz im Buchregal des Käufers zu finden“, so der Herausgeber. Das Mission Statement lautet, kaum überraschend: Medienmacher und interessierte Konsumenten darüber informieren, wie Medien und Kommunikation in Deutschland funktionieren

Diesmal geht’s wie gesagt um Good Old Print: „Auf 208 Seiten entführt Herausgeber Peter Turi die Leser in die wunderbare Welt der zurückgelehnten, nachhaltigen Wissensvermittlung. Er stellt bemerkenswerte Journalistinnen und kluge Verlagsleiter vor und lässt Denker und Praktiker zur Zukunft der Medien zu Wort kommen“, schreibt Peter Turi auf turi2.

Tja, und ohne jetzt allzu adventlich klingen zu wollen: mehr Achtsamkeit und Entschleunigung, das könnte den Medien wirklich mal gut tun…